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Alle stecken unter einer Decke! Mythen rund ums Familienbett

Das Familienbett hat viele Vorteile. Zum Beispiel müssen Eltern nachts nicht mehr aufstehen. Nicht nur für stillende Mütter ist das praktisch. Aber hat da noch die Partnerschaft Platz? Über die grossen und kleinen Lügen, die wir uns über das Familienbett erzählen.

Im Familienbett schläft sich nicht immer besser, aber wahrscheinlich auch nicht schlechter. Mythen rund ums Co-Sleeping.

Hat Papa auch noch im Familienbett Platz? Bild: E+

Wie man sich bettet, so liegt man. Denn erlaubt man dem Kind im Elternbett zu schlafen, wird man es nie wieder los, sagen die einen. Versagt man es ihm, fehlt es ihm an Nähe und Geborgenheit und wird erst recht zum schlechten Schläfer, die anderen. 

Beide Annahmen sind in ihrer Konsequenz vermutlich falsch, aber sie haben ihre Begründung in einem realen Dilemma: Eltern müssen sich immer wieder entscheiden, wo sie Grenzen setzen. Was können und wollen sie ihren Kindern an Nähe geben? Wo ist noch Platz für den Partner? Und für sie selbst?

Die richtige Antwort kann aber kein Arzt, kein Psychologe, keine Hebamme auch keine Schlafberaterin geben. Und je nach Beruf und Überzeugung wird die Empfehlung auch unterschiedlich ausfallen. 

Vom Tabu zum Ideal

Denn die bewusste Entscheidung für oder gegen das gemeinsame Schlafen im Familienbett (auch Bedsharing und Co-Sleeping genannt) ist auch immer eine Entscheidung für einen Lebens- und Erziehungsstil, der oft mehr mit der familiären Prägung, der Kultur und dem Instinkt zu tun hat, als mit den wissenschaftlich überprüfbaren Tatsachen.

So ist das gemeinsame Schlafen im Elternbett in der Schweiz unter vielen Eltern noch immer verpönt. Nicht nur wegen der Angst vor dem plötzlichen Kindstod, sondern auch, weil Eltern befürchten, dass Kinder durch das Schlafen im Elternbett zu sehr verwöhnt werden.
Kinder sollen dieser Überzeugung folgend zur Selbstständigkeit erzogen werden und deshalb früh lernen alleine einzuschlafen. Eltern schlafen im Elternschlafzimmer, Kinder im Kinderzimmer - auch dann, wenn die Eltern dafür mehrmals in der Nacht aufstehen und die Kinder beruhigen oder wieder zurück in ihr Bett bringen müssen.

Das Familienbett kam vermutlich mit der Idee des Attachment Parentings wieder in den offiziellen Wohnkatalog. Die bindungsorientierte Erziehungslehre nach dem Professor für Kinderheilkunde und Kinderarzt Dr. William Sears soll die Eltern-Kind-Bindung stärken, indem die Eltern sensibel auf die Signale und damit auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen und möglichst viel körperliche Nähe mit dem Kind teilen. Dazu gehört unter anderem das bedarfsorientierte Stillen, Kinder viel zu tragen und das gemeinsame Schlafen im Elternbett. All das, so die Theorie, helfe sicher gebundene Kinder grosszuziehen, die zu gesunden und emotional stabilen Persönlichkeiten heranwachsen.

Kinder machen das Elternbett zum Familienbett

Zwischen beiden Lagern haben sich Familien aber oft ihr ganz eigenen Schlafplatz eingerichtet. Sieben Behauptungen und gelebte Antworten.

Meistens sind es die Kinder, die ihre Eltern zu Co-Sleepern machen, Nicht selten wird das Elterbett über Jahre immer wieder zum Familienbett.

Kinder schlafen oft besser, wenn sie sich einer Bezugsperson nah und geborgen fühlen. Bild: Annie Spratt - Unsplash

Bedsharing erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod

Lange haben Schweizer Kinderärzte offiziell rigide davon abgeraten, dass Eltern mit ihrem Baby in einem Bett schlafen, weil sich dadurch das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhe (z.B. durch Überhitzung, Überrollen oder Erdrücken). Neuere Studien deuten darauf hin, dass natürliche Instinkte, die nächtlichen Bewegungen von Eltern und Kind aber so aufeinander abstimmen, dass es nie zu einer Gefahr kommt. 

Erst 2014 wurde das «Familienbett-Tabu» gelockert. Die Studienlage zum plötzlichen Kindstod und Bedsharing sei zu widersprüchlich, um zu einer eindeutigen Empfehlung zu gelangen, erklärte Oskar Jenni, Entwicklungspädiater am Kinderspital Zürich. Man habe dabei schlicht der Praxis nicht Rechnung getragen. 

Ein Familienbett ist praktischer

Den Säugling im Halbschlaf stillen oder das ängstliche Kleinkind zur Ruhe bringen: Im Familienbett lassen sich die üblichen, nächtlichen Herausforderungen des Elternseins oft bequemer meistern. Viele übermüdete Eltern, in der Mehrzahl Mütter, finden es deshalb oft einfacher, wenn das Kind im Elternbett ein- oder weiterschläft. Bedsharing ist allerdings kein Allheilmittel für einen tiefen und ausgeglichenen Schlaf aller Familienmitglieder. Es gibt Kinder, die trotz der körperlichen Nähe nur schlecht einschlafen können oder nachts immer wieder aufwachen. Auch lebhafte Schlafbewegungen der Kinder können den Schlaf stören. 

Nur Hippie-Familien schlafen in einem Bett

Häufig entscheiden sich Eltern gar nicht aus einer Ideologie heraus für das Bedsharing. Kleinkinder machen das Elternbett zum Familienbett. Denn tatsächlich sind Säuglinge im Familienbett wohl sehr viel seltener anzutreffen als Klein- und Vorschulkinder. In einer Langzeitstudie des Zürcher Kinderspital von Oscar Jenni, Remo Largo et al. wurden zwischen1974 und 2004 493 Schweizer Familien bezüglich Bedsharing-Praxis und Schlafproblemen befragt. Obwohl im untersuchten Zeitraum nur etwa zehn Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr im Elternbett schliefen, stieg der Anteil der Kinder, die mindestens einmal in der Woche bei ihren Eltern schliefen, vom zweiten bis zum siebten Lebensjahr auf 44 Prozent. 

Kinder, die von Anfang an im Elternbett schlafen, schlafen am Ende besser

Das Ergebnis der Langzeit-Forschung ist gleichermassen beruhigend wie beunruhigend: Sowohl Bedsharing als auch das Kinder häufig in der Nacht aufwachen sei gewöhnlich und halte auch über viele Jahre an, berichten Oscar Jenni et al. Dabei konnte weder ein positiver noch ein negativer Zusammenhang zwischen Bedsharing und der Häufigkeit des Aufwachens festgestellt werden. Vielmehr wird vermutet, dass vor allem Entwicklungssprünge, Trennungsängste und lebhafte Träume für den unregelmässigen Schlaf verantwortlich sind. Die Schlafberaterin Sibylle Lüpold hat während ihrer Arbeit Ähnliches beobachtet: «Wir stellen immer wieder fest, dass diese Entwicklung nicht linear, sondern wellenförmig verläuft. In den ersten Lebensjahren gibt es Phasen, in denen Kindern das Durchschlafen leicht fällt, und Phasen, in denen sie sich häufiger melden. Das ist ganz normal.»

Das Sexleben leidet unter dem Familienbett

Schlafmangel, Stress, wenig Zeit: Kinder sind kein Aphrodisiakum. Ob geteilte Betten oder nicht, Studien zeigen unisono, dass die Mehrheit der Partnerschaften nach einer Geburt auf die Probe gestellt wird. Und wahrscheinlich ist, dass Paare, die vorher keine Fans von «33 ungewöhnlichen Orten an denen man Sex haben kann» waren, jetzt auch keine werden. Unabhängig davon nimmt die Lust bei vielen Frauen nach der Geburt auch hormonbedingt häufig ab. Paare sollten deshalb offen darüber sprechen, was es für ihre Intimität heisst, wenn die ganze Familie womöglich über Jahre unter einer Decke steckt. 

Kinder lassen sich nur schwer vom Familienbett entwöhnen

Oft setzt diese Phase in der sich Kinder bewusst von ihren Eltern abgrenzen nach dem vierten Lebensjahr ein. Auch wenn es Geschwister gibt, mit denen man das Zimmer teilen kann, kann sich die Phase abkürzen. Wichtig dabei zu wissen ist, das Kinder, die im Elternbett schlafen wollen, nicht aus Berechnung, sondern aus einem natürlichen Instinkt heraus handeln. Sie fürchten sich, wenn sie allein sind oder suchen das Gefühl der Zugehörigkeit, Körperwärme und Geborgenheit. 

Tipps für Sicherheit im Familienbett

Auch wenn es minimal ist, das Risiko des plötzlichen Kindstods kann sich durch das gemeinsame Schlafen im Elternbett erhöhen. Schweizer Kinderärzte empfehlen deshalb folgende Sicherheitsvorkehrungen:
•    Das Bett sollte gross genug für alle, die Matratze sollte fest sein. 
•    Auf Kissen und Unterlagen sollte verzichtet werden.
•    Bedsharing ist tabu, wenn die Eltern rauchen, Alkohol, Tabletten oder Drogen konsumiert haben sowie, wenn sie erkrankt oder übermüdet sind.

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