Facebook Pixel

Voll Porno: Wie spreche ich mit Kindern über pornografische Inhalte im Netz?

Pornografie ist heute nur noch einen Touch entfernt. Kinder am Handy oder Tablet kommen oft ungewollt und früh mit Pornos in Berührung. Das heisst für mich als Mutter oder Vater, dass ich mein Kind über diese Inhalte aufkläre. Fünf Tipps, wie Sie mit Ihrem Kind ein gutes Gespräch über Pornografie führen.

Pornografie im Netz: Ergebnisse James Studie.

Ob in Apps, in der Werbung oder in Spielen: Kinder treffen schon früh auf Pornografie, ab der Oberstufe nimmt der Kontakt mit pornografischen Inhalten rasant zu. Bild: Redaktion Magazin Familienleben

Ein "ernstes Gespräch" mit dem Kind zu führen, ist nicht immer einfach. Denn selten verläuft ein solches Aufklärungsgespräch zwischen Eltern und Kind in einer angeregten Diskussion. Ein Grund, warum viele Eltern das Gespräch etwas vor sich herschieben und versuchen, den richtigen Moment abzuwarten. Die Strategie: Am Besten einfach solange warten, bis das Kind von sich aus mit Fragen kommt. Doch diese Idee ist leider oft nicht die beste. 

Kinder erzählen oft nicht vom Erstkontakt mit Pornografie

So versuchen sich die Kinder nämlich ihre Infos auf anderen Wegen zu holen, auf Wegen, die nicht immer verlässlich sind. Oder sie werden mit Themen und Inhalten konfrontiert auf die sie nicht vorbereitet waren. Natürlich haben Jugendliche Fragen zur Sexualität. Aber die stellen Sie nicht von sich aus den Eltern. 

Das Thema wird aber vor allem mit Gleichaltrigen besprochen oder sie holen sich die Infos direkt aus dem Internet. Nur selten suchen sie das direkte Gespräch mit erwachsenen Bezugspersonen.

Die EU Kids Online Studie Schweiz 2019 zeigt auf, dass mit dem Übertritt in die Oberstufe und dem Beginn der Pubertät der Kontakt mit sexuellen Inhalten deutlich zunimmt. Die Kinder kommen aber schon viel früher online mit Pornografie in Kontakt: In Apps, als Werbung, in Spielen oder über irgendwo platziertes Pop-Up-Fenster. Und nach dem Erstkontakt sprechen die Kinder oft mit niemandem darüber, genau deshalb ist das frühe Gespräch so wichtig. 

Es ist nicht einfach – fünf Tipps für ein gutes Gespräch

Über Sexualität mit Kindern zu sprechen ist nicht leicht. Was soll und kann ich wie ansprechen? Welche Wörter benutze ich dafür? Und weiss ich als Mutter oder Vater wirklich, was mein Kind so im Internet antrifft? Aus meiner Arbeit bei Zischtig.ch kenne ich diese Herausforderungen und Fragen sehr gut. 

Ich habe darum die wichtigsten Tipps von Sexualpädagogen für solche Gespräche mit dem eigenen Kind für Sie gesammelt.

1 Je früher umso besser?! Lange sagte man, der richtige Zeitpunkt für das Aufklärungsgespräch ist dann, wenn das Kind mit Fragen kommt. Dann soll eine altersgerechte Antwort erfolgen. Heute ist es oft früher als die ersten Fragen kommen. Sobald das Kind an ein internetfähiges Gerät kann, muss ich mit meinem Kind über mögliche auftauchende Pornografie sprechen. Kinder haben oft Angst, etwas Falsches oder Verbotenes gemacht zu haben, wenn sie so etwas „Grusiges“ im Internet das erste Mal sehen. Wenn ich meinem Kind klar mache, dass ich weiss, dass man ungewollt auf solche Inhalte stossen kann und was sich ungefähr dahinter verbirgt, traut sich das Kind auch eher zu mir zu kommen, wenn es dann wirklich passiert. 

2 Ruhig bleiben und keine Angst ausstrahlen: Als Mutter oder Vater bin ich besorgt, dass mein Kind nicht mit den plötzlich aufpoppenden Inhalten umgehen kann. Natürlich sorgt es für Unbehagen wenn ich mir nur vorstelle, dass mein Kind mit schon mit acht Jahren oder noch früher ein pornografisches Video sehen könnte. Diese Angst sollte das Kind aber nicht spüren. Kein Kind will seinen Eltern Angst machen und traut sich dann eben unter Umständen nicht, davon zu erzählen, wenn es passiert.

3 Auf der Meta-Ebene statt zu persönlich: Wenn es dann auch darum geht, dass das Kind schon eine sexuelle Reife erlangt hat, ist es wichtig, dass ich das Kind nicht mit zu persönlichen Fragen löchere. Es hilft, wenn ich etwas aus den Medien aufgreife wie einen Sexting-Fall oder Whatsapp-Pornostickers. Ich mache ein Angebot, frage nach, ob das an der Schule ein Thema ist, aber frage nicht direkt ob mein Kind schon einen Porno geschaut hat. Umgekehrt fällt es Kindern oft schwer sich vorzustellen, dass die eigenen Eltern mal Sex hatten oder womöglich sogar immer noch haben. Also kommen so Sätze wie „Auch Mami und Papi haben schon Pornografie geschaut“ nicht so gut an als Gesprächsbasis.

4 Realitätsgehalt von Pornografie: In der Mainstream-Pornografie wird so gut wie gar nichts von Liebe, Gefühle, Respekt vermittelt. Es geht um pure Unterhaltung und sie dienen nicht zur sexuellen Aufklärung, sondern um Profit zu erzielen. Als Medienpädagogin ist natürlich auch in meiner Arbeit bei zischtig.ch das Thema Pornografie ein Thema im Unterricht mit Jugendlichen. Nebst der Rechtsaufklärung merke ich oft in der Oberstufe bei den Jungs das verzerrte Bild aus der Pornoindustrie. Die Schätzungen wieviel Samenflüssigkeit bei einmal Ejakulieren ausgespritzt wird, reichen fast bis zu literweise, aber doch wenigstens eine Kaffeetasse voll. Dementsprechend empört wirken sie, wenn ich ihnen dann sage, dass es nur ungefähr soviel wie einmal in die Handfläche spucken ist. Aber sie schätzen das Gespräch enorm und sind oft insgeheim erleichtert.

5 Das Angebot an Aufklärungsmaterial nutzen: Es gibt viele gute Bücher, die an das Thema Sexualität im Vorschul- und Primarschulalter heranführen wie beispielsweise „Mein Körper gehört mir“, „Wie ist das mit der Liebe“ und „Ganz schön aufgeklärt“. Für die Pubertierenden ist es manchmal eher peinlich mit den Eltern über Sex zu reden. So helfen auch hier Zusatzangebote.

Es gibt unzählige YouTube-Kanäle zur sexuellen Aufklärung wie beispielsweise „Jungsfragen“ oder „61Minuten Sex“. Vielleicht ist es auch das zuhause rumliegende Aufklärungsbuch „Der ganze Kram, den du mit 14 wissen solltest!“ das sich das Kind plötzlich unbemerkt schnappt, oder die Netflix-Serie „Sex Education“ oder die Filme „Amateur Teens“ und „Upload“ die die Problematik aus Sexting und Gruppendruck aufgreifen.

Diese Tipps machen natürlich nur einen kleinen Teil der Aufklärungsarbeit aus, die Eltern leisten müssen. Wer noch weitere Infos dazu möchte, muss sich weiter informieren. Es gibt verschiedene Onlineportale, auf denen Sie sich informieren können. Und: Sprechen Sie über Ihre Gedanken. Egal, wo Sie als Mutter oder Vater gerade stehen, bei Unsicherheiten hilft es darüber zu sprechen. Und es geht vielen ähnlich. Das weiss ich aus Erfahrung. 

Sie fühlen sich immer noch unsicher?

Zischtig.ch hat gemerkt, dass sich viele Eltern Hilfestellungen zur Sexual- und Medienerziehung wünschen. Und bietet darum einen Aufklärungs-Elternabend an. An dem Abend stellen die Experten eine Reihe von Tools zur Sexual- und Medienerziehung vor. Dieser Abend setzt bei den Irritationen und Ängsten der Eltern an und vermittelt Hilfestellungen für die Sexual- und Medienerziehung zu Hause. Mehr Infos gibt es hier. 

Medienkompetenz mit dem Verein zischtig.ch

Der Verein zischtig.ch setzt sich dafür ein, Kinder und Jugendliche auf ansprechende, verständliche, berührende und wirksame Weise vor Onlinesucht, Cybermobbing, Cybergrooming und anderen Gefahren zu schützen. Im Vordergrund stehen ein begeisternder Vermittlungsstil und die Befähigung zu einer gewinnbringenden, kreativen und sicheren Mediennutzung. Auf Familienleben.ch schreibt Sharmila Egger vom Verein regelmässig über Themen rund um Medienkompetenz.