Facebook Pixel

In-Vitro-Fertilisation (IVF): So läuft eine künstliche Befruchtung ab

Nicht alle Paare können auf natürlich Weise ein Baby zeugen. In solchen Fällen kann die In-vitro-Fertilisation (IVF) helfen, den Kinderwunsch zu erfüllen. Wie läuft eine solche künstliche Befruchtung ab? Wir geben Einblick ins Verfahren und zeigen Erfolgsfaktoren sowie Risiken der In-vitro-Fertilisation auf.

Eine In-vitro-Fertilisation kann Paaren den Kinderwunsch erfüllen.

In-Vitro-Fertilisation kann Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch Hoffnung auf ihr Wunschkind machen. Foto: Ibrakovic, iStock, Thinkstock

Wenn alle natürlichen Befruchtungsversuche nicht klappen, bleibt Paaren mit Kinderwunsch noch die künstliche Befruchtung, die sogenannte In-Vitro-FertilisationDie In-Vitro-Fertilisation (IVF), findet ausserhalb des Körpers der Frau statt. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt «Die Befruchtung im Glas». Denn bei einem IVF-Verfahren werden den Frauen Eizellen entnommen und in einem Reagenzglas mit den Samenzellen aus den Spermien des Mannes zusammengeführt.

Ist der Vorgang erfolgreich, entwickeln sich die befruchteten Eizellen weiter, um dann in die Gebärmutter übertragen zu werden. Oft ist eine Zusatzmassnahme zur IVF die ICSI. Bei einem Grossteil der Frauen ist ausserdem eine Hormonbehandlung nötig, ehe sich die Eizellen entnehmen lassen.

Warum die Ursachensuche trotzdem wichtig ist

Die In-Vitro-Fertilisation wird meist erst angewandt, wenn weniger aufwändige Befruchtungsversuche nicht zur gewünschten Schwangerschaft geführt haben oder die Eileiter verschlossen oder irreparabel geschädigt sind. Bevor man mit dem Verfahren einer künstlichen Befruchtung beginnen kann, müssen beide Partner innerhalb mehrerer Behandlungen gründlich untersucht und beraten werden.

Generell sind die Erfolgschancen von der Sterilitätsursache, dem Alter der Frau und der Anzahl der durchgeführten Therapien abhängig. Auch die Qualität, also die Lebendigkeit und Schnelligkeit der Spermien des Mannes, spielen eine entscheidende Rolle beim Kinderwunsch und sind unter anderem der Grund, wieso sich viele in der Schweiz, aber auch in anderen Teilen der Welt diesen Kinderwunsch im Labor erfüllen lassen wollen.

Der Boom der IVF-Kinder

Das Verfahren hat seinen Ursprung 1978 in England. Dort wurde das erste sogenannte Retortenbaby geboren. Seither wurden dank künstlicher Befruchtung Millionen von Babys geboren. Laut Bundesamt für Statistik kommt bereits jedes 40. Kind in der Schweiz dank künstlicher Befruchtung zur Welt. Im Jahr 2010 erreichte diese Behandlung ihren Höhepunkt. Im Jahr 2018 wurden 2.154 Kinder dank künstlicher Befruchtung geboren, 7,8 Prozent davon waren Mehrlingsgeburten. Diese Behandlung ist in der Schweiz also sehr beliebt und wird immer wieder eingesetzt. Doch die Erfolgschancen sind von vielen verschiedenen Faktoren abhängig.

Faktoren, die den Erfolg einer IVF beeinflussen können:

+ Ob es klappt, hängt meist davon ab, was die Gründe für den unerfüllten Kinderwunsch sind: Die Schwangerschaftsrate nach IVF ist in hohem Masse von der Störung, die zur Sterilität führt abhängig.

+ Ein zweiter wichtiger Faktor ist das Alter der Frau. Jüngere Frauen haben grössere Chancen, dass die Befruchtung klappt.

+ Die Schwangerschaftsraten werden mit ca. 25% pro Transfer angegeben. Da man aber damit rechnen muss, dass ca. 20% der Schwangerschaften in einer meist frühen Fehlgeburt enden, liegt die Rate der Frauen, die tatsächlich ein Kind bekommen, bei ca. 20% pro Versuch.

Was bei einer In-Vitro-Befruchtung schiefgehen kann

- Komplikationen bei der Entnahme der Eizellen sind sehr selten. Eine Verletzung von Darm, Nerven oder Gefässen lässt sich jedoch nicht ausschliessen.

- Im Vergleich zu natürlich entstandenen Schwangerschaften ist die Zahl der Eileiterschwangerschaften mit etwa fünf Prozent deutlich erhöht. Darüber hinaus kann es zu Fehl- oder Frühgeburten und Mehrlingsschwangerschaften kommen.

- Studien zufolge können sowohl Frauen als auch Männer mit psychischen Problemen auf die Behandlung reagieren. Aufgrund der geringen Erfolgsquote von etwa 30 Prozent pro Behandlungszyklus sind bei der In-vitro-Fertilisation häufig mehrere Versuche notwendig und jeder weitere Zyklus bedeutet eine neue Geduldsprobe des Paares.

So läuft eine IFV-Behandlung ab:

1 Medikamentöse Vorbehandlung: Nach einer medikamentösen Vorbehandlung, die optimale hormonelle Bedingungen erzeugen soll, wird mit einer Stimulationstherapie begonnen. Wenn genügend Eibläschen (Follikel mit Eizelle) herangewachsen sind, wird das Schwangerschaftshormon HCG gespritzt, um die Eizellreifungsphase abzuschliessen. Mit Hilfe einer Follikelpunktion werden bei der IVF-Behandlung jetzt mehrere Eizellen entnommen.

2 Eizellentnahme: 32 bis 36 Stunden nach der HCG-Spritze können unter Narkose dem Eierstock einzelne Eizellen entnommen werden. Dabei wird eine Punktionsnadel mit einem Ultraschallkopf durch die Wand der Scheide bis zum Eierstock geführt. Dort wird dann ein Eibläschen nach dem anderen angestochen. Die Flüssigkeit wird abgesaugt und der Follikel gespült. Die abgesaugte Flüssigkeit enthält in den meisten Fällen eine Eizelle.

3 Befruchtung: Die Eizellen werden im Labor in eine besondere Nährlösung gegeben und mit einer bestimmten Menge gut beweglicher Samenzellen vermischt und im Brutschrank kultiviert. Nachdem festgestellt wurde, wie viele Eizellen das so genannte Vorkernstadium (eine Eizelle im Anfangsstadium der Befruchtung: Im Innern der Eizelle ist der männliche und der weibliche Zellkern noch getrennt zu sehen) erreicht haben, muss das Paar entscheiden, bei wie vielen Eizellen die Befruchtung abgeschlossen werden soll. Diese Zahl darf nicht beliebig hoch sein. Nach etwa 40 Stunden, wenn sich ein oder mehrere Embryonen entwickelt haben, werden der oder die Embryonen in die Gebärmutterhöhle übertragen.

4 Einsetzen des Embryos: In den folgenden zwei bis vier Tagen teilt sich die befruchtete Eizelle mehrmals. Daraus entsteht ein winziger Embryo, der dann über einen Katheter in die Gebärmutterhöhle eingesetzt wird. Zur Vorbereitung dieser Übertragung bekommt die Frau Medikamente, die die Gebärmuttermuskulatur beruhigen. In der Zeit nach dem Eingriff sollte auf Aufregung und zu viel Aktivität verzichtet werden, ebenso auf Kreislaufbelastungen, z.B. durch Sport und starke Temperaturerhöhungen, z.B. Saunabesuche, heisse Wannenbäder, intensive Sonnenbäder. 12 bis 14 Tage nach der Befruchtung wird per Blutuntersuchung festgestellt, ob die Frau schwanger ist.