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Kindersicheres Internet – geht das überhaupt?

Das Internet macht vieles einfacher: Schnell kommen wir an Informationen und können uns auch physischen Kontakt austauschen. Es birgt aber auch Gefahren. Als Eltern müssen wir wachsam sein und Kinder anleiten und begleiten. Die wichtigsten Familien-Regeln rund um das Netz

Kindersicheres Internet - zwei Brüder spielen mit Tablet

Faszination Internet: Kinder lernen schnell mit digitalen Medien umzugehen, trotzdem sollten Eltern einiges beachten. Bild: GettyImages Plus, pixelfit

Wir leben in einer digitalisierten Gesellschaft. In Zeiten wie der Coronakrise kann dieser Umstand seine Vorteile ausspielen, denn die Kommunikation und das Abrufen von Informationen funktionieren auch, ohne dass man physischen Kontakt hat. Andererseits birgt das Netz eine Menge Gefahren und Risiken, denen gerade Kinder nicht ungeschützt ausgesetzt werden sollten:

  • Hinter der Anonymität des Internets können sich Menschen verstecken, deren böse Absichten unsichtbar bleiben. Gerade Kinder, die gutgläubig und arglos sind, können leicht zu Opfern werden.
  • Zwar kann man online auf das Wissen der Welt zugreifen, sich aber auch in der Belanglosigkeit verirren oder durch das Überangebot an Informationen die Orientierung verlieren.
  • Die eigenen Geräte sind mit dem Internet verbunden. Das bedeutet auch, dass Hacker und andere Cyberkriminelle Zugriff darauf erlangen können, und zwar erschreckend einfach.

Die Fragen, die Eltern sich bezüglich der Internetnutzung ihrer Kinder stellen, setzen in der Regel viel eher an: Ab wann darf mein Kind das Internet benutzen? Wie sollte ich diese Nutzung am besten begrenzen? Und wie schütze ich mein Kind vor den vielen Gefahren, die online lauern können? Wir haben die wichtigsten Tipps gesammelt.

Die wichtigsten Tipps rund ums Internet für Kinder

1 Keine Angst vor zu wenig Medienkompetenz. Manche Eltern sind der Meinung, ein Kind müsse so früh wie möglich mit den neuen Medien konfrontiert werden, um die Kompetenzen zu erwerben, mit diesen auch umgehen zu können. Das ist nicht der Fall. Der erste Schritt zu einer guten Medienkompetenz besteht darin, dass die Kinder lesen lernen. Diese langsame Art der Informationsvermittlung schult die Ausdauer und ermöglicht es den Kindern, Informationen aufzunehmen und sinnvoll zu sortieren und zu verarbeiten. Sie lesen in ihrer eigenen Geschwindigkeit, während Videos und Spiele eine Geschwindigkeit vorgeben.

2 So spät wie möglich ins Netz. Kinder lernen sehr schnell, mit digitalen Medien umzugehen. Man muss also nicht befürchten, dass sie Nachteile haben, wenn man mit der Internetnutzung so lange wie möglich wartet. Sind sie einmal online, dann kann man nicht mehr zurück.

3 Ein Smartphone ist ein kleiner Computer. Das Smartphone ersetzt für viele Verbraucher heute den PC. Es gibt Apps für alle möglichen Anwendungen, sogar solche, welche die Kindersicherheit an den kleinen Geräten verbessern. Dennoch sollte das erste eigene Handy für ein Kind nur zum Telefonieren da sein, damit es sich im Notfall stets verständigen kann. Den kleinen Computer für die Tasche braucht es erst, wenn bereits in der Schule ist. Hier droht die soziale Isolation, wenn ein Kind das einzige ist, das nicht Mitglied der klasseneigenen WhatsApp Gruppe ist und die neusten TikTok Videos nicht gesehen hat. Für die Eltern gilt hier, dass sie sorgfältig abwägen müssen, ab wann sie dem Kind ein solches Gerät überlassen wollen.

4 Eltern sollten ihre eigene Mediennutzung beobachten. Viele Eltern haben das Gefühl, ihr Nachwuchs sei zu oft online, würde nur am Handy hängen oder seine Freizeit lieber mit Daddeln verbringen, anstatt rauszugehen. Es kann sehr hilfreich sein, sich hier einmal bewusst zu machen, wie viel Zeit man selbst online verbringt und via Facebook und anderen sozialen Medien mit seinen Freunden in Kontakt steht. Mehr Offline-Aktivitäten mit der ganzen Familie können das Gleichgewicht wieder herstellen. Onlinezeit sollte zudem nicht als Belohnung oder Strafe verwendet werden.

5 Die Kinder sollten nicht mit dem Internet allein gelassen werden. Eltern sollten immer ein grosses Interesse daran zeigen, was ihre Kinder online machen, mit wem sie sich unterhalten und welche Seiten sie besuchen. Leider ist es manchmal so, dass auf Seiten, die sich speziell an Kinder richten, gefährliche Kontakte lauern können. Das gilt gerade für Chats, denn natürlich kann niemand überprüfen, ob Maja, 11 nicht doch Dieter, 51 ist. Hier hilft nur, die Kinder zu begleiten, an ihrer Seite zu sein und sich Gespräche zeigen zu lassen. Es sollte zwischen Eltern und Kind ein so gutes Vertrauensverhältnis geben, dass die Kinder wissen, dass sie immer das Gespräch mit ihren Eltern suchen können. Wenn ihnen etwas seltsam vorkommt, wenn jemand ungewöhnlich kommuniziert und natürlich auch, wenn auf digitalem Weg verbale Angriffe kommen – Cybermobbing ist ein Problem, dass leider immer massiver wird. Auf diese Weise lässt sich auch die Gefahr einschränken, dass Kinder Opfer von Phishing werden. Die erste und wichtigste Regel lautet: Klicke niemals auf Links, die in Nachrichten stehen. Das sollten sich auch alle Erwachsenen merken.

6 Technische Vorkehrungen erhöhen die Sicherheit. Es gibt zahlreiche Apps und Anwendungen, mit denen man die Online-Sicherheit erhöhen kann. Sei es, dass ausgewählte Seiten gesperrt werden, Nachrichten mit bestimmten Inhalten nicht abgesendet werden oder dass die Onlinezeit begrenzt wird. Eltern sollten hier stets auf dem Laufenden sein, sich über die Möglichkeiten informieren und die Programme und Apps installieren und immer aktuell halten.

7 Kostenfalle Online-Abos: Auf manchen Seiten und in manchen Spielen lauern Abofallen, in die nicht nur Kinder schnell hineintappen. Ein bunter Button ist schnell gedrückt, und schon wird das Konto mit einer monatlichen Gebühr belastet, die man sich gern ersparen würde. Um heute online etwas zu kaufen oder ein Abonnement abzuschließen, muss man auf einen Button drücken, der ausdrücklich mit 'jetzt kaufen' oder Ähnlichem beschriftet ist. Versehentliche Bestellungen, deren Auslöser geschickt in eine Seite integriert wurden, sollte es also nicht mehr geben. Dennoch drücken Kinder schnell auf einen solchen Button, weil sie sich der Tragweite und Kosten nicht bewusst sind. Dagegen können Eltern Widerspruch einlegen, denn Kinder sind grundsätzlich nicht geschäftsfähig. Bei der Nutzung eines Handys sollte man unbedingt eine Drittanbietersperre einrichten lassen, um sich vor überraschenden Kosten zu schützen.

Eltern sollten genau hinschauen, was ihr Kind online macht – nur so können sie es vor eventuellen Gefahren schützen, sodass es das Netz unbeschwert benutzen und seine Vorteile geniessen kann.