Notfälle im Kinderspital Zürich: Bauchschmerzen, Herzrasen und mehr

Patric muss zur Kontrolle in die Notaufnahme im Kinderspital Zürich.

Der zehnjährige Patric kommt wegen Bauchschmerzen in die Notfallaufnahme des Kinderspitals.

Bis zum Erhalt der Resultate aus der Lumbalpunktion widmet sich Staubli dem zehnjährigen Patric, der nach seiner kürzlichen Blinddarmoperation mit Komplikationen, die einen zweiten Eingriff nötig machten, nun wieder unter starken Bauchschmerzen leidet. «Es ist nachvollziehbar, dass sowohl Patric als auch seine Eltern – die seit den beiden Operationen zum Verbandwechsel täglich das Kispi besuchen mussten – spitalmüde und frustriert sind», sagt Staubli. Ein Ultraschall schafft Klarheit: der Junge leidet nur unter einer schmerzlichen Verstopfung. Ein Einlauf bringt rasche Linderung.

Notfall im Kinderspital: Fabio hat Schmerzen und Herzrasen

Unterdessen wartet auch schon der zehnjährige Fabio auf Bescheid. Er ist während des Turnens nach einer Kollision mit der Tür zum Geräteraum in Ohnmacht gefallen. Seither verspürt er Schmerzen und Herzrasen. Weil ihm dies nicht zum ersten Mal passiert ist, will seine Mutter nun endlich Klarheit. Zur Abklärung wird Fabio ein EKG gemacht.

Währenddessen widmet sich Staubli der ersten Fraktur an diesem Nachmittag. Die siebenjährige Karuya wurde am Vortag auf dem Pausenplatz geschubst und ist darauf auf ihre zierliche Hand gefallen. Einen ganzen Tag hat sie die höllischen Schmerzen ausgehalten, aber heute Nachmittag konnte sie nicht mehr, ihr Vater hat sie nun zum Notfall gebracht: Der gebrochene kleine Finger muss zurecht gerückt werden. «Lachgas nimmt ihr sowohl den Schmerz als auch die Angst und die Kleine wird sich an nichts mehr erinnern», so Staubli. Karuyas zierliche Hand wird nach der Korrektur eingegipst. Den Gips wird sie drei Wochen lang tragen müssen.

Unterdessen liegen die Resultate der Lumbalpunktion bei der kleinen Maha vor. Der Verdacht hat sich bestätigt, das Mädchen hat eine Hirnhautentzündung. «Positiv ist, dass es sich um eine virale Entzündung handelt, negativ hingegen, dass es sich um einen nicht ganz harmlosen Herpes-Virus handeln könnte. Das Mädchen muss zur Überwachung stationär aufgenommen werden», erklärt Staubli ihren Eltern, die nun entscheiden müssen, wer bei der Kleinen die Nacht verbringen wird.

Ein gesundes Kinderherz kann auch mal stoplern

Unterdessen wurde bei Fabio ein EKG gemacht, das allerdings keine Unregelmässigkeiten aufweist. Auch der beigezogene Kardiologe kann im Augenblick nichts Aussergewöhnliches diagnostizieren. Meist sind solche «Fehlzündungen» harmlos, denn auch ein gesundes Kinderherz kann einmal stolpern oder sehr schnell schlagen. «Treten die Störungen allerdings immer wieder ein, müssen sie genauer untersucht werden. Doch dafür müssen Eltern und Kind eine erneute Störung abwarten und möglichst beim Eintretensfall untersuchen lassen. Diese Antwort ist für die verängstigte Mutter unbefriedigend, das ist mir bewusst», gibt Staubli zu.

Längst ist es Abend und auch Simonas Eltern suchen den Notfall auf. Das zweijährige Mädchen hat eine sogenannte Grünholzfraktur, die bei Kindern und Jugendlichen mit noch biegsamen Knochen auftritt. «Diese Fraktur muss regelrecht mechanisch zurecht gebogen werden. Dank Lachgas wird auch Simona allerdings weder etwas spüren, noch sich daran zurück erinnern.»

Ein Kind wird nach einem Velounfall in die Notaufnahme des Kinderspitals Zürich eingeliefert.

Der achtjährige Stefan hatte einen Velounfall. Der Arzt Georg Staubli ordnet Ultraschall und Röntgenaufnahmen an.

Während die Grünholz-Fraktur eingegipst wird, wird der achtjährige Stefan per Ambulanz eingeliefert. Er wurde beim Überqueren der Strasse mit dem Velo von einem Auto angefahren. Noch ist unklar, welche Verletzungen Stefan davon getragen hat. Ein Ultraschall und Röntgenaufnahmen werden Klarheit schaffen.

Unterdessen ist es 20 Uhr, das Wartezimmer ist voll: Unfälle mit Rückenprellungen und Kopfverletzungen, Neugeborene mit Fieberkrämpfen und Gelbsucht, geschwollene Lymphknoten, Blutplättchenerkrankung, Infekt in einem Gelenk und eine Augenverletzung stehen an. Doch erste Priorität hat jetzt der 15-jährige Manuel, der sich während des Unihockey-Trainings verletzt hat und darauf das Bewusstsein verloren hat. Die Ambulanz hat ihn soeben eingeliefert, er ist jetzt bei Bewusstsein. Auch bei Manuel wird als Erstes ein Ultraschall gemacht.

In der Zwischenzeit ist es 21.30 Uhr. Der Ultraschall und die Röntgenaufnahmen haben ergeben, dass Stefan weder innere Verletzungen aufweist, noch sein Bein gebrochen ist. «Nun werde ich also die Wunde zunähen, vielleicht geben wir dem Jungen auch etwas Lachgas.» Und tatsächlich: Ohne Lachgas geht es nicht. Das Zunähen dauert dann auch eine halbe Stunde und Stefan muss sich am Ende übergeben. «Das Erbrechen ist eine bekannte mögliche Nebenwirkung von Lachgas, da aber unter Lachgas die Schutzreflexe erhalten sind, ist dies für den Patienten zwar unangenehm, aber völlig ungefährlich», so Staubli. Stefans Bein wird eingeschient. Mit Stöcken ausgestattet wird er noch in der selben Nacht mit seiner Mutter nach Hause entlassen.

An diesem Donnerstag wurden in der Zeit zwischen 16 und 24 Uhr 59 Patienten in der Notaufnahme registriert, davon 15 in der kinderärztlichen Notfallpraxis. Stationär aufgenommen wurden während dieser Zeit fünf Kinder.

Weitere Fotos vom Tag in der Notaufnahme des Kinderspitals finden Sie hier: www.flickr.com

Waren Sie mit Ihren Kindern auch schon auf der Notaufnahme im Kinderspital? Was haben Sie erlebt? Schreiben Sie uns! Hier geht es zum Kommentarbereich.

Im Wartezimmer: Wer kommt zuerst?

Der Schweregrad der Erkrankung von Notfallpatienten wird mittels eines Triagesystems festgelegt und die Behandlungsreihenfolge entsprechend priorisiert. «Wir kennen eine 5-stufige Triagierung: Priorität 1 muss sofort angeschaut werden, Priorität 5 innert 2 Stunden. Es liegt in der Natur der Sache, dass zwischen der Pflegefachfrau, welche die Triage vornimmt und den Eltern, welche die Kinder einliefern, meist verschiedene Auffassungen herrschen. Die Eltern sind verunsichert und auch die minimalste Wartezeit erscheint ihnen wie eine Ewigkeit. Es ist nicht immer einfach, fundierte Erfahrungswerte und Emotionen in Einklang zu bringen. Auch ist es von aussen kaum beurteilbar, welche Leistungen in der Notaufnahme tatsächlich geleistet werden und dass  beispielsweise alleine das Anlegen einer Infusion an einem zweimonatigen Baby enorm viele personelle Ressourcen und Zeit absorbieren.»

Autor: Rita Angelone im April 2012, der Beitrag ist auch auf Rita Angelones Blog erschienen

Rita AngeloneRita Angelone ist mit dem Familienoberhaupt verheiratet, hat zwei Kinder – der Grosse (5 1/2) und der Kleine (3 1/2) – und schreibt jede Woche im «Tagblatt der Stadt Zürich» unter der Rubrik «Die Angelones» über den ganz normalen Wahnsinn ihres Familienalltags. Sie führt zudem den gleichnamigen Familienblog und gibt unverblümt zu, dass das Schwangersein viel einfacher war als das Kinderhaben. Und nicht selten ärgert sie sich, dass niemand offen zugeben will, dass eine Familie zu haben wahrlich alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Rita Angelone bloggt wöchentlich auch für den wir eltern-Blog. Mehr infos unter www.dieangelones.ch

 

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