Refertilisierung bei Mann und Frau

Nach der abgeschlossenen Familienplanung entscheiden sich manche Männer und Frauen für die Sterilisation. Diese muss aber nicht endgültig sein, sondern kann mittels einer Refertilisierung rückgängig gemacht werden. Wir zeigen Methoden, Kosten und Risiken auf.

Refertilisierung: Methoden, Kosten und Risiken

Eine Refertilisierung kann eine Sterilisation rückgängig machen. Foto: iStock, Thinkstock

Das Leben nimmt oft unerwartete Wendungen. Sei es ein Partnerwechsel oder eine neue Lebenssituation – auch nach der Sterilisation kann ein erneuter Kinderwunsch aufkommen. Die Refertilisierung kann dies ermöglichen. Bei dem mikrochirurgischen Eingriff werden die durchtrennten Eileiter der Frau beziehungsweise der durchtrennte Samenleiter des Mannes wiederhergestellt. Der Eingriff kann jedoch keinen hundertprozentigen Erfolg garantieren.

Die Refertilisierung beim Mann

Die vorangegangene Sterilisation beim Mann wird als Vasektomie bezeichnet. Sie ist jedoch nicht der einzige Grund, weshalb Männer eine Refertilisierung vornehmen. Auch Verletzungen und Entzündungen am Samenleiter oder eine angeborene Fehlbildung können diese Operation notwendig machen.

Was geschieht beim Eingriff?

Die Operation wird normalerweise unter Vollnarkose durchgeführt und dauert je nach Methode und Schwierigkeit zwei Stunden. Bei der Wiederherstellung des Samenleiters gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, wobei erst im Verlaufe der Operation ersichtlich wird, welche gewählt werden sollte.

Zu Beginn des Eingriffs werden am Hodensack zwei kleine Hautschnitte vorgenommen um den Samenleiter freizulegen. Dessen von der Vasektomie vernarbten Enden werden abgeschnitten.

Der obere Teil des Samenleiters ist direkt mit den Nebenhoden verbunden. Aus dem offenen Ende sollte nun Flüssigkeit austreten, in der genügend Spermien in normaler Zusammensetzung zu finden sind. Ist dies der Fall, werden die durchtrennten Enden unter dem Mikroskop mit einer feinen, mehrschichtigen Nähtechnik wieder zusammengefügt. Diese Methode wird als Vasovasostomie bezeichnet.

Wenn in der austretenden Flüssigkeit jedoch keine befruchtungsfähigen Spermien zu finden sind, wird das obere Samenleiterende direkt an die feinen Nebenhodenkanäle angenäht. Diese Methode muss in rund 23 Prozent aller Fälle angewendet werden und wird Tubulovasostomie genannt. Sie erfordert viel Geschick und Erfahrung des durchführenden Arztes und wird auch nicht in allen Kliniken durchgeführt.

Erfolgschancen einer Schwangerschaft

Je länger die Sterilisation zurückliegt, desto mehr sinkt auch die Erfolgschance der Refertilisierung. Eine internationale Studie zeigt die Schwangerschaftsrate nach einer Refertilisierung: Wenn die Vasektomie weniger als drei Jahre zurückliegt, beträgt die Rate rund 75 Prozent, bei einer Sterilisation, die mehr als 15 Jahre zurückliegt, nur noch 30 Prozent. Grundsätzlich kann rund die Hälfte aller Männer die Familienplanung in Angriff nehmen. 

Die Chance auf eine Schwangerschaft hängt aber nicht nur vom Gelingen der Refertilisierung, sondern auch vom Alter und der Fruchtbarkeit der Partnerin ab. Mit einer Schwangerschaft kann erst nach sechs bis zwölf Monaten gerechnet werden. Wenn aber nach einem Jahr keine Samenzellen im Sperma gefunden worden sind, ist die Operation erfolglos verlaufen.

Risiken der Refertilisierung

Da die Operation nicht den Bauchraum betrifft, gilt sie als relativ risikoarm. Es kann in manchen Fällen aber zu Wundheilungsstörungen, Blutergüssen und Infektionen kommen. Je nach Stärke ist dann eine Nachbehandlung erforderlich.

Refertilisierung: Mit diesen Kosten muss man rechnen

Wenn die Operation nicht krankheitsbedingt durchgeführt werden muss, gehört sie nicht zu den Pflichtleistungen der Krankenkasse. Die Kosten betragen 5'000 bis 6'000 Franken und müssen demnach vom Patienten selber getragen werden.

Alternativen zur Refertilisierung

Eine Alternative zur Refertilisierung besteht in der künstlichen Befruchtung, wie beispielsweise in der ICSI. Diese Methode bringt aber ein erhöhtes Risiko für die Partnerin mit sich und ist weit weniger erfolgsversprechend. Eine erfolgreiche Refertilisierung würde zudem auch mehrere natürliche Schwangerschaften ermöglichen und weniger Kosten verursachen.

Grundsätzlich sollte ein solcher Entscheid erst nach ausführlichen Gesprächen mit einem Arzt getroffen werden. So kann jeder Mann die für ihn persönlich geeignete Methode wählen.

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