Baby > Stillen & ErnährungMit diesen Tipps von der Hebamme klappt's mit dem Stillen: Anlegen, Milchmenge, Brustentzündung Natascha Mahle Stillen – ja oder nein? Diese Frage beschäftigt viele schwangere Frauen. Warum Stillen der beste und gesündeste Start ins Leben für ein Baby ist, erklärt Hebamme Lucia Mikeler Knaack im Interview. Das Gespräch stammt aus dem Jahr 2011. Wo sich die Fachempfehlungen seither verändert haben, ordnet die Redaktion das im Text ein (Stand: August 2026). Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Das Stillen klappt nicht immer sofort. © Tassii / E+ Stillen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Es stärkt die Bindung zwischen dir und deinem Baby und versorgt es mit allem, was es für einen gesunden Start ins Leben braucht. Gerade am Anfang kann es aber herausfordernd sein. Wie oft sollte dein Baby trinken? Was tun, wenn das Anlegen nicht klappt oder die Milchmenge nicht ausreicht? Eine erfahrene Hebamme gibt in diesem Interview Tipps, wie du die Stillzeit entspannt und selbstbewusst meisterst. Zur Person: Lucia Mikeler Knaack © zVg Lucia Mikeler Knaack schloss ihre Ausbildung zur Hebamme Anfang der 1980er-Jahre ab und arbeitet seit 1989 frei praktizierend im Raum Basel. 1990 gründete sie mit vier weiteren Hebammen eines der ersten Geburtshäuser der Schweiz, die Geburtsstätte und Hebammengemeinschaft Muttenz. Sie betreut Frauen in der Schwangerschaft, unter der Geburt zuhause oder als Beleghebamme in einem Privatspital und begleitet Familien in der sensiblen Zeit des Wochenbetts. Zum Zeitpunkt des Interviews studierte sie berufsbegleitend Gesundheitsförderung und Prävention an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Warum stillen? Die Vorteile für Kind und Mutter Lucia, warum sollte eine Mutter ihr Kind stillen? Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen zu stillen: Es ist kostengünstig, erspart Zeit. Die Milch muss nicht zubereitet werden, hat automatisch die richtige Temperatur. Die Mutter kann ihrem Kind auf einfache Art und Weise die bestmöglichste Ernährung bieten, denn die Milch ist optimal zusammengesetzt. Das Kind bekommt durch die Muttermilch alle wichtigen Nährstoffe wie Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Eisen und Mineralstoffe. Das Stillen schafft eine sehr gute Basis für die spätere Gesundheit. Es senkt das Risiko übergewichtig zu werden, eine Allergie zu bekommen und an Kreislaufkrankheiten zu erkranken. Stillen ist also wieder in. Hat eine Mutter auch persönliche Vorteile? Natürlich. Stillen verzögert die Monatsblutung. Dennoch ist Stillen keine zuverlässige Verhütungsmethode. Zudem fördert es die Beziehung zu ihrem Kind, das Verhältnis wird sehr innig. Stillen ist wie eine Streicheleinheit – für die Mutter und das Kind. Ob Stillen das Brustkrebsrisiko verringert, wird kontrovers diskutiert und gilt nicht mehr als gesichert. Anmerkung der Redaktion: Beim Brustkrebs ist die Datenlage heute eindeutiger, als es im Interview klingt. Die Krebsliga Schweiz führt Stillen unter den Verhaltensweisen, die das Krebsrisiko der Mutter senken.[6] Pro zwölf Monate Stillzeit, die Zeiten aller Kinder zusammengerechnet, sinkt das Brustkrebsrisiko um rund 4 Prozent. Diese Risikominderung kommt zu jener hinzu, die eine Geburt ohnehin mit sich bringt.[6] So gelingt der Stillstart Wie gelingt das Stillen am besten? Gerade in der ersten Zeit brauchen Mutter und Kind absolute Ruhe. Beide müssen ihre Methode und ihren persönlichen Ablauf herausfinden, dann gelingt es automatisch. Bis sich diese Routine einstellt, dauert es etwa vier bis sechs Wochen. Eine Mutter sollte drei Positionen kennen, die ihr das Stillen erleichtern und bequem sind. Wichtig ist dabei eine gute Körperhaltung. Das A und O ist das richtige Ansetzen des Kindes. Wird dies falsch praktiziert, kann es schnell zu wunden oder rissigen Brustwarzen kommen, was sehr schmerzhaft sein kann. Wo finden Mütter Rat und Anleitung? Jede Frau hat laut Krankenversicherungsgesetz die ersten zehn Tage nach der Geburt Anspruch auf Hebammenleistung. Diese Hilfe bezieht sich natürlich nicht nur auf das Stillen, sondern auf alle Fragen, welche das Wochenbett betreffen. Ich empfehle meinen Klientinnen sich schon während der Schwangerschaft mit dem Stillen auseinanderzusetzen. Fachliteratur, Internetseiten oder Beratungen bei einer Hebamme eignen sich sehr gut dazu. Ebenfalls sind nach der Geburt drei Stillberatungen während der gesamten Stillzeit gesetzlich verankert. Diese können von Hebammen oder Stillberaterinnen durchgeführt werden. Ein niederschwelliges und sehr geschätztes Angebot sind die kostenlosen Mütter- und Väterberatungsstellen. Anmerkung der Redaktion: Der Anspruch endet nicht nach zehn Tagen. Geregelt ist er in der Krankenpflege-Leistungsverordnung, nicht im Krankenversicherungsgesetz. Die Verordnung sieht in den 56 Tagen nach der Geburt bis zu zehn Hausbesuche der Hebamme vor.[4] Nach einer Frühgeburt, einer Mehrlingsgeburt oder einem Kaiserschnitt und bei Erstgebärenden sind es bis zu 16 Hausbesuche.[4] In den ersten zehn Tagen kommen bis zu fünf Zweitbesuche am selben Tag dazu. Die drei Stillberatungen stehen in derselben Verordnung; die Krankenkasse übernimmt sie, wenn eine Hebamme oder eine speziell ausgebildete Pflegefachperson sie durchführt.[4] Stillen im Alltag und im Job Ist Stillen im Alltag kein Hindernis für die Frau? Natürlich ist man durch das Stillen mehr an sein Kind gebunden als durch die Flaschenernährung. Frauen können die Muttermilch aber abpumpen und einfrieren. Auch die Stillzeit ist rechtlich festgelegt. Frauen können während der Arbeitszeit abpumpen oder ihr Kind stillen, wenn dieses an den Arbeitsort gebracht wird. Dies erlebe ich in meinem Arbeitsalltag jedoch eher selten. Abpumpen kann durch eine Handpumpe oder kleine Elektropumpen erfolgen. Diese sind effizienter, kosten auch nicht mehr so viel wie früher und können in der Handtasche mitgeführt werden. Die grossen elektrischen Pumpen werden z. B. bei Zwillingen, Frühgeborenen oder Babys mit Handicap benötigt. In diesen aussergewöhnlichen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Mietkosten für das Gerät. Anmerkung der Redaktion: Wie viel Stillzeit bezahlt wird, steht in der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz. Im ersten Lebensjahr deines Kindes gelten mindestens 30 Minuten als bezahlte Arbeitszeit, wenn du bis zu vier Stunden am Tag arbeitest.[5] Bei mehr als vier Stunden sind es mindestens 60 Minuten, bei mehr als sieben Stunden mindestens 90 Minuten.[5] Freigeben muss dein Arbeitgeber die ganze Zeit, die du zum Stillen oder Abpumpen brauchst. Bezahlt ist davon der genannte Anteil. Wie sich das organisieren lässt, steht in unserem Beitrag zum Stillen am Arbeitsplatz. Wie lange stillen? Wie lange sollte das Baby gestillt werden? Das ist eine sehr persönliche und fast schon philosophische Ansicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Stillzeit von vier bis sechs Monaten. Aus medizinischer Sicht gibt es jedoch kein Limit. Wenn eine Mutter sich für das Abstillen entscheidet, kann eine Mahlzeit, je nach Alter des Kindes, durch einen Schoppen oder einen Brei ersetzt werden. Die Milchmenge richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Je mehr das Kind angesetzt wird, desto mehr Milch wird produziert. Je seltener das Kind saugt, desto weniger wird Milch produziert. Anmerkung der Redaktion: Die WHO empfiehlt heute etwas anderes. Sie rät, Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschliesslich zu stillen und danach zusammen mit Beikost weiterzustillen, bis zum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus.[3] Für die Schweiz empfiehlt die Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, die Beikost individuell angepasst frühestens im fünften und spätestens im siebten Lebensmonat einzuführen.[2] Danach soll so lange weitergestillt werden, wie Mutter und Kind das möchten.[2] Brustentzündung: Wann du sofort Hilfe brauchst Wie sollten Frauen bei einer Brustentzündung reagieren? Eine Brustentzündung ist eine ernsthafte Erkrankung. Neben meist hohem Fieber treten grippeartige Symptome auf. Die Frauen haben Schmerzen beim Stillen, es können sich punktuell schmerzhafte, rote und verhärtete Stellen an der Brust bilden. Eine beginnende Brustentzündung sollte so rasch als möglich durch eine Fachperson, Hebamme, Still- oder Mütterberaterin oder Ärztin, Arzt behandelt werden. So besteht die Chance die beginnende Entzündung in den Griff zu bekommen. Über die Behandlungsmethoden herrscht keine Einigkeit unter den Experten. Viele Ärzte verschreiben schnell Antibiotika, wir Hebammen sind eher zurückhaltend in der Abgabe und versuchen durch Wickel, häufigeres Stillen oder Abpumpen, Bettruhe und regelmässige Hausbesuche die Entzündung abklingen zu lassen. Es ist wichtig, dass die Frauen von jeglicher Hausarbeit befreit sind. Haushaltshilfe - und Spitexorganisationen sind Stellen, die in solchen Situationen Hilfe anbieten. Oft kümmert sich aber auch ein Familienmitglied um die Mutter. Während der ganzen Stillzeit ist es möglich eine Brustentzündung zu bekommen. Viele Frauen haben diese Erfahrung leider schon gemacht. Meistens ist eine Brustentzündung jedoch kein Grund zum Abstillen. Diese Frist solltest du kennen Stillförderung Schweiz nennt eine klare Zeitmarke: Bei einer Brustentzündung solltest du innerhalb von 24 Stunden eine adäquate Behandlung erhalten.[1] Typische Zeichen sind eine gerötete, schmerzhafte und überwärmte Brust sowie grippeartige Symptome mit Fieber und Gliederschmerzen.[1] Suche in diesem Fall sofort deine Ärztin oder deinen Arzt auf und danach eine Stillberaterin.[1] Warte nicht ab, bis es von allein besser wird. Was sonst noch hilft, steht in unserem Beitrag darüber, was gegen eine Brustentzündung wirkt. Wenn du nicht stillen möchtest Wenn Frauen aber absolut nicht stillen möchten. Müssen sie dann ein schlechtes Gewissen haben? Nein. Es gibt Situationen, in denen es für die Frau, ihr Umfeld und schliesslich auch für ihr Kind besser sein kann, wenn sie nicht stillt. Dies sind ganz persönliche und individuelle Gründe und sie sollten absolut respektiert werden. Mit dieser Checkliste klappt das Stillen Suche dir einen ruhigen Ort, wenn möglich, um entspannt stillen zu können. Mach es dir bequem – stütze deinen Arm oder Rücken mit Kissen, falls nötig. Probiere verschiedene Stillpositionen aus, zum Beispiel im Liegen auf dem Rücken oder auf der Seite. Achte auf die ersten Hungerzeichen deines Babys: Es bewegt die Arme, ballt die Fäuste oder führt die Hand zum Mund. Schreien ist ein spätes Signal.[1] Halte dein Baby in der Wiegehaltung richtig, indem es auf deinem Arm liegt, nicht auf deinen Beinen. Achte darauf, dass dein Baby die Brustwarze einfach erreichen kann, ohne den Kopf drehen zu müssen. Leg dein Baby in den ersten Wochen mindestens acht- bis zwölfmal innerhalb von 24 Stunden an.[1] Stille nach seinem Bedarf, nicht nach einem festen Rhythmus.[1] Wie lange eine Mahlzeit dauert, ist von Kind zu Kind verschieden. Dein Baby zeigt selbst, wann es satt ist: Es lässt die Brust los und wirkt entspannt. Nach etwa drei Tagen sollte Stillen nicht mehr schmerzen. Falls doch, frage deine Hebamme um Rat. Überprüfe, ob dein Baby genug trinkt: Fünf bis sechs nasse Wegwerfwindeln pro 24 Stunden sind ein gutes Zeichen.[1] Ein Neugeborenes hat drei- bis viermal täglich weichen Stuhlgang. Ab etwa fünf Wochen kann das deutlich seltener werden, auch einmal pro Woche kann normal sein.[1] Gib deinem Baby täglich 400 Internationale Einheiten Vitamin D. Muttermilch enthält davon oft zu wenig, deshalb sind gestillte Säuglinge auf die Zugabe angewiesen.[2] Denk an die Vitamin-K-Gabe. Die Schweizerische Gesellschaft für Neonatologie empfiehlt drei Dosen: im Alter von vier Stunden, vier Tagen und vier Wochen.[2] Quellen Stillförderung Schweiz: Häufige Fragen zum Stillen. Abgerufen am 23.08.2026. Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie: Empfehlungen für die Säuglingsernährung (PDF). Abgerufen am 23.08.2026. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Breastfeeding. Abgerufen am 23.08.2026. Schweizerische Eidgenossenschaft: Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV, SR 832.112.31), Art. 15 und Art. 16 (PDF, Stand 1. August 2026). Abgerufen am 23.08.2026. Schweizerische Eidgenossenschaft: Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1, SR 822.111), Art. 60 (PDF, Stand 1. September 2024). Abgerufen am 23.08.2026. Krebsliga Schweiz: Stillen. Abgerufen am 23.08.2026.