Leben > Krisen & Hilfe126 Happy Ends: Der Kampf gegen Mobbing ist noch lange nicht beendet – Bilanz einer Anti-Mobbing-Coachin Laura Ackermann «Mobbing ist nur möglich, wenn man wegschaut.» Mit diesem Appell blickte Anti-Mobbing-Coachin Laura Ackermann im Januar 2020 auf ihr erstes Jahr mit dem Coaching-Angebot Be Nice zurück. Was du hier liest, ist ihr persönlicher Erfahrungsbericht. Die Zahlen darin sind ihre eigene Bilanz. Wir ergänzen, woran du Mobbing erkennst und wo Eltern und Kinder in der Schweiz kostenlos Hilfe bekommen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Gemeinsam für Happy Ends sorgen: Laura Ackermann von Be Nice sensibilisiert fürs Thema Mobbing. Bild: Getty Images, siraanamwong Wo Eltern und Kinder in der Schweiz Hilfe bekommen Dieser Bericht schildert auch Kinder, die nicht mehr leben wollten. Machst du dir um dein Kind Sorgen, gibt es kostenlose Anlaufstellen. Ein bezahltes Angebot brauchst du dafür nicht. 147: Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche, rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich. Der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung.[1] Pro Juventute Elternberatung: rund um die Uhr für Eltern da, per Telefon, WhatsApp und E-Mail.[2] Die Schule: Passiert das Mobbing dort, informierst du eine Lehrperson, die Schulsozialarbeit oder die Schulleitung. Reagiert die Lehrperson nicht, wendest du dich an die nächsthöhere Stelle.[3] 143: Die Dargebotene Hand ist rund um die Uhr für Erwachsene erreichbar.[4] Bei akuter Lebensgefahr gilt der Sanitätsnotruf 144.[5] Handle nicht im Alleingang. Die mobbende Person oder deren Eltern direkt zu konfrontieren, verschärft die Lage meist.[3] Was du von der Schule verlangen kannst, steht in unserem Beitrag zu Mobbing in der Schule. Äussert dein Kind Suizidgedanken, helfen die nächsten Schritte aus unserem Beitrag Wenn sich das eigene Kind das Leben nehmen will. Mobbing zu beenden ist möglich! Das weiss ich aus eigener Erfahrung. Seit zwei Jahren setze ich mich mit Be Nice gegen Mobbing ein. Seit zehn Monaten versuche ich auch auf Familienleben für das Thema und all seine Aspekte zu sensibilisieren, aufzuwecken und zu zeigen, dass es Hilfestellungen gibt für Betroffene. Als ich Anfang 2019 mein Online-Coaching-Angebot startete, glaubten viele nicht so recht an den Nutzen und die Wirkung von Be Nice. Auch ich wusste nicht ganz genau, was auf mich zukommen würde. Aber ich habe an meine Herzensangelegenheit geglaubt. Ich hatte ein Versprechen einzuhalten und ich wollte mir niemals vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Eltern, die wieder Hoffnung haben Schon vor dem Start der Coachings hatte ich die ersten Anfragen von verzweifelten Eltern erhalten. Es schien, als würden die Familien nur so warten auf ein Angebot wie meines. Die weinenden Mamis am anderen Ende des Telefons haben mir jedes einzelne Mal bestätigt: Ich tue das Richtige! Und so gab ich vollen Einsatz. Ich wollte am Ende eines jeden Gespräches einen Elternteil verabschieden, der wieder Hoffnung sieht. Einen Lichtstrahl bieten am Ende eines sehr dunklen Tunnels. Im Laufe der Monate wurde ich immer sicherer in meiner Arbeit. Ich habe versucht, auf jedes einzelne Kind individuell einzugehen und erarbeitete praktisch jede Woche neue Übungen, die Spass machen und leicht verständlich sind. Einfach ist diese Arbeit nicht. Es kostet mich oft viel Energie. Und ehrlich gesagt auch einige Tränen. Es trifft mich immer wieder mitten ins Herz, was diese Kinder schon alles durchmachen mussten. Meine Arbeit kostet mich einige Tränen. Wenn ich einen 12-jährigen Jungen coache, dessen Lebensfreude komplett verschwunden ist, dann ist dies ein Anblick, der auch mir viel Sorgen bereitet. Wenn 10-jährige Mädchen lieber sterben möchten, aus lauter Angst vor dem nächsten Schultag, dann ist diese Arbeit für mich kein Job mehr, sondern eine Lebensaufgabe. Ein Kind sollte ausgelassen, fröhlich und voller Hunger auf das Leben sein. Aber diese Häufchen voller Elend, die ich kennenlerne, legen mir oft einen Stein auf mein Mami-Herz. Aber ich weiss, ich werde für diese Kinder und Eltern kämpfen. Wir werden zusammenarbeiten, lernen und uns diese Lebensfreude wieder Stück für Stück zurückholen. Ich versuche die Kids mit viel Liebe, Geduld, Verständnis aber auch klaren Worten am Rest ihres Lebenswillens zu schnappen, sie an die Hand zu nehmen und den langen Weg aus der Hilflosigkeit zu führen. Und es funktioniert. Die Erfolge sind kaum zu glauben. Zu sehen, wie es den Kindern auf allen Ebenen besser geht, ist wahnsinnig eindrücklich. Auch körperliche Leiden verschwinden Sprachstörungen, die sich innert 30 Tagen auflösen, Bauch- und Kopfschmerzen, die aufhören, chronisches Erbrechen stoppt schlagartig, Schlafstörungen gehören der Vergangenheit an, Suizidgedanken, die verschwinden, Kindertherapeuten, die kaum fassen, welche Fortschritte diese Kids in so kurzer Zeit machen. Dafür halten Lachen, fröhliches Pfeifen, Entspannung und offene Gespräche Einzug bei den Familien. Das freut mich! Und es macht mich stolz. Anmerkung der Redaktion: Diese Verläufe sind Laura Ackermanns eigene Beobachtungen aus ihren Coachings. Unabhängig überprüft sind sie nicht. Belegt ist die umgekehrte Richtung: Bauch- und Kopfschmerzen, Ein- und Durchschlafprobleme, Appetitlosigkeit und Suizidgedanken gelten als Anzeichen dafür, dass ein Kind gemobbt wird.[3] Halten solche Beschwerden an, gehören sie in die Kinderarztpraxis oder zu einer Fachstelle. Ein Coaching ersetzt weder Abklärung noch Behandlung. Diese Kinder nehmen ihr Leben in die Hand und wachsen über sich hinaus. Ich habe den grössten Respekt vor dieser Leistung. Und ich will, dass sie weiterkämpfen für ihr Recht, glücklich zu sein. Sie wissen nun, wie man sich wehrt, sie haben gelernt an sich selbst zu glauben und haben verstanden, wie man Mobbing die Grundlage nimmt. Diese Zahlen aus einem Jahr Be Nice sprechen für sich Anmerkung der Redaktion: Die folgenden Zahlen stammen aus Laura Ackermanns eigener Bilanz für das erste Jahr ihres kostenpflichtigen Coaching-Angebots. Sie sind eine Selbstauskunft der Anbieterin und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. 42 Familien aus der Mobbing-Falle begleitet 13 Mädchen, die wieder fröhlich sind 29 Jungs, die ihr Selbstvertrauen wiedergefunden haben 42 Kinder, die kein Mobbing mehr erleben 84 Elternteile, die wieder ruhig schlafen können 126 Herzen, die wieder unbeschwert und glücklicher schlagen dürfen Das sind meine Happy Ends! Es hat sich für jedes einzelne Kind gelohnt! Hilf mit. Denn auch du kannst für solche Happy Ends sorgen: Schau nicht weg! Greif ein und hilf auch du! Denn Mobbing ist nur da möglich, wo es Menschen gibt, die wegschauen! BE NICE – SEI NETT Gewidmet an dieses Mädchen, welches keinen Ausweg mehr sah. Das ist meine Herzensangelegenheit und deshalb ist es mir eine Ehre, für euch alle schreiben zu dürfen. Die Zeiten, in denen Mobbing zu Tode geschwiegen wird, sind vorbei. Es braucht klare und offene Worte. Ich spreche für die, die sich am wenigsten wehren können. Unsere Kinder! Ich kämpfe: Für mehr Toleranz und weniger Diskriminierung! Für mehr Verständnis und weniger Ignoranz! Für mehr Zusammenhalt und weniger Einsamkeit! Für mehr Wahrheit und weniger «schön reden»! Für mehr eingreifen und weniger wegschauen! Weitere Artikel von Laura Ackermann gibt es hier. Wie sie im Gespräch erklärt, was Eltern konkret tun können, liest du in Mobbing? Nicht mit mir. Quellen 147 – Beratung und Hilfe für Kinder und Jugendliche (Pro Juventute): Dein Kontakt zu uns. Abgerufen am 24.08.2026. Pro Juventute: Beratung – Elternberatung 24/7. Abgerufen am 24.08.2026. Pro Juventute: Mein Kind wird gemobbt – Hilfe bei Mobbing. Abgerufen am 24.08.2026. Bundesamt für Gesundheit BAG: Suizidprävention. Abgerufen am 24.08.2026. ch.ch – die offiziellen Behördeninformationen: Notfälle und Gefahren. Abgerufen am 24.08.2026.