Leben in der Patchworkfamilie

Wenn eine Beziehung gescheitert ist, soll die Patchworkfamilie oft der Beginn einer neuen, besser funktionierenden Gemeinschaft sein. Doch gerade der bunte Mix aus verschiedenen Kernfamilien birgt Konfliktpotential. Hier finden Sie Anregungen und Tipps, wie Ihr Familienleben harmonisch verlaufen kann.

Patchworkfamilien bergen Konfliktpotenzial.

Das Leben in Patchworkfamilien ist nicht immer so einfach.

Paula ist neun Jahre alt. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter Esther und ihren Halbgeschwistern, deren Vater Esthers erster Mann ist. Das Kinderzimmer muss sie sich teilen – mit dem sieben Jahre älteren Halbbruder. Klar, dass sich die beiden oft streiten: Mag der Bruder es doch gar nicht, wenn Paula durchs Zimmer tobt, während er in Ruhe Musik hören will. Doch Esther, die Mutter, kann sich keine grössere Wohnung leisten, nachdem Paulas Vater die Familie verlassen hat. Seitdem Esther einen neuen Partner hat, kommt Paula das Problem mit ihrem Bruder relativ klein vor. Sie hat Angst, dass der neue Partner nun auch noch bei ihnen einziehen will.

Paulas Beispiel zeigt: Das Leben in Patchworkfamilien ist nicht immer leicht. Halbgeschwister müssen sich miteinander arrangieren. Ex-Partner müssen sich über finanzielle Fragen verständigen und Besuchsregelungen für die Kinder vereinbaren. Und kommen neue Partner ins Spiel, kann das mühsam erreichte Gleichgewicht innerhalb der Patchworkfamilie leicht wieder ins Wanken geraten.

Beziehung zum Kind des Partners

Verliebt zu sein in einen Mann oder eine Frau mit Kind, bedeutet: Wenig traute Zweisamkeit, stattdessen konfliktträchtige Dreisamkeit. Oft ist das Kind des neuen Partners gar nicht begeistert von dem fremden Menschen, der in sein Leben dringt. «Je destruktiver sich das Zusammenleben der Eltern bis zur Scheidung gestaltet hat und je schlechter sie gegenwärtig kooperieren, desto traumatischer sind die Erfahrungen der Kinder », schreibt der Däne Jesper Juul, einer der bekanntesten Familientherapeuten Europas, in seinem Ratgeber «Aus Stiefeltern werden Bonus-Eltern». «Oft fehlt den Kindern die Energie, sich konstruktiv gegenüber dem neuen Partner ihres Vaters oder ihrer Mutter zu verhalten.»

So unterschiedlich die Familienzusammensetzungen auch sind, eins haben sie alle gemeinsam: Es sind die Erwachsenen, die über Trennung und Zusammenleben entscheiden. Von Kindern wird erwartet, dass sie sich den neuen Partnern und neuen Geschwistern anpassen. Ganz wichtig ist es daher, Verständnis für das Kind des neuen Partners zu haben, auch dann, wenn es wütet, schreit und schmollt. Ein Kind muss seinen Gefühlen Ausdruck geben können, um mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes fertig werden zu können.

«Es ist an den Erwachsenen, die Botschaft zu verstehen: Ich habe die Trauer über den Verlust meiner Familie noch nicht überwunden», erklärt Jesper Juul. So kann ein neuer Partner zum Beispiel zum Kind sagen: «Ich weiss, wie schwierig es für Dich ist, dass Deine Mutter und ich uns ineinander verliebt haben. Es ist völlig in Ordnung, dass du darüber nicht so froh bist, wie wir es sind.»

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