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Nachtwanderung: Raus, wenn es dunkel wird!

Wer nachtaktiv wird, den erwartet direkt vor der Haustüre und völlig umsonst am Ende jedes Tages ein Abenteuer. Kaum geht die Sonne unter, erwacht eine völlig andere Welt, eine Welt, die Kinder und Erwachsene ins Staunen versetzt. Denn auf Nachtwanderung lassen sich Tiere beobachten, die sich tagsüber nicht zeigen.

Nachtwanderung: Entdecken Sie die Natur im Dunkeln

Auch bei einer Nachtwanderung im Dunkeln ist die Natur spannend. Foto: Thinkstock, Fuse

Lust, die Nacht zum Tag zu machen und nachtaktiv zu werden? Eine Nachtwanderung durch die Dunkelheit lohnt sich. Jetzt huschen Tiere aus ihren Verstecken, die sich auch ohne Sonnenlicht gut orientieren können. Während Eulen, Mäuse und Fledermäuse leiseste Geräusche wahr nehmen und Nachtfalter besonders gut riechen, finden sich Katzen, Füchse, Mäuse und Siebenschläfer mit Hilfe ihrer Tasthaare zurecht.

Wer nachtaktiv sein will, schärft seine Sinne

Wie nachtaktive Tiere müssen auch wir unsere Sinne schärfen, wenn wir uns in der Nacht gut zurecht finden wollen. Bärbel Oftring, Autorin des Ratgebers «Mit Kindern die Nacht entdecken» rät Eltern und ihren Kindern, die eine Nachtwanderung planen:

«Taschenlampe nur einschalten, wenn Sie sich unsicher fühlen. Sonst besser ausgeschaltet lassen, damit sich Ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Ohne künstliches Licht erleben Sie die Nacht so, wie sie nun mal ist.»

«Setzen Sie sich auf eine Bank und lauschen Sie in die Umgebung. Was hören Sie? Welche Geräusche sind weit weg, welche ganz nah? Wo befinden sich die Geräusche – vor Ihnen, hinter Ihnen, rechts oder links?»

 

Kleine Nachtwanderung: Ein bisschen nachtaktiv kann jeder sein

Schon ein kleines Kind kann ein bisschen nachtaktiv sein. Es lässt sich leicht mit der Dämmerung und der Nacht vertraut machen, wenn ein kurzer Gang vor die Haustür in das «Ins-Bett-Geh»-Ritual eingebaut wird. Draussen lässt sich nicht nur dem Tag am Abend «Gute Nacht!» sagen, sondern auch einige Tiere entdecken, die am Tag nicht zu sehen sind. Nachbars Katze ist bestimmt mit von der Partie.

Hat das Kind am Morgen mal etwas länger geschlafen oder ist erst spät aus seinem Mittagsschlaf erwacht, ist eine Nachtwanderung möglich. Schön ist es, wenn der Tag hell ist und die Nacht verspricht, sternenklar zu werden. Sternenhimmel und Mondschein machen nicht nur gute Stimmung, sondern vermitteln auch Sicherheit.

Wer eine längere Nachtwanderung plant, wählt am besten eine Route durch die Natur ohne künstliche Beleuchtung, über Wege, die im Hellen gut vertraut sind – durch den Park, durch die Gärten, durch ein Wäldchen in der Nähe. So wird sich auch im Dunkeln niemand verlaufen. Wer tagsüber noch geschwitzt hat, staunt oft über die Nachtkühle. Eine Nachtwanderung macht nur Spass, wenn allen warm ist. Daher: Jacke nicht vergessen!

Das gehört in den Rucksack für die Nachtwanderung:

  • Taschenlampe
  • Regenjacken
  • Heftpflaster
  • Getränke und ein wenig Proviant
  • Taschentücher
  • Müllbeutel
  • Bei grösseren Touren: Kompass oder GPS-Gerät

 

Gleichgültig, ob im Garten oder im Wald: Nachtaktive Tiere gibt es überall. Nicht nur Schnecken, Nachtfalter, Heuhüpfer und manche Unke springen, flattern und kriechen über den Weg.

Nachtwanderung: Raus, wenn es dunkel wird!

Die Geschöpfe der Nacht sind faszinierend und vielfältig. Foto: iStockphoto, Thinkstock

Glühwürmchen tauchen an feuchten Wald- und Wegrändern und an Böschungen und Bahndämmen im Juni und Juli ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang auf. Trotz ihres Namens sind sie keine Würmer, sondern Käfer. «Die fliegenden Tiere sind Männchen, die Weibchen sitzen als leuchtende Punkte in niedrigem Kraut oder Gras», informiert Bärbel Oftring.

Faszinierende Fledermäuse

Fledermäuse und Delfine haben etwas gemeinsam: Sie orientieren sich, indem sie laute, hochfrequente Schreie ausstossen – unhörbar für unsere Ohren. Je nachdem, wie lange es dauert, bis das Echo zurückkommt, wissen sie, wo sich ein Hindernis oder Beutetier befindet.

Fledermäuse lassen sich im Garten anlocken – mit Hilfe eines Fledermaus-Beetes mit nachtblühenden, nektarreichen Blütenpflanzen. Der Duft von Weissen und Roten Lichtnelken, Echtem Geissblatt und Seifenkraut, Nachtviole und Nachtkerzen zieht Nachtfalter an –Lieblingsspeise der Fledermäuse! Bärbel Oftring erklärt: «Es ist wichtig, keine gezüchteten Sorten, sondern nur reine Arten zu verwenden. Viele Zuchtsorten sind steril, enthalten keinen Nektar, keine Pollen und locken keine Nachtfalter an.»

Schnaufende Igel

Wer schnauft da durch die Nacht? Wer die Ohren spitzt, hört vielleicht einen Igel durch die Gärten streifen, auf der Suche nach Käfern, Larven von Nachtschmetterlingen, Regenwürmern, Schnecken, Hundert- und Tausendfüssern und Spinnen. Weil Igel im Frühjahr und Herbst besonders viel Hunger haben, lassen sie sich leicht anlocken. Stellen Sie jeden Abend Igeltrockenfutter aus dem Zoofachhandel oder alternativ Katzentrockenfutter vor die Tür. Gegen den Durst bekommen Igel Wasser – keine Milch!

Nachtaktive Waldkäuze

Die Eule ist das Symbol der Nacht, der etwa 40 Zentimeter grosse Waldkauz ist ihr häufigster Vertreter. In Gärten mit alten Bäumen, in Parks, auf Friedhöfen und im Wald ist er zu Hause. Wer den wendigen Flieger treffen will, hört am besten genau hin: «Huhu», ruft er laut in die leise Nacht hinein, um eine Partnerin zu finden. «Kju-wick» antwortet das Weibchen. «Zickzickzick» betteln junge Waldkäuze, die noch in der Nisthöhle sitzen, um Futter.

Schwerer Dachs

In der Dämmerung verlässt der Dachs, der grösste und schwerste Marder der Schweiz, seinen Bau. Im Wald und in landwirtschaftlich genutzten Gebieten sucht er nach Reptilien, Eiern, Insekten, Würmern, und Früchten. Ein Dachs lässt sich leicht an seinem auffällig schwarz-weiss gestreiften Kopf erkennen. Übrigens: Eingänge in Dachsbauten sind oft in Hecken versteckt, die auf sandigen Hängen stehen. Dachsbauten werden über viele Generationen benutzt: Sie können weit über 100 Jahre alt sein.

Buchtipp zur Nachtwanderung

Bärbel Oftring: Mit Kindern die Nacht entdecken. Von Fledermaus bis Sternenhimmel