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Schlafpositionen bei Babys: Warum die Bauchlage gefährlich ist – und wie dein Baby sicher schläft

Neugeborene können sich im Bett noch nicht eigenständig drehen. Ein Vorteil – denn ein Baby sollte immer in Rückenlage schlafen. Wie die Schlafposition mit dem plötzlichen Kindstod zusammenhängt und worauf du im Bettchen sonst noch achtest, liest du hier.

Ein Säugling sollte im ersten Lebensjahr nicht auf dem Bauch schlafen
Welche Schlafposition ist die sicherste für ein Baby? Bild: Halfpoint, iStock, Getty Images Plus

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rückenlage gilt seit den Neunzigerjahren als sicherste Schlafposition für Babys. 
  • Schläft ein Kind auf dem Bauch oder auf der Seite, steigt das Risiko für den plötzlichen Kindstod. 
  • Der sicherste Schlafort für einen Säugling ist das eigene Bettchen im Elternschlafzimmer. 
  • Dazu kommen: feste Matratze, Schlafsack statt Decke, rund 18 Grad im Raum und eine rauchfreie Umgebung. 
  • Gegen Verformungen des noch weichen Babyschädels helfen ein paar einfache Handgriffe. 

Das Baby schläft. Aber schläft es in seinem Bett auch sicher? Viele Eltern stellen sich in der ersten Zeit diese durchaus berechtigte Frage. Denn für einen Säugling ist die richtige Schlafposition von hoher Bedeutung. Und was Oma zur Schlafposition empfiehlt, entspricht heute oft nicht mehr dem, was Fachgesellschaften raten.

Früher Bauch, heute Rücken

Wir machen eine Zeitreise in die neunziger Jahre. Bereits zu dieser Zeit war die Frage nach der gesundesten Schlafposition eines Kindes in aller Munde. Die Antworten von Hebammen und Ärzten: Der Säugling soll nicht auf dem Rücken schlafen, weil die Erstickungsgefahr im Schlaf durch Erbrochenes höher sei als bei der Bauchposition.

«Deshalb empfahlen alle die Bauch- oder Seitenlage», sagte Jan Cahlik 2009 gegenüber Familienleben. Cahlik war damals Kinderarzt im Kanton Zürich und Vorstandsmitglied von Kinderärzte Schweiz, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in der Praxis.

Dann drehte sich die Empfehlung. Studien aus Australien, Neuseeland und Grossbritannien zeigten 1991 einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bauchlage und plötzlichem Kindstod. 1992 riet die amerikanische Kinderärztegesellschaft erstmals dazu, Babys auf den Rücken oder auf die Seite zu legen. Die grosse Aufklärungskampagne «Back to Sleep» startete 1994, die Empfehlung «ausschliesslich auf dem Rücken» folgte 1996 [6].

In der Schweiz lässt sich der Effekt an den Zahlen ablesen. 1992 starben hier bei 86’910 Geburten 84 Kinder am plötzlichen Kindstod. 2011 waren es bei 80’808 Geburten noch 13 [2]. Seither ist die Zahl weiter gesunken: Zwischen 2018 und 2022 registrierte das Bundesamt für Statistik jährlich vier bis sieben Fälle [3].

Der Plötzliche Kindstod

«Vom Plötzlichen Kindstod spricht man dann, wenn ein Baby im ersten Lebensjahr unerwartet stirbt und man keine richtige Ursache dafür findet», sagte der Kinderarzt Jan Cahlik. Fachlich ist genau das der Kern der Definition: Der plötzliche Kindstod ist der Tod eines Säuglings in den ersten zwölf Lebensmonaten, bei dem weder die Auffindsituation noch die Untersuchung des Körpers noch die Autopsie eine Todesursache erklären [2].

Deshalb spricht die Medizin von Risikofaktoren und nicht von Auslösern. Die Schweizer Fachgesellschaften unterscheiden dabei zwei Gruppen [2]. Beeinflussbar sind: Bauchlage, Rauchen, Alkohol oder Drogen, eine zu hohe Raumtemperatur, Decken, Kissen und Fellunterlagen sowie die Art des Bettes, etwa ein Wasserbett oder ein Sofa. Nicht beeinflussbar sind ein Alter unter drei Monaten, ein Mütteralter unter 20 Jahren, Frühgeburtlichkeit, Mehrlinge, der sozioökonomische Status und eine akute Erkrankung.

Häufig ist der plötzliche Kindstod in der Schweiz heute nicht mehr. 1995 ging noch jeder achte Todesfall im ersten Lebensjahr auf ihn zurück, 2022 war es einer von rund 80. Die mit Abstand häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr sind angeborene Fehlbildungen und Chromosomenanomalien [3].

Auch die Rücken- oder Seitenlage birgt Nachteile

Neben der Bauch- und Rückenlage war früher auch die Seitenlage eine Empfehlung wert. Diese wird heute jedoch auch kritisch betrachtet: «Bei der Seitenlage kann das Kind im Schlaf schnell auf den Bauch abrollen», weiss Jan Cahlik. «Zudem kann es in Seitenlage bei vorbelasteten Kindern zu Problemen mit der Hüfte kommen.»

Aber auch die Rückenlage hat einen Nachteil: «Wenn die Kinder so schlafen, dann kommt es öfter zur Abflachung des Köpfchens», sagt Kinderarzt Cahlik. Tatsächlich haben lagebedingte Schädeldeformitäten seit Beginn der Rückenlage-Kampagnen stark zugenommen [4].

Die Ursache dafür ist, dass die Schädelknochen in den ersten Geburtswochen noch weich sind und sich durch den Druck in Rückenlage eher verformen. Liegt ein Kind immer gleich, drückt die Schwerkraft die noch weiche Schädelkalotte an derselben Stelle flach [4]. Vorbeugen lässt sich trotzdem, und zwar mit wenig Aufwand. Wie das geht, steht weiter unten.

Was ins Babybett gehört – und was nicht

Nicht nur die Schlafposition zählt. Genauso wichtig ist, was im Bettchen liegt. Das Universitäts-Kinderspital Zürich fasst die Punkte in seiner Elterninformation so zusammen [1]:

  • Feste Matratze. Dein Baby liegt am besten auf einer festen Unterlage. Kopfkissen und Felle gehören nicht ins Bett.
  • Schlafsack statt Decke. Eine Decke kann verrutschen und auf dem Kopf liegen bleiben. Ein Schlafsack in der passenden Grösse rutscht nicht und hält gleichzeitig warm.
  • Keine Kuscheltiere und Kuscheltücher im Bett, solange dein Kind noch nicht sicher den Kopf frei bekommt.
  • Rund 18 Grad im Schlafzimmer. Babys schwitzen ungern. Mütze und Handschuhe brauchen sie zum Schlafen nicht. Ob die Temperatur stimmt, spürst du mit dem Handrücken im Nacken deines Kindes.
  • Rauchfreie Umgebung. Rauch von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen gefährdet dein Kind. Die Fachgesellschaften ziehen die Grenze früher: rauchfrei bereits während der gesamten Schwangerschaft [2]. Warum das so wichtig ist, liest du im Artikel Rauchen in der Schwangerschaft.
  • Stillen und Nuggi wirken als Schutzfaktoren. Stillen im ersten Lebensjahr senkt das Risiko, ebenso das Saugen an einem Schnuller während des Schlafens. Aufdrängen musst du den Nuggi aber nicht [2].
  • Die empfohlenen Impfungen vermindern das Risiko für einen plötzlichen Säuglingstod zusätzlich.

Worauf du beim Bett selbst achtest – Gitterabstand, Matratzenhöhe, Beistellbett oder Stubenwagen –, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengetragen: Worauf du beim Babybett achten solltest.

Eigenes Bett, gleiches Zimmer: der sicherste Schlafort

Der sicherste Schlafort für einen Säugling ist das eigene Kinderbett im Schlafzimmer der Eltern. Eine sinnvolle Alternative sind Beistellbetten, die sich ans elterliche Bett andocken lassen [1][2].

Anders sieht es aus, wenn das Baby im Elternbett selbst schläft. Fachleute nennen das Bedsharing, umgangssprachlich ist vom Familienbett die Rede. Die Studienlage dazu ist widersprüchlich. Sieht man von bestimmten Risikofaktoren ab, scheint das Risiko durch das Bettteilen an sich klein zu sein [2].

Entscheidend sind diese Risikofaktoren. Eine Arbeitsgruppe der Schweizerischen Gesellschaften für Pädiatrie und für Neonatologie hält fest: Wenn Eltern rauchen, wenn sie Alkohol, sedierende Medikamente oder Drogen eingenommen haben, wenn sie selbst krank oder übermüdet sind, geht Bedsharing mit einem deutlich erhöhten Risiko einher und sollte vermieden werden [2].

Wer das Bett dennoch teilt, sollte auf die Bedingungen achten. Das Baby braucht genug Platz, das Bett muss entsprechend gross und die Matratze fest sein. Auf Kissen und Fellunterlagen wird verzichtet [2]. Und ein Punkt wird oft übersehen: Auch das Sofa gilt als riskanter Schlafort. Wer sein Baby nachts dort stillt und dabei einschläft, erhöht das Risiko [2].

Verformungen des Schädels vorbeugen

Schläft dein Kind brav auf dem Rücken, kann sich der Hinterkopf abflachen. Die Anleitung der Eltern zum sicheren Schlaf sollte deshalb immer auch die Kopfform mitdenken. Die folgenden Punkte empfehlen Schweizer Kinderphysiotherapeutinnen [4]:

  • Leg dein Baby beim Hinlegen abwechselnd mit dem Kopf zur linken und zur rechten Seite.
  • Stell das Bettchen so, dass Licht und Geräusche von beiden Seiten kommen. Geht das nicht, dreh das Bett wöchentlich oder leg dein Kind einmal mit dem Kopf zum Fussteil.
  • Gibst du das Schoppenfläschchen, wechsle die Seite.
  • Leg dein Baby im Wachzustand und unter Aufsicht immer wieder auf den Bauch. Diese «Tummy Time» stärkt nebenbei die Nacken- und Oberkörpermuskulatur.
  • Halte die Zeit in Autositz und Babywippe kurz. Dein Kind soll sich frei bewegen können, und Spielzeug liegt auf beiden Seiten.
  • Sprich dein Baby von beiden Seiten an.

Auch das Tragen im Tragetuch oder in der Babytrage entlastet den Hinterkopf. Es gilt also weiterhin: auf dem Rücken schlafen, auf dem Bauch spielen.

Wann du das ansprechen solltest: Dreht dein Baby den Kopf fast immer zur gleichen Seite oder bleibt eine Abflachung deutlich sichtbar, sprich das früh bei der Kinderärztin oder in der Mütter- und Väterberatung an. Liegt keine Funktionsstörung der Halswirbelsäule vor, genügen erfahrungsgemäss zwei bis drei Sitzungen mit einer Fachperson [4]. Für die Kopfform gibt es nach dem sechsten Lebensmonat keine gesicherte Behandlungsmöglichkeit durch klassische Physiotherapie mehr, ein früher Start lohnt sich also [4].

Wenn ein Baby stirbt

Der plötzliche Kindstod ist selten geworden, aber er kommt vor. Betroffene Eltern müssen das nicht allein durchstehen. Die Fachstelle kindsverlust.ch berät kostenlos zum frühen Tod eines Kindes in der Schwangerschaft, während der Geburt und in der ersten Lebenszeit, telefonisch unter 031 333 33 60 oder per Mail. Auf Wunsch vermittelt sie Fachpersonen in der Umgebung und Selbsthilfegruppen [5]. Wie Eltern den Verlust erleben, schildert unser Artikel Wie Eltern den Tod ihres Babys verarbeiten.

Klar ist: Hebammen, Kinderärztinnen und Geburtshäuser bezeichnen heute übereinstimmend die Rückenlage als sicherste Schlafposition. Im ersten Lebensjahr sollte dein Baby also auf dem Rücken schlafen, weil das Risiko in dieser Zeit am grössten ist. Danach nimmt es deutlich ab.

Quellen

  1. Universitäts-Kinderspital Zürich: Elterninformation «Ein sicherer und gesunder Schlaf» (PDF, Ausgabe 2/2024), abgerufen am 20.08.2026.
  2. Jenni O. et al.: Bedsharing und plötzlicher Kindstod: Aktuelle Empfehlungen (PDF), Paediatrica Vol. 24 Nr. 5/2013. Getragen von der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie. Abgerufen am 20.08.2026.
  3. Bundesamt für Statistik: Anzahl Todesfälle nach Todesursachen in der Schweiz, Kinder 0 bis 14 Jahre, nach Geschlecht, 1995–2022 (Tabelle T 14.03.04.01.09), abgerufen am 20.08.2026.
  4. Wondrusch C. (Universitäts-Kinderspital beider Basel) und Frauchiger S. (Inselspital Bern): Lagebedingte Schädeldeformitäten und Funktionsstörungen im HWS-Bereich bei Säuglingen (PDF), Zeitschrift Pädiatrie 2/2018, abgerufen am 20.08.2026.
  5. Fachstelle kindsverlust.ch: Beratung, abgerufen am 20.08.2026.
  6. Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development (USA): Safe to Sleep – Campaign History, abgerufen am 20.08.2026. Als Beleg zur Entstehungsgeschichte der US-Kampagne herangezogen.

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