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Die häufigsten Mythen rund um Sonnencreme

Beim Sonnenschutz hat fast jeder eine Meinung. Von Vorbräunen im Solarium als Schutz vor einem Sonnenbrand bis zu Daylong-Sonnencreme, die man nur einmal täglich auftragen muss: Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Sonnencreme.

Die 10 grössten Irrtümer zum Thema Sonnencreme

Sonnencreme sollten Sie immer mehrmals am Tag auftragen. Bild: LumiNola, Getty Images

Es ist richtig, dass nicht alle Menschen gleich auf die Sonne reagieren. So wird die Haut von Menschen mit sehr hellem Teint (Farbe der Innenseite der Arme) mit vielen Sommersprossen, heller Augenfarbe und blonden Haaren meist schon nach nur einer Tasse Kaffee an der Sonne rot, während Leute mit dunklem Teint, dunklen Haaren und dunkelbraunen Augen noch keine Anzeichen eines Sonnenbrandes spüren. Doch die Krebsliga warnt davor, sich ob diesem Umstand in falscher Sicherheit zu wiegen: «Ob dunkel- oder hellhäutig – alle Menschen sollten sich vor der Sonne schützen», schreibt sie in ihrer Informationsbroschüre zum Thema Sonnenschutz. Denn eine Schädigung der Haut könne bereits entstehen, wenn noch keine Anzeichen einer Rötung durch zu viele UV-Strahlen sichtbar ist.

Grundsätzlich plädiert die Krebsliga zu einem dreistufigen Sonnenschutz-Konzept:

  • Erstens: sich immer mal wieder, vor allem aber um die Mittagszeit herum, am Schatten aufhalten. Denn dieser bietet mit Abstand den besten Schutz. «Fast zwei Drittel der täglichen UV-Strahlung treffen in der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr auf die Erdoberfläche», so die Krebsliga.
  • Zweitens: Falls es sich dennoch nicht vermeiden lässt, dass man in den heissen Mittagsstunden an die Sonne geht, soll man möglichst viele Körperteile mit leichten, nicht zu eng anliegenden Kleidern bedecken; Sonnenhut und auch Sonnenbrille nicht vergessen.
  • Drittens: Die noch frei liegenden Körperpartien mit Sonnencreme einreiben. «Sonnencreme sollte aber immer nur eine Ergänzung zu den ersten zwei Schutzmechanismen sein», so die Krebsliga.

«Wir sind von einer Klassifizierung der Hauttypen und entsprechenden Lichtschutzfaktor-Empfehlungen weggekommen», sagt Peter Ackermann, Kommunikationsbeauftragter der Krebsliga Schweiz. Denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass sich viele Leute falsch einstuften und sich daher zu wenig vor der Sonne schützten. «Heute ist unsere Empfehlung wesentlich einfacher: Für Kinder sollte man – unabhängig vom Hauttyp – einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30 wählen, für Erwachsene mindestens 15.»

Trotz Sonnencreme aufpassen

Der richtig gewählte Lichtschutzfaktor bei der Sonnencreme sei aber kein Freipass für einen uneingeschränkten Aufenthalt an der Sonne: «Man sollte trotz Sonnencreme zwischendurch immer wieder den Schatten aufsuchen und freie Körperstellen möglichst mit Textilien bedecken», sagt Ackermann.

Hier gilt es, gesunden Menschenverstand walten zu lassen. In erster Linie sollte man unverzüglich aus der Sonne gehen, wenn man merkt, dass man zu viel davon abbekommen hat. In den meisten Fällen reicht es dann tatsächlich, den Sonnenbrand zu Hause oder an einem schattigen Platz auszukurieren.

Experten empfehlen, bei den ersten Anzeichen wie einer zu starken Sonnenexposition und spannender Haut 1000 Milligramm Acetylsalicylsäure (zum Beispiel in Form eines Aspirins) einzunehmen. Der Wirkstoff hemmt die Botenstoffe für Entzündungen im Körper. So kann man verhindern, dass sich aus der leichten Rötung ein ausgewachsener Sonnenbrand entwickelt. Auch ein Quarkwickel oder ein feuchter Lappen auf der betroffenen Hautstelle bringt Linderung. Zudem sollte man genügend Wasser trinken. Schmerzt der Sonnenbrand zu stark oder bilden sich gar Blasen, empfiehlt die Krebsliga, einen Dermatologen oder den Hausarzt aufzusuchen.

Unterschiede in der Formulierung

Sonnenschutzmittel enthalten meist eine Kombination von mineralischen und organischen UV-Filtern. Während der mineralische Filter mit kleinsten Partikelchen (Nanopartikel) funktioniert, welche die UV-Strahlen absorbieren und reflektieren, nimmt der organische UV-Filter die Sonnenstrahlen auf und wandelt sie in Wärme um. In der Schweiz sind laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zwei mineralische UV-Filter zugelassen. Diese erachtet das BAG als unbedenklich. «Nach heutigem Wissensstand werden Nanopartikel über die intakte Haut nicht in den Körper aufgenommen», schreibt die Bundesstelle.

Etwas zurückhaltender ist die Gefährdungsprognose bei den für die Schweiz zugelassenen organischen UV-Filtern formuliert: Zwar zeigten einige der chemischen Substanzen in Labor- und bei Tierversuchen hormonähnliche Wirkungen. Doch es sei nicht bekannt, ob diese Befunde auch beim Menschen von Bedeutung sind, zumal bei den Tests im Labor bedeutend mehr der chemischen Substanz aufgetragen wurde als dies mit der Dosierung in einer handelsüblichen Sonnencreme beim Menschen möglich ist. «Nach heutigem Wissensstand sind die geschätzten Aufnahmemengen beim Menschen gering, so dass eine Gesundheitsgefährdung unwahrscheinlich ist», bilanziert das BAG.

Anti-Aging-Effekt

Auch die Krebsliga hebt in ihrer Broschüre die Vorteile der Sonnencremes hervor: Sie schützen nicht nur vor Sonnenbrand, sondern lassen dank integriertem UVA-Filter auch die Haut weniger schnell altern und senken das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Allerdings räumt die Krebsliga ein, dass sowohl in Abwässern wie auch in natürlichen Gewässern heute viele der gängigen UV-Filter nachgewiesen werden. «Welche Folgen dies für das Ökosystem hat, ist aufgrund der heutigen Datenlage noch schwer abschätzbar.»

LSF50 bei Babys

Grundsätzlich gilt: Babys unter einem Jahr sollten möglichst nicht an die Sonne. Platzieren Sie den Kinderwagen, die Babywippe oder die Krabbeldecke am Schatten, wenn Sie mit Ihrem Kind an die frische Luft gehen wollen. An einem sehr sonnigen Tag sind Sonnenschirmchen oder Sonnenschutzsegel am Kinderwagen unerlässlich. Denn ohne Schutz erleiden Babys an der Sonne bereits nach drei bis sieben Minuten einen Sonnenbrand. Dies kann Jahre später Krebs als Folge haben.

Weil Babyhaut noch sehr empfindlich ist, raten sowohl Dermatologen wie auch die Krebsliga, für die Kleinen auf eine spezielle Sonnencreme zurückzugreifen, die kein Parfüm oder sonstige Duftstoffe enthält. Und vergessen Sie nicht, die sogenannten Sonnenterrassen einzucremen: Schultern, Nase, Ohren, Fussrücken, eventuell auch die Lippen. Dies gilt natürlich nicht nur für Babys.

Spezielle Kleidung mit Sonnenschutz

Hier gilt das Motto «Lieber gut geschützt statt um jeden Preis gut aussehen». Zudem haben mittlerweile auch die Designer die Kinderbademode entdeckt. Vom stylischen Hipster-Bade-Set mit grossflächigem Ananas-Motiv bis zur romantischen Blümchenbadehose ist heute alles vertreten. Die Krebsliga empfiehlt, den Kindern beim Spielen an der Sonne mindestens ein T-Shirt über zu ziehen.

Aber Achtung: Werden herkömmliche Textilien nass, fällt der natürliche Schutzfaktor sofort in sich zusammen! «Weil Kleinkinder nicht ständig am Schatten bleiben und gerade in der Badi oft nass werden, empfehlen wir, ihnen ein Badekleid anzuziehen, das auch die Schultern bedeckt», sagt Peter Ackermann von der Krebsliga. Spezielle UV-Badekleider sind so entwickelt, dass sie auch in nassem Zustand noch ausreichend Sonnenschutz bieten. Beim Kauf von UV-Badekleidern sollte man auf die speziellen Gütesiegel UV Standard 801, AS/NZS 4399:1996 oder EN 13758-1 achten. Diese informieren zuverlässig, wie gut die Badekleider vor der Sonne schützen.

«Die Hautpartien, die dann noch freiliegend sind, sollte man mit einer Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30 eincremen», so Ackermann. Und er ergänzt: «Auch wenn auf der Tube ‹Waterproof› oder ‹Wasserresistent› steht, sollten Sie das Kind nach dem Baden nochmals frisch eincremen.» Denn obwohl diese Cremes gut haften: Durch das Abrubbeln mit dem Badetuch oder auch wenn die Kinder beim Spielen schwitzen, geht ein Teil der Schutzwirkung verloren.

Wasserfest und wasserresistent

Ähnlich wie bei den Waterproof-Sonnencremes gilt auch hier: Grundsätzlich haften diese Sonnenschutzmittel besser als einfache Sonnenlotionen, daher sind sie auch teurer. Doch wenn man schwitzt oder ins Wasser geht, geht die Creme etwas ab. Daher sollte man sich nach einer anstrengenden Tätigkeit oder nach dem Baden nachcremen.

Und Ackermann gibt zu bedenken, dass selbst eine Sonnencreme für den ganzen Tag kein Freipass sei, um unendlich lange an der Sonne zu bleiben. «Der Lichtschutzfaktor informiert die Konsumenten darüber, um wie viel Mal sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert», erklärt der Experte. Die Formel lautet: Eigenschutzzeit x Lichtschutzfaktor = maximale Aufenthaltsdauer an der Sonne. Wird jemand etwa bereits nach 10 Minuten an der Sonne rot, so beträgt seine Eigenschutzzeit rund 10 Minuten. Trägt er dann eine Sonnencreme mit LSF 30 auf, so kann er maximal 300 Minuten (5 Stunden) an der Sonne verweilen. «Allerdings sind das Laborwerte», gibt Ackermann zu bedenken. In der Wirklichkeit dauere der Schutz weniger lang, weil man schwitze und einen Teil der Creme durch Bewegungen wegreibe. «Zudem ist es nicht empfehlenswert, die gesamte Zeit an der Sonne zu liegen. Suchen Sie immer wieder mal ein schattiges Plätzchen auf – Ihre Haut wird es Ihnen später danken», sagt Ackermann.

Der perfekte Zeitpunkt fürs Eincremen

Die Empfehlung der Experten lautet: Cremen Sie sich und Ihre Kinder eine viertel Stunde vor dem Verlassen des Hauses ein. Idealerweise wiederholt man das Eincremen nochmals am Ankunftsort. Denn dies erhöht die Chance, dass auch Stellen eingecremt werden, die beim ersten Auftragen vergessen wurden oder zu wenig Creme abbekommen haben. Denn eigentlich sollte man laut der Krebsliga 2 mg Sonnenschutzmittel pro Quadratzentimeter Haut auftragen. «Das erreicht man in der Regel nie, da bräuchten Sie eine Tube Sonnencreme pro Tag für die ganze Familie», sagt Ackermann.

Wird weniger Sonnenlotion aufgetragen, reduziert sich der angegebene Lichtschutzfaktor stark. «Sparen Sie deshalb nicht beim Einschmieren», appelliert Ackermann von der Schweizer Krebsliga. Doch dass man mit Nachcremen länger dem Schatten fernbleiben kann, ist ein Irrglaube. «Das Nachcremen verlängert die maximale Aufenthaltsdauer an der Sonne nicht – es hält lediglich die ursprüngliche Schutzzeit aufrecht», weiss der Experte.

Haltbarkeit der Sonnencreme

Sonnencreme hat, wie viele Kosmetikprodukte, meist kein aufgedrucktes Ablaufdatum, sondern eine Angabe, wie viele Monate nach dem ersten Öffnen man eine Lotion noch verwenden kann. Die Haltbarkeit ist mit einem Grafiksymbol in Form eines offenen Cremetiegels und der Anzahl Monate angegeben, innerhalb der man das Produkt verwenden sollte. Es empfiehlt sich, die Produkte nicht allzu weit über diesen Zeitraum hinaus zu verwenden, da die Schutzwirkung dann möglicherweise verfällt.

Die Tiegel sollte man ausserdem nach jedem Gebrauch gut verschliessen und nicht an der prallen Sonne oder unter der Windschutzscheibe liegen lassen. Denn dort entsteht oft ein richtiger Hitzestau.

Solarium und Vitamin D

Gut fürs Gemüt ist nur die echte Sonne, denn sie ist für die Bildung von Vitamin D in unserem Körper zuständig und der Körper schüttet Endorphine aus. Vitamin D wird aber laut der Krebsliga nur über natürliches Sonnenlicht gebildet, während die im Solarium in hoher Menge verwendeten UVA-Strahlen lediglich für die Bräunung der Haut zuständig sind.

Apropos Bräunung: Eine Haut, die sich bräunt, versucht sich, vor UV-Strahlen zu schützen. Zudem schützt das Solarium-Braun nur bedingt vor einem späteren Sonnenbrand in der Badi. Denn die Bräunung durch UVA-Strahlen im Solarium ist eine andere als jene, die man an der frischen Luft mit UVA- und UVB-Strahlen erhält. Die Schweizerische Krebsliga rät «dringend» davon ab, ins Sonnenstudio zu gehen. «Wer vor dem 35. Lebensjahr mit Solariumbesuchen beginnt, hat ein fast doppelt so hohes Risiko, im Verlauf des Lebens an einem Melanom (schwarzer Hautkrebs, die gefährlichste Form von Hautkrebs, Anm. der Redaktion) zu erkranken», so die Krebsliga.