Guter Sex und sein Geheimnis

Zu gutem gehört auch schlechter Sex, findet die Paar- und Sextherapeutin Dr. Ines Schweizer aus Luzern, Mit-Autorin des Buches «Guter Sex». Sie lüftet für uns das Geheimnis des Glücks im Bett.

 

Um guten Sex zu haben, muss man auch schlechten Sex haben und gehabt haben

Guter Sex ist Sex, der glücklich macht. Foto: Digital Vision, Photodisc, Thinkstock

Frau Dr. Schweizer, warum wollen wir Sex?

Dr. Ines Schweizer: Sex gehört ebenso zu den Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken. Ohne Sexualität hätte sich die Menschheit nicht fortgepflanzt. Die individuellen Gründe, miteinander Sex zu haben, sind dagegen so vielseitig wie die Menschen selbst. Sex kann zum Beispiel rein triebgesteuert oder emotional sein. Sex kann aber ebenso materielle Ziele verfolgen, nicht nur in der Prostitution, auch in Partnerschaften. Manchmal haben Menschen Sex, damit der Partner seine unausstehlich schlechte Laune verliert. Umgekehrt lässt sich mit Sex Stress abbauen.

Doch nicht jeder Sex ist guter Sex …

Guter Sex ist Sex, der glücklich macht. Er geschieht ohne Absicht – allein um der Sache willen. Bei gutem Sex geht es um etwas Gemeinsames, um ein Zusammenspiel, das die sexuellen Wünsche beider Partner berücksichtigt.

Wie lässt sich in diesem Sinne guter Sex praktisch umsetzen?

Um guten Sex zu haben, muss man auch schlechten Sex haben und gehabt haben. Ich meine damit, dass es wichtig ist, Erfahrungen zu sammeln. Nur mit einer gewissen Neugierde und Offenheit lässt sich herausfinden, was sich gut anfühlt – und was nicht. Gute Sexpraktiken sollen sicher auch nicht stets die gleichen Sexpraktiken sein. Immer Steaks zu essen, wäre auch langweilig.

Sind also Neugierde und Offenheit das Geheimnis von gutem Sex?

Nein, ich würde sagen: Das Geheimnis von gutem Sex ist Kommunikation. Damit Sex als erfüllend erlebt wird, müssen sich Partner darüber austauschen können, was gefällt und was weniger gefällt.

Ist Kommunikation sogar wichtiger als Liebe?

Um die Liebe zu erhalten, ist Kommunikation notwendig. Am Anfang der Beziehung, in der Verliebtheitsphase, lässt sich vieles häufig einfach so klären. Doch wenn der Alltag mit seinen Anforderungen eintritt, muss man miteinander reden.

Über Sex zu reden, fällt vielen Paaren schwer.

Absolut! Paaren fällt es nicht nur schwer, über Sex zu reden, sondern auch, sich über andere Themen konstruktiv miteinander auszutauschen. Mit zunehmender Beziehungsdauer werden langsam auch negative Seiten des Partners sichtbar. Darüber hinaus häufen sich unter Stress Missverständnisse. Wer nicht aufpasst, kommuniziert bald mal destruktiv und verletzend. Dazu gehört, den Partner nicht ausreden zu lassen, nicht zuzuhören, einander Vorwürfe zu machen. Doch es ist grundsätzlich wichtig, gut zu kommunizieren – im Alltag genauso wie in der Sexualität. Wer im Alltag nicht kommunizieren kann, tut sich auch im Sexleben schwer. «Licht aus - und ich bin ein anderer Mensch» – das funktioniert so nicht.

Was lässt sich in diesem Sinne konkret für eine gute Sexualität tun?

Es gilt, eine gute Kommunikation zu lernen. Ich-Botschaften statt Du-Botschaften formulieren, offene Fragen stellen, aktiv zuhören, eigene Gefühle ausdrücken – das sind die Stichworte. «Wir haben seit einem Monat keinen Sex mehr gehabt. Das macht mich traurig, weil ich die Nähe vermisse, die Sex schafft», «Du bist heute zum Höhepunkt gekommen, bevor ich in Fahrt gekommen bin. Das frustriert mich. Lass uns überlegen, wie wir zu einem Zusammenspiel kommen können …»

Sex-Probleme können aber auch rein körperlicher Art sein …

Dann lassen sie sich mit Hilfe konstruktiver Kommunikation besprechen. So finden sich Wege, um mit ihnen umzugehen.

Wo und wie lässt sich konstruktives Kommunizieren lernen?

Bücher wie «Was Paare stark macht» von Guy Bodenmann helfen weiter. Konstruktive Kommunikation lässt sich darüber hinaus in Paarkursen lernen und üben. Auch Paartherapeuten vermitteln diese Techniken.

Was lässt sich tun, wenn ein Partner in die Beziehung investieren will, der andere aber nicht mitzieht?

Als Paar- und Sextherapeutin erlebe ich oft, dass zunächst einer der Partner – häufig die Frau - die Initiative ergreift. Erzählen und Reflektieren in der Therapie haben bereits dann viele gute Effekte auf die Partnerschaft, wenn nur ein Partner beteiligt ist. Doch wenn der Kommunikationsstil schlecht ist, genügt es langfristig nicht, dass einer gut reden kann. Früher oder später muss der Partner mitziehen. Therapie lässt sich nur bis zu gewissem Punkt ohne Partner machen.

Sextherapeutin Dr. Ines Schweizer aus Luzern

Zur Person:

Ines Schweizer ist in der Nähe von Luzern aufgewachsen. Nach ihrem Psychologie-Studium in Fribourg und Erlangen hat sie der Forschergeist an die Medizinische Hochschule Hannover geführt, wo sie zum Thema «Sexuelle Phantasien» von Frauen promoviert hat. Neben vielen Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Sexualtherapie verfügt sie über eine Ausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. Seit mehr als zehn Jahren verhilft Ines Schweizer in ihrer Praxis Menschen zu einer lust- und genussvollen Sexualität: www.therapie-luzern.ch

 
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