Überforderte Eltern brauchen Hilfe

Wenn Eltern ausrasten, schrecken sie auch nicht davor zurück, winzig-kleine Babys zu schlagen. Deshalb sollten sich überforderte Mütter und Väter rechtzeitig um Möglichkeiten zur Entlastung bemühen. Wo finden überforderte Eltern Hilfe?

Überforderte Mütter und Väter sollten sich rechtzeitig um professionelle Hilfe bemühen.

Überforderte Mütter und Väter sollten sich rechtzeitig um professionelle Hilfe bemühen. Foto: iStock, diego cervo, Thinkstock

Erschreckend: Die Anzahl Kindsmisshandlungen steigt Jahr für Jahr. Im Jahr 2008 registrierte das Kinderspital Zürich 455 Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung. Davon konnten 285 Fälle gesichert werden. Die Hälfte der Opfer ist unter 7 Jahren, über ein Drittel betrifft sexuellen Missbrauch. Und das sind nur die registrierten Kindsmisshandlungen – die Dunkelziffer dürfte noch viel höher sein. Experten glauben aber, dass heutzutage nicht mehr zugeschlagen wird als früher. Aber man ist heute mehr sensibilisiert, sodass Missbräuche auch eher entdeckt werden.

Weshalb kommt es aber überhaupt dazu, dass erwachsene Menschen kleinen, wehrlosen Wesen derart Gewalt antun? Experten sehen den Grund dafür in den hohen Ansprüchen, die die Gesellschaft, aber auch die Eltern an sich selber stellen. Kind, Job, Haushalt und Hobby müssen unter einen Hut gebracht werden, und alles soll perfekt funktionieren.

Schlecht vorbereitet

Eine weitere Ursache ist mangelndes Wissen. Zwar kennen werdende Eltern jedes Detail in Sachen Geburt, aber was danach auf sie zukommt, darüber sind sie oft zu wenig informiert. Was es wirklich heisst, rund um die Uhr für ein kleines Kind da zu sein, wird einem erst nach der Geburt bewusst. Und ein Baby, das ständig schreit, ist auch für hartgesottene Eltern eine echte Belastungsprobe. Zudem gibt es in den modernen Kleinfamilien keine Grossmutter oder Tante mehr, die die Mutter zwischendurch ganz unkompliziert entlasten könnte.

So kommt denn für viele Mütter und Väter irgendwann einmal der Moment, wo sie an ihre Grenzen kommen, wo ihnen die Sicherung durchbrennt und sie zuschlagen. Es ist also nicht Bosheit, sondern schlichte Überforderung, wenn Kinder misshandelt werden – und höchste Zeit für die Eltern, Hilfe bei Fachleuten zu suchen.

 

Soforthilfe gefragt

Was können Eltern tun, wenn sie spüren, dass sie kurz vor dem Ausrasten stehen? Diese Tricks könnten helfen:

  • Gehen Sie in einen anderen Raum, in den Keller, auf den Balkon oder kurz nach draussen und atmen Sie tief durch, sagen Sie laut das Alphabet auf oder zählen Sie langsam bis 50.
  • Schrubben Sie den Küchenboden, schütteln Sie das Bettzeug auf oder kneten Sie einen Teig – lassen Sie Ihre Wut irgendwo aus, nur nicht am Kind.
  • Suchen Sie sich einen Ort, wo Sie ungestört Ihren Frust heraus schreien können.
  • Rufen Sie jemanden an, dem sie vertrauen, oder wenden Sie sich an den Elternnotruf.

 

Tipps und Infos:

  • Elternnotruf: Telefon 044 261 88 66. Hier finden gestresste Eltern rund um die Uhr Hilfe. www.elternnotruf.ch
  • Auf www.elternbildung.ch finden Eltern aktuelle Kursangebote zum Thema Kindererziehung in ihrer Region
  • Die Kinderschutzgruppen an den Kinderspitälern helfen, Lösungen für Kinder und Eltern zu finden.
  • Die Jugendsekretariate der Bezirke bieten Kleinkindberatung an.
  • Mütterberaterinnen sind ebenfalls Ansprechpartnerinnen.

 

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