Hausgeburt: Wie sicher ist sie wirklich?

Für viele Frauen kommt eine Hausgeburt nicht in Frage, weil sie zu riskant ist. In der Schweiz finden nach Angaben des Schweizerischen Hebammenverbandes nur etwa ein Prozent aller Geburten zu Hause statt. Ist die Hausgeburt im Vergleich zu einer Geburt im Spital oder im Geburtshaus wirklich riskanter?

Wie sicher ist eine Hausgeburt?

Frauen, die sich für eine Geburt zu Hause entscheiden, betrachten die Geburt als einen natürlichen Vorgang. Foto: ChristinLola, iStock, Thinkstock

«Ich hatte fünf Hausgeburten, zum Teil waren die [Geschwister]Kinder dabei. Es war wunderschön. (…) Den Kindern merkt man an, ob sie zu Hause auf die Welt gekommen sind, sie sind ruhig und vertrauensvoll», schreibt eine Mutter im familienleben Forum. Gegenteiliger Meinung ist eine andere Mutter: «Ich würde mir nie anmuten einer Frau eine Empfehlung abzugeben wie und wo sie gebären soll. Aber ich kann nur für mich sagen, dass ich es wieder so machen würde, nämlich im Spital. Hätte ich das bei meiner letzten Geburt nicht gemacht, wäre ich wahrscheinlich verblutet.»

Für die einen ist es das schönste Erlebnis, für die anderen ein Albtraum. Die Skepsis gegenüber Hausgeburten ist in der Bevölkerung und bei Fachleuten gross, wie im Zürcher Bericht «Gesundheit von Müttern und Kindern unter sieben Jahren» zu lesen ist. Die Skepsis ist aber unbegründet. Zumindest gilt das bei einem Blick auf die Statistiken.

Studien: Hausgeburten sind genauso sicher wie Geburten im Spital

Verschiedene aktuelle internationale Studien haben gezeigt, dass geplante Hausgeburten oder Geburten in einem Geburtshaus ebenso sicher sind wie Geburten im Spital, erklärt Doris Güttinger, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbandes. In der Schweiz wurde im Jahr 1993 die Nationalfondstudie «Hausgeburt versus Spitalgeburt» vorgestellt. Innerhalb von vier Jahren wurden Frauen mit geplanter Hausgeburt und mit geplanter Spitalgeburt im Kanton Zürich untersucht. Aus den beiden Gruppen konnten etwa 219 Paare gebildet werden, die in Bezug auf Alter, Kinderzahl, Partnersituation, Gesundheitszustand, Nationalität und soziale Schicht vergleichbar waren.

Das Ergebnis der Studie: «Die geplanten Hausgeburten beinhalteten keine grösseren Risiken für Mutter und Kind als die Geburt im Spital», heisst es im Merkblatt des Schweizerischen Hebammenverbandes. Die Unterschiede zwischen Haus- und Spitalgeburt werden bei den medizinischen Eingriffen sichtbar. Frauen, die zu Hause gebaren, hatten deutlich weniger Kaiserschnitte, Geburtseinleitungen, weniger vaginal-operative Eingriffe mit Zange oder Vakuum und bekamen weniger Schmerz- und Wehenmittel.

Zwölf Prozent der Frauen, die sich für eine Hausgeburt entschieden hatten, mussten während der Geburt wegen eines Notfalls ins Spital gebracht werden. Bei ihnen war unter anderem der Geburtstermin überschritten oder eine künstliche Einleitung des Geburtsvorgangs wurde nötig. Die Autoren der Schweizer Studie kamen zu dem Schluss, dass eine Hausgeburt in einem System, in dem ein rund um die Uhr arbeitendes Spital zur Überweisung bei Komplikationen zur Verfügung steht, als sicher betrachtet werden kann.

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