Facebook Pixel

Wer liest, lebt besser: So wird aus Ihrem Kind eine Leseratte

Wer gern liest, liest viel. Wer viel liest, liest gut. Wer gut liest, liest gern. Nur, wie wird aus dem Kind ein Gern-Leser? Lernberater Michael Berger weiss es. Fünf Tipps, wie Eltern mit Ihrem Kind das Lesen trainieren und warum Lesen die Grundlage für ein selbstbestimmtes, gesundes Leben ist. 

So fördern Sie die Lesekompetenz Ihrer Kinder.

Viel zu lesen, lohnt sich: Nicht nur die Lesekompetenz wächst, Ihr Kind eignet sich gleichzeitig auch immer mehr Wissen an. Bild: AscentXmedia, Getty Images

Mit der Fähigkeit zu lesen haben Kinder den Schlüssel zur Welt. Lesen öffnet Türen zu neuen Welten und unbegrenztem Wissen. Wissen zu allen Fragen, die Kinder interessieren und den Fragen, die im Leben wichtig sind oder werden. Dies ist später im Beruf genauso wichtig wie auch in der Freizeit. In unseren Breitengraden gehört Lesen zu den wichtigsten Schlüsselkompetenzen. Sie werden es kaum durch einen Tag schaffen, ohne irgendwo etwas zu lesen. Vielfach geschieht dies unbewusst, da es für uns alltäglich geworden ist. Wir bemerken die Notwendigkeit kaum noch, wir lesen automatisch. Kinder müssen sich das erst aneignen.

Auf das Tempo kommt es an: Lesen als automatisierter Prozess

Zu Beginn ist das Lesen mit viel Aufwand verbunden. Kinder starten mit einzelnen Buchstaben, danach folgen Wörter, Sätze und ganze Texte. In dieser Phase ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass Kinder genau lesen und die Buchstaben klar trennen können. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Kind die Buchstaben kennt, können Sie das einfach testen, indem Sie die bereits bekannten Buchstaben wie Gross- und Kleinbuchstaben aufschreiben. Erkennt Ihr Kind den Buchstaben innert einer Sekunde, so können Sie davon ausgehen, dass dieser gefestigt ist und beim Lesen angewendet werden kann. Zögert ihr Kind, so muss dieser Buchstabe weiter geübt werden, da er nicht genügend automatisiert ist. Hier lohnt sich das Üben, weil dadurch ein höheres Lesetempo möglich ist.

Ich persönlich lege grossen Wert auf die Lesegeschwindigkeit, da diese für das Textverständnis essenziell ist. Wer Mühe hat mit einer gewissen Geschwindigkeit zu lesen, benötigt im Alltag deutlich mehr Energie. Lesen muss sich also automatisieren. Dieser Prozess ist so anstrengend, dass viele den einfacheren Weg gehen – und einfach nicht lesen. Nur: Dadurch wird es nicht einfacher und plötzlich ist man auf Hilfe angewiesen, in Situationen, in denen man es vielleicht gar nicht möchte. 

Lesen als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben

Abhängigkeit ist nicht schön und nicht gesund. Deshalb ist die Lesekompetenz unserer Kinder eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und eine aktive Teilnahme an der Gesellschaft. Gerade in einer Demokratie ist es wichtig, mündige Bürger zu haben. Da reicht es nicht mehr, nur die Buchstaben zu kennen und aneinanderreihen zu können. Die Inhalte müssen verstanden werden, egal wie komplex diese sind und in welcher Form sie vermittelt werden.

Obwohl die Schule im Bildungsauftrag den Erwerb von Lesekompetenz hat, reicht dieses Umfeld alleine nicht aus. Besonders das Elternhaus ist gefragt und nimmt im ganzen Lernprozess einen wichtigen Platz ein. Erleben Kinder Lesen als etwas Schwieriges, werden sie es meiden. Ist Lesen etwas Lustvolles, steigt das Interesse und die Bedeutsamkeit. Das Schöne am Lesen ist, dass man es trainieren kann. Je besser man es beherrscht, desto höher ist der Spass. Zudem gibt es Bücher zu allen Themenbereichen. Sie müssen also nichts lesen, was Sie nicht interessiert.

Lesen kann trainiert werden: 5 Tipps für Eltern 

Vorbild sein

Lesen Sie, liest ihr Kind. Versuchen Sie bewusst in der Umgebung Ihres Kindes zu lesen. Idealerweise in einem Buch. Ihr Kind beobachtet Sie ständig und sieht, dass es Freude machen kann ein Buch zu lesen.

Tipp: Versuchen Sie, eine Lesezeit in den Tag einzubauen. Wir handhaben es so, dass nach dem Nachtessen «Lesezeit» ist. Jeder liest, was er mag. Es können auch Geschichten erzählt werden und die Kleinsten, welche noch nicht lesen können, verweilen sich mit Bilderbüchern. Ein toller Nebeneffekt ist hierbei, dass die Kinder dabei zur Ruhe kommen.

Vorlesen

Beginnen Sie schon früh mit Vorlesen. Zeigen Sie Ihrem Kind, was Sie alles lesen, damit wird es zu einer wichtigen Handlung. Nutzen Sie den Alltag, damit es mehr Bedeutsamkeit erhält. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, von Schriftzügen über Verpackungen bis zu Kochrezepten. Bei Geschichten ist es auch schön, abwechselnd zu lesen.

Über das Gelesene sprechen

Sprechen Sie untereinander über die Bücher, die gelesen werden. Sie zeigen sich damit gegenseitig Interesse und fördern nebenbei noch das Leseverständnis, welches bei PISA ja besonders kritisiert wurde. Was ist bisher geschehen? Wie könnte es weitergehen?

Tipp: Möchten Sie das Lesen «erleben», eigenen sich Schatzsuchen, welche es mittlerweile für fast alle Alterskategorien gibt. Gerade bei solchen Rätseln liegt die Lösung oft im Detail, was Textverständnis bedeutet.

Leseplatz

Ein gemütlicher Leseplatz lockt. Schaffen Sie sich einen Ort zum Wohlfühlen. Idealerweise sind an diesem Platz auch immer Bücher griffbereit. Es ist wie bei allem im Leben: Ist es leicht zugänglich, wird es genutzt.

Bibliothek und Bücherladen besuchen

In einem Bücherladen gibt es eine enorme Auswahl und in diesem Bereich finde ich es lohnenswert, auf das Onlineshopping zu verzichten und sich die Zeit zu nehmen und in ein Fachgeschäft zu gehen. Gehen Sie mit Ihrem Kind in einen Bücherladen und zeigen Sie, was es alles gibt, oder lassen Sie sich beraten. Es gibt so viele Bücher, etwas Spannendes findet sich immer. Auch sehr empfehlenswert sowie preisgünstig sind Bibliotheken. Oftmals gibt es in einer Gemeinde eine Bibliothek. Machen Sie dortige Besuche zur Gewohnheit.

Natürlich kann man jemandem die Freude am Lesen auch nehmen, weshalb es wichtig ist, folgende Punkte zu vermeiden.

Lesen als Strafe

Setzen Sie Lesen nicht als Strafe ein. Sobald sie dies tun, wird Lesen negativ wahrgenommen und der Widerstand steigt.

Korrekturen

Dieser Bereich ist schwierig. Einerseits sollte nichts Falsches gelernt werden und dennoch möchten wir die Freude hochhalten. Wichtig: Zeigen Sie, wie es geht und nicht was falsch war. Lesen Sie z.B. ein Wort korrekt vor, anstatt das Kind auf den Fehler aufmerksam zu machen.

Medien als Konkurrenz

Die Medien locken die Kinder an und solange wir Erwachsenen auch immer vor den Bildschrimen hängen, wird das Interesse der Kinder nicht abflachen. Wenn Sie also einem Kind vor dem Fernseher sagen, dass sie auch mal etwas lesen könnten, werden Sie kaum Erfolg haben. Ihr Kind wird Lesen in Konkurrenz zum Fernseher sehen und sich wahrscheinlich für den Fernseher entscheiden. Trennen sie beides klar, damit sie nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Michael Berger gezielt lernen

Michael Berger ist Schulischer Heilpädagoge und in seiner ersten Ausbildung Kindergartenlehrperson. Mittlerweile hat er auf jeder Schulstufe unterrichtet und ist nun auf der Oberstufe tätig. Auf seiner Online-Plattform gezielt-lernen.ch wendet er sich an Eltern und andere Interessierte und gibt auf dem dazugehörigen Blog Tipps rund ums Lernen. Mit seiner Lernberatung unterstützt er Eltern und Lehrer rund ums Lernen und im sonderpädagogischen Bereich.