Dammriss: häufig auftretende Verletzung bei der Geburt

Ein spontaner Dammriss tritt ungefähr bei jeder vierten natürlichen Entbindung auf. Meist heilen Dammverletzungen innerhalb einiger Wochen ab, Komplikationen sind selten. Wie Sie einem Dammriss vorbeugen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Ein Dammriss verheilt in den ersten Wochen nach der Geburt meist von allein.

In den ersten Wochen nach der Geburt heilt ein Dammriss in der Regel von ganz allein. Foto: Dagmara Ponikiewska, iStock, Thinkstock

Der Damm (Perineum) ist das Gewebe zwischen Vagina und After. Kopf und Schultern des Neugeborenen dehnen ihn oft extrem in der letzten Phase der Entbindung - oft buchstäblich bis zum Zerreissen. Meist reisst der Damm während einer Presswehe ein, ein Vorgang, den die meisten Frauen nur am Rande wahrnehmen. Erst später, wenn alles überstanden ist, macht sich der Dammriss mit Schmerzen und Brennen beim Sitzen, beim Laufen oder beim Stuhlgang bemerkbar.

Dammrisse lassen sich je nach Ausmass der Verletzung unterscheiden: Ein Riss ersten Grades betrifft nur Haut und Bindegewebe, ein Riss zweiten Grades auch die Dammmuskulatur. Von Rissen dritten und vierten Grades ist auch der Afterschliessmuskel, im schwersten Fall die Schleimhaut des Darmausgangs betroffen.

Dammriss: Hygiene wichtig

Zur fachgerechten Versorgung gehört bei Dammrissen ab dem zweiten Grad das sorgfältige schichtweise Nähen des gerissenen Gewebes. Ab dem dritten Grad wird ein Arzt hinzugezogen. Für alle Dammverletzungen ist Hygiene in der Heilungsphase das A und O: Wichtig ist, Binden häufig zu wechseln und den Damm nach jedem Toilettengang mit Wasser zu spülen. Die meisten Dammverletzungen heilen ohne Komplikationen. Spätfolgen sind selten und treten nur in schweren Fällen auf.

Dammriss: Schmerzen sind normal

Bei einem Dammriss sind Schwellungen und Schmerzen während der Heilung normal. Spätestens nach sechs Wochen ist aber meist nichts mehr zu spüren. Zu den Komplikationen bei der Heilung gehören Infektionen oder Abszesse, die ärztlich behandelt werden müssen. Ist der Afterschliessmuskel erheblich verletzt, kann es Monate dauern, bis sich die Muskelfunktion wieder normalisiert hat. Zeitweiser Verlust der Darmkontrolle kann auftreten. In seltenen Fällen führt infolge der Dammverletzung gebildetes Narbengewebe zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Belastungsinkontinenz oder Gebärmuttervorfälle haben mit Dammverletzungen wenig zu tun: Für diese Probleme ist die Schädigung tiefer gelegener Muskeln und Bänder verantwortlich - die allerdings ebenfalls durch die Entbindung verursacht worden sein können.

Dammschnitt: Nutzen medizinisch nicht gesichert

In den vergangenen Jahrzehnten galt der gezielte Dammschnitt als ein anerkanntes Mittel, den Unwägbarkeiten einer spontanen Dammverletzung zuvorzukommen. Der medizinische Nutzen der routinemässigen Episiotomie, wie ein Dammschnitt auch heisst, gilt heute aber nicht mehr als gesichert. Ein Dammriss heilt oft schneller und mit geringerer Narbenbildung als ein gezielter Schnitt. Geburtshäuser verzichten daher heute weitgehend auf den Eingriff. Dennoch kann es unter der Geburt Bedingungen geben, bei denen ein Dammschnitt medizinisch notwendig ist: etwa bei Frühgeburten, um den Kopf des Kindes zu schonen, bei langwierigen Geburten und / oder geschwächtem Zustand von Mutter oder Kind.

Dammriss vorbeugen

Regelmässige Dammmassagen und Dehnungsübungen während der Schwangerschaft lockern das Gewebe, bereiten den Damm auf die besonderen Belastungen vor und können so einem Dammriss vorbeugen. Eine noch bessere Wirkung versprechen aufblasbare Silikonballons als «Trainingsgeräte» für den Damm.

Während der Entbindung helfen warme Kompressen, das Dammgewebe locker und elastisch zu halten. Ein leichter manueller Gegendruck auf den Damm beim Durchtritt des Köpfchens kann ebenfalls einen Riss verhindern. Als schonend für Beckenboden- und Damm gilt die Vierfüsslerposition. Die wenigsten Dammverletzungen treten bei Wassergeburten auf.

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