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Mansplaining – wenn Männer Frauen die Welt erklären

Wenn er tief Luft holt, um dann zum Beispiel «Süsse» oder «Junge Frau» auszuhauchen, dann ahnt sie schon: Ein Vortrag beginnt, in dem er glaubt, ihr die Welt erklären zu können. Was lässt sich gegen Mansplaining tun?

Mansplaining einfach abschalten

«STOPP – JETZT BIN ICH DRAN!» Foto: serazetdinov, iStock / Getty Images Plus

«Junge Frau, jetzt hören Sie mir mal zu …», «Ich erklär Ihnen das jetzt mal …» - «Also, das ist ja so …» Und schon beginnt ein Vortrag, den die Welt nicht gehört haben muss. Weil Frau das ohnehin schon (besser) weiss. Mansplaining eben.

Mansplaining findet statt,

… wenn ein Mann grossspurig ein Thema erklärt, ohne zu berücksichtigen, zu bemerken oder überhaupt in Erwägung zu ziehen, dass der Gesprächspartner – meist eine Frau – darüber mehr wissen könnte als er

… und wenn er sie dabei kaum zu Wort kommen lässt.

Mansplaining – ein kreativer Begriff

Der Begriff Mansplaining entstand durch einen 2008 veröffentlichten Essay der US-Amerikanischen Publizistin Rebecca Solnit. Darin berichtet sie von einer Party, auf der sie zugetextet wurde. Der Gastgeber erzählte ihr weitschweifend von einem sehr wichtigen Buch. Weil er sie dabei aber nicht zu Wort kommen liess, kam erst nach einem längeren Vortrag bei ihm an, dass sie selbst das Buch geschrieben hatte.

Der Essay stiess auf grosse Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, weil auch die «Los Angeles Times» ihn abdruckte. In Deutsch ist er in der Essay-Sammlung «Wenn Männer mir die Welt erklären» zu lesen.

Darin hat Rebecca Solnit den Begriff «Mansplaining» allerdings nicht verwendet. Ihr Artikel war lediglich der Trigger für die Wortschöpfung aus zwei zusammengesetzten Wörtern – aus «man», also Mann, und verkürzt aus «explain», also erklären. Mittlerweile wurde das Wort im Oxford Dictionary aufgenommen.

Mansplaining – kennen Sie das auch?

Vorweg: Nicht alle Männer erklären Frauen die Welt. Zum Glück. Viele Männer kommunizieren mal mehr, mal weniger auf Augenhöhe. Und dennoch – wohl alle Frauen wissen, was gemeint ist. Dass Männer Frauen die Welt erklären, kommt vor und demonstriert eine abwertende Haltung Frauen gegenüber.

«Jede Frau weiss, wovon ich spreche. Es ist jener Dünkel, der jeder Frau auf jedem Gebiet ab und an das Leben schwer macht; der verhindert, dass Frauen ihre Meinung äussern oder, falls sie es doch wagen, dass sie gehört werden; der junge Frauen brutal zum Schweigen bringt, indem er ihnen, ähnlich wie Belästigungen auf der Strasse, vermittelt, dass ihre Welt nicht ihre ist.» – Rebecca Solnit

«Puh, er doziert wieder …»

Was tun, wenn ein Mann mit seinem Wissen prahlt, sich selbst gern reden hört und/oder offensichtlich davon ausgeht,  dass sie sowieso keine Ahnung hat? Mansplaining löst vielfältige Gefühle aus.

Die einen staunen, die nächsten sind voll genervt, andere peinlich berührt. In manchen Fällen kann Mansplaining richtig aggressiv machen – dann, wenn es Frauen ausbremst oder der Verursacher ihnen nahe steht.

Mütter sind besonders betroffen

Mütter stehen besonders häufig im Fokus von Besserwissern. Was denn, das Kind schreit? Das Kind trotzt? Das Kind hat Hunger? Obwohl sie Expertinnen sind für Gebären und Stillen, Babybrei und Fiebermessen, Trösten und Erziehen und ihr Kind am besten kennen, müssen sie sich besonders häufig gegen Einmischung wehren.

«Mütter sind schuld. Und zwar an so ziemlich allem, wenn es um die Entwicklung von Kindern geht. Dahinter steckt eine durchdringende Ideologie, die mit ihren mächtigen Schlagworten sogar selbstbewusste Mütter unter Druck setzt», schrieb Pädagogin Prof. Dr. Margrit Stamm als Gastkommentatorin in der Aargauer Zeitung.

Was also tun?

1 Frau kennt den Redner kaum.

Auf einer Party textet Mann Frau zu. Muss Frau sich das anhören? Nö. Also, wenn möglich, einfach gehen, und sich einen besseren Gesprächspartner suchen!

2 Der Mansplainer ist Kollege oder Chef

Wenn sich ein Kollege oder gar der Chef immer wieder aufplustert und Meinungen wie Tatsachen formuliert, sind in der Regel auch andere betroffen. Da hilft es, sich zusammen zu tun und das Wunderrad von Maja Storch und Julius Storch einzusetzen. Bei diesem Lösungsansatz geht es darum, sich gemeinsam bestenfalls fünf mögliche Verhaltensweisen zu überlegen, die das Problem lösen könnten. Diese lassen sich je nach Stimmungslage und Rahmenbedingung einsetzen. Zum Beispiel:

  • Lässt der Mansplainer eine Frau nicht zu Wort kommen, helfen die anderen auf diese Weise: «Ruth, was ist deine Meinung dazu?», «Anja, du bist doch Expertin in dem Thema.»
  • Nach einem Meeting, in dem der Betroffene nicht herablassend war, loben alle die gute Arbeitsatmosphäre und wertschätzen, dass jeder jeden ausreden liess.
  • Wer unterbrochen wird, fällt dem Dauerredner bestimmt, aber freundlich, ins Wort: «Mir ist es wichtig, ausreden zu dürfen.» «Mein Redebeitrag ist noch nicht fertig.»
  • Eine Person wird gebeten, mit dem Dauerredner ein Grundsatzgespräch zu führen.
  • Alle lassen sich gemeinsam vom Betriebsrat oder der Gleichstellungsbeauftragten beraten.

3 Der Partner erklärt die Welt

Überheblichkeiten des Partners kränken besonders. Sich beleidigt abzuwenden oder auf Rache zu sinnen, hilft allerdings nicht weiter. In einem Interview erklärt der Psychotherapeut Raimondo Lettieri aus Zürich, wie sich sinnvoll mit Beleidigungen und Verletzungen umgehen lässt. Dazu gehört, das Problem anzusprechen, möglichst ohne das Gegenüber blosszustellen.

Mansplaining stört immer wieder die Beziehung? Am besten lässt sich das Problem klären, wenn Zeit und Ruhe sind.  «Du, es gibt etwas, was ich mit dir besprechen möchte. Wann wäre es dir lieber? Jetzt oder gleich?» Stets gilt es, nicht über den anderen zu urteilen.

Manchen Menschen fällt es schwer, sich zu bremsen, wenn sie einmal im Redefluss sind. Vielleicht lässt sich eventuell ein Zeichen ausmachen oder ein Wort verabreden, das signalisiert: 

«STOPP – JETZT BIN ICH DRAN!»