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Soll ich das Nabelschnurblut meines Kindes einlagern lassen?

Private Firmen werben bei werdenden Eltern dafür, Nabelschnurblut einlagern zu lassen. Die Stammzellen sollen später bereitstehen, falls dein Kind schwer erkrankt. Fachleute halten diesen Nutzen allerdings für sehr gering. Mehr bewirkt die kostenlose Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank: Dort stehen die Stammzellen kranken Menschen auf der ganzen Welt zur Verfügung.

Das Blut in der Nabelschnur enthält wertvolle Stammzellen.
Das Blut in der Nabelschnur enthält wertvolle Stammzellen. © Getty Images, Pixelistanbul

Nabelschnurblut: Das Wichtigste in Kürze

Nach der Geburt bleibt in der Nabelschnur und der Plazenta etwas Blut deines Babys zurück. Entnommen wird es erst, wenn die Nabelschnur durchtrennt ist. Für dich und dein Kind ist das schmerzfrei und ohne Risiko.[1] Ob du das Nabelschnurblut spenden, privat einlagern lassen oder gar nicht nutzen willst, entscheidest du deshalb in Ruhe vor der Geburt.

Warum ist Nabelschnurblut so wertvoll?

Das Nabelschnurblut enthält viele Blutstammzellen. Aus ihnen entstehen sämtliche Blutzellen, von den roten Blutkörperchen bis zu den Abwehrzellen. Bei Leukämie, anderen schweren Blutkrankheiten und seltenen Immunkrankheiten kann eine Transplantation solcher Zellen das kranke blutbildende System ersetzen.

Gegenüber Stammzellen aus dem Knochenmark haben sie einen Vorteil: Sie sind noch nicht ganz ausgereift. Deshalb müssen die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger weniger genau übereinstimmen, und Abstossungsreaktionen sind seltener. Der Nachteil ist die kleine Menge. Für die Transplantation bei einem Erwachsenen reicht sie oft nicht.[1]

Bewährt hat sich Nabelschnurblut vor allem bei Kindern mit Leukämie oder bestimmten Erbkrankheiten. Oft liest man, es helfe auch bei Autismus, Zerebralparese, Diabetes Typ 1 oder nach einem Herzinfarkt. Das stimmt so nicht. Bei Zerebralparese, Diabetes und Herzinfarkt wird das erst in Studien geprüft, eine etablierte Behandlung ist daraus noch nicht entstanden.[3] Für Heilungsversprechen wie bei Autismus gibt es keinen Beleg.[6]

Embryonale oder adulte Stammzellen: Was steckt in der Nabelschnur?

Fachleute unterscheiden zwei Arten von Stammzellen. Embryonale Stammzellen stammen aus sehr frühen Embryonen. Jede von ihnen kann sich zu einer beliebigen Körperzelle entwickeln, und sie lassen sich beliebig oft teilen. Um sie zu gewinnen, wird der Embryo zerstört. In der Schweiz ist das deshalb streng geregelt. Erlaubt ist es nur mit überzähligen Embryonen aus einer künstlichen Befruchtung, die nicht mehr für eine Schwangerschaft verwendet werden können. Eine zugelassene Behandlung mit embryonalen Stammzellen gibt es bis heute nicht.[5]

Adulte Stammzellen, auch Gewebestammzellen genannt, finden sich ein Leben lang im Körper, zum Beispiel im Knochenmark. Sie sind auf ein Gewebe festgelegt und sorgen dort für Nachschub. Blutstammzellen etwa erneuern laufend das Blut. Wie die Blutstammzellen im Knochenmark sind auch die im Nabelschnurblut auf die Blutbildung festgelegt. Deshalb zählen sie zu den adulten Stammzellen und nicht zu den embryonalen. Sie sind aber jünger als die eines Erwachsenen und besonders teilungsfreudig.

Ist es sinnvoll, Nabelschnurblut einzulagern?

Private Nabelschnurblutbanken lagern das Blut gegen Bezahlung für dein Kind und deine Familie ein. Die Hoffnung dahinter: Erkrankt das Kind später schwer, stehen seine eigenen Stammzellen bereit. Dass ein gesund geborenes Kind eine Krankheit bekommt, die sich mit diesen Zellen behandeln lässt, ist allerdings äusserst unwahrscheinlich.[1] Und selbst dann ist nicht sicher, dass die eigenen Zellen helfen: Sie können von derselben Krankheit betroffen sein wie die Zellen, die das Kind später bildet. Im Notfall kann in den öffentlichen Banken nach einer passenden Fremdspende gesucht werden.[6]

Ein Vergleich zeigt den Unterschied. Von den Spenden in öffentlichen Banken wird schätzungsweise jede zehnte bis jede hundertste später tatsächlich verwendet. Bei privat eingelagertem Nabelschnurblut ist es geschätzt eine Einheit von 1000 bis 10'000. Behandlungen mit eigenen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut werden bisher erst in Studien geprüft. Private Banken lagern über 95 Prozent der Entnahmen ein, auch solche mit weniger Stammzellen, weil für das eigene Kind oder die Familie eine kleinere Menge genügen kann.[3] Ob eine so kleine Einheit im Ernstfall für eine Transplantation reicht, ist damit aber nicht gesagt, denn die Anforderungen privater Banken liegen deutlich tiefer als die der öffentlichen.[6]

Nabelschnurblut einlagern in der Schweiz

Eine private Einlagerung ist in jeder Schweizer Geburtsklinik möglich.[3] Nabelschnurblutbanken brauchen eine Bewilligung, die Aufsicht haben Swissmedic und das Bundesamt für Gesundheit. Die Einlagerung regelt ein privater Vertrag. Frag deshalb vor der Unterschrift nach, was mit dem Blut geschieht, falls die Firma ihr Geschäft aufgibt.[4] Entnahme und Lagerung organisierst du mit der Firma selbst, also schon während der Schwangerschaft.

Seit 2024 gibt es an einzelnen Kliniken in Bern, Basel und im Tessin einen Mittelweg, die sogenannte hybride Einlagerung. Das Nabelschnurblut wird privat eingelagert und zugleich im öffentlichen Spenderregister geführt. Braucht eine kranke Person mit passenden Gewebemerkmalen genau diese Stammzellen, kannst du sie freigeben. Die Kosten der Einlagerung bekommst du dann zurück.[3]

Was kostet es, Nabelschnurblut einzulagern?

Tiefgefroren bleiben die Blutstammzellen über Jahrzehnte haltbar.[1] Wer sie privat einlagern lässt, bezahlt die Lagerung selbst. Für eine Lagerzeit von 20 bis 25 Jahren kostet das rund 4000 Franken.[6] Wie viel genau, hängt vom Anbieter und von der Vertragsdauer ab.

Die Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank ist kostenlos. Danach hast du aber kein exklusives Anrecht mehr auf das gespendete Blut.[4]

Das Nabelschnurblut wird in einer Blutbank eingefroren.
Das Nabelschnurblut wird in einer Blutbank eingefroren. © Getty Images, Vital Hil

Nabelschnurblut spenden: Stammzellen retten Leben

Gespendetes Nabelschnurblut wird in einer öffentlichen Bank eingefroren und pseudonymisiert in einem weltweit vernetzten Register erfasst. So kann es jedem Menschen mit einer lebensbedrohlichen Blutkrankheit helfen, dessen Gewebemerkmale passen. Ist die Einheit noch nicht vergeben, kann das je nach Krankheit auch dein eigenes Kind sein. Mit der Spende geht das Blut aber ins Eigentum der Bank über.[1]

Spenden kannst du nur als volljährige Frau.[1] Vor der Geburt unterschreibst du eine Einverständniserklärung und füllst einen Fragebogen zu deiner Gesundheit und zur Familiengeschichte aus. Dein Blut wird kostenlos auf übertragbare Krankheiten wie HIV, Hepatitis und Syphilis getestet. Deine Zustimmung kannst du bis zur Entnahme jederzeit zurückziehen.[2]

Nicht jede Spende lässt sich verwenden. Für die öffentliche Bank braucht es rund 150 Milliliter Blut. Das gelingt in der Regel nur bei Termingeburten mit einem Kind ab etwa 2800 Gramm. Eingelagert wird am Ende nur rund jede fünfte Entnahme.[3] Bei einer Frühgeburt, bei Mehrlingen oder in einem Notfall wird gar kein Nabelschnurblut entnommen. Was mit einer ungeeigneten Spende geschieht, legst du in der Einverständniserklärung fest: Sie dient der Qualitätskontrolle der Bank oder bewilligter Forschung, oder sie wird entsorgt.[2]

Die Entnahme richtet sich nach der Geburt, nicht umgekehrt. Ihretwegen wird der übliche Zeitpunkt des Abnabelns nicht verändert, die Versorgung von dir und deinem Baby geht immer vor.[3] Wird mit dem Abnabeln länger gewartet, fliesst mehr Blut zu deinem Kind. Für die Spende bleibt dann weniger übrig, und die nötigen rund 150 Milliliter werden seltener erreicht. Wünschst du dir ein spätes Abnabeln, frag vor der Geburt nach, ob eine Spende dann noch infrage kommt.

Hier kannst du Nabelschnurblut spenden

Öffentlich spenden kannst du zurzeit nur, wenn du in einem dieser vier Spitäler gebärst. Das Blut kommt in eine der beiden öffentlichen Nabelschnurblutbanken in Basel und Genf.[1]

  • Frauenklinik Inselspital Bern
  • Frauenklinik Universitätsspital Basel
  • Universitätsspital Genf
  • Kantonsspital Aarau

Wenn ein Geschwister krank ist: die gerichtete Spende

Anders ist die Lage, wenn ein Kind in deiner Familie an Leukämie erkrankt ist. Dasselbe gilt für eine Erbkrankheit, die sich mit einer Stammzelltransplantation heilen lässt. Dann sollte das Nabelschnurblut des Geschwisterchens bei der Geburt entnommen werden. Stimmen die Gewebemerkmale überein, ist es ein ideales Transplantat für das kranke Kind. Besprich das rechtzeitig vor der Geburt mit der Ärztin oder dem Arzt, die oder der euer krankes Kind behandelt.[3] Diese gerichtete Spende ist in allen Geburtskliniken der Schweiz möglich. Gelagert wird das Blut bis zur Verwendung in Basel oder Genf.[1]

Quellen

  1. Blutspende SRK Schweiz: Nabelschnurblutspende. blutstammzellspende.ch, 2026 (abgerufen am 01.10.2026)
  2. Blutspende SRK Schweiz: Informationsblatt für die Nabelschnurblutspende, öffentliche Nabelschnurblutbank. Version 11, gültig ab 01.04.2026, bereitgestellt vom Kantonsspital Aarau (abgerufen am 01.10.2026)
  3. Surbek D, Manegold-Brauer G, Baerlocher GM: Nabelschnurblut-Stammzelleinlagerung: öffentlich – privat/familiär – hybrid. Expertenbrief Nr. 87 der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), 29.04.2024, abgedruckt in «gynäkologie» 1/2025 (abgerufen am 01.10.2026)
  4. Bundesamt für Gesundheit BAG: Blut-Stammzellen aus Nabelschnurblut. 22.01.2025 (abgerufen am 01.10.2026)
  5. Bundesamt für Gesundheit BAG: Forschung an humanen embryonalen Stammzellen (abgerufen am 01.10.2026)
  6. Büchi S, Bassani F: Lagerung von Nabelschnurblut: Fragwürdiges Geschäft mit Hoffnung und Angst. SRF Wissen, 26.09.2019 (abgerufen am 01.10.2026)

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