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Probleme mit dem Stiefkind? Praktische Tipps für Stiefmütter und -väter

Patchwork-Familien haben es nicht immer leicht. Was tun, wenn Stiefmütter oder Stiefväter mit ihrem Stiefkind vor allem schwierige Zeiten erleben? Psychologin Ina Blanc hat fünf Tipps, die weiterhelfen.

Stiefkind und Stiefmutter oder Stiefvater: Patchwork kann zu Stress führen.

Zwischen Stiefkind und Stiefmutter oder Stiefvater kann es zu Frust kommen. Bild: susib, Getty Images Plus

Das Leben in der Patchwork-Familie kann seine Tücken haben. Zum Beispiel diese: Ein Vater hat eine Tochter im Teenager-Alter, die in etwa jedes zweite Wochenende bei ihm verbringt. Und weil er sich längst neu verliebt hat, lebt er mit seiner Partnerin zusammen. Was aber, wenn die Teenager-Tochter an den Papi-Wochenenden vor allem frech und unfreundlich zu der neuen Partnerin ist?

Wenn das Kind in der Wohnung für Chaos sorgt und nicht aufräumen will? Und wenn zu allem Überfluss der Vater an diesen Wochenenden keinen Stress mit seiner Tochter will, sie machen lässt und sich seine Partnerin dadurch immer unwohler fühlt?

Darf die Stiefmutter dann eingreifen? Oder sollte sie an solchen Wochenenden lieber die Koffer packen und eine entspannte Zeit mit Freunden verbringen? Und was kann und sollte der Vater tun, um die Situation zu entschärfen?

Die Psychologin Ina Blanc hat Ratschläge für Patchwork-Familien, die aus dieser scheinbar ausweglosen Situation helfen können.

Probleme mit dem Stiefkind? Diese 5 Tipps helfen

1 Definieren Sie klare Rollen in der Patchwork-Familie

Ina Blanc: «Es ist ganz wichtig, dass die Rollen klar definiert sind. Die neue Partnerin oder auch der Partner ersetzt keinen Elternteil und hat auch keine Erziehungsfunktion, es sei denn, der Elternteil ist (fast) nicht mehr im Leben des Kindes präsent und/oder die Beziehung zum Kind ist sehr schlecht. Denn Kinder lassen sich ihre Eltern nicht ersetzen.

Wenn man ein neuer Partner ist, kann man eine gute Beziehung zum Kind aufbauen, aber nicht als Ersatz eines Elternteils. Vergegenwärtigen Sie sich: Sie sind nicht die Mutter oder der Vater des Kindes. Natürlich kommt es auch auf die Lebenssituation der Patchwork-Familie an. Es gibt Unterschiede, ob man immer zusammenlebt oder sich nur an Wochenenden sieht.»

2 Als neue Partnerin unterstützend da sein und auch mal Abstand suchen

Ina Blanc: «Die neue Partnerin sollte zwar keine Erziehungsaufgaben übernehmen, kann ihren Partner aber liebevoll unterstützen. Sie sollte verstehen, dass es für das Kind schwierig ist, sie zu akzeptieren. Denn es steht in einem Loyalitätskonflikt zur Mutter. Das ist der Grund, aus dem ein Kind mal gemein sein kann oder eine Partnerin beziehungsweise einen neuen Partner ablehnt. Das darf man nicht persönlich nehmen.

Aber es ist klar, das braucht sehr viel Kraft. Es kann auch eine gute Lösung sein, als neue Partnerin ab und zu an den Kind-Wochenenden zu verreisen und zum Beispiel eine gute Zeit mit Freunden zu verbringen. Nehmen Sie den Druck aus der Situation. Manchmal wird es einfacher, wenn man sich eine Zeitlang ein wenig zurückzieht. Für die Vater- Kind-Beziehung ist es ebenfalls wichtig, dass es Momente gibt, wo sie Zeit ungestört zusammen verbringen können.»

3 Hinterfragen Sie als Mutter oder Vater Ihren Erziehungsstil

Ina Blanc: «Man weiss ganz allgemein, welche Erziehungsstile Kindern guttun und welche nicht. Drei bekannte und verbreitete Stile sind: Der autoritäre, der permissive und der autoritative Erziehungsstil. Autoritär ist die Erziehung, die auf strenge Regeln setzt und in der wenig Empathie Platz hat. Die meisten Kinder entwickeln dabei einen geringen Selbstwert, und wenig Sozialkompetenz. Das ist nicht gut.

In den 60er Jahren kam die permissive Erziehung auf, auch bekannt als laissez-faire, also: Kind, mach was du willst. Das entspricht dem, was Sie vom Papi-Wochenende in der Patchwork-Familie beschreiben. Es ist dort zwar emotionale Wärme vorhanden, doch können sich Kinder bei zu viel Freiheit unsicher fühlen. Auch hier entwickeln die Kinder oft nur wenig soziale Kompetenz, können schwieriger Bindungen eingehen und haben oft keinen starken Selbstwert.

Der autoritative Stil ist hingegen der goldene Mittelweg. Es gibt klare Regeln, aber man ist sehr liebevoll und empathisch, versucht das Kind zu stärken und zur Eigenverantwortung zu animieren. Man weiss, Grenzen geben Kindern Sicherheit.

Wenn der Vater am Wochenende alles durchgehen lässt, bedeutet das eine Überforderung für das Kind. Kinder testen Erwachsene aus und provozieren, weil sie Grenzen wollen, um sich wieder sicher zu fühlen. Eigentlich wäre es gut, wenn der Vater autoritativ wäre, liebevoll auf das Kind eingehen, aber Grenzen setzen würde.»

4 Bemühen Sie sich als Ex-Partner um eine gute Beziehung zueinander

Ina Blanc: «Besonders wichtig bei Patchwork Familien ist, dass die Ex-Partner eine gute Beziehung zueinander haben und Eltern- und Paarrollen gut trennen können. In der Elternrolle sollten Vater und Mutter auch nach der Trennung versuchen zu kooperieren. Wenn sie jeweils der neuen Beziehung positiv gegenüberstehen, ist es für das Kind viel einfacher, eine gute Beziehung zum neuen Partner oder zur neuen Partnerin aufzubauen.

Wenn aber zum Beispiel die Ex-Frau die neue Beziehung des Mannes ablehnt, spürt das Kind das natürlich. Es hat dann vielleicht den Eindruck, dass es sich in Situationen mit der neuen Partnerin gar nicht wohlfühlen darf. Und dieser Loyalitätskonflikt schafft eine innere Zerrissenheit und einen grossen Leidensdruck für das Kind, die schwere Konsequenzen für seine Entwicklung haben können.»

5 Seien Sie glücklich

Ina Blanc: «Trotz aller Probleme, die in Patchwork-Familien zwischen Stiefkindern und Stiefmüttern oder –vätern entstehen können: Es ist nicht gut, wenn ein Paar nur der Kinder wegen zusammenbleibt oder ein Elternteil unglücklich alleine bleibt und keine neue Beziehung beginnt. Es ist für die gesamte Familie wichtig, dass auch die Eltern glücklich sind. Kinder sind sehr anpassungsfähig und können viele neue Situationen gut bewältigen, wenn sie in einem wohlwollenden Umfeld aufwachsen, wo sie respektiert und beschützt werden und wo das Wohlbefinden aller Familienmitglieder zentral ist.»

Ina Blanc gibt Tipps, wie Eltern mit den Ängsten ihrer Kinder umgehen können.

Ina Blanc ist Psychologin am Zentrum für Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie der Uni Basel und ist dort Leiterin der Weiterbildungen in Kinder- und Jugendpsychologie.

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