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Wenn das Baby ständig schreit

Ihr Baby schreit ständig und Sie wissen nicht, wie Sie ihm helfen können? Hier finden Sie Infos zu den Ursachen, sowie Tipps zur Behandlung eines Schreibabys. Im Folgenden erläutern ein Homöopath, ein Kinderarzt, eine Stillberaterin und eine Hausärztin, was Sie für Ihr Kind tun können.

Schreibabys machen den Eltern das Leben schwer.

Manche Kinder schreien, manche nicht. Viele Ursachen können in Frage kommen. Foto: iStock, Thinkstock

Schreien und Unruhephasen gehören zur normalen Entwicklung eines Säuglings in den ersten drei Lebensmonaten. Nimmt es allerdings so überhand, dass die Eltern nervlich an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit geraten und das Baby nicht mehr zu beruhigen ist, suchen sie richtigerweise fachliche Hilfe.

Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen sind sich in einem Punkt einig: Eltern müssen ernst genommen werden; Zuhören ist ein guter Beginn für eine erfolgreiche Behandlung. Ausserdem müssen Eltern lernen, die Bedürfnisse ihres Kindes kennenzulernen. Und: Organische Ursachen müssen ausgeschlossen werden.

Lesen Sie den in der Fachzeitschrift für Pädiatrie erschienenen Artikel:

 

 

Drei Monats-Koliken und Schrei-Attacken

Dreimonatskoliken äussern sich durch heftige, anhaltende Schreiattacken des Babys. Sie treten vorwiegend in den ersten 3 Lebensmonaten auf und werden als Ausdruck von krampfartigen Schmerzen im Bauch (Koliken) gedeutet. Daher der Name Dreimonats-Kolik.

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Typischerweise treten die Schreiattacken gehäuft nachmittags oder abends auf - oft nach den Mahlzeiten. Die Drei-Monats-Kolik ist eine Belastung für das Kind und für die Eltern, weil das Baby oft stundenlang schreit und praktisch nicht beruhigt werden kann.

Warum diese Koliken entstehen ist nicht bekannt. Vermutet werden nahrungsmittelbedingte oder körperliche Ursachen. Solche frühkindlichen Störungen können aber auch der Ausdruck psychischer Belastungen des Kindes sein (z.B. bei Überbelastung der Eltern oder bei Beziehungsstörungen der Eltern).

Auch wenn die Schmerzen stark sind und das Baby leidet, das Kind ist in den meisten Fällen gesund und die Koliken gehen innerhalb weniger Monate wieder vorbei.

Um andere Krankheiten auszuschliessen, müssen die Schmerzen durch eine ärztliche Untersuchung abgeklärt werden. Denn: bei ca. 2% der Schreikinder liegt z.B. eine Refluxkrankheit (Zurückfliessen des Magensaftes) vor und bei etwa 15% eine Milcheiweissallergie. Die Ursachen sind vielfältig und nicht definitiv geklärt.

Nahrungsmittelbedingte Ursachen:

  • Zu schnelles Trinken und Luftschlucken, die verschluckte Luft verursacht  im Darm schmerzhafte Blähungen
  • Verstärkte oder verlangsamte Darmbewegungen; diese führen zu vermehrter Bildung von Darmgasen. Die Dehnung des Darms durch die Gase ist sehr schmerzhaft.
  • Hunger: wenn die Mutter zu wenig Milch produziert
  • Fehlernährung
  • Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten, die zu Blähungen führen (Kuh-Eiweissallergie oder eine Laktoseintoleranz/Milchzuckerunverträglichkeit)

Psychische Ursachen

Psychisch belastende Situationen (Überforderung der Eltern, Ablehnung des Babys, Beziehungsstress zwischen den Eltern, Konkurrenzsituation zwischen Geschwistern etc.).

Körperliche Ursachen

Andere Krankheiten wie: Ohrinfektionen, Infektionen der Atem- oder Harnwege, Refluxkrankheit, Verdauungsstörungen (Durchfall, Verstopfung), Darmentzündung durch Wurmerkrankung, Invagination (Darmverschluss durch Einstülpung des Darmes).

So zeigen sich die Beschwerden (Symptome)

  • Heftiges Schreien während 2-3 Stunden an mehreren Tagen pro Woche über etwa 3 Monate, ohne Beruhigungsmöglichkeit.
  • Gespannter, druckempfindlicher Bauch, die Beinchen ziehen sich ruckartig zusammen.
  • Blasse oder rötliche Haut, starkes Schwitzen
  • Die Attacken beginnen meist unmittelbar nach der Mahlzeit, häufig am Nachmittag und am frühen Abend.
  • Magenknurren, Blähungen
  • Schlaf- und Fütterungsstörungen

Der Gang zum Kinderarzt ist richtig

Eltern sollen sich nicht schämen (was machen wir falsch etc.?) über die Situation zu sprechen, sondern bald möglichst den Kinderarzt aufsuchen. Sonst können die Schreiattacken  tatsächlich zu Überforderungssituationen führen, was die kindlichen Beschwerden auch nicht verbessert.

Die Behandlung richtet sich nach den gefundenen Ursachen:

  • Bei Nahrungsmittel-Allergien und -Unverträglichkeiten: Anpassung der Ernährung, ev. Beizug einer Ernährungsberatung, Hebamme oder einer Säuglingsschwester.
  • Getränke oder Lebensmittel, die Blähungen hervorrufen können, sollten in der Stillzeit von der Mutter gemieden werden, insbesondere Zwiebeln und Kohl, Obst wie Äpfel und Pflaumen; stark gewürztes Essen und koffeinhaltige Produkte wie Schokolade, Kaffee und Tee.
  • Andere Erkrankungen (z.B. Infektionen, Würmer) müssen entsprechend therapiert werden, z.B. mit Antibiotika, Wurmkuren.
  • Bei einer Invagination (Darmverschluss durch Einstülpung des Darmes) helfen in leichten Fällen Massagen, sonst wird eine Operation notwendig.

 

Es ist wichtig, dass Eltern ehrlich sind gegenüber dem Arzt und offen über familieninterne Konfliktsituationen sprechen. Allenfalls muss bei den Eltern oder bei einem Elternteil eine Psychotherapie eingeleitet werden. Häufig ist die Beratung einer Säuglingsschwester oder einer Schreiambulanz eine Behandlungsoption.

Schaukeln in der Wiege oder auf den Armen, Tragen des Babys im Bauchtuch, fest Einwickeln in Frotteetuch, leises beruhigendes Reden oder Singen, Musik, Spazierenfahren, leichte Massagen: All dies sind Massnahmen die ausprobiert werden können und dem Kind und der Mutter nicht schaden.

Wichtig: Das Baby nicht schütteln, das kann zu bleibenden Schäden oder sogar zu Todesfällen führen. Nach drei, spätestens sechs Monaten sind in den meisten Fällen die Beschwerden vorbei. Problematisch ist oft die Überforderung der Eltern, welche zu Misshandlungen oder Vernachlässigungen der Kinder führen kann. Oft brauchen dann die Eltern selber Hilfe und Betreuung.

Text: Sprechzimmer