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«Mama, leg das Handy weg!»: Mit diesen Tipps klappt es auch

Jedes dritte Kind ist eifersüchtig auf das Handy der Eltern. Eine Aussage auf Basis einer Umfrage aus Schweden, die seit Jahren zitiert wird. Doch viel spannender ist: Wie verhalten sich Eltern richtig? 10 Tipps, die beim Umgang mit dem Smartphone helfen – unwissenschaftlich, aber pragmatisch und konkret.

Mama leg das Handy weg!

Kinder mögen es nicht, wenn Eltern zu viel Zeit am Handy verbringen. Bild: Planet Flem, Getty Images Plus

Ich sitze mit meiner Freundin Saskia im Café. Neben uns sitzt eine Mutter mit einer 6-jährigen Tochter. Das Kind brüllt die Mutter an: «Mama, leg das Handy weg!» Saskia empört sich und fängt an, über die Mutter zu lästern. Wir kommen ins Gespräch.

Saskia erzählt mir, dass sie gerade neulich einen Artikel darüber gelesen hat, wie schlimm es für die Beziehung Eltern – Kinder ist, wenn das Handy ständig mehr Aufmerksamkeit kriegt als das Kind. Das Mädchen am Nebentisch leide sicherlich an Bindungsstörungen und wahrscheinlich zeige es schon erste Anzeichen einer Depression. Ich schmunzle, aber gebe ihr in einem Punkt Recht: Wenn Eltern ständig besetzt sind durchs Handy, leidet die Beziehung und eigentlich brauchen Kinder Eltern, die einen vorbildlichen Umgang mit dem Handy vorleben. 

Gutes Vorbild sein ist schwierig. Warum?

Wir sind uns einig, dass Eltern es in vielen Erziehungsfragen leichter haben, wenn sie mit gutem Vorbild vorangehen. Gar keine so einfache Aufgabe:

Wir beide organisieren im Alltag vieles mit dem Handy: Fahrdienst der Kinder, Kalender mit dem Partner, E-Mails von der Arbeit, Regenwahrscheinlichkeit am Wochenende. Alles lässt sich heute praktisch am Handy regeln und beispielsweise fürs E-Banking wird das Handy schon fast ein Muss. 

Während wir bei vielem auf die eigene Kindheit zurückblicken können und uns überlegen, ob unsere Eltern das gut bewältigt haben oder nicht, müssen wir bei der Handynutzung eigene Regeln aufstellen. Mit zunehmender Digitalisierung kein leichter Job. Unsere Eltern mussten sich gerade mal mit der Frage der Sinnhaftigkeit eines Tamagotchis auseinandersetzen. 

Zur Autorin

Sharmila Egger

Sharmila Egger

lic. phil. Psychologin, Lerncoach

Arbeitet seit Juni 2014 bei zischtig.ch

Was bringt es mir, ein gutes Vorbild zu sein?

Und natürlich hat Saskia recht, es lohnt sich, in das gute Vorbild zu investieren. Das Mädchen kämpft um die Aufmerksamkeit der Mutter. Gleichzeitig speichert es für sich als normal ab, dass Eltern ständig am Handy sind.

Kinder schauen sich viel mehr von Eltern ab, als uns manchmal lieb ist. Warum nutzen wir diesen Effekt nicht einfach zu unserem Vorteil? Ich lege das Handy weg, wenn Besuch da ist. Ich habe das Handy im Restaurant auf lautlos.

Ich nutze eine Armbanduhr statt die Anzeige auf dem Handybildschirm usw. Auch wenn sich die Mediennutzung von Kindern und Eltern unterscheiden darf: Wir wirken glaubwürdiger, wenn wir Dinge selber vorleben, die wir von unseren Kindern erwarten.

Wie erziehen wir uns nun aber selber?

Auch wenn Saskia doch einen ziemlich bewussten Umgang mit dem Handy vor ihrem Sohn pflegt, erzählt sie mir, dass sie aber nicht auf das Glas Wein verzichten möchte, nur weil ihr Kleiner das nicht darf. Ich ergänze, dass sie ja wohl auch nicht vorhat, heute Abend um halb acht ins Bett zu gehen, nur weil sie dies von ihrem Sohn erwartet. Wir lachen auf. 

Ein paar sinnvolle «Elternregeln» fallen uns dann aber nach und nach doch ein:

  • Zuhause ist das Handy an einem vordefinierten Ort.
  • Flugmodus aktivieren! Beim Griff zum Handy kurz innehalten und überlegen: Was will ich eigentlich jetzt genau damit?
  • Wie bei den Kindern: Das Handy ist nicht im Schlafzimmer über Nacht.
  • Ich habe einen Wecker (oder ein Kind ;)).
  • Ich lasse das Handy auch mal zuhause.
  • Bei einer Verabredung mache ich vorher einen genauen Treffpunkt und die Uhrzeit ab.
  • Ich deaktiviere die Push-Mitteilungen.
  • Ich lösche Apps, die ich seit einem Jahr nicht mehr genutzt habe.
  • Ich nehme mir ein paar Mal am Tag bewusst Zeit, um aufs Handy zu schauen und auf Nachrichten zu reagieren.
  • Ich pflege mit dem Handy meine Sozialkontakte richtig: Rufe die Leute an, mit denen ich mich treffen möchte, statt an ihrem Leben nur passiv teilzuhaben, indem ich sie auf den sozialen Netzwerken stalke.

Zu guter Letzt: Der Faktor Zeit

In der Zwischenzeit hat die Mutter am Tisch nebenan mit ihrer Tochter das Café verlassen. Eigentlich schade, weil sie so das Fazit aus unserem Gespräch verpasst:

Bei der Handynutzung rauscht die Zeit geradezu unbemerkt an uns vorbei. Alleine deswegen möchten wir einen bewussteren Umgang damit pflegen. So greifen wir in zu vielen Momenten der vermeintlichen Langeweile zum Handy – erwarten jedoch gleichzeitig von den Kindern, dass sie diese Momente der Langeweile aushalten. Dabei täte das auch uns gut. Die Kinder werden viel zu schnell gross. Auch wir werden älter und wir werden nie mehr so jung sein, wie gerade jetzt in diesem Moment. 

Mit Blick auf die (Armband-)Uhr bestellen wir uns auf diese ernüchternde Erkenntnis noch einen Kaffee – etwas Zeit bleibt noch, um über die intensive Handynutzung der Papas zu lästern.

Medienkompetenz mit dem Verein zischtig.ch

Der Verein zischtig.ch setzt sich dafür ein, Kinder und Jugendliche auf ansprechende, verständliche, berührende und wirksame Weise vor Onlinesucht, Cybermobbing, Cybergrooming und anderen Gefahren zu schützen. Im Vordergrund stehen ein begeisternder Vermittlungsstil und die Befähigung zu einer gewinnbringenden, kreativen und sicheren Mediennutzung. Auf Familienleben.ch schreibt der Verein regelmässig über Themen rund um Medienkompetenz.