Ascona-Locarno: Wärme für Körper und Seele

Ascona-Locarno ist ideal für Familien. Auf engstem Raum gibt es Natur und Unterhaltung, Erholung und Action. In zwei bis drei Stunden Anfahrt fühlt man sich wie in den Ferien – auch wenns nur ein Wochenende ist. Eine Familie mit zwei Töchtern probierte es aus, mit einer Übernachtung in der Jugendherberge.

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Alaska? Nein, eine ruhige Ecke der Maggia. Fotos: Anouk Holthuizen

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«Aaah». Die beiden Töchter stimmen in die Erleichterung ein, die sich im Waggon breitmacht, als der Zug aus dem Gotthardtunnel bei Airolo taucht. Klatschte vor zehn Minuten noch der Regen gegen die Scheiben, leuchtet jetzt alles im Sonnenschein. Das Tessin macht seinem Ruf alle Ehre. Nach drei Stunden lesen und Uno spielen steigen wir entspannt in Locarno aus. Im Restaurant Sensi gleich neben dem Bahnhof diskutieren wir bei herrlicher Spargelpasta und stilvoll angerichteten Kindertellern das Programm: Sollen wir heute auf die Brissago-Inseln, in die Falknerei oder auf den Robinsonspielplatz? Wir entscheiden, erst mal das Gepäck in die Jugendherberge zu bringen.

Das Tessin ist ideal für Familien.

Wer kann am längsten im eiskalten Wasser der Maggia stehen? Fotos: Anouk Holthuizen

Zu Fuss geht es über die Piazza, auf der gerade das halbe Tessin Gelato isst. Nach weiteren zehn Minuten erreichen wir die Herberge Palagiovani, die aus einem alten Palazzo und einem modernen Anbau besteht. Die Mädchen sind begeistert vom riesigen Balkon, auf den sie direkt aus unserem Viererzimmer gelangen. Die Anlage ist grosszügig gebaut: Es gibt mehrere Aufenthaltsräume, einen Garten mit Steintischen und einen Innenhof. Neben der Rezeption befindet sich ein grosses Spielzimmer – ideal nicht nur für die Kleinen sondern auch Eltern, die im Garten ein Glas Merlot geniessen wollen. Dass in Jugendherbergen Kinder willkommen sind, macht den Aufenthalt dort besonders angenehm: Die Gäste gehen tolerant mit kreischenden Kindern um, und diese finden schnell Spielgefährten.

 
Jugendherberge Palagiovani im Tessin.

Unser Riesenbalkon in der Jugendherberge Palagiovani

Die Jugendherberge von Locarno

Die Jugendherberge Palagiovani ist innert 15 Minuten zu Fuss oder 10 Minuten per Bus vom Bahnhof Locarno aus erreichbar. Dank dem mediterranen Klima spielt sich ein Grossteil des Lebens im Innenhof und im Garten ab. Es gibt Zweier-, Vierer und Sechser-Zimmer ab 39 Franken pro Person, einen grossen Velounterstand, ein Spielzimmer, Schliessfächer, Mietvelos, Wäscheservice und auf Wunsch Essenspakete für Wanderungen. Infos unter www.youthhostel.ch

Wir müssen denn die Kinder überzeugen, dass es etwas schade wäre, den restlichen Tag in der «Jugi» zu verbringen. Als wir im Hafen ankommen um die Abfahrtszeiten der Schiffe nach Brissago zu checken hält hinter uns der «Trenino», ein Züglein, in dem sich Locarno in erfrischendem Fahrtwind entdecken lässt. Für die Mädchen ist der Fall klar: Trenino. Als wir erst am Robinsonspielplatz bei der Maggia, dann am Lido-Schwimmbad mit abenteuerlichen Wasserrutschen und schliesslich am Minigolfplatz vorbeirattern, drückt die kleine Tochter auf den Stop-Knopf und sagt entrüstet: «Wir können doch nicht an allem vorbeifahren!» Sie hat Recht, wir klettern aus dem Wagen. Es folgt eine Partie Minigolf unter hohen Bäumen – ein Ort, der vor allem bei Sommerhitze ein Segen sein dürfte, noch dazu in Gehdistanz zum Strandbad.

Jetzt wollen die Mädchen auch den Robinsonspielplatz sehen. Doch dieser wirkt verwahrlost und ausser uns ist niemand dort. Schnell gehen wir Richtung See, wo wir dem Ufer entlang spazieren. Danach geht’s schon zurück zur Jugi, denn dort wird abends früh gekocht. Da nur das Frühstück im Übernachtungspreis inbegriffen ist, steht es den Gästen frei, sich andernorts und später zu verköstigen. Zum Znacht gibt’s Pasta, mit Fleisch oder Vegi und eine Karaffe Hahnenwasser.

Aussichtspunkt Madonna del Sasso in Locarno

Die blaue Stunde vom Aussichtspunkt Madonna del Sasso aus.

Bevor die Sonne untergeht möchten wir Locarno von oben sehen. Die Standseilbahn bringt uns ab Bahnhof Locarno zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso. Auf dem spektakulären Felsvorsprung bewundern wir das Tal, den See und die Berge, bis es dunkel ist. Auf dem von Laternen beleuchteten Kreuzweg steigen wir durch eine Schlucht zahlreiche Treppen hinunter in die Stadt. Die vielen Statuen von Jesus veranlassen unsere Kinder zu Dutzenden Fragen zu Religion. Unten angekommen gehen wir an diesem Tag zum vierten Mal über die Piazza. Zu den Canzoni eines Musikers spielen wir im Schein der Laternen Fussfangis und erholen uns beim inzwischen dritten Eis an diesem Tag, das gemäss der älteren Tochter hier viel besser als im Norden schmeckt.

So gemütlich Jugendherbergen für Kinder sind, für ganz grosse Menschen eignen sich Kajütenbetten etwas weniger. Mein Mann und ich legen die Matratzen auf den Boden – eine Einladung für unsre Töchter, uns am nächsten Morgen mit einem lauten «Attacke!» mit Kissen zu bewerfen. Als wir uns um 9.30 Uhr am Frühstücksbuffet bedienen, stellen wir erstaunt fest, dass wir die letzten sind. Echte Wandervögel stehen früh auf. Und zu Recht: In der Region gibt es wunderschöne Täler zu erkunden. Wir machen das eben ein bisschen später und laufen ab Locarno stromaufwärts der Maggia entlang. Doch als die Mittagssonne zu heiss wird, steigen wir ins Postauto und fahren nach Ponte Brolla, wo es offenbar so gute Restaurants gibt, dass um die Mittagszeit Dutzende Ticinesi die Strassen hinaufbrausen, um dort zu essen. Das Grotto America, das wir anpeilen, liegt Gott sei Dank hinter den letzten Parkplätzen, direkt über dem Fluss, auf mehreren Terrassen. Bei live Akkordeonmusik essen wir Polenta und Braten und schauen ehrfürchtig Kletterern auf einem Felsen zu.

Jetzt wollen die Mädchen aber endlich ans Flussufer. Nach einem Fussmarsch nach Tegna gelangen wir an einen breiten Sandstrand, wo zahlreiche Menschen in der Sonne braten, schreiend ins eiskalte Wasser springen und Fussballspielen. Unsere Töchter ziehen sofort die Schuhe aus und kraxeln über die grossen Felsen, wo sie Schlammbomben ins Wasser werfen. Wasser, Steine, Holz – mehr brauchen Kinder nicht, um sich stundenlang beschäftigen zu können. Papa und Mama lümmeln derweil unter Bäume, lesen Zeitung und überlegen, warum sie eigentlich im regnerischen Norden wohnen.

Drei Stunden später steigen wir ins Centovalli-Bähnchen zurück nach Locarno. Wir holen das Gepäck, das letzte Eis, und dann heissts Ciao Ticino, das nächste Mal buchen wir ein paar Nächte mehr.

Ascona-Locarno - Ausflüge & Angebote

Ascona-Locarno ist ein idealer Ort für einen Kurztrip oder Ferien, wo die ganze Familie auf ihre Kosten kommt. Es gibt bezaubernde Natur, tolle Spielplätze und Badeanlagen, Sandstrände und zahlreiche Sportmöglichkeiten sowie weitere Attraktionen wie den Aussichtsberg Cardada, Seil-Adventurepärke, die Falknerei Locarno oder das Teatro Dimitri.

Ab einer Übernachtung gibt es gratis die Welcome Card, sie bietet zahlreiche Ermässigungen. Die Discovery Card ist kostenpflichtig und ermöglicht freien Transport während einer bestimmten Zeitdauer sowie Gratis-Zugang zu diversen Museen, Schwimmbädern und anderen Attraktionen. Infos unter www.cartaturisticaticino.ch

 Anouk Holthuizen ist Journalistin und Texterin Anouk Holthuizen ist Journalistin und Texterin und schreibt für verschiedene Medien für Print und Online, für Erwachsene und Kinder. Sie ist Mutter zweier Kinder im Primarschulalter, teilt sich mit ihrem Mann, Beruf und Familienarbeit.

 

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