Job und Kinder: Arbeiten ohne schlechtes Gewissen

Wenn beim Abschied in der Krippe das Kind weint, haben berufstätige Mütter oft ein schlechtes Gewissen. Sie fürchten, ihr Kind könne zu kurz kommen. Doch auch Frauen mit Job können ihrem Nachwuchs alles mit auf den Weg geben, was sie brauchen. Wie das geht, weiss Dr. Gabriele Hofmann-Schmid, Autorin des Buches «Best Mama».

Job und Kinder: Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben

Job und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist ohne schlechtes Gewissen möglich. Das wichtigste ist eine glückliche Mutter! Foto: iStockphoto - ThinkStock

Viele berufstätige Mütter haben ihren Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen, wenn sie morgens zur Arbeit fahren. Muss das sein?

Dr. Gabriele Hofmann-Schmid: Definitiv nicht. Die Frage, ob eine Frau berufstätig ist oder nicht, sagt nichts darüber aus, ob sie eine gute Mutter ist. Viel entscheidender ist, ob sie zufrieden mit ihrem Leben ist. Eine glückliche Mutter ist das Beste, was ihren Kindern passieren kann! Wichtig ist deshalb, dass sie ihr Leben so ausfüllt, wie sie es sich wünscht. Dabei sind alle Varianten möglich: volle Berufstätigkeit, Teilzeitanstellung, eine selbstständige oder gar keine Berufstätigkeit.

Sie sind selbst Mutter dreier Kinder und arbeiten als Rechtsanwältin und Coach. Hatten Sie anfangs auch manchmal ein schlechtes Gewissen Ihren Kindern gegenüber?

Es ist schon lustig, einem Mann wird diese Frage nie gestellt … Nein, wenn ich weggehe, plagt mich weniger das schlechte Gewissen, als die Tatsache, dass ich tatsächlich gern bei meinen Kindern bin, vor allem, wenn ich merke, dass sie mich gerne um sich haben würden. Gerade die Zeit mit Kleinkindern ist aber auch enorm anstrengend. Wenn ich weiss, dass die Kinder gut aufgehoben sind, während ich nicht da bin, gehe ich beschwingt weg und geniesse die Zeit in der «Erwachsenenwelt» - genauso wie abends die Zeit im Kinderzimmer oder beim Hausaufgabenmachen.

Je mehr eine Mutter erwerbstätig ist, umso weniger Zeit hat sie für ihre Kinder zur Verfügung. Wie viel Zeit muss eine Mutter für die Kinder da sein, damit sie eine gute Mutter ist?

Wichtiger als die Menge ist die Qualität der Zeit: Frauen, die die Zeit, die sie tatsächlich zu Hause verbringen, voll und mit ungeteilter Aufmerksamkeit ihren Kindern schenken – mit ihnen spielen, basteln, auf den Spielplatz oder ins Schwimmbad gehen - verbringen möglicherweise mehr qualitative Zeit mit ihnen als Frauen, die nicht berufstätig sind. Kurzum: Solange eine berufstätige Mutter bei allem, was sie tut, immer wieder Zeit einbaut, um sich liebevoll den Bedürfnissen der Kinder zu widmen, ist sie eine wunderbare Mutter. Die Wochenenden sollten überwiegend den Kindern gehören, nicht anderen Verwandten und Freunden.

Vereinen Sie Job und Kinder und seien Sie glücklich!

Der Abschied vom Kind fällt oft schwer. Foto: Photodisc

Neben Beruf und Kindern bleibt wenig Platz für anderes.

Das stimmt, der Tag hat nur 24 Stunden. Wenn es irgendwie finanziell möglich ist, sollte man sich unbedingt eine Putzhilfe leisten, schon deshalb, um das Gefühl zu haben, nicht alles alleine machen zu müssen. Selbst dann sollten sich berufstätige Mütter für ein paar Jahre vom perfekten Haushalt trennen. Natürlich darf auch der Partner eingebunden werden. Je nach Verfügbarkeit sollten feste Zeiten festgelegt werden, in denen er sich um die Kinder kümmert.

Wo stecken Sie persönlich zurück?

Bei der Anzahl Stunden, die ich schlafe! Im Ernst, ich erledige viele Dinge nachts. Da ich ein Nachtmensch bin, fällt mir das leicht. Da ich im Gegenzug kein Morgenmensch bin, fällt mir dann allerdings das Aufstehen schwer! Darüber hinaus selektiere ich sowohl berufliche wie auch (halb)private Verpflichtungen danach, ob sie etwas bringen oder ob sie wirklich Spass machen – da fällt vieles weg. Und klar, es gibt einiges, das ich wieder aufnehmen werde, wenn die Kinder gross sind: Klavierspielen, endlich ein paar Fotoalben anlegen und spontane Weekendausflüge.

Wie finden Eltern eine Betreuung für ihre Kinder, die so gut ist, dass sie sich morgens ruhigen Gewissens verabschieden können?

Ob Nanny, Tagesmutter, Krippe, Au-pair-Mädchen oder Absprache mit anderen Müttern: Ganz wichtig ist es, auf die innere Stimme zu achten. Beim Abschied muss man ein gutes Gefühl haben – überzeugt davon sein, dass das Kind liebevoll betreut wird und alles bekommt, was es braucht, während man weg ist. Es ist auch zu prüfen, ob die konkrete Betreuung wirklich zum Kind passt. Für das eine kann eine Tageskrippe eine wunderbare Lösung, für das andere ein Grund, jämmerlich zu weinen und ständig krank zu sein. Wenn im Inneren Zweifel an der guten Betreuung nagen, sollte auf sie gehört und nach alternativen Lösungen gesucht werden. Es gibt sie immer.

Was macht die beste Mama der Welt aus?

Die beste Mama der Welt liebt ihre Kinder bedingungslos und lässt sie das auch spüren. Sie konzentriert sich auf die guten Eigenschaften ihrer Kinder und baut so ihr Selbstvertrauen auf. Sie gibt ihnen genügend Freiraum, sich zu entwickeln und eigenen Interessen nachzugehen. Sie geniesst ganz bewusst die Zeit mit ihren Kindern – egal, ob sie berufstätig ist oder nicht.

Dr. Gabriele Hofmann-SchmidDr. Gabriele Hofmann-Schmid, 1964 geboren, arbeitet als Rechtsanwältin, Coach und Autorin. Mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Hunden lebt sie in Hersberg (BL). Wer mehr zum Thema Job und Kinder lesen möchte, kann sich ihr Buch beim Fischer Verlag bestellen oder sich unter www.bestmama.ch informieren.

Best Mama. Berufstätig und … die beste Mama der Welt. R.G. Fischer Verlag 2012, Taschenbuch.
 

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