Baby > Stillen & ErnährungIt's up to you! Wenn du dein Baby nicht stillen willst oder kannst – und was dein Baby stattdessen braucht Anina Peter Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sechs Monate ausschliesslich zu stillen und danach zusammen mit Beikost bis zum zweiten Geburtstag oder länger weiterzustillen [6]. Die Schweizer Fachgesellschaften empfehlen, in den ersten vier bis sechs Monaten ausschliesslich zu stillen und die Beikost zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat einzuführen [2]. Viele Frauen leiden beim Stillen aber unter Schmerzen oder Stillproblemen, die sie stark belasten. Und: Nicht alle Frauen wollen stillen. Wenn auch du dein Kind nicht (mehr) stillen kannst oder willst, musst du kein schlechtes Gewissen haben. Wenn es dir so besser geht, ist das auch für dein Kind gut. Wir erklären, was zu tun ist, wenn du nicht mehr stillen willst, worauf du beim Schoppen achten musst – und berichten von unseren Erfahrungen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Keine Sorge! Auch, wenn du deinem Baby den Schoppen gibst, kannst du deinem Kind dabei Nähe und Wärme vermitteln. Bild: GettyImages Plus, supersizer Das Wichtigste in Kürze: Wenn du nicht stillen willst Wenn du nicht stillen willst, solltest du deine Frauenärztin, deine Hebamme oder deine Stillberatung darauf ansprechen. Sie können dir in deiner ganz individuellen Situation weiterhelfen und dich beraten. Mehr zum Entscheid. Wenn das Abstillen schnell gehen muss – zum Beispiel direkt nach der Geburt oder bei gesundheitlichen Problemen – kommen Abstilltabletten in Frage. Sie sind rezeptpflichtig und werden ärztlich verordnet. So wirken diese. Rund zwei Drittel aller stillenden Frauen in der Schweiz erleben anfangs Stillschwierigkeiten [3]. Du bist mit deinen Zweifeln also nicht allein. Mehr dazu. Wenn du nicht (mehr) stillen willst, musst du kein schlechtes Gewissen haben. Warum, erklärt dir eine Stillberaterin hier. Bekommt dein Kind den Schoppen, zählen zwei Dinge: die richtige Säuglingsnahrung und die saubere, frische Zubereitung. Das musst du wissen. Mein Umfeld schien sich mehr um mich und mein Baby zu sorgen, als ich selbst, sobald die Stillfrage aufkam. Mein «Ich stille nicht» sorgte am laufenden Band für verwunderte und besorgte Gesichter. Verwandte, Nachbarn oder die wildfremde Kassiererin im Supermarkt: Alle hatten die klare Meinung, dass ein Baby gestillt werden sollte und alle fanden es ganz normal, mich nach einem kurzen Hallo zu fragen, wie denn das Stillen laufe – was im Gegenzug bei mir für Verwunderung sorgte. Nicht stillen wollen: Meine Erfahrungen Manche Mamas empfinden das Stillen als etwas Wunderbares. Ich bewundere sie für ihre Geduld und ihre Hingabe. Ich gehöre leider nicht dazu. Was nicht heisst, dass ich mein Kind nicht genauso liebe. Mir war schon früh klar, dass ich lieber nicht stillen will – es sei denn, ich schade damit nachweislich meinem Kind. Ich informierte mich darum in Büchern, fragte meine Ärztin und Hebamme um Rat, recherchierte im Internet und hörte Podcasts rund ums Stillen und die Babyernährung. Mein Fazit: Weder die Gesundheit meines Kindes, noch die Bindung zwischen uns leidet darunter, wenn ich meinem Kind den Schoppen gebe. Und das Wichtigste: Wenn es mir als Mama dabei besser geht, profitiert davon auch mein Kind. Klar, die Natur hat es so vorgesehen, dass Mütter ihre Babys stillen. Und ja, es ist ein Wunder, zu dem der weibliche Körper fähig ist. Aber: Es ist mein Körper und es ist meine Entscheidung. Und wenn es mir mental und/oder körperlich dabei besser geht, ist das auch besser für mein Kind. Papa hilft mit: Wenn dein Kind den Schoppen nimmt, kann auch der Vater beim Füttern helfen. Bild: GettyImages Plus, Nikola Stojadinovic Nicht stillen wollen oder können: Was tun Wenn auch du merkst, dass du nicht stillen kannst oder (nicht mehr) stillen willst: Sprich deine Ärztin und deine Hebamme darauf an. Lass dich beraten, wie ihr am besten vorgeht. Denn je nach Zeitpunkt deines Entscheids ist ein anderes Vorgehen sinnvoll. Willst du gleich nach der Geburt abstillen, gibt es dafür Abstilltabletten. Diese kommen allenfalls auch zum Einsatz, wenn das Entwöhnen aufgrund von Schmerzen oder Stillproblemen schnell gehen muss. Hast du dein Kind gestillt und findest, es sei nun an der Zeit, sanft abzustillen, helfen Tipps für ein schrittweises Abstillen. Die Kosten für eine bestimmte Anzahl Stillberatungen übernimmt die obligatorische Grundversicherung; auch die Mütter- und Väterberatung berät dich kostenlos [1]. Achtung Milchstau: Wann du ärztliche Hilfe brauchst Ein zu rasches Abstillen zählt zu den Auslösern eines Milchstaus [5]. Ein Milchstau macht sich bemerkbar, indem einzelne Stellen oder die ganze Brust hart, druckempfindlich und schmerzhaft werden – oft strangförmig. Kommen jedoch eine gerötete, überwärmte Brust, Fieber, Gliederschmerzen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl dazu, spricht das für eine Brustentzündung. Das ist eine ernsthafte Komplikation: Suche dann sofort deine Ärztin oder deinen Arzt auf und anschliessend eine Stillberaterin [5]. Mehr dazu liest du im Artikel über die Brustentzündung. Rund zwei Drittel aller stillenden Frauen erleben anfangs Stillschwierigkeiten. Häufig genannt werden wunde Brustwarzen, Saugschwierigkeiten des Kindes, Milchstau, zu wenig Milch und Erschöpfung. Das zeigt die Swiss Infant Feeding Study (SWIFS) von 2014, die nationale Studie zur Säuglingsernährung [3]. Bist auch du betroffen? Die Hebamme oder Stillberaterin gibt dir Tipps bei Stillproblemen: Vielleicht lassen sich diese lösen und das Abstillen ist doch noch kein Thema! Tipps, die bei den häufigsten Stillproblemen helfen, findest du auch hier. Abstilltabletten nach der Geburt: Wenn du nicht stillen willst Willst oder kannst du direkt nach der Geburt nicht stillen, lässt sich die Milchbildung medikamentös hemmen. Dafür gibt es Tabletten mit dem Wirkstoff Cabergolin: Er unterdrückt die Ausschüttung des Stillhormons Prolaktin und stoppt so die Milchbildung [4]. Diese Tabletten sind rezeptpflichtig und werden nur verordnet, wenn das Abstillen medizinisch angezeigt ist – du erhältst sie von deiner Frauenärztin. Willst du direkt nach der Geburt abstillen, wird die Dosis innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Entbindung eingenommen; soll eine bereits laufende Milchbildung gestoppt werden, wird die Dosis über zwei Tage verteilt [4]. Wichtig zu wissen: Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel; während der Behandlung ist eine sorgfältige Blutdrucküberwachung nötig, und bei Präeklampsie oder erhöhtem Blutdruck nach der Geburt darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden [4]. Bei rund einem Viertel der Frauen, deren Milchbildung schon eingesetzt hat, kommt es später erneut zu einem Milchfluss [4]. Nimm dann nicht auf eigene Faust nach, sondern melde dich bei deiner Ärztin. Und: Während der Behandlung soll nicht gestillt werden [4]. Ich selbst entschied mich dafür, kurz nach der Geburt abzustillen. Mit den Tabletten und literweise Pfefferminz-Tee, den ich auf Anraten meiner Hebamme trank, ging dies problemlos. Unseren Sohn fütterten ich und mein Partner mit dem Fläschchen und teilten uns so die Arbeit. Wir informierten uns genau darüber, welches Milchpulver in Produktetests am besten abschnitt und welches Fläschchen und welcher Aufsatz für Neugeborene am besten geeignet ist. Und: Wir nahmen uns viel Zeit beim Schoppen geben, kuschelten dabei und achteten auf Körperkontakt. Der Muttermilch angepasst: Wenn du nicht stillst, erhält dein Kind in den ersten Monaten Fläschchen mit Säuglingsanfangsnahrung. Bild: GettyImages Plus, undefined undefined Schoppen statt Brust: Welche Nahrung, und wie zubereiten? Wenn du nicht stillst, ernährst du dein Kind mit einer industriell hergestellten Säuglingsanfangsnahrung. Sie ist je nach Hersteller mit «Pre», «Start», «0» oder «1» gekennzeichnet, ihre Zusammensetzung ist gesetzlich geregelt – und du kannst sie bis Ende des ersten Lebensjahres geben [1]. Ab dem siebten Monat kann sie durch Folgenahrung mit der Ziffer 2 ersetzt werden, wenn dein Kind bereits Beikost bekommt. Ein Muss ist das nicht, und die Annahme, dass Kinder mit Folgenahrung besser schlafen, stimmt nicht [1]. Nicht geeignet als Getränk für Säuglinge sind Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch sowie Mandel-, Reis-, Hafer- oder Sojadrinks: Ihre Nährstoffe passen nicht zum Bedarf deines Kindes [1]. Sojabasierte Säuglingsnahrung gehört in Ausnahmefälle und auf Verordnung der Kinderärztin; vor Allergien schützt sie nicht. Und bei der sogenannten hypoallergenen HA-Nahrung ist unklar, wie weit sie das Allergierisiko überhaupt senkt [1]. Den Schoppen sicher zubereiten [1] Immer frisch: Bereite den Schoppen jedes Mal frisch vor der Mahlzeit zu. Frisches Leitungswasser: Verwende ausschliesslich sauberes, frisches Leitungswasser. Nach Herstellerangaben: Halte dich genau an die Dosierung auf der Packung – nicht «etwas mehr» und nicht «etwas weniger» Pulver. Trinkmenge: Die Richtwerte auf der Packung sind Richtwerte. Trinkt dein Kind weniger, zwing es nicht zum Leertrinken; verlangt es häufiger den Schoppen, gib ihm getrost öfter einen. Sauberkeit: Wie du Fläschchen, Sauger und Nuggi hygienisch sauber hältst, liest du im Artikel über Hygiene beim Baby. Nicht stillen wollen oder können: Zahlen zum Stillen In der Schweiz stillen die meisten Mamas ihr Baby – zumindest in den ersten Lebenswochen. Das zeigt die Swiss Infant Feeding Study (SWIFS) 2024, die nationale Säuglingsernährungsstudie im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen [2]. Sie zeigt aber auch: Der Berufseinstieg verkürzt die Stillzeit spürbar. Bezahlte Stillpausen sind zwar gesetzlich geregelt, in der Praxis gestaltet sich das aber oft aufwändig. 97 % der Mütter haben ihr Kind unmittelbar nach der Geburt gestillt [2]. Über die Hälfte der Mütter stillte vier Monate lang ausschliesslich [2]. 17,4 Wochen stillten berufstätige Mütter im Schnitt – nicht erwerbstätige Mütter 21,8 Wochen [2]. Die häufigsten Gründe fürs Abstillen waren zu wenig Milch, Hunger des Säuglings, Erschöpfung, Probleme beim Stillen und die Unvereinbarkeit mit dem Beruf [2]. In der Schweiz setzt sich die Stiftung Stillförderung Schweiz für das Stillen ein – und hält zugleich fest, dass sie die individuelle Entscheidung von Eltern, ihr Kind nicht zu stillen, respektiert [5]. Stillen stärke die Mutter-Kind-Bindung und bedeute für das Kind Zuwendung, Nähe und Wärme. Auch die Weltgesundheitsorganisation, die Stillorganisation La Leche League, Hebammen und Stillberaterinnen werben für die positiven Effekte der Muttermilch. Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du nicht stillst! Manche Mütter, die wegen Schmerzen oder aus persönlichen Gründen nicht stillen können oder wollen, haben ein schlechtes Gewissen, weil sie ihrem Baby die von vielen Seiten gepriesene wertvolle Muttermilch nicht geben können. Auch ich hatte zwischendurch immer wieder mal den Gedanken, ob ich meinem Kind durch meinen Entscheid etwas wegnehme oder vorenthalte. Musst du aber nicht. Stillen ist keine Garantie für eine gute Mutter-Kind-Beziehung! Es gibt genug andere Gelegenheiten, das Kind liebevoll in den Armen zu halten. Stillberaterin Verena Marchand gegenüber dem «Beobachter» Millionen von Babys seien mit Schoppenmilch aufgewachsen und gediehen, sagt Marchand weiter. Sie rät: «Wenn eine informierte Mutter abstillen will, weil sie Stillen zu sehr schmerzt, die psychische Belastung zu gross ist, sie den Druck ihres Partners nicht mehr aushält oder sie Stillen und Arbeiten nicht vereinbaren kann, ist jeder Zeitpunkt zum Abstillen richtig.» Nicht stillen: Diese Nachteile gibt es Klar – Muttermilch ist im Normalfall die beste Wahl fürs Baby. Sie passt sich den Bedürfnissen des Säuglings von alleine an – innerhalb einer Stillmahlzeit und ebenfalls mit dem wachsenden Kind. Sie enthält Immun- und Abwehrstoffe, die das Kind zum Beispiel vor Magen-Darm-Infektionen und Mittelohrentzündungen schützen [1]. Säuglingsanfangsnahrung ist zwar so zusammengesetzt, dass sie der Muttermilch so ähnlich wie möglich ist. Wie die Muttermilch enthält sie als Kohlenhydrat ausschliesslich Milchzucker und deckt den Nährstoff- und Kalorienbedarf des Babys. Aber, so erklärt Stillberaterin Elke Bispinghoff, Leiterin der Hebammenpraxis in Zürich: «Säuglingsmilch enthält keine Enzyme, die den Darm vor Bakterien und Pilzen abschirmen, so wie Muttermilch. Auch fehlen der Pulvermilch Antikörper, die vor allergiebedingten Krankheiten wie Asthma und Neurodermitis sowie vor Infektionen schützen können.» Konsumentenmagazine prüfen Milchpulver regelmässig auf Schadstoffe. Im Test von «Kassensturz» und «K-Tipp» hielten alle zehn geprüften Produkte die gesetzlichen Grenzwerte ein; bei sieben von zehn lag der Wert des kritischen Stoffs Glycidol unter der Nachweisgrenze. Die Testergebnisse findest du hier. Es gibt eine grosse Auswahl an Säuglingsanfangsnahrungen – du solltest dich am besten für einen Hersteller und ein Produkt entscheiden. Aber Achtung: Es kann sein, dass dein Kind die Milch nicht gleich oder nicht gut verträgt und mit Koliken oder anderen Verdauungsbeschwerden reagiert. Lass dich auch hier von deiner Hebamme und dem Kinderarzt begleiten und beraten! Quellen Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE, Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie SGP: Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern (PDF), 3. aktualisierte Auflage, November 2020. Abgerufen am 8. August 2026. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Nationale Studie zur Ernährung von Säuglingen (Swiss Infant Feeding Study SWIFS 2024). Abgerufen am 8. August 2026. Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut im Auftrag des BLV: SWIFS – Swiss Infant Feeding Study, Schlussbericht 2014 (PDF). Abgerufen am 8. August 2026. Swissmedic-Arzneimittelinformation: Fachinformation Dostinex® (Cabergolin), Stand der Information November 2025. Abgerufen am 8. August 2026. Stillförderung Schweiz: Häufige Fragen zum Stillen (FAQ). Abgerufen am 8. August 2026. World Health Organization: Infant and young child feeding (Fact sheet, 4. August 2026). Abgerufen am 8. August 2026.