Facebook Pixel
Baby > Stillen & Ernährung

Wenn Sie Ihr Baby nicht stillen

Studien weisen darauf hin, dass Stillen positiv für Mutter und Kind ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sechs Monate ausschliesslich zu stillen. Dennoch hält sich höchstens die Hälfte der Schweizer Mütter an diesen Rat. Ein schlechtes Gewissen müssen die Frauen deshalb trotzdem nicht haben.

Ein Baby erhält Milch über den Schoppen.

Auch Mütter, die nicht stillen und ihrem Baby den Schoppen geben, vernitteln ihrem Kind Wärme und Nähe. Foto: iStock, Thinkstock

«Muttermilch ist das Beste, was Sie Ihrem Baby geben können», heisst es bei der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens. Denn Stillen stärke die wichtige Mutter-Kind-Bindung und bedeute für das Kind Zuwendung, Nähe und Wärme. Zudem fördere es durch eine immer optimale Zusammensetzung und Menge der Muttermilch das gute Wachstum und Gedeihen des Babys. Auch die Entwicklung der Immunabwehr werde positiv beeinflusst.

Nicht nur die Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens setzt sich vehement für das Stillen ein, auch die Weltgesundheitsorganisation, die Stillorganisation La Leche League, Hebammen und Stillberaterinnen machen Werbung für die positiven Effekte der Muttermilch. Manche Mütter, die wegen Schmerzen nicht stillen können oder wollen, haben deshalb ein schlechtes Gewissen, weil sie ihrem Baby die von vielen Seiten gepriesene wertvolle Muttermilch nicht geben können. So schrieb denn auch der «Beobachter» im Jahr 2003: «Heutzutage herrscht Stillzwang.»

Fast 90 Prozent der Schweizer Mütter haben ihr Kind zumindest am Anfang einige Wochen gestillt, so das Ergebnis der Schweizerischen Gesundheitsbefragung für das Jahr 2007. Doch die empfohlenen sechs Monate ausschliesslich zu stillen, das schafft höchstens die Hälfte der Frauen, so die Vermutung. Denn zwei von drei Frauen haben im Wochenbett Schwierigkeiten beim Stillen, wie eine Untersuchung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin in Basel zeigte. Jede zweite Frau klagte über zu wenig Milch, Erschöpfungszustände, wunde Brustwarzen und Brustentzündungen. Ganz wenige Frauen konnten wegen einer Erkrankung des Babys oder eigener Krankheit gar nicht stillen.

Obwohl sie ihre Kinder nicht stillen, brauchen diese Frauen trotzdem kein schlechtes Gewissen zu haben. Stillen sei keine Garantie für eine gute Mutter-Kind-Beziehung, sagte Stillberaterin Verena Marchand dem «Beobachter». Es gebe genug andere Gelegenheiten, das Kind liebevoll in den Armen zu wiegen, und Millionen von Babys seien mit Schoppenmilch aufgewachsen und gediehen. «Wenn eine informierte Mutter abstillen will, weil sie Stillen zu sehr schmerzt, die psychische Belastung zu gross ist, sie den Druck ihres Partners nicht mehr aushält oder sie Stillen und Arbeiten nicht vereinbaren kann, ist jeder Zeitpunkt zum Abstillen richtig», so Marchand weiter.

Wenn Ihr Baby jünger als fünf Monate alt ist und sie abstillen wollen, müssen Sie die Muttermilch durch künstliche Säuglingsmilch ersetzen. Erst ab etwa 5 bis 6 Monaten wird empfohlen, mit der Beikost, also einer Breimahlzeit zusätzlich zur Muttermilch oder Baby-Milch zu beginnen.

Es empfiehlt sich, langsam abzustillen. So wird nach und nach weniger Muttermilch produziert, weil die Brust immer seltener stimuliert wird. Dafür sollten Sie zum Beispiel anfangs eine Stillmahlzeit durch eine Schoppenmahlzeit ersetzen. Nach und nach, zum Beispiel im Wochenrhythmus, ersetzen Sie die anderen Stillmahlzeiten. Das hat den Vorteil, dass sich Ihr Kind an den Schoppen gewöhnen kann.

Wissenswertes zur künstlichen Säuglingsmilch

Babys bis zum Alter von etwa 5 bis 6 Monaten erhalten Säuglingsanfangsmilch, ältere immer zusätzlich zur Beikost die sogenannte Folgemilch. Anfangsmilch kann in manchen Fällen aber auch bis zum Ende des ersten Lebensjahres gegeben werden. Die Säuglingsanfangsnahrung orientiert sich in ihrer Zusammensetzung an der Muttermilch. Sie wird nach Angaben des Herstellers Milupa auf der Grundlage einer Kuhmilch hergestellt, aber stark verändert. Die Proteine würden leichter verdaulich gemacht, die Formel der Kohlenhydrate werde verändert, es würden Vitamin D, essenzielle Fettsäuren, Nahrungsfasern usw. hinzugefügt.

«Kinder, welche Anfangsmilch bekommen, brauchen keine zusätzliche Flüssigkeit wie Tee, Wasser oder Fruchtsäfte», heisst es in der Broschüre «Tee-, Milchflasche, Nuggi & Co» vom Ostschweizerischen Verein für das Kind.

Die Baby-Flasche muss immer sauber sein.

Die Milch für den Schoppen sollte immer frisch zubereitet werden.

Bereiten Sie die Milch nach Anleitung auf der Verpackung immer frisch zu. Zum Anrühren des Milchpulvers sollten Sie abgekochtes Hahnenwasser verwenden. Auf Reisen können Sie das abgekochte Wasser für einen Tag auch in der Thermoskanne mitnehmen. Die warme angerührte Milch sollte aber nicht aufbewahrt werden. «Die darin enthaltenen Bakterien vermehren sich rasant und können bei einem sensiblen Kind Durchfälle und/oder Erbrechen auslösen», erklärt der Ostschweizerische Verein für das Kind. Entsorgen Sie daher die übrig gebliebene Baby-Milch.

Prüfen Sie immer die Temperatur der Milch, zum Beispiel indem Sie einen Tropfen aus der Flasche auf Ihre Hand geben. Die Milch sollte nicht zu heiss sein.

Es ist wichtig die Schoppenmilch schrittweise einzuführen, um Verdauungsstörungen zu vermeiden und zu schauen, wie Ihr Baby die Milch verträgt. Zu Beginn werden 30 ml empfohlen. Sollte Ihr Kind die Milch und die Menge gut vertragen, können Sie die Menge täglich verdoppeln.

So reinigen Sie den Schoppen

Der Schoppen und der Sauger müssen nach jeder Mahlzeit gründlich ausgewaschen werden. Am besten mit kaltem Wasser ausspülen, dann mit heissem Wasser und wenig ph-neutralem Spülmittel reinigen und mit kaltem klarem Wasser wieder abspülen. Zum Trocknen legen Sie den Schoppen auf ein sauberes Tuch. Der Sauger und auch Plastikflaschen müssen zudem hin und wieder ausgekocht werden. Legen Sie den Sauger dafür etwa 5 Minuten in ein dampfendes Wasserbad.

Ein Baby kann später aus einer Tasse selbst trinken.

Den Schoppen sollten Eltern nur bis zum 1. Geburtstag geben, danach ist ein Trinkbecker gut für das Kind.

Wählen Sie eine Baby-Flasche mit einem kleinen Nuggiloch. Ist es zu gross, muss sich Ihr Baby kaum anstrengen, um an die Milch zu kommen. Bei einem kleinen Loch kann Ihr Baby selbst bestimmen, wie viel es trinken möchte.

Eine Mahlzeit mit dem Schoppen sollte nach Empfehlung des Ostschweizerischen Vereins für das Kind etwa 20 bis 30 Minuten dauern. So lange dauert es nämlich bis das Sättigungsgefühl eintritt. Ihr Baby kann zudem so sein Saugbedürfnis befriedigen.

Wählen Sie einen ruhigen Ort, um die Baby-Flasche zu geben. Während Ihr Baby trinkt, können Sie mit ihm sprechen und Blickkontakt halten. Wärme und Nähe vermitteln Sie auch, indem Sie es nah bei sich halten und nach der Schoppenmahlzeit in den Arm nehmen und wiegen.

Die Mütter- und Väterberatung des Kantons Bern empfiehlt, die Schoppenflasche nicht zur Selbstbedienung mit ins Bett oder in den Kinderwagen zu legen. Wenn möglich sollten Sie Ihrem Kind nur bis zum 1. Geburtstag den Schoppen geben. Danach ist eine Tasse oder ein Trinkbecher ideal.

Wenn Ihr Baby den Schoppen verweigert

Häufig liegt das Problem im Schöppeln darin, dass Ihr Baby die Flasche nicht annehmen will. Lebensmittelingenieurin Marianne Botta Diener rät in einem Beobachter-Beitrag: «Wer einen Versuch mit der Flasche starten will, lässt zunächst am besten den Papa machen. Denn bei Mama lockt die Brust, und das Baby sieht nicht ein, warum es aus einem Plastikding saugen soll. Falls die gekaufte Säuglingsmilch dem Kleinen erst gar nicht schmeckt, schöppelt man ihm am besten abgepumpte Muttermilch, dann mit Muttermilch verdünnte Säuglingsmilch und erst jetzt reine Säuglingsmilch».

Sie können auch versuchen, Ihr Baby kurz zu stillen und dann noch in der Stillposition den Schoppen zu geben. Ein andere Möglichkeit, Ihr Baby zum Trinken zu bewegen ist, es aus einer Tasse mit Aufsatz, einer so genannten Schnabeltasse trinken zu lassen.