Facebook Pixel

Schlafpositionen bei Babys: Auf dem Bauch schläft der plötzliche Kindstod mit

Neugeborene können sich im Bett noch nicht eigenständig drehen. Ein Vorteil – denn ein Baby sollte immer in Rückenlage schlafen. Was der plötzliche Kindstod mit der Schlafposition Ihres Kindes gemeinsam hat, erfahren Sie hier.

Ein Säugling sollte im ersten Lebensjahr nicht auf dem Bauch schlafen

Welche Schlafposition ist die sicherste für ein Baby? Bild: Halfpoint, iStock, Getty Images Plus

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rückenlage hat sich in den letzten Jahren als die sicherste Schlafposition für Babys erwiesen. 
  • Schlafen Kinder in Bauch- oder Seitenlage erhöht sich die Gefahr des plötzlichen Kindstods. 
  • Um Verformungen des noch weichen Babyschädels vorzubeugen, können Sie diese Tipps befolgen. 

Das Baby schläft. Aber schläft es in seinem Bett auch sicher? Viele Eltern stellen sich in der ersten Zeit diese durchaus berechtigte Frage. Denn für einen Säugling ist die richtige Schlafposition von hoher Bedeutung. Und für Eltern gilt: Was Oma bezüglich der richtigen Schlafposition empfiehlt, kann in diesem Fall für einen Säugling fatal enden.

Früher Bauch, heute Rücken

Wir machen eine Zeitreise in die neunziger Jahre. Bereits zu dieser Zeit war die Frage nach der gesundesten Schlafposition eines Kindes in aller Munde. Die Antworten von Hebammen und Ärzten: Der Säugling soll nicht auf dem Rücken schlafen, weil die Erstickungsgefahr im Schlaf durch Erbrochenes höher sei als bei der Bauchposition.

«Deshalb empfahlen alle die Bauch- oder Seitenlage», sagt Jan Cahlik heute. Cahlik ist Kinderarzt im Kanton Zürich und Vorstandsmitglied von Kinderärzte Schweiz, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in der Praxis.

Heute ist das anders. Auslöser dafür war das Phänomen «plötzlicher Kindstod»: Der plötzliche Kindstod war in den neunziger Jahren weltweit für 17 Prozent der Todesfälle von Kindern unter einem Jahr verantwortlich. In der Schweiz wurden gemäss Statistik bei über 86’000 Geburten 84 Kinder im Schlaf von diesem Tod heimgesucht.

Wissenschaftler begannen deshalb, die Lebensweise von am plötzlichen Kindstod verstorbenen Kindern mit der Lebensweise von Kindern, denen ein solches Schicksal im Schlaf nicht widerfahren ist, zu vergleichen. Ihre wichtigste Erkenntnis: Schläft ein Baby mit dem Gesicht zum Boden, stirbt es wahrscheinlicher an plötzlichem Säuglingstod als seine gleichaltrigen Rückenschläfer.

1992 startete die «back to sleep campaign», also die Kampagne, Babys zum Schlafen auf den Rücken zu legen. Damit wollten Experten die hohen Todesfall-Raten in Bezug auf den Tod des Kindes im Schlaf vermindern. Mit Erfolg – Im Jahr 2011 verstarben bei über 80’000 Geburten in der Schweiz nur 13 Kinder im Schlaf am plötzlichen Kindstod. 

Der Plötzliche Kindstod

Trotz der positiven Entwicklung: Noch immer zählt der plötzliche Kindstod – neben angeborenen Fehlbildungen – zu den häufigsten Todesursachen von Kindern im ersten Lebensjahr. Und noch immer gibt das Phänomen Medizinern Rätsel auf. «Vom Plötzlichen Kindstod spricht man dann, wenn ein Baby im ersten Lebensjahr unerwartet stirbt und man keine richtige Ursache dafür findet», sagt der Kinderarzt Jan Cahlik. Als Risikofall gelten unter anderem Kinder, die häufig Zigarettenrauch ausgesetzt sind, Frühchen, Babys mit geringem Geburtsgewicht und auch Zwillinge oder Mehrlinge – und eben Säuglinge, die auf dem Bauch schlafen. 

Auch die Rücken- oder Seitenlage birgt Nachteile

Neben der Bauch- und Rückenlage war früher auch die Seitenlage eine Empfehlung wert. Diese wird heute jedoch auch kritisch betrachtet: «Bei der Seitenlage kann das Kind im Schlaf schnell auf den Bauch abrollen», weiss Jan Cahlik. «Zudem kann es in Seitenlage bei vorbelsteten Kindern zu Problemen mit der Hüfte kommen.»

Aber auch die Rückenlage hat einen Nachteil: «Wenn die Kinder so schlafen, dann kommt es öfter zur Abflachung des Köpfchens», sagt Kinderarzt Cahlik. Heute ist statistisch gesehen der Hinterkopf eines Kindes häufiger abgeflacht als früher.

Die Ursache dafür ist, dass die Schädelknochen in den ersten Geburtswochen noch weich sind und sich durch den Druck in Rückenlage eher verformen. Dabei handelt es sich nicht um gesundheitliche Schäden, sondern mehr um ästhetische.

Die Gefahr lauert im Kinderbett

Nicht nur die Schlafposition des Kindes ist von grosser Bedeutung. Auch Bettdecken oder Kopfkissen können problematisch sein. Schläft Ihr Baby mit einer Decke im Bettchen, kann es diese womöglich bewegen und sie liegt schlussendlich auf seinem Kopf, was zu einem Wärmestau führen kann.  

Auch Kissen unter dem Kopf sind heikel, weil das Kind im unglücklichen Fall im Bett daran ersticken kann. Eltern können ihrem Baby mit einem Schlafsack einen Gefallen tun: Dieser sorgt dafür, dass während dem Schlaf alles an seinem Ort bleibt und auch dass das Risiko eines unerwarteten Todes minimiert wird. 

Verformungen des Schädels vorbeugen

Schläft Ihr Kind brav auf dem Rücken, erhöht dies also das Risiko einer Schädelverformung. Um diese zu verhindern legen Sie Ihr Baby, wenn es wach ist, für einige Minuten auf den Bauch. Das Tragen des Babys in einem Tragetuch oder in der Babytrage kann auch helfen.

Das Baby zwischendurch auf dem Bauch krabbeln zu lassen, stärkt zudem die Nacken- und Oberkörpermuskulatur. Deshalb gilt hier das Sprichwort: «Auf dem Rücken schlafen, auf dem Bauch spielen.» 

Klar ist, dass heutzutage jegliche Experten – Hebammen, Kinderärzte, Geburtshäuser – die Rückenlage als sicherste Schlafposition bezeichnen. Im ersten Lebensjahr sollte Ihr Baby also unbedingt auf dem Rücken schlafen, weil in diesem Jahr die Gefahr des plötzlichen Kindstodes am grössten ist. Das Risiko vermindert sich mit den Lebensjahren.