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Angst vor der Geburt: normale Sorgen, Tokophobie und was hilft

Je näher der Termin rückt, desto lauter wird bei vielen Schwangeren das Kopfkino. Angst vor der Geburt ist normal, und viele Sorgen verlieren an Gewicht, sobald du weisst, was dich erwartet. Manche Frauen fürchten sich aber so sehr vor Schwangerschaft und Geburt, dass es ihr Leben einschränkt. Dann spricht man von einer Tokophobie, und auch dafür gibt es Hilfe.

Angst vor Geburt und Schwangerschaft kann Frauen in einen starken Leidensdruck versetzen.
Angst vor Geburt und Schwangerschaft kann Frauen in einen starken Leidensdruck versetzen. © Matthias Lindner, Getty Images

Angst vor der Geburt: Das Wichtigste in Kürze

Angst vor der Geburt ist normal

Eine Geburt lässt sich nicht bis ins Letzte planen. Dass dir dabei mulmig wird, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine verständliche Reaktion auf etwas Unbekanntes. Am häufigsten sorgen sich Schwangere um die Gesundheit ihres Kindes. Die Hälfte nennt diese Sorge, vier von zehn fürchten die Schmerzen.[1]

Ein gewisser Respekt kann sogar nützlich sein. Er bringt dich dazu, Fragen zu stellen und dich vorzubereiten. Schwierig wird es erst, wenn die Angst die Vorfreude verdrängt, dir den Schlaf raubt oder dich davon abhält, schwanger zu werden.

Häufige Sorgen vor der Geburt und was dahintersteckt

Viele Ängste kreisen um Situationen, die in der Vorstellung grösser wirken als später im Gebärsaal. Das sind die häufigsten, und das solltest du darüber wissen.

Die Sorge um das Baby

Diese Sorge steht auf der Liste ganz oben. Ganz abstellen lässt sich diese Sorge nicht, aber du bist damit nicht allein. Die Vorsorgeuntersuchungen zeigen dir und deiner Ärztin oder Hebamme, wie sich dein Baby entwickelt. Während der Geburt überwacht das Team die Herztöne deines Kindes und greift ein, wenn etwas auffällt. Frag bei den Kontrollen nach, was ein Befund bedeutet. Was du verstehst, kannst du besser einordnen.

Den richtigen Moment verpassen

Fahre ich zu früh ins Spital und werde wieder heimgeschickt? Oder zu spät? Und was, wenn die Wehen einsetzen, während ich allein zu Hause bin? Diese Fragen beschäftigen vor allem Erstgebärende. Entscheiden musst du das nicht allein. Ruf die Geburtsabteilung deines Spitals, dein Geburtshaus oder deine Hebamme an. Die Fachpersonen fragen nach Abstand und Stärke der Wehen und sagen dir, ob es Zeit ist loszufahren.

Echte Geburtswehen kommen regelmässig, werden stärker und rücken näher zusammen. Beim ersten Kind fangen sie meist harmlos an, etwa als leichtes Ziehen, und werden über Stunden kräftiger. Bis dein Partner oder eine Vertrauensperson bei dir ist, bleibt deshalb in aller Regel genug Zeit. Woran du die Anzeichen der Geburt erkennst und wann du ins Spital musst, liest du in unserem Ratgeber.

Blasensprung im Tram, Geburt im Auto

Die Filmszene, in der das Fruchtwasser im Supermarkt in einem Schwall auf den Boden platscht, ist die Ausnahme. Meist setzen zuerst die Wehen ein, und die Fruchtblase öffnet sich erst im Lauf der Geburt. Springt sie doch vorher, meldest du dich bei der Geburtsabteilung. Ein Handtuch und Wechselwäsche in der Tasche beruhigen trotzdem.

Auch eine Geburt im Auto ist selten. Die Fahrt ins Spital ist aufregend, für dich und für die Person am Steuer. Konzentrier dich auf deine Atmung und überlass das Fahren den anderen. Meist bleibt dafür genug Zeit. Geht es doch sehr schnell und spürst du schon den Drang zu pressen, fahrt nicht mehr los oder haltet an einem sicheren Ort an und ruft die Sanität unter 144. Bist du allein, setz dich mit Wehen nicht selbst ans Steuer, sondern lass dich fahren, etwa mit dem Taxi.

Peinliche Momente im Gebärsaal

Viele Frauen fürchten, in der Pressphase Stuhlgang zu haben. Das kann passieren, weil das Köpfchen des Babys beim Tiefertreten auf den Darm drückt. Für Hebammen und Ärztinnen ist das Alltag. Sie räumen es diskret weg, und oft bekommst du es gar nicht mit. Genauso normal ist es, laut zu werden. Stöhnen, Schreien oder Weinen gehört für viele Frauen zur Geburt, und niemand im Gebärsaal erwartet, dass du still bleibst.

Schmerzen trotz PDA

Die Angst vor Geburtsschmerzen ist eine der häufigsten überhaupt. Die Periduralanästhesie (PDA) lindert sie bei den meisten Frauen sehr gut. Ganz schmerzfrei ist die Geburt damit aber nicht immer. Manchmal lässt die Wirkung nach, oder eine Stelle bleibt empfindlich. Sag es deshalb sofort der Hebamme oder der Anästhesistin, wenn du trotz PDA Schmerzen hast. Oft lässt sich die Dosis anpassen oder der Katheter neu legen.

Ein Notkaiserschnitt

Manchmal muss es schnell gehen, weil es dem Baby oder dir nicht gut geht. Ein Notkaiserschnitt wirkt dann hektisch und beängstigend. Für das Team im Gebärsaal ist er aber ein eingeübter Ablauf, bei dem jeder Handgriff sitzt. Gegen die Angst vor einem Kaiserschnitt hilft es vielen Frauen, sich schon in der Schwangerschaft anzusehen, wie er abläuft.

Nach der Geburt: Liebe, Sorgen und die Psyche

Manche Schwangere fürchten, ihr Baby nicht sofort zu lieben. Bei vielen Müttern ist das Gefühl gleich nach der Geburt da, bei anderen wächst es über Tage oder Wochen. Beides ist normal, denn Bindung entsteht im Alltag mit dem Kind. Die Sorge, dass dem Kind etwas zustossen könnte, begleitet dagegen fast alle Eltern. Sie rückt in den Hintergrund, je vertrauter ihr miteinander werdet.

Hast du Angst vor einer Wochenbettdepression, hilft es, sie vom Babyblues unterscheiden zu können. Eine Wochenbettdepression ist keine seltene Ausnahme: Rund 15 Prozent der Frauen erkranken im ersten Jahr nach der Geburt daran. Davon zu unterscheiden ist der Babyblues: Drei von vier Müttern erleben ein paar Tage nach der Geburt ein Stimmungstief, das nach einigen Stunden oder Tagen vorbeigeht.[2] Hält die Niedergeschlagenheit über Wochen an, sprich mit deiner Hebamme, deiner Frauenärztin oder deinem Hausarzt.

Woran du eine postpartale Depression erkennst und wo du Hilfe bekommst, erklären wir ausführlich.

Wann aus Angst eine Tokophobie wird

Unter Tokophobie, auch Schwangerschaftsphobie genannt, versteht man eine übermässige Angst vor Schwangerschaft und Geburt. «Es handelt sich dabei nicht mehr um normalen, gesunden Respekt vor einer Schwangerschaft oder Geburt. Die betroffene Person ist stark belastet», sagt die Psychotherapeutin Linda Rasumowsky.

Wovor sich Betroffene konkret fürchten, ist verschieden. «Es können unspezifische Ängste rund um Schwangerschaft und Geburt, Katastrophenszenarien oder auch Angst vor Schwangerschaftsbeschwerden sein», erklärt Rasumowsky. Manche fürchten das Gefühl, ein Wesen im eigenen Körper zu tragen. Andere haben Angst vor Geburtsverletzungen, vor einem kranken Kind oder davor, dass sie selbst oder das Baby die Geburt nicht überleben.

Typisch ist, dass die Angst das Handeln bestimmt. Viele Betroffene vermeiden eine Schwangerschaft, obwohl sie sich ein Kind wünschen. «Es gibt auch Schwangerschaftsabbrüche trotz Kinderwunsch», sagt Rasumowsky. Die Angst kann sich auch körperlich zeigen, etwa mit Schlafstörungen, Herzrasen, Anspannung und Unruhe. Fachleute unterscheiden zwei Formen. Die primäre Tokophobie betrifft Frauen, die noch nie geboren haben. Die sekundäre entwickelt sich meist nach einer Geburt, die eine Frau als traumatisch erlebt hat.[3] Bestimmt die Angst deinen Alltag, sprich sie bei der nächsten Kontrolle oder bei deiner Hausärztin an.

Wie häufig ist Tokophobie?

Wie viele Frauen betroffen sind, hängt stark davon ab, wie man die Angst misst. Schätzungen gehen davon aus, dass 5 bis 14 Prozent der Frauen unter einer ausgeprägten Angst vor der Geburt leiden.[3] «Die Phobie vor einer Schwangerschaft oder Geburt ist noch eher wenig erforscht», sagt Rasumowsky.

Warum manche Frauen so grosse Angst vor der Geburt haben

Woher die heftige Angst kommt, lässt sich nicht einheitlich beantworten. Jede Frau bringt ihre eigene Geschichte mit, und manchmal wissen Betroffene selbst nicht, woher ihre Angst stammt.

«Beteiligt sind Faktoren wie biografische Erfahrungen, die gelernte Art von Emotionsbewältigung sowie auch aktuelle Belastungsfaktoren, wie etwa Beziehungsprobleme», erklärt Rasumowsky.

Buchtipp: Selbstbestimmte Geburt ohne Angst

Selbstbestimmte Geburt ohne Angst Buch
© Trias Verlag

Johanna Vlk ist seit über 40 Jahren als Hebamme tätig und hat sich mit der Biologin Nina Jährling zusammengetan, um unsicheren Frauen zu helfen.

Dazu haben sie die Fearless-Methode entwickelt, die Ängste abbauen und auf die Geburt vorbereiten soll. Im Buch findest du Atem- und Körperübungen gegen Geburtsschmerzen sowie wissenschaftliche Hintergründe zu Schwangerschaft und Geburt, einfach und verständlich erklärt.

Das Buch findest du beispielsweise bei Orell Füssli.

Angst vor der Geburt beim zweiten Kind

Haben Frauen schon ein Kind geboren, geht ihre Angst oft auf eine Geburt zurück, die sie als traumatisch erlebt haben. Manche haben auch eine Fehl- oder Totgeburt hinter sich. «Es sollte dann auch abgeklärt werden, ob es sich nicht eigentlich um eine Traumafolgestörung handelt», sagt Rasumowsky. Die Situation sollte immer individuell angeschaut werden, damit die Hilfe passt. Wie sich ein Geburtstrauma zeigt und was dagegen hilft, liest du in unserem Ratgeber. Manche Spitäler bieten auch ein Nachgespräch an, in dem du die erste Geburt mit einer Hebamme oder Ärztin durchgehen kannst. Frag in deiner Geburtsklinik danach.

Wunschkaiserschnitt als Lösung bei Angst vor der Geburt?

Manche Frauen wünschen sich aus Angst vor einer vaginalen Geburt einen Kaiserschnitt. Laut Rasumowsky kann das sinnvoll und entlastend sein, sofern es mit medizinischen Fachpersonen besprochen wird. Idealerweise bekommst du zusätzlich therapeutische Hilfe.

Vor einem Wunschkaiserschnitt besprechen die Fachpersonen mit dir ausführlich Nutzen und Risiken im Vergleich zur vaginalen Geburt. Bei Bedarf ziehen sie eine Fachperson bei, die auf Geburtsangst spezialisiert ist. Bleibst du danach bei deinem Wunsch, soll er erfüllt werden.[4]

Was gegen die Angst vor der Geburt hilft

Mit der Hebamme reden

Sprich deine Ängste früh an, bei deiner Frauenärztin, im Spital oder bei deiner Hebamme. Wer den Ablauf kennt, sieht vielen Sorgen gelassener entgegen. Die Grundversicherung zahlt 150 Franken an einen Geburtsvorbereitungskurs bei einer Hebamme oder an ein Beratungsgespräch mit ihr über die Geburt, das Wochenbett und das Stillen.[5] In einem solchen Gespräch kannst du auch festhalten, was dir für die Geburt wichtig ist, etwa bei der Schmerzlinderung.

Den Gefühlen auf den Grund gehen

Woher kommt die Angst? Manchmal hilft es schon, sie aufzuschreiben oder mit dem Partner darüber zu reden. «Besonders empfehlen kann ich emotionsfokussierende Methoden, klinische Hypnose oder andere Methoden, die die Emotionen mit einbeziehen», sagt Rasumowsky. Vielen Frauen tut auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe, in einem Online-Forum oder im Freundeskreis gut.

Therapie: Was sie bringt und wer sie zahlt

Schränkt dich die Angst stark ein, such dir professionelle Hilfe. Psychologische Behandlungen können die Angst vor der Geburt verringern, auch wenn viele Studien dazu methodische Schwächen haben.[3] Eine psychologische Psychotherapie zahlt die Grundversicherung, wenn eine Ärztin sie anordnet, zum Beispiel deine Hausärztin oder eine Psychiaterin. Deine Frauenärztin darf das nur, wenn sie eine Zusatzausbildung in psychosomatischer Medizin hat. Ausserdem muss die Psychotherapeutin für die Grundversicherung zugelassen sein; frag bei der Anmeldung danach. Eine Anordnung deckt bis zu 15 Sitzungen, danach kann die Ärztin noch einmal 15 anordnen. Soll die Therapie nach 30 Sitzungen weitergehen, muss die Krankenkasse vorher zustimmen.[5] Ab der 13. Schwangerschaftswoche bis acht Wochen nach der Geburt verlangt die Krankenkasse für solche Leistungen weder Franchise noch Selbstbehalt.[6]

Angst vor der Geburt: Hier findest du Hilfe

Quellen

  1. Geissbühler V, Eberhard J: Fear of childbirth during pregnancy: a study of more than 8000 pregnant women. Journal of Psychosomatic Obstetrics & Gynecology, 2002 (Abstract; Befragung 1991–1999 am Kantonsspital Frauenfeld). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 01.10.2026)
  2. Kantonsspital Baden: Depression nach der Geburt: Viele Mütter leiden im Stillen, 2024. kantonsspitalbaden.ch (abgerufen am 01.10.2026)
  3. Webb R et al.: Interventions to treat fear of childbirth in pregnancy: a systematic review and meta-analysis. Psychological Medicine, 2021 (Übersichtsarbeit, international). pmc.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 01.10.2026)
  4. DGGG, OEGGG, SGGG: S3-Leitlinie Die Sectio caesarea (AWMF 015-084), 2020, Empfehlung 4.9.3. register.awmf.org (abgerufen am 01.10.2026)
  5. Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (KLV, SR 832.112.31), Stand 1. August 2026, Art. 11b und Art. 14. fedlex.admin.ch (abgerufen am 01.10.2026)
  6. Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10), Stand 1. Juli 2026, Art. 64 Abs. 7. fedlex.admin.ch (abgerufen am 01.10.2026)

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