Baby > Gesundheit & PflegeAllergie: Schon ein Baby kann darunter leiden – so erkennst du sie Julia Wohlgemuth Allergische Erkrankungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern [2]. Ob Neurodermitis, Heuschnupfen oder eine Nahrungsmittelallergie – oft zeigen sich die ersten Anzeichen schon im ersten Lebensjahr. Hier liest du, welche Symptome zu einer Allergie passen, welche Zeichen sofort den Notruf 144 verlangen und was du zur Vorbeugung wirklich tun kannst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Blühende Wiesen können bei kleinen Allergikern Heuschnupfen auslösen. Foto: iStockphoto, Thinkstock Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf einen an sich harmlosen Stoff – meist auf ein Eiweiss aus Pollen, Nahrungsmitteln, Tierhaaren oder Hausstaubmilben. Beim Baby zeigt sich das vor allem an der Haut, im Magen-Darm-Trakt oder an den Atemwegen. Die genetische Veranlagung spielt dabei eine Rolle: Haben Eltern oder Geschwister Allergien, steigt das Risiko fürs Kind. Ob eine Allergie tatsächlich entsteht, hängt aber massgeblich von Umweltfaktoren, vom Mikrobiom und von frühen Ernährungseinflüssen ab [2]. Eine familiäre Vorbelastung ist also kein Urteil – und genau hier setzt die Vorbeugung an. Aus Beobachtungsstudien ist bekannt, dass Kinder mit älteren Geschwistern, mit früher Kita-Betreuung oder mit einem Aufwachsen auf dem Bauernhof seltener Allergien entwickeln. Eine Handlungsanweisung lässt sich daraus nicht ableiten – mehr dazu liest du im Artikel Was schützt Kinder vor Allergien?. Sofort 144 anrufen – diese Zeichen sind ein Notfall Die Anaphylaxie ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion und kann tödlich enden. Die Symptome treten innerhalb von Sekunden bis Minuten, selten Stunden nach dem Kontakt mit dem Allergen auf [3]. Ruf bei akuter Lebensgefahr sofort die Notrufnummer 144 – warte nicht ab, ob es von selbst besser wird [6]. Jucken oder Anschwellen von Lippen, Zunge, Mundschleimhaut, Augenlidern, Handinnenflächen oder Fusssohlen juckende Quaddeln, also rote, erhöhte Hautstellen Atembeschwerden, Atemnot, Hustenattacken Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall starker Schwindel, auffällige Kraftlosigkeit, Kreislaufsymptome Besonders alarmierend ist es, wenn zwei Organsysteme gleichzeitig betroffen sind – etwa Haut und Atemwege. Bei Kindern lösen am häufigsten Nahrungsmittel eine solche Reaktion aus (Erdnüsse, Nüsse, Fisch, Eier, Milch), gefolgt von Insektengift und Medikamenten. Hat dein Kind bereits eine schwere Reaktion erlebt, verschreibt die Ärztin ein Notfallset mit Adrenalin-Fertigspritze; es muss immer griffbereit sein, und Eltern wie Betreuungspersonen sollten die Anwendung regelmässig üben [3]. Allergie, Unverträglichkeit oder Neurodermitis? Drei Begriffe werden im Alltag oft vermischt, obwohl sie Unterschiedliches meinen. Die Unterscheidung ist keine Wortklauberei – sie entscheidet darüber, was hilft. Allergie: Das Immunsystem ist beteiligt und reagiert auf ein Eiweiss, etwa auf Kuhmilcheiweiss [5]. Unverträglichkeit (Intoleranz): Hier ist das Immunsystem nicht beteiligt. Die Laktoseintoleranz – eine Unverträglichkeit des Milchzuckers – muss klar von der Kuhmilchallergie unterschieden werden. Neurodermitis (atopisches Ekzem): eine chronische Hauterkrankung, keine Allergie. Kinder mit atopischer Dermatitis haben allerdings ein erhöhtes Risiko für Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinitis und Asthma – eine frühzeitige und konsequente Behandlung der Haut kann dieses Risiko senken [2]. Mehr dazu im Artikel Neurodermitis beim Baby. Typische Allergien beim Baby Haut: Betroffene Hautstellen zeigen sich meist als grossflächige Rötung, dazu können Bläschen, Schuppen oder Krusten kommen. Wichtig: Milchschorf und Kopfgneis werden häufig verwechselt, und weder das eine noch das andere ist für sich genommen der Nachweis einer Allergie. Bleibt die Haut trocken, gerötet und juckt sie stark, spricht das eher für ein atopisches Ekzem als für eine Allergie. Magen-Darm-Trakt: Durchfall, Koliken, Erbrechen, blutiger Stuhl oder Bauchschmerzen können auf eine Nahrungsmittelallergie hindeuten. Bei den nicht IgE-vermittelten Milchallergien ist vor allem der Verdauungstrakt betroffen: Blut im Stuhl (FPIAP) oder wiederholtes Erbrechen (FPIES) treten dabei verzögert auf [5]. Beschwerden, die ausschliesslich den Verdauungstrakt betreffen, sind bei der klassischen Soforttyp-Allergie dagegen selten. Atemwege: Ein gereizter Hals-, Nasen- und Rachenraum, geschwollene Augen, Husten oder pfeifende Atmung können für Heuschnupfen oder Asthma sprechen. Wie sich Heuschnupfen von einer Erkältung unterscheidet, liest du im Artikel Hat mein Kind Heuschnupfen?. Akute Atemnot ist dagegen nie ein Fall fürs Abwarten, sondern für den Notruf 144 [3]. Eine Allergie erkennen: So läuft die Abklärung Am Anfang steht kein Test, sondern die Beobachtung. Ein Symptomtagebuch – was hat dein Baby gegessen, wann traten welche Beschwerden auf, wie lange hielten sie an – bildet zusammen mit dem ärztlichen Gespräch die wichtigste Grundlage der Diagnose [5]. Hausstaubmilbenallergien zum Beispiel machen sich besonders im Winter bemerkbar und sind dann nur schwer von einer Erkältung zu unterscheiden. Fällt dir auf, dass dein Baby immer wieder ohne ersichtlichen Grund Symptome zeigt, sprich mit der Kinderärztin. Für die Allergiesprechstunde am Kinderspital braucht es in der Regel eine Zuweisung durch die Kinderärztin oder den Hausarzt [6]. Je nach Verdacht kommen drei Testarten in Frage [4]: Hauttest (Pricktest): Verschiedene Allergenlösungen werden auf die Haut am Vorderarm geträufelt und mit einer feinen Nadel angeritzt, damit das Allergen Kontakt mit den Hautzellen bekommt. Nach 20 Minuten wird abgelesen; eine positive Reaktion gleicht einem kleinen Mückenstich. Der Test ist nicht schmerzhaft, gehört aber ausschliesslich in die Hände von Allergologinnen und Allergologen – die Interpretation ist der schwierigste Teil. Bluttest: Im Labor wird gezielt auf spezifisches IgE gegen einzelne Allergene untersucht. Er ist in jedem Alter möglich, auch wenn bereits ein Antihistaminikum gegeben wurde. Provokationstest: Das Allergen wird unter ärztlicher Beobachtung verabreicht. Er zeigt, ob und wie viel vom Allergen vertragen wird, und darf nur von spezialisierten Ärztinnen und Allergologen durchgeführt werden. Wichtig zu wissen: Es gibt kein hundertprozentig verlässliches Testverfahren. Ein Testresultat allein ist keine Diagnose – es wird immer zusammen mit der Vorgeschichte, dem Krankheitsverlauf und den familiären Allergien beurteilt [4]. Eine nicht IgE-vermittelte Milchallergie lässt sich mit Haut- oder Bluttest gar nicht bestätigen; hier führt meist eine ärztlich begleitete Eliminationsdiät mit anschliessender Wiedereinführung zur Diagnose [5]. Kuhmilchallergie: der häufigste Fall im ersten Lebensjahr Milch und Milchprodukte gehören zu den bedeutendsten Allergieauslösern im Säuglings- und Kindesalter: In der Schweiz reagieren rund 20 Prozent der Kinder mit einer Nahrungsmittelallergie auf Milch [5]. Die Grundlage der Behandlung ist das konsequente Meiden von Milch – auch in versteckter Form in Back- und Wurstwaren, Gewürzmischungen oder Fertigprodukten. Zwei Punkte sind dabei entscheidend: Keine Tiermilch als Ersatz. Kasein kommt in jeder Tiermilch vor, also auch in Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch [5]. Zur Behandlung einer Kuhmilchallergie soll auch nicht auf Säuglingsnahrung auf Sojaeiweissbasis zurückgegriffen werden, sondern auf therapeutische Nahrungen auf Basis extensiver Eiweisshydrolysate oder gegebenenfalls auf Aminosäuremischungen [1]. Begleitung suchen. Eine spezialisierte Ernährungsfachperson hilft, Zutatenlisten zu lesen und die Versorgung mit Eiweiss, Vitaminen und Mineralstoffen sicherzustellen; überwacht wird das von der behandelnden Kinderärztin. Die gute Nachricht: Eine Milchallergie kann sich verwachsen – viele Kleinkinder vertragen Milch mit zunehmendem Alter wieder. Deshalb ist eine jährliche Abklärung bei der behandelnden Fachperson empfohlen [5]. Bei den nicht IgE-vermittelten Formen ist eine Wiedereinführung in den meisten Fällen sogar noch vor dem zwölften Lebensmonat möglich. Behandlung: Allergen meiden, Haut pflegen, Medikamente gezielt einsetzen Steht das Allergen fest, ist konsequentes Meiden die wichtigste Massnahme. Was das praktisch heisst, hängt vom Auslöser ab: Pollen: In der heftigsten Flugphase weniger nach draussen, abends baden und die Haare waschen, damit die Pollen nicht mit ins Bett wandern. Hausstaubmilben: Das Zimmer möglichst staubarm halten und an Milbenfänger wie Kuscheltiere denken – sie lassen sich in der Waschmaschine oder im Tiefkühler behandeln. Haut: Die Basispflege ist bei atopischem Ekzem die Grundlage. Verwende keine Hautpflegeprodukte, die Lebensmittelallergene enthalten, und wasch dir vor dem Eincremen die Hände – so vermeidest du, dass Lebensmittelreste über die Haut sensibilisieren [2]. Bei einem akuten Schub verschreibt die Ärztin je nach Schweregrad Medikamente, in der Regel Antihistaminika und Kortisonpräparate; bei Atemnot im Rahmen von Asthma kommt ein Bronchien erweiterndes Spray dazu. Die Dosierung legt immer die Ärztin fest. So kannst du Allergien vorbeugen Ob ein Kind eine Allergie entwickelt, lässt sich nicht sicher verhindern. Einige Faktoren lassen sich aber beeinflussen: Stillen: Neugeborenen und Säuglingen mit erhöhtem Allergierisiko wird – wie allen anderen auch – in den ersten Lebensmonaten ausschliessliches Stillen empfohlen. Eine vorbeugende Einschränkung der mütterlichen Ernährung in Schwangerschaft oder Stillzeit bringt dem Säugling keinen Vorteil und wird nicht empfohlen [1]. HA-Nahrung ist nicht mehr die Antwort: Die Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie beurteilt die Datenlage als ungenügend und empfiehlt extensiv oder partiell hydrolysierte Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen – die sogenannten hypoallergenen oder HA-Nahrungen – zur Primärprävention von Allergien nicht [1]. Auch aha! spricht heute weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus. Sojabasierte Nahrungen oder andere Tiermilchen eignen sich ebenfalls nicht zur Vorbeugung. Erste Lebenswoche: Wenn du ausschliesslich stillen möchtest, sollte – soweit medizinisch möglich – in der ersten Lebenswoche auf kuhmilchhaltige Säuglingsnahrung verzichtet werden. Wird zusätzliche Nahrung nötig, sollte sie regelmässig und nicht nur sporadisch gegeben werden: Gerade gelegentliche Gaben können das Sensibilisierungsrisiko erhöhen [2]. Allergene Lebensmittel früh einführen statt meiden: Das Meiden allergener Lebensmittel im Säuglingsalter schützt nicht vor Allergien – bei einigen kann die frühe Einführung sogar schützen. Es gibt keine Evidenz dafür, dass eine verzögerte Einführung das Allergierisiko senkt, unabhängig von der familiären Vorbelastung. Beikost wird ab dem 5. bis 7. Lebensmonat schrittweise eingeführt [1]; Ei idealerweise zwischen vier und sechs Monaten in gut erhitzter Form und danach regelmässig, Erdnuss in Familien mit regelmässigem Erdnusskonsum ebenfalls zwischen vier und sechs Monaten in altersgerechter Form und anschliessend wöchentlich [2]. Wie der Start gelingt, liest du unter Beikost einführen. Rauchfrei aufwachsen: Rauchen in der Schwangerschaft und Passivrauch erhöhen das Risiko für Allergien und besonders für Asthma – vor wie nach der Geburt. Haustiere: Ohne erhöhtes Allergierisiko spricht nichts gegen ein Haustier. Besteht ein erhöhtes Risiko in der Familie oder hat das Kind bereits eine atopische Dermatitis, sollte keine neue Katze angeschafft werden; von einem Hund wird nicht abgeraten. Raumluft: Zwei- bis dreimal täglich fünf bis zehn Minuten lüften, die Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent halten und auf schadstoffarme Materialien bei Farben, Klebstoffen und Wohntextilien achten. Was nichts bringt: Für Probiotika, Präbiotika oder Vitaminpräparate zur Allergievorbeugung gibt es derzeit keine Empfehlung – weder für Schwangere und Stillende noch für Säuglinge [2]. Und Impfungen erhöhen das Allergierisiko nicht: Auch Kindern mit atopischer Veranlagung wird empfohlen, dem Schweizerischen Impfplan zu folgen. Quellen Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie: Empfehlungen für die Säuglingsernährung (2017) (PDF, abgerufen am 11.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Allergieprävention (abgerufen am 11.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Anaphylaxie (Allergischer Schock) (abgerufen am 11.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Allergietests (abgerufen am 11.08.2026) aha! Allergiezentrum Schweiz: Milchallergie (abgerufen am 11.08.2026) Kinderspital Zürich: Allergologie (abgerufen am 11.08.2026) Dein Baby leidet auch unter einer Allergie? Schreib uns deine Erfahrungen.