Erlebnis Kindercoiffeur: Haare schneiden ohne Frust?

Der Kindercoiffeur ist in Mode. Allein vier verschiedene Salons buhlen in Zürich um die kleine Kundschaft. Doch was macht das Erlebnis Kindercoiffeur aus und wie gut ist der Haarschnitt letztendlich? Wir haben die dreijährige Mara an die Hand genommen und beim Bambini Coiffeur in Zürich vorbeigeschaut. Unser Test zeigt, ob sich der Gang zum Spezialisten lohnt.

Erlebnis Kindercoiffeur: Mara ist ganz abgelenkt

Beim Kindercoiffeur bezaubert Kinder das bunte Ambiente und die vielen Spielgeräte. Mara ist ganz abgelenkt und Coiffeur Igor Sajn kann in Ruhe schneiden. Bild: Michèle Graf.

Violette Wände, Dschungeldekoration, zwei Kinderküchen, ein bunter Kronleuchter und Schmetterlinge im Fenster. Hinter der Tür an der Leonhardstrasse 5 in Zürich wähnt man sich schon im Kinderparadies. Die Luft duftet nach Popcorn, alles glitzert und glänzt. Nur dass hier keine Kinderparty eines kleinen Mädchens stattfindet. Vielmehr werden hier Haare geschnitten. Kinderhaare. Auf diese Klientel hat sich Samuele Di Giorgio mit seinem Bambini Kindercoiffeur-Salon spezialisiert. In einer Mischung aus Wunderland, Kino und Coiffeur wird das sonst so nervenaufreibende Haare schneiden fast zur Nebensache.

Unsere junge Testerin, die dreijährige Mara ist nach einer zögerlichen Minute gleich begeistert. Ohne Murren lässt sie sich in eines der grossen Spielzeugautos heben, die als Frisierstühle dienen. Coiffeur Igor Sajn zeigt währenddessen die stolze Sammlung an DVDs und Videospielen. Hier können die Kinder aus etwa 50 Stück auswählen und den Film auf einem Breitbildfernseher vor ihren Sitzplätzen bewundern.

Das Patentrezept des Kindercoiffeurs

Schnell wird das Patentrezept des Kindercoiffeurs klar: Ablenkung. Je spannender der Film, desto ruhiger der Kopf. Sajn hat auch bei Mara leichtes Spiel. Sobald «Heidi» aus den Lautsprechern schallt, ist sie völlig abgelenkt und der Kindercoiffeur kann werkeln. Nebenbei verrät er, dass Barbapapa, Barbiefilme und Cars die absoluten Hits im Salon sind. Er kennt sie mittlerweile auswendig. Das für allfällige Hungerattacken bereitgestellte Popcorn und ein lustiger Umhang finden bei Mara keine Beachtung. Das Mami bekommt einen Kaffee und darf nebendran Platz nehmen.

Der Kindercoiffeur hat sogar spassige Stühle

Als Frisierstühle dienen Spielautos. Bild: Michèle Graf.

Igor Sajn arbeitet schon mehrere Jahre im Salon und schätzt die Arbeit mit den kleinen Kunden: «Sie sind immer zufrieden und so herzig. Sie halten meist ruhig und sobald der Film an ist, sind sie in ihrer eigenen Welt.» Werden die kleinen Mädchen nicht manchmal ziemlich anspruchsvoll? «Nein. Bei uns gibt es keine unzufriedenen Kinder. Es ist ihnen nur wichtig, dass sie den Schnitt selbst mitbestimmen dürfen.»

Acht Jahre gibt es den Bambini Kindercoiffeur nun schon. Eine zweite Niederlassung ist in Luzern. Inhaber Samuele Di Giorgio hatte schon immer grossen Spass daran Kindern die Haare zu schneiden. Da aber keiner der Salons, in denen er damals als Angestellter arbeitete, kindgerecht eingerichtet war, kam er auf die Idee selbst einen Kindercoiffeur-Salon zu eröffnen. «Kinder sollten gerne zum Coiffeur gehen und keine Angst haben. Auch für die Eltern ist es viel angenehmer. Sie können sitzen, sich entspannen und zuschauen, wie die Kinder Freude haben», so Di Giorgio.

Sajn fragt mehrmals nach, ob Maras Haarlänge in Ordnung ist. Er wirbelt fast eine halbe Stunde um sie herum, steckt Partien ab und föhnt. Alles wie bei den Erwachsenen. Schneiden ist im Salon die wichtigste Aufgabe, gewaschen und gefärbt wird nur sehr selten. «Die normalen Coiffeure, bei denen ich früher gearbeitet habe, haben nicht gerne Kinderhaare geschnitten. Sie haben das alles schnell, schnell gemacht. Bei uns kann es schon mal bis zu einer Stunde dauern», erklärt Sajn.

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