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Kleine Wunden und Schnitte – Wann muss der Arzt gerufen werden?

Kleine Verletzungen gehören mit Kindern zum Alltag, verlieren aber zum Glück schnell den grossen Schrecken, den sie am Anfang auslösen. Doch welche Wunden dürfen selbst behandelt werden, und wann ist der Gang zum Arzt angesagt?

Bei Verletzungen müssen Sie wissen, wann ein Arzt geholt werden muss.

Kinder ziehen sich schnell mal kleine Verletzungen zu. Da ist es ratsam, genau zu wissen, wann ein Arzt benötigt wird. Bild: The-Tor, Getty Images

Hier ein kleiner Sturz und ein aufgeschürftes Knie, dort die Kollision mit der Tischkante und eine dicke Beule. Oder der Junior reisst sich mit einem Stock die Haut auf oder schneidet sich an einem scharfen Gegenstand. Das Blut fliesst, die Tränen ebenfalls. Nun gilt es als Elternteil, ruhig und mit Bedacht zu bleiben und schnell die passenden Massnahmen zu setzen. Zunächst einmal muss das Kind beruhigt werden. Dabei ist es wichtig, selbst Ruhe zu bewahren, was angesichts einer Verletzung nicht immer leicht ist. Doch das kann man üben.

Nach dem ersten Blick auf die Wunde gilt es, die richtigen Entscheidungen hinsichtlich des weiteren Vorgehens zu treffen. Ist es nur ein kleiner oder mittlerer Schnitt, eine Beule, ein Kratzer oder eine Wunde, die eine überschaubare Grösse und saubere Wundränder hat, dann kann die Verletzung selbst behandelt werden. Bei den folgenden Symptomen sollte aber ein Arzt aufgesucht werden:

Die Verletzung blutet sehr stark und lässt sich auch durch einen Druckverband nicht stillen. Dann ist eventuell ein Hauptgefäss verletzt, das der Arzt behandeln muss. Dabei sollte man bedenken, dass es Bereiche des Körpers gibt, die generell sehr stark bluten. Das gilt etwa für die Schleimhäute im Mund. Reisst bei einem Sturz zum Beispiel das Lippenbändchen, kommt es zu einer starken Blutung. Die Verletzung selbst ist aber harmlos und heilt von allein.

Die Wunde ist sehr stark verschmutzt und man muss damit rechnen, sie selbst nicht ausreichend säubern zu können.

Die Wundränder sind ausgefranst oder zerfetzt. Das erschwert die Heilung und es bedarf einer Behandlung.

Nach einem Sturz bildet sich nicht nur eine Beule, sondern das Kind zeigt zudem Benommenheit, klagt über Übelkeit oder wird ohnmächtig. Dann kann es sein, dass es sich eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. Eine Beule, also eine Schwellung, kann auch ins Innere des Kopfes hineinragen und so das Gehirn in Bedrängnis bringen. Die flache Seite eines Messers auf eine Beule zu drücken, wie es früher üblich war, sollte in jedem Fall vermieden werden.

Fremdkörper können Sie mit einer Pinzette entfernen. Achtung: Nicht alle Fremdkörper sind sofort zu sehen. Klagt das Kind, dass es noch Schmerzen hat, nehmen Sie das ernst.

Es handelt sich um eine Verletzung mit einem Messer oder einer Schere, bei der nicht genau eingeschätzt werden kann, wie tief die Wunde genau ist.

Die in Mitleidenschaft gezogenen Gliedmassen fühlen sich taub an oder die Haut wird durch mangelnde Durchblutung weiss bzw. blass. Dann kann es sein, dass eine tieferliegende Verletzung vorliegt und eventuell Bänder oder Sehnen beschädigt wurden.

In den meisten anderen Fällen – das gilt auch für kleine Verbrennungen oder einen Sonnenbrand – kann man die Wunde selbst versorgen und verarzten.

So geht man bei der Versorgung von kleinen Wunden vor

Die erste und wichtigste Massnahme ist immer das gründliche Säubern der Wunde. Nur eine gereinigte Wunde kann richtig verheilen. Verbliebene Fremdkörper oder Schmutz in der Verletzung können hingegen das Risiko einer Entzündung massiv steigern. Der Erwachsene, der sich um die Behandlung kümmert, sollte unbedingt gründlich gewaschene, am besten desinfizierte Hände haben. So vermeidet man die Kontamination mit Schmutz und unsichtbaren Erregern. Wer das Arbeiten mit Einweghandschuhen gewöhnt ist, der kann diese dabei tragen und so für noch mehr Sicherheit sorgen.

Kleine Fremdkörper wie Schmutz oder Steine werden mit einer Pinzette entfernt. Das gilt auch für Splitter, die man sich leicht an einem Holzstück einziehen kann. Achtung bei Glassplittern: Sie können sehr schwer zu sehen sein, wenn es sich beispielsweise um transparentes Glas handelt. Befindet sich solches Material in einer Wunde, kann der Körper aber mitunter mit deutlichen Schmerzen darauf reagieren. Klagt das Kind also, dass es noch Schmerzen hat, obwohl augenscheinlich nichts mehr zu sehen ist, sollte man dies unbedingt ernst nehmen.

Die Wunde wird mit sauberem Wasser ausgespült. Keine Angst vor dieser Massnahme – mit Wasser kann man nichts falsch machen. Anders jedoch bei vermeintlichen Hausmitteln wie Mehl, Quark oder Milch, von denen manchmal zu lesen ist, dass man sie auf eine Wunde, eine Verbrennung oder einen Sonnenbrand tupfen soll. Das ist grundsätzlich nicht zu empfehlen. Kleinere Verbrennungen, etwa wenn man kurz etwas Heisses angefasst hat, werden so schnell wie möglich mit kaltem Wasser oder einem Kühl-Pad behandelt. Später können sich eventuell Blasen bilden. Das ist nicht schlimm. Diese sollten hingegen nicht aufgestochen werden. Verbrennungen, bei denen sich die Haut löst oder bei denen gleich grosse Blasen entstehen, gehören allerdings in die Hände eines Arztes.

Handelt es sich um Schrammen oder Schürfwunden, dann kann ein Wundreinigungsspray eingesetzt werden.

Übrigens: Eine Blutung ist kein Feind, sondern eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Mit dem Blut werden Fremdstoffe und Krankheitserreger aus der Wunde gespült, später verschliesst es diese dadurch wieder selbst.

Infektionen vermeiden

Die meisten Wunden heilen von selbst. Das Blut reinigt sie und bildet als Schorf eine schützende Hülle, unter der sich neue Haut bildet. Dieser Heilungsprozess kann mit einem Jucken verbunden sein – dann gilt es, nicht zu kratzen, so wie es bei Insektenstichen der Fall ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, der trägt eine antiseptische Salbe auf. Enthält diese Jod, sollten Allergiker, Schwangere und Menschen mit Schilddrüsen-Erkrankungen lieber ein anderes Präparat wählen. Eine Wundheilsalbe ist bei Schwürfwunden und Verbrennungen die richtige Wahl, sie kann den Heilungsprozess beschleunigen.

Die Wunde abdecken

Um die Heilung nicht zu gefährden und die Stelle vor weiteren Verletzungen zu schützen, werden ein Pflaster oder ein Verband verwendet. Diese trockene Wundabdeckung gehört zum Standard – es handelt sich dabei um einen rein mechanischen Schutz ohne Zusatzfunktionen. Die Wundauflagen, Verbände und Pflaster müssen anfänglich mehrmals gewechselt werden. Sollten sie hingegen nass geworden sein, dann sofort austauschen. Eine Alternative sind Hydrokolloidverbände, die den Feuchtigkeitsgehalt der Haut regulieren und den Heilungsprozess fördern.

Was man nicht vergessen sollte: Unbedingt pusten, damit der Schmerz wegfliegen kann. Wenn das Kind fällt, keinen erschrockenen Ausruf tätigen, das animiert zum Weinen. Die meisten Verletzungen sind zum Glück nicht dramatisch und heilen mit etwas Unterstützung schnell wieder ab.