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Eine Ode ans Lesen zum World Literacy Day: Was lesen wirklich bedeutet

Jedes Jahr am 8. September macht der Weltalphabetisierungstag auf die Wichtigkeit der Lese- und Schreibkompetenz aufmerksam. Die Lesefähigkeit nimmt in der Schweiz seit einigen Jahren ab. Fachleute rufen Eltern darum dazu auf, mit dem Nachwuchs mehr zu lesen. Warum das der richtige Ansatz ist, erzählt unsere Jugendautorin Inga Melina Schulze. Sie kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen.

Literacy Day: Junge Frau liegt in der Wiese und liest ein Buch.

Abtauchen in fremde Welten: Für Jugendautorin Inga Schulze ist Lesen mehr als das – Lesen verbindet sie mit der Welt. Bild: GettyImages Plus, patat

Wenn ich mich in meinem Zimmer umsehe, dann sehe ich Bücher. Bücher auf dem Bett, auf dem Boden, auf dem Schreibtisch und vor allem in meinem eigenen Bücherregal. Keine Frage: Lesen ist meine Leidenschaft. Sobald ich ein Buch anfange, das mir richtig gut gefällt, kann ich es kaum noch aus der Hand legen. Am liebsten lese ich Fantasy, New Adult und Young Adult, wie die «Lara Jean» Reihe von Jenny Han, die zusammen mit «Harry Potter» meine Lieblingsbuchreihe ist.

Viele Eltern wünschen sich, dass ihr Kind eine Leseratte wird. Weil Lesen Welten erschliesst und bildet. Weil Lesen das Sprachgefühl fördert. Meine Eltern müssen mich nicht zum Lesen drängen: Mir macht Lesen einfach Spass.

Begleiter durchs ganze Leben

Doch wie ist es eigentlich dazu gekommen? Warum bedeuten mir Bücher so viel? Ganz einfach: Sie begleiten mich schon mein ganzes Leben lang. Mir wurde seit ich klein bin, immer vorgelesen. Ich lag in den Armen meiner Eltern, hörte ihre Stimme beim Vorlesen und fühlte mich geborgen.

International Literacy Day

Am 8. September ist International Literacy Day, Weltalphabetisierungstag. Weltweit können fast 800 Millionen Menschen nicht richtig lesen und schreiben. Die Unesco hat den Tag 1965 ins Leben gerufen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. 

Da gab es all die fantastischen Klassiker wie «Jim Knopf» von Michael Ende und «Räuber Hotzenplotz» von Ottfried Preussler. Aber auch «Nettis rote Gummistiefel» von Fetzi Baur fand ich besonders grossartig. Ich weiss noch, dass ich damals auch unbedingt rote Gummistiefel haben wollte, um damit draussen im Regen zu spielen. Genauso liebte ich als Kind Hörbücher. Einfach im Bett liegen, entspannen und zuhören oder dazu etwas malen. Das mache ich manchmal sogar heute noch, weil es sich anfühlt wie früher und einfach entspannend ist. Als ich etwas älter wurde, durften wir uns pro Woche ein Buch in unserer kleinen Schulbücherei ausleihen. Da gab es so viel zu entdecken. 

Wirklich gepackt, hat es mich dann in der Schule. Da habe ich gemerkt, dass Lesen mehr ist, als in einer anderen Welt zu versinken. Ich ging mit Freunden in den Pausen in unsere Schulbibliothek, wo wir uns gegenseitig vorlasen oder einfach gemütlich nebeneinandersassen und lasen. Unsere Schulbibliothekarin bekam immer mit, was ich mochte, und begann, mir Bücher zu geben, die so unglaublich gut waren! Einige davon haben mich so begeistert, dass ich sie von meinem Taschengeld gekauft habe, um sie in mein Bücherregal zu stellen. Dazu gehören zum Beispiel «Mariana» von Susanna Kearsley und «Beim Leben meiner Schwester» von Jodi Picoult.

Lesen verbindet – auch die Familie

Auch mein Vater begann mit mir, ganze Buchreihen zu lesen. Es ist zu einem Ritual geworden, das bis heute anhält und uns verbindet. Meiner Mutter gebe ich immer wieder Bücher aus dem Young und New Adult Genre, die mir gut gefallen. Allerdings kommt sie mittlerweile nicht mehr nach mit Lesen, weil ich die Bücher so schnell verschlinge.

Doch das Wichtigste habe ich bisher gar nicht erwähnt. Als ich 12 Jahre alt war, lernte ich in einem Urlaub in Frankreich ein Mädchen kennen, das schon alle «Harry Potter“-Bücher gelesen hatte. Die neue Freundschaft und die Tatsache, dass sie alleine Harry Potter las, war etwas ganz Besonderes für mich. Ein Tor zu einer neuen Welt tat sich auf. Ich unterhielt mich mit ihr ganze Abende über die Bücher. Als wir aus dem Urlaub zurückkamen las ich «Harry Potter und der Halbblutprinz» sofort von Anfang bis Ende alleine durch.

Aber zurück dazu, warum mir Bücher so viel bedeuten. Eigentlich ist es ganz einfach: Bücher verbinden! Ich lese zusammen mit Freunden und tausche mich mit ihnen aus. Ich lese zusammen mit meinem Vater und gebe Bücher an meine Mutter und manchmal sogar an meine Oma weiter. Auf der Buchmesse lerne ich Leute kennen, die ähnliches lesen und lieben wie ich selbst. Letztes Jahr wartete ich zum Beispiel auf ein Autogramm. Ich habe mich dann zwei Stunden mit ein paar anderen Mädchen vor mir in der Schlange unterhalten. Im Endeffekt war das wichtiger für mich als das Autogramm, das ich gar nicht bekommen habe, weil uns das Warten zu lang wurde und wir gegangen sind.

Die wahre Bedeutung des Lesens

Lesen verbindet also nicht nur mit Freunden und Familie, sondern sogar mit Fremden, die einfach auf derselben Wellenlänge sind. Solche Erfahrungen finde ich wunderschön und ich würde niemals darauf verzichten wollen.

Ich denke, ich bin zur Leseratte geworden, weil mir immer vorgelesen wurde und das Vorlesen somit ein Teil von mir ist. Es gab mir von vornherein Geborgenheit. Dieses Geborgenheitsgefühl beim Lesen ist bis heute geblieben. Lesen ist wie ein zweites Zuhause. Bücher stehen für mich für Kindheit, Familie und Freundschaft. Nie wollte jemand, dass ich lese, um mich zu bilden. Und ich glaube, genau das ist wichtig. Wenn ein Kind lesen soll, muss man ihm zeigen, was es bedeuten kann.

So wird auch Ihr Kind zur Leseratte

Lesen die Grundlage für ein selbstbestimmtes, gesundes Leben ist. Wer gern liest, liest viel. Wer viel liest, liest gut. Und wer gut liest, findet sich im Alltag besser zurecht. Nur, wie wird aus dem Kind ein Gern-Leser? Lernberater Michael Berger weiss es und gibt hier Tipps, wie Eltern mit Ihrem Kind das Lesen trainieren.