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It's up to you! Wenn du dein Baby nicht stillen willst oder stillen kannst

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sechs Monate ausschliesslich zu stillen. Viele Frauen leiden beim Stillen aber unter Schmerzen oder Stillproblemen, die sie stark belasten. Und: Nicht alle Frauen wollen stillen. Wenn auch du dein Kind nicht (mehr) stillen kannst oder willst, musst du kein schlechtes Gewissen haben. Wenn es dir so besser geht, ist das auch für dein Kind gut. Wir erklären, was zu tun ist, wenn du nicht mehr stillen willst und berichten von unseren Erfahrungen. 

Mutter füttert ihr Baby mit Flasche in Sessel

Keine Sorge! Auch, wenn du deinem Baby den Schoppen gibst, kannst du deinem Kind dabei Nähe und Wärme vermitteln. Bild: GettyImages Plus, supersizer

Das Wichtigste in Kürze: Wenn du nicht stillen willst

  • Wenn du nichst stillen willst, solltest du deine Frauenärztin, deine Hebamme oder deine Stillberatung darauf ansprechen. Sie können dir in deiner ganz individuellen Situation weiterhelfen und dich beraten. Mehr zum Entscheid.
  • Wenn das Abstillen schnell gehen muss - zum Beispiel direkt nach der Geburt oder bei gesundheitlichen Problemen - werden Abstilltabletten eingesetzt. So wirken diese. 
  • Zwei von drei Frauen leiden im Wochenbett unter Stillproblemen und überlegen sich, nicht mehr zu stillen. Mehr dazu.
  • Wenn du nicht (mehr) stillen willst, musst du kein schlechtes Gewissen haben. Warum, erklärt dir eine Stillberaterin hier.
  • Wenn dein Kind die Flasche statt Muttermilch bekommt, gibt es gewisse Nachteile, die du beachten musst. Vor allem im Bezug auf die Wahl des Milchpulvers. Das musst du wissen. 

Mein Umfeld schien sich mehr um mich und mein Baby zu sorgen, als ich selbst, sobald die Stillfrage aufkam. Mein «Ich stille nicht» sorgte am laufenden Band für verwunderte und besorgte Gesichter. Verwandte, Nachbarn oder die wildfremde Kassiererin im Supermarkt: Alle hatten die klare Meinung, dass ein Baby gestillt werden sollte und alle fanden es ganz normal, mich nach einem kurzen Hallo zu fragen, wie denn das Stillen laufe – was im Gegenzug bei mir für Verwunderung sorgte. 

Nicht stillen wollen: Meine Erfahrungen

Manche Mamas empfinden das Stillen als etwas Wunderbares. Ich bewundere sie für ihre Geduld und ihre Hingabe. Ich gehöre leider nicht dazu. Was nicht heisst, dass ich mein Kind nicht genauso liebe. Mir war schon früh klar, dass ich lieber nicht stillen will – es sei denn, ich schade damit nachweislich meinem Kind. Ich informierte mich darum in Bücher, fragte meine Ärztin und Hebamme um Rat, recherchierte im Internet und hörte Podcasts rund ums Stillen und die Babyernährung. Mein Fazit: Weder die Gesundheit meines Kindes, noch die Bindung zwischen uns leidet darunter, wenn ich meinem Kind den Schoppen gebe. Und das Wichtigste:

Wenn es mir als Mama dabei besser geht, profitiert davon auch mein Kind. 

Klar, die Natur hat es so vorgesehen, dass Mütter ihre Babys stillen. Und ja, es ist ein Wunder, zu dem der weibliche Körper fähig ist. Aber: Es ist mein Körper und es ist meine Entscheidung. Und wenn es mir mental und/oder körperlich dabei besser geht, ist das auch besser für mein Kind. 

Vater gibt Neugeborenem die Flasche

Papa hilft mit: Wenn dein Kind den Schoppen nimmt, kann auch der Vater beim Füttern helfen. Bild: GettyImages Plus, Nikola Stojadinovic

Nicht stillen wollen oder können: Was tun

Wenn auch du merkst, dass du nicht stillen kannst oder (nicht mehr) stillen willst: Sprich deine Ärztin und dein Hebamme darauf an. Lass dich beraten, wie ihr am besten vorgeht. Denn je nach Zeitpunkt deines Entscheid, macht ein anders Vorgehen Sinn. Wenn du gleich nach der Geburt abstillen willst, dann gibt es dafür Abstilltabletten. Diese kommen allenfalls auch zum Einsatz, wenn das Entwöhnen aufgrund Schmerzen oder Stillproblemen schnell gehen muss. Wenn du dein Kind gestillt hast und findest, es sei nun an der Zeit, sanft abzustillen, gibt es verschiedene Tipps und Hausmittel, die helfen.

Zwei von drei Frauen haben im Wochenbett Schwierigkeiten beim Stillen. Jede zweite Frau klagte über zu wenig Milch, Erschöpfungszustände, wunde Brustwarzen und Brustentzündungen. 

Dies zeigt eine Untersuchung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin in Basel. Bist auch du betroffen? Die Hebamme oder Stillberaterin gibt dir auch Tipps bei Stillproblemen: Vielleicht lassen sich diese Lösen und das Abstillen ist doch noch kein Thema! Tipps, die bei den häufigsten Stillproblemen helfen, findest du auch hier. 

Abstilltabletten nach der Geburt: Wenn du nicht stillen willst

Wenn du direkt nach der Geburt nicht stillen willst oder kannst, gibt es die Möglichkeit, die Milchbildung medikamentös zu hemmen: Du erhältst dann Abstilltabletten von deiner Frauenärztin oder der Hebamme. Diese enthalten einen Wirkstoff (oft Cabergolin), der die Produktion des Stillhormons Prolaktin unterdrückt und somit die Milchbildung stoppt. Die Tabletten solltest du nur unter ärztlicher Aufsicht nehmen, um zu vermeiden, dass es zu einer Brustentzündung kommt. Vorsicht auch im Wochenbett: Es kann sein, dass es nach ein bis zwei Wochen erneut zu einem Milcheinschuss kommt und du die Tabletten nochmals nehmen musst. 

Ich selbst entschied mich  dafür, kurz nach der Geburt abzustillen. Mit den Tabletten und literweise Pfefferminz-Tee, den ich auf anraten meiner Hebamme trank, ging dies problemlos. Unseren Sohn fütterten ich und mein Partner mit dem Fläschchen und teilten uns so die Arbeit. Wir informierten uns genau darüber, welches Milchpulver in Produktetests am besten abschnitt und am wenigsten Schadstoffe enthält und welches Fläschchen und welcher Aufsatz für Neugeborene am besten geeignet ist. Und: Wir nahmen uns viel Zeit beim Schoppen geben, kuschelten dabei und achteten auf Körperkontakt. 

Flasche neben Hand von Baby

Der Muttermilch angepasst: Wenn du nicht stillst, erhält dein Kind in den ersten monaten Fläschchen mit Pre-Milchpulver. Bild: GettyImages Plus, undefined undefined

Nicht stillen wollen oder können: Zahlen zum Stillen

In der Schweiz stillen die meisten Mamas ihr Baby. Zumindest in den ersten Lebenswochen. Dies zeigt die Swiss Infant Feeding Study (SWIFS) aus dem Jahr 2014. Wie ein Vergleich mit Studien aus früheren Jahren zeigt, stillen immer mehr Mamas ihre Neugeborenen in den ersten 12 Wochen. Viele Mamas stillen spätestens dann ab, wenn sie in den Job. zurückkehren. Denn auch wenn es gesetzlich geregelte Stillpausen gibt, gestaltet sich das in der Praxis meist aufwändig. 

95 % der Mütter haben ihr Kind in den ersten Lebenswochen gestillt.

26 % der Mütter haben ihr Kind im Alter von 5 Monaten noch gestillt.

50 % der Kinder wurden mindestens 12 Wochen gestillt.

31 Wochen stillte die Durschnitts-Mama in der Schweiz.

In der Schweiz setzt sich die Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens für das Stillens ein. Stillen stärke die wichtige Mutter-Kind-Bindung und bedeute für das Kind Zuwendung, Nähe und Wärme. Zudem fördere es durch eine immer optimale Zusammensetzung und Menge der Muttermilch das gute Wachstum und Gedeihen des Babys. Auch die Weltgesundheitsorganisation, die Stillorganisation La Leche League, Hebammen und Stillberaterinnen machen Werbung für die positiven Effekte der Muttermilch.

Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du nicht stillst!

Manche Mütter, die wegen Schmerzen oder aus persönlichen Gründen nicht stillen können oder wollen, haben ein schlechtes Gewissen, weil sie ihrem Baby die von vielen Seiten gepriesene wertvolle Muttermilch nicht geben können. Auch ich hatte zwischendurch immer wieder mal den Gedanken, ob ich meinem Kind durch meinem Entscheid etwas wegnehme oder vorenthalte. Musst du aber nicht.

Stillen ist keine Garantie für eine gute Mutter-Kind-Beziehung! Es gibt genug andere Gelegenheiten, das Kind liebevoll in den Armen zu halten.

Stillberaterin Verena Marchand gegenüber dem dem «Beobachter»

Millionen von Babys seien mit Schoppenmilch aufgewachsen und gediehen, sagt Marchand weiter. Sie rät: «Wenn eine informierte Mutter abstillen will, weil sie Stillen zu sehr schmerzt, die psychische Belastung zu gross ist, sie den Druck ihres Partners nicht mehr aushält oder sie Stillen und Arbeiten nicht vereinbaren kann, ist jeder Zeitpunkt zum Abstillen richtig.»

Nicht stillen: Diese Nachteile gibt es

Wenn du nicht (mehr) stillen willst, erhält dein Kind in der Regel Fläschchen mit Pre-Milch. Klar – Muttermilch ist im Normalfall die beste Wahl fürs Baby. Sie passt sich den Bedürfnissen des Säuglings von alleine an – innerhalb einer Stillmahlzeit und ebenfalls mit dem wachsenden Kind. Pre-Milchpulver sind zwar so zusammengesetzt, dass sie der Muttermilch so ähnlich wie möglich sind. Wie die Muttermilch enthalten sie als Kohlenhydrat ausschliesslich Milchzucker und decken den Nährstoff- und Kalorienbedarf des Babys in den ersten sechs Monaten.

Aber, so erklärt Stillberaterin Elke Bispinghoff, Leiterin von Die Hebammenpraxis» in Zürich: «Säuglingsmilch enthält keine Enzyme, die den Darm vor Bakterien und Pilzen abschirmen, so wie Muttermilch. Auch fehlen der Pulvermilch Antikörper, die vor allergiebedingten Krankheiten wie Asthma und Neurodermitis sowie vor Infektionen schützen können.» Auch zeigen Tests und Untersuchungen immer wieder, dass zahlreiche Milchpulver zu hohe Werte an krebserregenden und erbgutschädigenden Stoffen enthalten. Die neusten Testergebnisse findest du hier. 

Es gibt eine grosse Auswahl an Pre-Milchpulvern – du solltest dich am besten für einen Hersteller und ein Produkt entscheiden. Aber Achtung: Es kann sein, dass dein Kind die Milch nicht gleich oder nicht gut verträgt und mit Koliken oder anderen Verdauungsbeschwerden reagiert. Lass dich auch hier von deiner Hebamme und dem Kinderarzt begleiten und beraten!