Baby > Stillen & ErnährungBabytee: Welche Tees für Babys geeignet sind – und warum Fencheltee nicht mehr dazugehört Bianca Sellnow Das Bäuchlein zwickt, draussen ist es heiss, und die Grossmutter bringt Fencheltee mit: Tee gilt seit Generationen als Hausmittel fürs Baby. Dabei braucht ein Baby in den ersten Monaten gar keinen Tee, und Fencheltee wird für kleine Kinder heute nicht mehr empfohlen. Hier erfährst du, ab wann Babytee sinnvoll ist, welche Sorten passen und wie du ihn zubereitest. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Ungesüsster Tee ist für Babys erst mit der Beikost ein Thema. Bild: iStock Das Wichtigste in Kürze Solange dein Baby nur Muttermilch oder Säuglingsmilch trinkt, braucht es keinen Tee, auch an heissen Tagen nicht. Mit der Beikost bietest du nach jeder Breimahlzeit etwas zu trinken an. Am besten Wasser, ungesüsster Tee ist die Alternative. Fencheltee gibst du einem Kind unter vier Jahren nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder der Apotheke. Schwarztee, Grüntee, Eistee und gesüsste Instant-Kindertees sind für Babys nicht geeignet. Ab wann darf ein Baby Tee trinken? Trinkt dein Baby nur Muttermilch oder industrielle Säuglingsanfangsnahrung, bekommt es damit so viel Flüssigkeit, wie es braucht. Das gilt selbst an heissen Tagen: Zusätzlichen Tee oder Wasser braucht es nicht.[1] Anders ist es nur, wenn ein Baby viel Flüssigkeit verliert, etwa bei Fieber, starkem Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen. Dann besprichst du mit der Kinderärztin, was es zusätzlich braucht. Woran du erkennst, ob dein Kind genug bekommt, liest du im Artikel über die richtige Trinkmenge beim Baby. Mit der Beikost ändert sich das. Sie beginnt frühestens Anfang des fünften und spätestens Anfang des siebten Monats.[2] Viele Kinder haben jetzt mehr Durst, deshalb bietest du nach jeder Breimahlzeit etwas zu trinken an.[1] Isst dein Kind drei Breimahlzeiten am Tag, braucht es insgesamt etwa 2 Deziliter Flüssigkeit pro Tag zusätzlich.[2] Das beste Getränk dafür ist Wasser. Frisches, kaltes Leitungswasser genügt. Ungesüsster Früchte- oder Kräutertee ist eine Alternative zum Wasser. Fruchtsaft dagegen enthält von Natur aus viel Zucker und ist als Getränk nicht zu empfehlen.[2] Fencheltee fürs Baby: Was heute gilt Fencheltee war lange der klassische erste Tee fürs Baby. Ihm wird eine entblähende und krampflösende Wirkung zugeschrieben, deshalb bekamen ihn viele Kinder schon in den ersten Lebenswochen. Das ist heute anders. Fenchel enthält von Natur aus Estragol. In Tierversuchen hat dieser Stoff in hohen Dosen das Erbgut geschädigt und Lebertumoren ausgelöst.[3] Wie weit das auf Menschen übertragbar ist, ist noch nicht abschliessend geklärt. Dazu kommt, dass sich bei einem Tee nicht genau dosieren lässt, wie viel Estragol in der Tasse landet. Wassermenge, Temperatur und Ziehzeit verändern den Gehalt. Deshalb gilt in der Schweiz vorläufig: Kinder unter vier Jahren bekommen Fencheltee nur in Absprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apothekerin. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit wird er gar nicht empfohlen.[4] Auch in der EU wird Arzneitee aus Fenchel für Kinder unter vier Jahren nicht empfohlen, selbst nicht gegen Blähungen.[3] Hast du deinem Kind bisher ab und zu Fencheltee gegeben, ist das kein Grund zur Panik: Bedenklich sind nach heutigem Wissen vor allem hohe Mengen.[4] Gib ihn künftig nur noch nach Rücksprache, oder lass ihn ganz weg. Dasselbe gilt für Anistee, denn auch Anis enthält Estragol.[3] Fencheltee aus dem Laden und im Babytee Fencheltee gibt es als Arzneimittel aus Apotheke und Drogerie und als gewöhnliches Lebensmittel aus dem Supermarkt. Für die Lebensmittel-Variante gilt die Empfehlung formell nicht, sie enthält aber denselben Stoff.[4] Schau deshalb auch bei Babytees und Teegranulaten auf die Zutatenliste. Steht dort Fenchel oder Anis, wählst du für dein Kind besser eine andere Sorte. Fencheltee in der Stillzeit Auch für stillende Mütter ist Fencheltee nicht mehr empfohlen. Das betrifft auch Stilltees, in denen Fenchel steckt. Hast du bisher einen solchen Tee getrunken, ist das ebenfalls kein Grund zur Sorge: Die Empfehlung ist vorläufig, bedenklich sind vor allem hohe Mengen.[4] Wechsle einfach zu einer Sorte ohne Fenchel. Was in der Stillzeit sonst auf den Tisch darf, steht im Artikel zur Ernährung in der Stillzeit. Welcher Tee für Babys geeignet ist Ab der Beikost eignen sich vor allem ungesüsste Früchtetees, zum Beispiel Hagebuttentee oder Apfeltee. Sie schmecken mild, und die meisten Kinder trinken sie gern. Kräutertees sind ebenfalls erlaubt. Wechsle die Sorten aber ab, statt jeden Tag denselben Tee zu kochen. Kamillen- oder Melissentee zum Beispiel enthalten Inhaltsstoffe, derentwegen dein Kind sie nicht ausschliesslich trinken sollte.[2] Kamillentee ist für Babys ab sechs Monaten vorgesehen, für jüngere nicht. Reagiert dein Kind allergisch auf Korbblütler wie Kamille, Arnika oder Ringelblume, lässt du ihn weg.[5] Spezielle Babytees oder Kindertees brauchst du nicht. Gegenüber gewöhnlichem Kräuter- oder Früchtetee bieten sie keinen Vorteil. Kaufst du trotzdem einen, achte auf die Zutatenliste: Zucker und Süssstoff gehören nicht hinein. Ein gesüsster Instant-Kindertee ist für Babys nicht geeignet.[2] Diese Tees sind nichts für Babys Schwarztee, Grüntee und Eistee enthalten Koffein und sind für Babys ungeeignet. Dasselbe gilt für gesüsste Getränke wie Sirup, Limonade und Instant-Kindertees.[2] Gezuckerte Tees schaden ausserdem den ersten Zähnen, mehr dazu im Artikel über gesunde Zähne und Ernährung. Pfefferminztee als Arzneitee aus Apotheke oder Drogerie ist für Kinder unter vier Jahren nicht vorgesehen, weil dafür keine ausreichenden Daten vorliegen.[5] Fenchel- und Anistee gibst du nur nach Rücksprache oder lässt sie ganz weg, wie oben beschrieben. Bei Kräutermischungen aus der Apotheke oder Drogerie lohnt sich deshalb immer ein Blick in die Packungsbeilage: Dort steht, ab welchem Alter ein Tee gedacht ist. Tee fürs Baby richtig zubereiten Für Babytee giesst du Kräuter oder Früchte mit sprudelnd kochendem Wasser auf und lässt den Tee nach Packungsangabe ziehen. Die Menge der Kräuter richtest du ebenfalls nach der Packung. Danach kühlt der Tee auf Trinktemperatur ab. Prüfe sie vor dem Trinken, damit sich dein Kind nicht verbrüht. Süssen musst du Babytee nicht. Im Gegenteil: Dein Kind gewöhnt sich sonst an den süssen Geschmack. Schmeckt ihm ein Tee zu intensiv, verdünnst du ihn mit Wasser. Gib den Tee nach dem Essen und nicht als Dauerbegleiter. Ständiges Nuckeln an der Flasche begünstigt Karies. Ein Schoppen als Einschlafhilfe im Bett ist aus demselben Grund keine gute Idee.[2] Bauchweh, Erkältung, Durchfall: Wann Tee nicht die Lösung ist Hat dein Baby Blähungen oder Bauchweh, ist Tee nicht die erste Hilfe. Einen Ersatz für den Fencheltee gibt es in den ersten Lebensmonaten nicht: Bis zur Beikost bekommt dein Baby nur Milch, auch wenn das Bäuchlein zwickt. Was hinter Bauchschmerzen beim Baby stecken kann und wann du zur Kinderärztin gehst, liest du im Artikel dazu. Bei einer Erkältung darf dein Kind ab der Beikost warmen, ungesüssten Tee trinken, etwa Hagebuttentee und ab sechs Monaten auch Kamillentee. Vor der Beikost bleibt es bei Milch. Pfefferminztee als Arzneitee ist für Kinder unter vier Jahren nicht vorgesehen.[5] Wichtig ist vor allem, dass dein Kind genug trinkt. Bei Durchfall oder Erbrechen braucht dein Kind keinen Tee, sondern eine Rehydratationslösung aus der Apotheke. Sie ersetzt Wasser und Salze, die der Körper verliert. Ein Baby zwischen sechs und zwölf Monaten bekommt dann vier Stunden lang nur diese Lösung, danach wieder seine gewohnte Milch. Unter sechs Monaten gibst du sie nur nach ärztlicher Rücksprache, ein gestilltes Baby legst du weiter nach Bedarf an. Tee oder Wasser kommen erst bei Kleinkindern über einem Jahr infrage, und zwar nach den ersten vier Stunden.[6] Fruchtsäfte und Süssgetränke sind bei Durchfall ungeeignet, weil sie ihn verstärken können. Verweigert dein Kind das Trinken, geht es ihm schlechter oder ist Blut im Stuhl oder im Erbrochenen, lässt du es ärztlich anschauen.[6] Bei allen Fragen rund um Getränke und Ernährung im ersten Jahr hilft dir auch die Mütter- und Väterberatung in deiner Gemeinde weiter. Quellen Ostschweizer Kinderspital: Trinken und Essen im 1. Lebensjahr, 15. überarbeitete Auflage, Januar 2023. Abgerufen am 01.10.2026. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern, 3. aktualisierte Auflage, November 2020. Abgerufen am 01.10.2026. European Medicines Agency (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: EU-Monografien Bitterfenchelfrüchte und Süssfenchelfrüchte, je Revision 1 (Januar 2024), sowie Stellungnahme zu pflanzlichen Arzneimitteln mit Estragol, Revision 1 (2023), englisch. Abgerufen am 01.10.2026. Swissmedic: Fencheltee für Schwangere, Säuglinge und Kinder unter 4 Jahren. Vorläufige Empfehlung, 06.03.2024. Abgerufen am 01.10.2026. European Medicines Agency (EMA), Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: EU-Monografie Kamillenblüten (2015) und EU-Monografie Pfefferminzblätter, Revision 1 (2020), englisch. Abgerufen am 01.10.2026. Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB): Akuter Durchfall und Brech-Durchfall, Patienteninformation, Juli 2025. Abgerufen am 01.10.2026.