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Befruchtung im Reagenzglas: So läuft eine ICSI-Behandlung ab

Immer mehr Paare, die auf natürlichem Weg kein Baby bekommen können, versuchen es mit einer Befruchtung im Reagenzglas. Die sogenannte ICSI, Intracytoplasmatische Spermieninjektion, ist besonders für Männer mit schlechter Spermienqualität die letzte Hoffnung. Wie läuft eine ICSI ab? Wir erklären es.

Was ist ICSI?

Bei einer ICSI wird im Labor ein einzelnes Spermium in die Eizelle gebracht. Foto: iStock, Thinkstock

Wenn es auf natürlichem Wege nicht klappt, kommt die medizinisch unterstützte Fortpflanzung zum Einsatz. Viele Paare brauchen gar keine Befruchtung im Reagenzglas, ihnen kann schon mit einer Hormonbehandlung oder einer Insemination geholfen werden. Wenn aber keine Aussicht besteht, dass diese Methoden zur Schwangerschaft führen, gibt es die Möglichkeit der IVF oder eben der ICSI.

Bei beiden Behandlungen findet eine Befruchtung im Labor statt. Bei der IVF, der In-vitro Fertilisation werden Ei- und Samenzellen in einer Glasschale zusammengebracht. Bei der ICSI, der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion, wird ein einzelnes Spermium unter dem Mikroskop mit einer Pipette in die Eizelle befördert.

Wir erklären hier das Wichtigste zur ICSI. Mehr Informationen zur IVF finden Sie im Artikel «Künstliche Befruchtung mit der In-vitro-Fertilisation (IVF)»

Wann eine ICSI Sinn macht

Die ICSI kann zum Einsatz kommen, wenn die Spermienqualität des Mannes sehr schlecht ist. Das ist dann der Fall, wenn die Spermien beispielsweise nicht beweglich genug sind oder es zu wenige gibt. Die Methode ist laut Kinderwunschzentrum Baden bei schlechter Samenqualität des Mannes häufig eine Zusatzmassnahme zur IVF. Sind im Samenerguss des Mannes gar keine Spermien zu finden, können Ärzte vor der Behandlung Spermien aus dem Hoden gewinnen. Ärzte wenden die ICSI mitunter auch an, wenn keine Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit gefunden werden konnte.

Ablauf der ICSI

1 Vorbereitungsphase

Paare, die sich für eine ICSI-Behandlung entscheiden, sollten sich auf eine aufwendige und lange Prozedur einstellen. Gemäss dem Zentrum für Gynäkologie und Fortpflanzungsmedizin GYN-A.R.T. in Zürich beginnt die Behandlung mit einer sechs- bis achtwöchigen Vorbereitungsphase. In dieser Zeit wird alles Wichtige mit den Ärzten besprochen. Ausserdem erhält die Frau im ersten Zyklus während zwei bis drei Wochen Hormontabletten.

2 Stimulation

Nach der Menstruation muss sich die Frau im zweiten Zyklus, der Stimulationsphase, Hormone spritzen. Sie sollen die Eierstöcke anregen mehrere Eizellen zu bilden. Wissenswertes zum Thema Hormontherapie bei Kinderwunsch, können Sie hier nachlesen.

Die Ärzte werden regelmässig Ultraschall- und Blutkontrollen durchführen, um zu sehen, ob die Eibläschen sich gut entwickeln. Nach etwa 10 bis 14 Tagen wird der Eisprung mit einer Spritze ausgelöst.

3 Eizellentnahme

Ungefähr 36 bis 38 Stunden nach dem Einsatz der Spritze können die Ärzte die Eizellen entnehmen. Das ist mittels Ultraschall und einer feinen Nadel, welche die Eizellen absaugt, möglich. In der Regel erhält die Frau laut Kinderwunschzentrum Luzern eine leichte Narkose. Wenige Stunden nach dem Eingriff können die Patienten wieder nach Hause gehen.

4 Befruchtung im Reagenzglas

Für die Befruchtung im Reagenzglas wird nun das Sperma des Mannes benötigt. Die Samenprobe wird verflüssigt und aufbereitet. Die Eizellen werden ebenso aufbereitet. Alle reifen Eizellen erhalten dann ein einzelnes Spermium. Dafür wird mit einer Mikropipette das Spermium in die Eizelle eingebracht. Die Ärzte nutzen dazu ein Mikroskop.

Wie die Befruchtung im Detail abläuft, sehen Sie in diesem Video:

5 Embryotransfer

Nach zwei bis drei Tagen können die befruchteten Eizellen in den Körper der Frau eingesetzt werden. Die Embryonen werden dazu mit einem feinen Katheder in die Gebärmutterhöhle gebracht. Der Embryotransfer sei laut GYN-A.R.T. schmerzlos.

Nun beginne für viele die schwierigste Zeit der Therapie, so die Experten des Zürcher Kinderwunschzentrums weiter. Optimismus und grosse innere Anspannung, Angst und Unruhe wechselten sich ab. Die Ärzte empfehlen, ein möglichst normales Leben zu führen und sich körperlich zu schonen. Nach zwei Wochen können Sie einen Schwangerschaftstest durchführen.

Kosten: So viel bezahlen Sie für eine ICSI

Die Kosten einer ICSI und die Vorbehandlung mit Hormonen werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Eventuell übernehmen Zusatzversicherungen einen Anteil. Informieren Sie sich daher am besten bei Ihrem Versicherer.

Im Zentrum für Gynäkologie und Fortpflanzungsmedizin in Zürich (GYN-A.R.T.) kostet die ICSI rund 6000 bis 8000 Franken, am Kinderwunschzentrum Luzern werden derzeit 3950 Franken für die ICSI plus 500 bis 2500 Franken für Medikamente veranschlagt, im Kinderwunschzentrum Basel müssen Sie mit rund 7500 Franken rechnen.

Wie hoch sind die Erfolgschancen der ICSI?

Die Erfolgschancen einer ICSI hängen insbesondere von der Qualität der Spermien und dem Alter der Frau ab. Gemäss Kinderwunschzentrum Luzern liegt die Schwangerschaftsrate bei Frauen bis 35 Jahren bei 30 Prozent, bis 40 Jahren bei 20 Prozent und ab 40 Jahren bei 10 Prozent pro Zyklus. Bei Frauen über 43 Jahren kommt es nur noch ganz selten zu einer Schwangerschaft.

Risiken der ICSI

Die Risiken der Behandlung schätzt das Kinderwunschzentrum Luzern als sehr klein ein. Dennoch sollten Sie im Vorfeld wissen, was bei einer ICSI passieren könnte.

In der Phase der Hormonstimulation können die Eierstöcke überstimuliert werden. Sie werden in diesem Fall sehr gross und es bilden sich Wassereinlagerungen im Bauch. Bei der Eizellentnahme können Blutungen, Darmverletzungen und Infektionen auftreten.

In der Schwangerschaft kann es häufiger zu Fehlgeburten oder Eileiterschwangerschaften kommen. Die Chance Zwillinge auf die Welt zu bringen liegt bei 15 bis 25 Prozent. Werdende Eltern sollten wissen, dass bei Mehrlingsschwangerschaften ein höheres Risiko für Komplikationen besteht.

Für die Kinder kann eine ICSI auch negative Folgen haben: «Aufgrund der aktuellen Datenlage scheinen Kinder, die durch ICSI-Behandlung gezeugt worden sind, möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für Missbildungen zu haben», heisst es beim Kinderwunschzentrum Luzern.

Weitere Informationen zur ICSI

 «Vom Kinderwunsch zum Wunschkind» Broschüre der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am UniversitätsSpital Zürich. www.repro-endo.usz.ch

Auf den Seiten des Vereins Kinderwunsch können Sie Erfahrungsberichte lesen. www.kinderwunsch.ch