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Pseudokrupp: Das hilft bei bellendem Husten – und wann du zum Arzt musst

Dein Kleinkind wacht mitten in der Nacht mit bellendem Husten auf und ringt nach Luft. Ein Pseudokrupp-Anfall sieht dramatisch aus, ist aber nur selten lebensbedrohlich. Hier findest du die Sofortmassnahmen, die Warnzeichen für den Notruf 144 und die Behandlung, die wirklich wirkt.

Kleinkind mit bellendem Husten: Pseudokrupp trifft vor allem Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.
Von Pseudokrupp betroffen sind vor allem Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Grafik: Tora-Nosuke, iStock, Getty Images Plus

Wenn dein Kind schon einmal einen schweren Pseudokrupp-Anfall hatte, vergisst du das Erlebnis so schnell nicht. Das Kind wacht mitten in der Nacht auf, bekommt schlecht Luft und macht beim Einatmen ein raues Geräusch. Fachleute nennen es «Stridor» [2].

Nicht jeder Pseudokrupp verläuft so dramatisch. Charakteristisch ist aber in jedem Fall ein bellender, trockener Husten, der vor allem nachts auftritt und tatsächlich an Hundebellen oder an das Bellen eines Seehunds erinnert. Am schlimmsten sind die Beschwerden meist in der ersten Nacht [2], und häufig kehren sie zwei bis drei Nächte hintereinander zurück [1].

Ursachen von Pseudokrupp

Pseudokrupp ist eine Virusinfektion des Kehlkopfs und der Luftröhre, medizinisch «Laryngotracheitis» genannt. Der häufigste Erreger ist das Parainfluenza-Virus. Oft beginnt alles wie eine gewöhnliche Erkältung mit Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber und wenig Appetit. Der Pseudokrupp kann aber auch ohne solche Vorboten auftreten [3].

Die Viren lassen die Schleimhaut von Kehlkopf und Luftröhre anschwellen, dadurch werden die Atemwege enger. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, am häufigsten in den ersten drei Lebensjahren [1]. Bei kleinen Kindern sind die Atemwege noch sehr eng: Schon eine geringe Schwellung reicht aus, damit Atemnot entsteht [3].

Je grösser die Kinder werden, desto weiter werden auch Kehlkopf und Luftröhre. Nach dem sechsten Geburtstag kommt es in der Regel nicht mehr zu einem Pseudokrupp [1]. Weil das Parainfluenza-Virus vor allem im Herbst und im Frühling zirkuliert, häufen sich die Anfälle in der kalten und in der Übergangszeit [3].

Was tun bei einem Pseudokrupp-Anfall

Wann du sofort die Nummer 144 wählst

Ruf die Ambulanz über die Notrufnummer 144, wenn dein Kind starke Atemnot hat, nach Luft schnappt, apathisch wirkt oder wenn sich Lippen, Fingernägel oder Haut bläulich verfärben [1].

Noch in derselben Nacht ärztlich beurteilen lassen musst du dein Kind, wenn [1] [2]:

  • das raue Atemgeräusch auch in Ruhe zu hören ist, also im Schlaf oder im ruhigen Sitzen;
  • sich die Haut zwischen den Rippen oder oberhalb des Brustbeins beim Einatmen einzieht;
  • die Sofortmassnahmen nach einigen Minuten nicht helfen oder die Beschwerden zunehmen;
  • dein Kind die Flüssigkeit verweigert oder starke Schluckbeschwerden hat;
  • es hohes Fieber über 39 Grad hat, denn dann besteht der Verdacht auf eine Kehldeckelentzündung;
  • es deinem Kind insgesamt schlecht geht oder du unsicher bist, ob du ärztliche Hilfe brauchst.

Und was tust du in dem Moment, in dem dein Kind hustend und nach Luft ringend aufwacht? Das erste Gebot lautet: Ruhe bewahren. Angst und Unruhe verschlimmern die Symptome zusätzlich. Wenn dein Kind merkt, dass du in Panik gerätst, steckt es sich damit an.

Nimm dein Kind auf den Arm oder setz es aufrecht hin. Geh mit ihm ans offene Fenster oder auf den Balkon, gut eingepackt, damit es kalte, frische Luft einatmen kann [1]. Die kalte Luft wirkt beruhigend und kann dazu beitragen, dass die Schleimhäute abschwellen [3].

Alternativ kannst du im Bad heisses Wasser laufen lassen und mit deinem Kind im Wasserdampf stehen. Lass dein Kind dabei nie allein im Badezimmer, denn am laufenden heissen Wasser kann es sich verbrühen. Beide Massnahmen zielen vor allem darauf, das Kind zu beruhigen. Bleibt das raue Atemgeräusch deutlich hörbar, ersetzen sie keine ärztliche Beurteilung [2].

Sobald sich dein Kind etwas beruhigt hat, gib ihm in kleinen Schlucken etwas Kühles zu trinken. In den meisten Fällen ist der Husten nach ein paar Minuten vorbei und dein Kind findet wieder in den Schlaf.

Hilft das nicht und ist das raue Atemgeräusch weiterhin deutlich zu hören, nimm telefonisch Kontakt mit einer Ärztin auf. Sie entscheidet, welche Schritte nötig sind, und weist dein Kind bei Bedarf direkt ins Spital ein [2].

Dort lässt sich unter anderem abklären, ob hinter der Atemnot eine bakterielle und lebensgefährliche Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) steckt, die typischerweise mit hohem Fieber einhergeht [1]. Häufigster Erreger ist bei Säuglingen und Kleinkindern Haemophilus influenzae Typ b, kurz «Hib». Dagegen wird in der Schweiz im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen im Alter von 2, 4 und 12 Monaten geimpft. Seit die Impfung 1990 eingeführt wurde, erkranken nur noch wenige Kinder unter fünf Jahren daran, und zwar fast ausschliesslich nicht oder unzureichend geimpfte [4].

Behandlung von Pseudokrupp

Auch wenn in der Nacht keine Behandlung nötig war, solltest du am nächsten Morgen mit deinem Kind zur Kinderärztin gehen. Das gilt besonders dann, wenn dein Kind zum ersten Mal einen Pseudokrupp-Anfall hatte. So lässt sich die Diagnose sichern, und du erfährst, was bei einem erneuten Anfall mit bellendem Husten zu tun ist.

Hat dein Kind ein deutliches raues Atemgeräusch, erhält es ein abschwellendes, entzündungshemmendes Medikament, in der Regel Kortison. Meistens reicht eine einzige Dosis, und bei leichten Fällen ist auch eine ambulante Behandlung möglich [2]. Mittelschwere und schwere Fälle werden im Spital mit Kortison behandelt, zum Beispiel als Saft oder Zäpfchen [3]. Bei einer starken Verengung der Atemwege kommt eine Feuchtinhalation mit Adrenalin dazu, die die entzündete Schleimhaut rasch abschwellen lässt. Danach bleibt dein Kind einige Stunden zur Beobachtung im Spital.

Antibiotika helfen bei Pseudokrupp nicht, weil eine Virusinfektion dahintersteckt, und Hustenmittel werden nicht empfohlen. Fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel können bei Fieber und Halsschmerzen nützlich sein. Husten und Erkältungssymptome halten oft noch sieben bis zehn Tage an, und in dieser Zeit kann dein Kind andere Kinder anstecken [2].

Hatte dein Kind schon häufiger Pseudokrupp oder bringen die Sofortmassnahmen keine Besserung, wird er medikamentös behandelt [1]. Besprich bei dieser Gelegenheit mit der Kinderärztin, ob ein Notfallmedikament für zu Hause sinnvoll ist.

Kann man vorbeugen?

Die schlechte Nachricht zuerst: Pseudokrupp kann wiederkommen. Manche Kinder sind besonders anfällig dafür und erkranken mehrmals daran [1], meist im Rahmen eines Atemwegsinfekts.

Ganz verhindern lässt sich ein Anfall deshalb nicht. Ein paar Dinge kannst du trotzdem tun [1] [3]:

  • das Kinderzimmer gut lüften und im Winter nicht überheizen, damit die Luft nicht zu trocken wird;
  • die Luft bei Bedarf befeuchten, etwa mit nassen Tüchern im Zimmer oder mit einem Luftbefeuchter;
  • konsequent auf eine rauchfreie Umgebung achten, denn Zigarettenrauch reizt die Schleimhäute zusätzlich.

Für den verbreiteten Tipp, das Kind erhöht schlafen zu lassen, findet sich in den Schweizer Fachinformationen zu Pseudokrupp dagegen kein Beleg. Bei den üblichen Erkältungssymptomen helfen dir eher die sanften Hausmittel für Babys und Kleinkinder.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Krupp und Pseudokrupp?

Als «echten Krupp» bezeichnete man früher den Husten bei Diphtherie. Dabei bilden sich im Rachen grau-weisse Beläge, die sich bis zum Kehlkopf ausbreiten und die Atemwege verschliessen können. Pseudokrupp oder «falscher Krupp» meint dagegen die durch Viren ausgelöste Entzündung von Kehlkopf und Luftröhre. Weil Diphtherie in der Schweiz dank der Impfung selten geworden ist, wird heute im Alltag kaum noch ein Unterschied zwischen «Krupp», «Pseudokrupp» und «Krupphusten» gemacht. Verschwunden ist die Diphtherie allerdings nicht: 2022 stiegen die Fallzahlen in der Schweiz wieder an, fast ausschliesslich bei Personen mit unvollständigem oder unbekanntem Impfschutz [5].

Quellen

  1. Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB): Patienteninformation Pseudokrupp (Laryngotracheitis), Stand 09/2022 (abgerufen am 11.08.2026).
  2. Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (SGPP), Prof. Dr. med. Jürg Barben: Elterninformation Laryngotracheitis «Pseudokrupp», Update 2017, publiziert vom Ostschweizer Kinderspital (abgerufen am 11.08.2026).
  3. Lungenliga Schweiz: Pseudokrupp bei Kindern (abgerufen am 11.08.2026).
  4. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Haemophilus influenzae (abgerufen am 11.08.2026).
  5. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Diphtherie (abgerufen am 11.08.2026).

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