Was Eltern von Gotte und Götti erwarten können

Den meisten Kindern – getauft oder nicht – steht eine Gotte oder ein Götti zur Seite. Was müssen Gotte und Götti tun, damit sie ihre Rolle gut ausfüllen? Das beschäftigt nicht nur viele Eltern, sondern auch die Paten selbst.

Götti und Gotte sein ist Ehrenamt

Pate sein ist eine spezielle Ehre, deren man gerecht werden will. Bild: freemixer, iStock, Thinkstock

So zart wirkt das Baby, das im Arm liegt. Noch ist es völlig abhängig von Erwachsenen, die es füttern, tragen, lieben. Was, wenn den Eltern etwas passiert – wenn sie längere Zeit im Spital verbringen müssen, bei einem Unfall ums Leben kommen? Gut, dass es die Paten gibt! Gotte oder Götti springen ein, wenn Eltern ausfallen. Auch Eltern, die ihr Kind nicht taufen lassen, wünschen sich für ihr Kind Paten, die ihm zuverlässigen Rückhalt bieten.

Der Ursprung der Kinder-Patenschaft liegt in der Kirche. Hier sollen die Paten nicht nur Ratgeber des Kindes sein. Sie bezeugen auch das Taufversprechen der Eltern, das Kind im christlichen Glauben aufzuziehen. Darüber hinaus sollen sie die Eltern in der Erziehung zum christlichen Glauben unterstützen. Die Begriffe «Gotte» und «Götti» stammen aus der Vorstellung, dass die Taufpaten die Rolle der geistlichen Eltern übernehmen.

Gotte oder Götti sein ist eine besondere Ehre

«Die Frage meiner Freundin, ob ich für ihre Tochter Marie Gotte werden möchte, fand ich toll», berichtet eine Gotte. «Ich habe mich nicht nur geehrt gefühlt, weil meine Freundin mir diese Aufgabe zutraut. Ich habe mich auch darüber gefreut, dass mit einem Patenkind ein weiterer wichtiger Mensch in mein Leben tritt.»

Für sie ist klar, was eine gute Gotte leisten muss. «Mich auf Geburtstagsbesuche und –geschenke zu beschränken, ist mir zu wenig.» Sie will Marie ein Stück auf ihrem Weg ins Leben begleiten. «Wenn ich in der Lage sein soll, ihr Rückhalt zu bieten, brauchen wir ein Vertrauensverhältnis. Dazu gehört ein regelmässiger Kontakt.»

Maries Mutter freut sich, dass ihre Freundin das Paten-Amt so ernst nimmt: «Laura ist eine Bereicherung für Marie. Die beiden spielen andere Spiele, als ich mit Marie mache. Und wer weiss, vielleicht sprechen sie später einmal über Dinge, über die ich mit Marie nicht so gut reden kann.»

Soll der Pate aus der Familie kommen – oder nicht? 

«Blut ist dicker als Wasser», sagt der Volksmund. Und meint damit: «Familienbande sind beständiger als Freundschaften.» Eine Schwester bleibt auch dann eine Schwester, wenn Konflikte auftauchen. Familientreffen erleichtern darüber hinaus den regelmässigen Kontakt zwischen Gotte oder Götti und Kind.

Freundschaften dagegen sind seltener durch lang schwelende Konflikte belastet als Beziehungen zu Verwandten. So können Freunde der Eltern oft lockerer auf ihr Göttikind zugehen.

Was Eltern für eine gute Gotte oder einen guten Götti tun können

Erwartungen formulieren

Eltern können vieles dafür tun, dass eine Gotte oder ein Götti ein guter Pate wird. Notwendig ist es, sich in Ruhe hinzusetzen und mit dem anderen Elternteil gemeinsam zu überlegen, was genau vom künftigen Götti erwartet wird. Was soll er mindestens leisten – was ist ihm zuzumuten? Wie viele Paten soll es geben? Sind die Vorstellungen klar, lässt sich überlegen, wer für dieses Amt in Frage kommt. Wer hat das richtige Herz fürs Kind, Spass an gemeinsamen Unternehmungen und die notwendige Zeit dafür? Ist die Beziehung zwischen Eltern und dem auserkorenen Paten so stabil, dass vorstellbar ist, dass sie weiterhin lange harmonisch verläuft?

Zeit nehmen für Gespräch mit Gotte oder Götti

Sinnvoll ist es, den ins Auge gefassten Paten nicht zwischen Tür und Angel mit der Frage zu konfrontieren, ob er Pate werden möchte. In entspannter Stimmung, vielleicht bei einem gemeinsamen Essen, lässt sich besser erklären, was von der Rolle erwartet wird. Klar sollte sein, dass die Eltern ein «Nein» nicht übel nehmen.

Gotte und Götti ins Leben einbeziehen

Damit das Kind mit Gotte oder Götti vertraut wird, braucht es regelmässigen Kontakt. Nicht immer ist es leicht, gemeinsame Zeitfenster zu finden. Leichter fällt es, wenn Treffen ritualisiert werden. Zum Beispiel: Jeder erste Samstagmorgen aller geraden Monate gehört Gotte oder Götti und Gottimmeitli oder Göttibueb – anschliessend wird gemeinsam Mittag gegessen.

Klare Worte finden

Gute Vorsätze sind leicht. Sie auch mit langem Atem umzusetzen, gestaltet sich oft schwieriger. Manchmal passiert es, dass die Gotte oder der Götti doch weniger Kontakt als ursprünglich erhofft hält – sei es, weil Zeit fehlt oder der Pate plötzlich weit entfernt lebt. Hilfreich ist es, vorwurfsfrei die eigene Enttäuschung zu formulieren. Welche Wege gibt es, trotz aller Widrigkeiten regelmässig Kontakt zu halten? Ein gemeinsames Brainstorming kann zu ungewöhnlichen Lösungen führen. So freuen sich Kinder über Briefe, lustige Postkarten und E-Mails. Wichtig ist, dass sie spüren: Da ist jemand, der sich für mich interessiert!

Patenschaften legitimieren

Eltern, die klären möchten, wer im Fall ihres Todes die Vormundschaft übernehmen soll, können die Patenschaft legitimieren lassen. Ein notariell beglaubigtes Schreiben, das klar den Willen der Eltern aufzeigt, handschriftlich und eigenhändig verfasst und mit Datum versehen, wird von den zuständigen Ämtern berücksichtigt. In der Pflicht sind die Paten aber nicht, die Vormundschaft zu übernehmen.

Was Paten für eine gute Patenschaft tun können

Um Bedenkzeit bitten

Keine Frage: Wer gefragt wird, ob er Gotte oder Götti werden möchte, fühlt sich geehrt. Dennoch muss niemand sofort einwilligen. Besser ist es, erst einmal genau nachzufragen, was die Eltern sich von der Patenschaft erhoffen. Lässt der Alltag genug Möglichkeiten, sich regelmässig um das Gottimeitli oder den Göttibueb zu kümmern? Ein klares «Nein» nutzt dem Kind langfristig mehr als ein halbherziges «Ja».

Mit Fingerspitzengefühl vorgehen

Nicht immer sind die Gotte oder der Götti mit dem Erziehungsstil der Eltern einverstanden. Sich in die Erziehung einzumischen, ist dennoch undankbar. Die meisten Eltern reagieren empfindlich, wenn sie kritisiert werden. Wer allerdings psychische oder körperliche Gewalt vermutet, sollte sich an einen Fachmann wenden. Erziehungsberatungsstellen helfen weiter.

Gotte oder Götti eines benachteiligten Kindes werden

Es gibt in der Schweiz viele Kinder, die liebevollen Beistand im Leben brauchen. Hier können Sie Pate werden: caritas.ch

 

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