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Bauchschmerzen und Blähungen beim Baby lindern

Wenn Babys unter Bauchschmerzen und Blähungen leiden, weinen und schreien sie oft stundelang. Viele Eltern kommen dann an ihre Grenzen und sind überfordert. Hier finden Sie Tipps, wie Sie Ihr Kind und sich selbst beruhigen können.

Zu schnelles Trinken oder Luftschlucken können zu Bauchweh und Blähungen führen.

Wenn das Baby ständig schreit bis zur Erschöpfung, kann Bauchweh die Ursache sein. Foto: Anchiy, E+, Getty Images Plus

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zu schnelles Trinken oder Luftschlucken können zu Bauchweh und Blähungen führen. Zu den Ursachen.
  • Nur selten sind bestimmte Nahrungsmittel allein Auslöser für Blähungen.
  • Wieso das Kind beim Stillen eine Brust leer trinken sollte, erfahren Sie in unseren Still-Tipps. 
  • Weint und schreit Ihr Kind, weil es starke Bauchschmerzen hat, können Sie mit diesen Tricks helfen. 

Wenn das Baby in den ersten drei Monaten viel schreit, weint und dabei rhythmisch die Beine anzieht, kann das auf Koliken und Blähungen hindeuten. Bekannt sind Koliken daher auch unter dem Namen Drei-Monatskoliken. Um ernste Ursachen auszuschliessen, sollten Eltern einen Kinderarzt aufsuchen.

Wie das medizinische Portal «sprechzimmer.ch» schreibt, liege bei rund 2 Prozent der Schreikinder zum Beispiel eine Refluxkrankheit (Zurückfliessen des Magensaftes) vor und bei etwa 15 Prozent eine Milcheiweissallergie. In den meisten Fällen wird sich herausstellen, dass das Kind gesund ist und die Blähungen ganz normal sind. Die Koliken sollten in diesem Fall nach wenigen Monaten wieder vorbei sein.

In den meisten Fällen sind aber nicht Koliken Ursache für das Schreien und die Unruhe des Babys. Claude Zangger, Mütterberaterin in der Stadt Zürich, sagt, dass Kinder eher wegen Reizüberflutung oder Müdigkeit schreien würden. «Die Kinder müssen zunächst in der neuen Umgebung ankommen.»

Das lange Schreien und Weinen des Babys belastet viele Eltern sehr stark. Wenn Sie merken, dass Sie mit der Situation überfordert sind, sollten Sie sich bei einem Arzt oder den Väter- und Mütterberatungsstellen in Ihrer Region Hilfe holen. Wechseln Sie sich bei der Betreuung Ihres Kindes mit Ihrem Partner ab oder bitten Sie Freunde oder die Familie um Unterstützung. 

Wenn Ihre Eltern zum Beispiel einen Abend lang Ihr Baby betreuen, können Sie neue Energie tanken und den nächsten Tag schon viel entspannter angehen. Verwöhnen Sie sich mit einem Bad, einer Massage oder Entspannungsübungen wie Yoga.

Nicht jeder Mutter gelänge es allerdings, das Baby abzugeben, weiss Claude Zangger aus Erfahrung. Deshalb dürfe man die Mütter nicht zu etwas drängen, was sie gar nicht wollen, sondern sollte mit ihnen herausfinden, was für sie hilfreich wäre.

Ursachen

Warum es zu Blähungen und Bauchschmerzen bei Babys kommt, ist bislang noch unklar. Verantwortlich können zum einen Nahrungsmittel sein, die das Kind nicht verträgt und die über die Muttermilch aufgenommen werden.

Ebenso kann zu schnelles Trinken und Luftschlucken zu Bauchweh führen, weil die verschluckte Luft im Darm schmerzhafte Blähungen verursacht. Zum anderen können psychische Belastungen eine Ursache sein. Wenn Eltern sich viel streiten oder mit dem Baby überfordert sind, können Säuglinge mitunter Blähungen bekommen.

Aber auch körperliche Ursachen kommen in Frage. So wird vermutet, dass der noch nicht vollständig entwickelte Verdauungstrakt für die Schmerzen verantwortlich sein kann.

Viele Mütter, die ihr Baby stillen, verzichten auf bestimmte Nahrungsmittel, weil sie befürchten, dass diese die Blähungen und Bauchweh beim Kind auslösen. Sie essen unter anderem keinen Kohl, keine Zwiebeln, Hülsenfrüchte oder einzelne Obstsorten mehr.

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) weist aber darauf hin, dass es wichtiger ist, sich vielseitig zu ernähren und grundsätzlich alles zu essen. Denn nur selten sind diese Nahrungsmittel Ursache für die Blähungen und die Bauchschmerzen beim Baby.

Die Koliken des Säuglings können «zahlreiche andere Ursachen haben, die nicht zwangsläufig mit der Ernährung in Verbindung stehen müssen», heisst es im Ratgeber «Ernährung während der Stillzeit» der SGE. Erst wenn der Säugling wiederholt auf ein bestimmtes Lebensmittel oder Gericht reagiere, sollte dieses nur in geringen Mengen oder gar nicht mehr gegessen werden.

Symptome und Beschwerden

  • Das Baby schreit heftig während 2-3 Stunden an mehreren Tagen pro Woche über einen Zeitraum von etwa 3 Monaten. Häufig ist es nicht von den Eltern zu beruhigen.
  • Der Bauch ist gespannt und druckempfindlich, die Beine ziehen sich ruckartig zusammen.
  • Das Baby hat eine blasse oder rötliche Haut und schwitzt stark.
  • Die Attacken beginnen meist unmittelbar nach der Mahlzeit, häufig nachmittags und abends.
  • Dem Kind knurrt der Magen und es hat Blähungen.
  • Das Baby kann schlecht schlafen.

Quelle: sprechzimmer.ch

Tipps zur Linderung der Bauchschmerzen beim Baby

Um das Bauchweh für das Baby erträglicher zu machen und es zu beruhigen, können Sie folgende Tipps einmal ausprobieren:

Tipps für das Stillen

  • Das Kind sollte am besten beim Stillen eine Brust leer trinken. So bekommt es auch Hintermilch. Babys, die nur Vordermilch trinken, erhöhen den Gehalt an Laktose im Darm. Das kann zu Blähungen führen, worunter das Baby leidet. 
  • Lassen Sie Ihr Kind nach dem Stillen gut aufstossen.
  • Kommt Ihr Kind beim Stillen mit dem einschiessenden Milchschwall nicht zurecht, sollten Sie Ihre Milch vorher abdrücken.
  • Vielleicht hilft es, wenn Sie während des Stillens auf dem Rücken liegen.
  • Nach dem Stillen können manche Babys beruhigt werden, wenn Sie sie im Arm wiegen und sie an Ihrem Finger saugen können.

Quelle: «Das Stillbuch» von Hannah Lothrop, 33. aktualisierte Auflage 2009

Tipps zum Beruhigen

Wenn Babys weinen, können sie durch die körperliche Nähe zum Mami oder Vater beruhigt werden. Auch sanft mit dem Kind zu sprechen, kann helfen. «Es gibt aber kein Patentrezept», sagt Mütterberaterin Claude Zangger.

Wichtig ist, die Schlaf-, Wach- und Trinkphasen des Babys zu erkennen. So können Sie Ihr Kind an bestimmte Routinen gewöhnen und ständigen Wechsel sowie immer neues Ausprobieren vermeiden. Es ist wichtig, dass der Tagesablauf strukturiert und immer wieder gleich gestaltet ist.

Wenn das Kind in der Nacht sehr unruhig ist, sollten die Eltern, wenn möglich, vermeiden, in der Wohnung herumzulaufen. Denn meistens wird dadurch das Baby zusätzlich stimuliert. Nach dem Stillen sollten Sie Ihr Baby also am besten eine Weile halten und mit Körperkontakt und Stimme beruhigen, um es dann wieder in sein Bettchen zu legen.

Viele Mütter geben dem Kind die Brust, um es zu beruhigen. Claude Zangger erklärt: «Wenn das Kind alle anderthalb Stunden trinkt und es an Gewicht zunimmt, kann das in den wenigsten Fällen Hunger sein.»

Am Tag können Sie versuchen, Ihr Baby mit anderen Methoden zu beruhigen. Ein paar Anregungen aus dem Stillbuch von Hannah Lothrop und der Plattform sprechzimmer.ch finden Sie hier:

  • Schaukeln Sie das Kind in einer Wiege oder auf Ihrem Arm sanft hin und her. Wippende Bewegungen beruhigen.
  • Gehen Sie mit dem Baby durch die Wohnung spazieren oder an die frische Luft nach draussen.
  • Manche Babys mögen den Fliegergriff und lassen sich so gut beruhigen. Dazu legen Sie das Kind mit dem Bauch auf den Unterarm und fliegen mit ihm durch die Gegend.
  • Viele Kinder fühlen sich in einem Tragetuch am Bauch des Mami oder des Vaters wohl, weil es an die Geborgenheit im Bauch des Mami erinnert.
  • Singen Sie dem Kind etwas vor oder spielen Sie ihm ein Lied auf einem Instrument wie einer Flöte vor. Wer kein Musikinstrument spielen kann und keine begnadete Stimme hat, kann auch eine Musik-CD auflegen.
  • Sanfte Bauchmassagen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel können ebenso zur Linderung der Schmerzen beitragen. Sie sollten allerdings nach Angaben von Ärzten erst ab der 5. Woche ausgeführt werden. Dazu können Sie Kümmelöl für Babys aus der Apotheke verwenden. Ebenso kann eine Massage in Form einer 8 entlang des Rückens das Baby beruhigen.
  • Legen Sie eine Wärmflasche auf den Bauch des Babys. Vorsicht: Die Flasche sollte nicht zu heiss sein. Legen Sie am besten ein Handtuch darum.
  • Geben Sie Ihrem Kind nicht zu heissen Kümmel-, Anis- oder Fencheltee. Das kann die Schmerzen lindern.
  • Die Oberschenkel des Babys rhythmisch gegen den Bauch des Babys zu drücken, kann helfen, die Luft aus dem Bauch zu lassen.

Buch-Tipps und Link-Tipps zum Thema Blähungen bei Babys

  • Tipps zur Ernährung während der Stillzeit erhalten Sie in der Broschüre der Gesellschaft für Ernährung. Sie können diese hier herunterladen: www.sge-ssn.ch
  • Tipps zum Stillen und wie Sie Ihr Kind beruhigen, wenn es viel weint, erhalten Sie im Ratgeber «Das Stillbuch» von der Psychologin Hannah Lothrop.
  • Sollten Sie Fragen zu den Bauchschmerzen Ihres Babys haben oder sollte Sie die Situation stark belasten, können Sie sich an die Mütter- und Väterberatungsstellen in Ihrer Region wenden. Eine Übersicht über die Beratungsstellen finden Sie hier: www.sf-mvb.ch