Kosten und Umsetzung des Modells

Laut EKFF wird dieses Modell bei Umsetzung rund 1,1 bis 1,2 Milliarden Franken kosten. Die Elternzeit könnte über die Erwerbsersatzordnung oder über die Mehrwertsteuer finanziert werden. Das würde im ersten Fall bedeuten, dass die Lohnprozente um 0,2 Prozent für Arbeitnehmende und Arbeitgebende erhöht werden müssten, im anderen Fall müsste der Normalsatz der Mehrwertsteuer um 0,4 bis 0,5 Prozent steigen.

Die Kosten hängen jedoch davon ab, wie hoch die Bezugsquote ist und wie die Aufteilung zwischen den Geschlechtern aussieht. Sollten die Väter mehr als die vier Wochen, auf die sie einen individuellen Anspruch haben, beziehen, wären die Kosten höher, weil die Ersatzeinkommen der Väter über denjenigen der Mütter liegen.

Die Höhe der Kosten und die Unsicherheit darüber, wer und wie viele tatsächlich das Elterngeld in Anspruch nehmen, ist ein Argument der Gegner, den Modellvorschlag abzulehnen. «Nachdem der schweizerische Sozialstaat in den letzten zwei Jahrzehnten massiv ausgebaut wurde, stehen wir vor der Herausforderung, die langfristige Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme zu gewährleisten. Neue Belastungen in Milliardenhöhe würden die Lösung dieser ohnehin schon schwierigen Konsolidierungs- und Sanierungsaufgabe zusätzlich erschweren und passen überhaupt nicht in die sozialpolitische Landschaft», heisst es zum Beispiel in einer Medienmitteilung des Arbeitgeberverbandes.

Vorschlag ist bescheiden

Jürg Krummenacher von der EKFF hält dagegen, dass die Transparenz der Kosten gegeben ist. «Man könnte leicht ausrechnen, was es kosten würde, wenn beide Elternteile sich die Elternzeit teilen. Wir gehen aber davon aus, dass in der Regel die Väter vier Wochen in Anspruch nehmen und die Frauen die restliche Zeit.» Zudem sei der Vorschlag im Vergleich mit anderen Ländern bescheiden. Länder wie Schweden hätten eine viel längere Bezugsdauer. «Wir wollten einen Vorschlag machen, der auch Chancen für eine Realisierung hat. Ausserdem gab es im Kanton Genf bereits einen Vorschlag, der 24 Wochen vorsah.»

Wie lange es dauern wird, bis die Politik den Modellvorschlag der EKFF gutheissen oder zumindest diskutieren wird, ist ungewiss. «Klar ist, dass dieser Modellvorschlag nicht von heute auf morgen realisiert wird und auch nicht so übernommen wird. Es wird einiges an Überzeugungsarbeit nötig sein. Wir wollen damit eine Diskussion über Elternzeit und Elterngeld lancieren», sagt Jürg Krummenacher. Er schätzt, dass der Vorschlag in der nächsten Legislaturperiode ein Thema werden und dass es vielleicht in der übernächsten zu einer Abstimmung kommen könnte. Das ist ein ziemlich positiver Ausblick, wenn man bedenkt, dass seit 2001 drei bisherige Vorstösse zur Elternzeit auf Bundesebene abgelehnt wurden.

Weitere Informationen zum Mutterschutz und zum Modell Elternzeit und Elterngeld

  • Ihre Rechte als Mutter zum Thema Mutterschutz finden Sie in der Broschüre des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO unter www.seco.admin.ch
  • oder bei der Informationsstelle AHV/IV unter www.svazurich.ch
  • Den Bericht der EKFF können Sie unter www.ekff.admin.ch herunterladen

 

Text: Angela Zimmerling, zuletzt aktualisiert im Januar 2011

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