Schwangerschaft > SchwangerschaftsbeschwerdenHämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt: unangenehm, aber meist harmlos Julia Wohlgemuth Es juckt und brennt nach dem Stuhlgang, und manchmal ist Blut am Papier? Dann bist du nicht allein. Hämorrhoiden gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Schwangerschaft und in den ersten Wochen nach der Geburt, auch wenn kaum jemand darüber redet. Dabei kannst du einiges dagegen tun, und meist verschwinden sie nach der Geburt von selbst wieder. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Probleme mit Hämorrhoiden können den Toilettenbesuch unangenehm machen. Bild: mraoraor, Getty Images Nein, ein angenehmes Thema ist es nicht. Vielen Schwangeren ist es peinlich, die Frauenärztin oder die Hebamme darauf anzusprechen. Für die beiden ist es allerdings ein Alltagsthema. Wie viele Frauen betroffen sind, ist schwer zu sagen: Die Angaben reichen von etwa einer bis zu vier von zehn Frauen in der Schwangerschaft oder kurz danach, und am häufigsten beginnen die Beschwerden im letzten Schwangerschaftsdrittel und in den Tagen nach der Geburt.[1][2] Was Hämorrhoiden sind und woran du sie erkennst Genau genommen hat jeder Mensch Hämorrhoiden. Gemeint ist ein schwammartiges Gefässpolster am Ende des Enddarms, das zusammen mit dem Schliessmuskel den After fein abdichtet. Zum Problem wird es erst, wenn sich diese Polster vergrössern und Beschwerden machen. Fachleute sprechen dann vom Hämorrhoidalleiden.[2] Das typische Zeichen ist hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier oder am Stuhl. Vergrösserte Hämorrhoiden können beim Pressen nach aussen treten und sich danach wieder zurückziehen. Nässen sie, reizt das die Haut rund um den After: Es juckt und brennt. Die Hämorrhoiden selbst tun dagegen meist nicht weh, weil sie in einem Bereich ohne Schmerzempfinden liegen. Eine seltene Ausnahme ist ein vorgefallener Knoten, der sich nicht mehr zurückschieben lässt und eingeklemmt wird: Das schmerzt stark und gehört rasch in ärztliche Hände. Auch wenn das Blut hellrot aussieht, verrät seine Farbe nicht zuverlässig, woher es stammt. Eine Blutung aus dem After lässt du deshalb abklären.[2] Hast du Schmerzen am After, steckt meist etwas anderes dahinter. Häufig ist es eine Analvenenthrombose, im Volksmund auch äussere Hämorrhoide genannt. Dabei hat sich in einer kleinen Vene am Afterrand ein Blutgerinnsel gebildet, und es taucht plötzlich ein bläulich-roter, schmerzhafter Knoten auf, erbsen- bis pflaumengross. Gefährlich wird eine solche Thrombose nie, eine Ärztin sollte sie sich trotzdem ansehen. Brennt es dagegen vor allem beim Stuhlgang und schmerzt danach noch eine Weile, spricht das eher für eine Analfissur, einen kleinen Einriss der Haut am After.[3] Warum Schwangerschaft und Geburt Hämorrhoiden begünstigen In der Schwangerschaft stellen sich die Hormone um, und Beschwerden am After nehmen in dieser Zeit oft zu. Wie stark die Schwangerschaft selbst echte Hämorrhoiden verursacht, ist allerdings umstritten, denn gesicherte Daten dazu sind dürftig. Mit Krampfadern haben Hämorrhoiden übrigens nichts zu tun, auch wenn Krampfadern in der Schwangerschaft ebenfalls häufiger werden.[2] Dazu kommt die Verdauung. Die Schwangerschaftshormone machen den Darm träger.[4] Wer verstopft ist und beim Stuhlgang kräftig presst, belastet die Gefässpolster am After. Verstopfung hängt denn auch eng mit Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zusammen. Ein erhöhtes Risiko haben ausserdem Frauen, die schon früher Hämorrhoiden oder eine Analfissur hatten.[1] Bei der Geburt selbst zählt vor allem das Pressen. Dauert die Pressphase länger als 20 Minuten oder wiegt das Baby mehr als 3800 Gramm, treten Hämorrhoiden danach häufiger auf. Betroffen sein können aber auch Frauen, die per Kaiserschnitt geboren haben, zumal die Beschwerden oft schon im letzten Schwangerschaftsdrittel beginnen.[1] Vorbeugen: den Stuhl weich halten Am meisten kannst du selbst tun, indem du deinen Stuhl weich hältst. Was gegen Verstopfung in der Schwangerschaft hilft, hilft deshalb auch hier. Iss ballaststoffreich, also Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, viel Gemüse und Obst. Trink genug und beweg dich jeden Tag. Gib dem Stuhldrang nach, statt ihn aufzuschieben, und bleib nicht länger als nötig auf der Toilette sitzen. Weniger Pressen und genug Ballaststoffe lindern auch Beschwerden, die schon da sind.[2] Reicht das nicht, sind Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie oder Flohsamenschalen der nächste Schritt. Sie sind in der Schwangerschaft unbedenklich, solange du genug dazu trinkst. Hilft auch das nicht, gilt Lactulose als Abführmittel der Wahl, Macrogol kommt als Alternative infrage. Gedacht sind Abführmittel aber nur für eine hartnäckige Verstopfung, und du nimmst sie möglichst kurz. Mittel mit Sennesblättern, Faulbaumrinde oder Aloe sowie Rizinusöl sind in der Schwangerschaft dagegen nicht geeignet.[4] Was bei Jucken und Schmerzen hilft: Sitzbad, Kühlen, sanfte Pflege Ein lauwarmes Sitzbad kann in der Schwangerschaft Linderung bringen, und viele Frauen empfinden es als wohltuend.[2] Dafür reicht eine Wanne oder eine Sitzbadschüssel mit angenehm warmem, nicht heissem Wasser. Andere empfinden Kühlen als angenehmer, etwa mit einem Kühlpack in einem Tuch, nie direkt auf der Haut. Probier aus, was dir guttut. Nach dem Stuhlgang reinigst du den After am besten mit Wasser, unter der Dusche oder mit der Handbrause und ohne Seife. So wird die gereizte Haut nicht zusätzlich strapaziert.[3] Tupf danach sanft trocken, statt zu reiben. Hämorrhoidensalbe und Zäpfchen: was in der Schwangerschaft infrage kommt Auch bei einem meist harmlosen Hämorrhoidalleiden gilt in der Schwangerschaft und in der Stillzeit: Medikamente nur sehr zurückhaltend einsetzen.[2] Am ehesten kommt eine Salbe mit einem örtlichen Betäubungsmittel wie Lidocain infrage. Der Wirkstoff selbst gilt in der Schwangerschaft als einsetzbar.[4] Für die fertigen Hämorrhoidenpräparate fehlen allerdings Studien aus der Schwangerschaft, und für sie gelten strengere Regeln: Ein verbreitetes Kombipräparat mit Lidocain ist nur vorgesehen, wenn es eindeutig nötig ist, in den ersten drei Monaten besonders zurückhaltend. Präparate mit Kortison sind im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht vorgesehen und auch danach nur, wenn sie eindeutig nötig sind, kurz und kleinflächig.[5] Einige Hämorrhoidensalben bekommst du ohne Rezept in der Apotheke. Kauf trotzdem nichts auf eigene Faust. Sag in der Apotheke, dass du schwanger bist, oder frag deine Frauenärztin oder Hebamme. Treten die Beschwerden zum ersten Mal auf, sollte eine Selbstbehandlung nicht länger als zwei Wochen dauern. Bei Blut im Stuhl gehört die Sache ohnehin in ärztliche Hände.[5] Eine Operation vermeidet man in der Schwangerschaft; sie kommt nur infrage, wenn die übrige Behandlung versagt.[2] Verschreibt dir die Ärztin ein Mittel, das die Grundversicherung übernimmt, hilft dir eine Regel: Ab der 13. Schwangerschaftswoche bis acht Wochen nach der Geburt beteiligst du dich nicht an den Kosten für Behandlungen bei Krankheit, zahlst also weder Franchise noch Selbstbehalt. Das gilt auch für Beschwerden, die nicht direkt von der Schwangerschaft herrühren.[6] Ob ein Präparat kassenpflichtig ist, sagt dir die Apotheke. Hämorrhoiden nach der Geburt: bilden sie sich zurück? Bei rund einem Drittel der betroffenen Frauen beginnen die Beschwerden erst nach der Entbindung.[1] Oft hat das Pressen bei der Geburt die Gefässpolster zusätzlich belastet. Nicht jeder Schmerz im Wochenbett kommt allerdings von Hämorrhoiden: Auch die Naht nach einem Dammriss kann beim Sitzen und beim Stuhlgang wehtun. Bei den meisten Frauen sind die Beschwerden einige Wochen nach der Geburt verschwunden, oft ganz ohne Behandlung. Bei manchen dauert es länger: Bis hartnäckigere Beschwerden ganz abgeklungen sind, können zwei bis knapp sechs Monate vergehen.[2] Der Druck der Gebärmutter fällt nach der Geburt weg, und der Körper stellt sich hormonell wieder um. Dass Rückbildungsgymnastik Hämorrhoiden schneller verschwinden lässt, ist allerdings nicht belegt. Für deinen Beckenboden lohnt sie sich aus anderen Gründen. Taucht im Wochenbett plötzlich ein praller, bläulicher und schmerzhafter Knoten am After auf, ist das meist eine Analvenenthrombose. Oft reichen abschwellende Massnahmen wie Zäpfchen und Sitzbäder. Sind die Schmerzen stark, kann die Ärztin den Knoten in örtlicher Betäubung eröffnen und ausräumen, was rasch Linderung bringt. Ohne Eingriff bildet er sich im Lauf von Wochen zurück. Manchmal bleibt danach eine Hautfalte am After zurück, eine sogenannte Mariske. Stört sie, lässt sie sich später entfernen.[3] Auch im Wochenbett bleibt ein weicher Stuhl das Wichtigste. Musst du nachhelfen, gehört Lactulose auch in der Stillzeit zu den Abführmitteln der Wahl.[4] Bei Salben und Zäpfchen fragst du vor der Anwendung nach, ob sie sich mit dem Stillen vertragen. Die Angaben unterscheiden sich je nach Wirkstoff und Präparat: Manche sollst du beim Stillen nur anwenden, wenn es eindeutig nötig ist, bei anderen heisst es, entweder die Behandlung oder das Stillen zu unterbrechen.[5] Sprich die Beschwerden auch bei den Besuchen deiner Hebamme an. Was sonst in dieser Zeit normal ist, liest du in unserem Artikel über das Wochenbett. Wann du zur Ärztin gehen solltest wenn du Blut am Stuhl oder am Toilettenpapier bemerkst, denn die Farbe verrät nicht, woher es kommt wenn ein praller, bläulicher Knoten am After stark schmerzt wenn es beim Stuhlgang heftig brennt und danach lange nachschmerzt wenn sich ein vorgefallener Knoten nicht mehr zurückschieben lässt wenn sich die Beschwerden nach zwei Wochen Selbstbehandlung nicht bessern Geh sofort auf den Notfall, wenn es ohne Pause blutet, wenn viel Blut oder Blutklumpen abgehen oder wenn die Schmerzen sehr stark sind. Bei einer sehr starken Blutung rufst du die 144. Bekommst du Fieber oder fühlst du dich krank, meldest du dich noch am selben Tag in der Praxis. Blut aus der Scheide ist etwas anderes: Blutungen in der Schwangerschaft lässt du immer sofort abklären. Hast du auch mit Hämorrhoiden zu kämpfen? Schreib uns im Kommentarbereich. Quellen Poskus T, Buzinskienė D, Drasutiene G et al.: Haemorrhoids and anal fissures during pregnancy and after childbirth: a prospective cohort study. BJOG, 2014; 121(13): 1666–1671. Frei zugänglich ist das Abstract. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (abgerufen am 30.09.2026) Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie u. a., unter Beteiligung der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Koloproktologie: Hämorrhoidalleiden. S3-Leitlinie, AWMF-Registernummer 081-007, Langfassung, Stand April 2019, Gültigkeitsdauer laut Dokument bis 31.03.2024. register.awmf.org (abgerufen am 30.09.2026) Kantonsspital Baselland, Zentrum Bauch, Proktologie und Beckenboden: Analvenenthrombose. ksbl.ch; die Angaben zur Analfissur stehen auf der Seite Analfissur (beide abgerufen am 30.09.2026) Embryotox, Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin: Obstipation, Lactulose und Lidocain. embryotox.de (Obstipation), embryotox.de (Lactulose), embryotox.de (Lidocain) (abgerufen am 25.09., 28.09. und 30.09.2026) Swissmedic-Arzneimittelinformation, Fachinformationen Scheriproct (Prednisolonhexanoat, Cinchocain; Stand November 2024) und Procto-Glyvenol (Tribenosid, Lidocain; Stand August 2023). swissmedicinfo.ch (Scheriproct), swissmedicinfo.ch (Procto-Glyvenol) (abgerufen am 30.09.2026) Bundesamt für Gesundheit BAG: Krankenversicherung: Prämien und Kostenbeteiligung. bag.admin.ch (abgerufen am 25.09.2026)