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Kinderwunsch > Unfruchtbarkeit

Schilddrüse und Kinderwunsch: Wann der Hals eine Rolle spielt

Wer nicht schwanger wird, denkt nicht automatisch an den Hals als mögliche Ursache. Doch eine gesunde Schilddrüsenfunktion ist bei Kinderwunsch wichtig. Wenn die Schilddrüse durch Unter- oder Überfunktion durcheinandergeraten ist, kann das Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und eine spätere Schwangerschaft haben.

Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann hinter unerfülltem Kinderwunsch stecken.
Eine Fehlfunktion der Schilddrüse kann Grund für unerfüllten Kinderwunsch sein. Foto: Fuse, Thinkstock

Schon jedes Kind weiss, dass Babys im Bauch der Mutter wachsen. Wenn es mit einer Schwangerschaft nicht klappt, suchst du vermutlich zuerst bei den Fortpflanzungsorganen nach Ursachen. Nicht immer liegen die Probleme dort: Manchmal steckt die Ursache im Hals — in der Schilddrüse.

Kurz erklärt: Was macht die Schilddrüse?

Die Schilddrüse produziert Hormone, die viele Stoffwechselvorgänge im Körper steuern. Entscheidend sind vor allem TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon, vom Hypophysenvorderlappen gesteuert) sowie die Schilddrüsenhormone T4 und T3. Ein erhöhter TSH-Wert deutet meist auf eine Unterfunktion (Hypothyreose) hin; ein zu tiefer TSH-Wert spricht für eine Überfunktion (Hyperthyreose). Beide Störungen können sich auf den Zyklus, die Ovulation und die allgemeine Gesundheit auswirken.

Wie beeinflusst die Schilddrüse die Fruchtbarkeit?

Die Schilddrüsenhormone und die Sexualhormone stehen in engem Austausch. Wenn der hormonelle Haushalt aus dem Gleichgewicht gerät, kommt es häufig zu Zyklusstörungen: Deine Regel kann verspätet auftreten, sehr schwach sein oder ganz ausbleiben. Auch verkürzte Zyklen oder das Ausbleiben des Eisprungs sind mögliche Folgen. Fehlt der Eisprung regelmässig, wird es schwierig schwanger zu werden.

Bei Männern kann eine ausgeprägte Schilddrüsenstörung die Libido und Erektionsfähigkeit beeinträchtigen sowie die Spermienqualität verändern. Trotzdem ist bei Männern selten die Schilddrüse alleinige Ursache für Unfruchtbarkeit; meist kommen weitere Faktoren hinzu.

Wann solltest du deine Schilddrüse testen lassen?

Wenn du seit mindestens zwölf Monaten (bei Frauen über 35 bereits nach sechs Monaten) auf eine Schwangerschaft wartest oder wenn dein Zyklus auffällig ist, sprich mit deiner Gynäkolog:in oder Hausärzt:in. Ein einfacher Bluttest auf TSH und bei Bedarf freies T4 (fT4) gibt erste Hinweise; je nach Befund werden Anti-TPO- oder Anti-TG-Antikörper bestimmt, um Autoimmunformen der Schilddrüsenerkrankung auszuschliessen. Dies entspricht den Empfehlungen der S2k-Leitlinie «Schilddrüsenerkrankungen in Schwangerschaft und Wochenbett».

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse: Hashimoto und Basedow

Zu den häufigsten Ursachen für eine gestörte Schilddrüsenfunktion gehören Autoimmunerkrankungen: Bei Hashimoto (chronische lymphozytäre Thyreoiditis) greift das Immunsystem die Schilddrüse an und führt langfristig meist zu einer Unterfunktion. Bei Basedow (Morbus Basedow, in der Schweiz häufig «Basedow» genannt) führen stimulierende Antikörper gegen den TSH-Rezeptor zu einer Überfunktion. Beide Erkrankungen lassen sich durch serologische Tests (z. B. Anti-TPO-, Anti-TG- und TRAb-Antikörper) nachweisen und haben spezifische Folgen für Kinderwunsch und Schwangerschaft — etwa veränderte Hormonspiegel, erhöhtes Fehlgeburtsrisiko oder die Notwendigkeit spezieller Überwachung. Laut den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetes ist deshalb bei nachgewiesener Autoimmunerkrankung eine engmaschige Betreuung vor und während der Schwangerschaft wichtig, inklusive Antikörperbestimmung und individuellen Therapieanpassungen.

Was tun bei Nachweis einer Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer diagnostizierten Unterfunktion ist die Behandlung meist gut etabliert: Levothyroxin (synthetisches T4) wird in einer individuell angepassten Dosis verabreicht. Ziel ist, die TSH-Werte in einen für Kinderwunsch und Schwangerschaft empfohlenen Bereich zu bringen. Das kann einige Wochen bis Monate dauern; gib deinem Körper und der Therapie Zeit. Deine Ärzt:in wird die Blutwerte regelmässig kontrollieren und die Dosis gegebenenfalls anpassen.

Überfunktion: Risiken und Behandlung in der Familienplanung

Eine unbehandelte Hyperthyreose kann sowohl für dich als auch für eine mögliche Schwangerschaft Risiken bergen. Symptome wie Herzrasen, Gewichtsabnahme, Nervosität oder Schlafstörungen sollten ernst genommen werden. Die Therapie richtet sich nach Ursache und Schweregrad: Medikamente (Thioamide) werden bei Bedarf eingesetzt, in seltenen Fällen kommen operative oder nuklearmedizinische Therapien in Frage. Wenn du eine Überfunktion hast und schwanger werden willst, bespreche mit deiner Ärzt:in die optimale Behandlungsstrategie — einige Medikamente sind in der Schwangerschaft nur eingeschränkt empfohlen.

Spezielle Bedeutung während der Schwangerschaft

Die Schilddrüse ist nicht nur für die Empfängnis wichtig: Auch während der Schwangerschaft beeinflusst sie die Entwicklung des Embryos. Besonders in den ersten Wochen ist die Versorgung mit Schilddrüsenhormonen entscheidend für die Gehirnentwicklung. Deshalb sind unbehandelte Schilddrüsenfunktionsstörungen mit erhöhten Risiken wie Fehlgeburt, Präeklampsie, Frühgeburt und seltener angeborenen Problemen assoziiert. Aus diesem Grund wird bei bestehender oder vorher bekannter Schilddrüsenerkrankung eine engmaschige Überwachung empfohlen.

Jod: Warum es wichtig ist — aber nicht einfach mehr ist besser

Jod ist ein zentraler Baustein der Schilddrüsenhormone. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf, weshalb auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden sollte. In der Schweiz empfehlen Fachstellen eine gezielte Jodzufuhr in Schwangerschaft und Stillzeit; als praktische Massnahme kannst du jodiertes Speisesalz verwenden und mehr jodhaltigen Fisch essen. Die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung beinhalten konkrete Hinweise zur täglichen Zufuhr. Achtung: Bei einer bestehenden Überfunktion oder bestimmten Schilddrüsenerkrankungen kann zusätzliches Jod schädlich sein. Besprich deshalb vor einer Supplementierung oder einer grossen Ernährungsumstellung deine Situation mit deiner Ärzt:in.

Psychische Belastung und Umgang mit Wartezeit

Unerfüllter Kinderwunsch belastet emotional. Wenn zusätzlich eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt wird, können Sorgen und Unsicherheit zunehmen. Sprich offen mit deiner Ärzt:in über die prognostischen Aussichten — viele Schilddrüsenstörungen lassen sich gut behandeln und erhöhen die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich. Psychologische Unterstützung oder der Austausch in Selbsthilfegruppen können in dieser Phase entlastend wirken.

Praktische Checkliste für dich

  • Wenn du Probleme beim Schwangerwerden hast, lass TSH und fT4 testen.
  • Gibt es Hinweise auf Autoimmunerkrankungen (z. B. Hashimoto, Basedow), sollten Anti-TPO-, Anti-TG- und gegebenenfalls TRAb-Antikörper bestimmt werden.
  • Wenn eine Unterfunktion besteht: Therapie mit Levothyroxin und regelmässige Kontrollen einhalten.
  • Bei Überfunktion: mögliche Risiken und Therapieoptionen mit der Ärzt:in abklären, bevor du schwanger wirst.
  • Achte auf ausreichende Jodzufuhr in Absprache mit der Ärzt:in; vermeide eigenmächtige hohe Dosierungen.
  • Bei bestehender Schilddrüsenerkrankung: engmaschige Kontrollen während der Schwangerschaft einplanen.
  • Hol dir bei Belastung psychologische Unterstützung oder suche den Austausch in Foren oder Selbsthilfegruppen.

Weiterführende Links

Mehr Informationen finden sich auf den folgenden Websites:

 

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