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YouTube Kids: So sind Kinder sicher unterwegs

Heidi, Biene Maja, Peppa Wutz: Kinder lieben es, sich online Videos anzusehen. Doch YouTube und die App YouTube Kids bieten nur dann ungetrübten Spass, wenn Eltern ein paar Fakten kennen.

Mit YouTube Kids Videos online schauen.

Online-Videos sind bei Kindern äusserst beliebt. Doch es gibt einiges zu bedenken. Foto: Nadezhda1906, iStock, Getty Images Plus

Das Wichtigste in Kürze:

  • Mehr als die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen in der Schweiz nutzt YouTube täglich.
  • Vor Gewalt und Pornografie sind Kinder und Jugendliche auf dem Portal nicht sicher.
  • Die App YouTube Kids bietet mehr Sicherheit, sollte aber auch nur im Beisein der Eltern genutzt werden.
  • Direkt zur optimalen Nutzungsdauer für Ihr Kind.

Fernsehen? War einmal. Heute sind Kinder und Jugendliche eher auf Streaming-Portalen online unterwegs. Denn hier lassen sich zu jeder Zeit und an jedem Ort Videos verfolgen. Die Kleinen sehen ihre ersten Videos noch mit Mamas oder Papas Hilfe. Ein paar Jahre später stöbern sie allein auf YouTube, spätestens dann, wenn sie ein eigenes Handy haben.

Schweizer Kinder und Jugendliche lieben YouTube

«Mehr als die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen nutzt das Videoportal praktisch täglich», informiert das Schweizer Bundesamt für Sozialversicherungen zur Förderung von Medienkompetenzen auf seiner Seite «www.jugendundmedien.ch». 

YouTube sei in der Schweiz der am regesten genutzte Streaming-Dienst und bei Jugendlichen die mit Abstand populärste Website. Auch für Smartphone und Tablet gehöre sie zu den am meisten heruntergeladenen Apps.

Vor rund 15 Jahren gestartet

Videos hochladen und die Playlist mit anderen teilen – das war die Idee, die YouTube 2005 im Internet umsetzte. Google erkannte früh das Potenzial und kaufte bereits ein Jahr später die App mit heute ca. zwei Milliarden Nutzern. Sie schauen sich Videos an, bewerten und kommentieren sie. Ausserdem abonnieren sie Videokanäle – also alle Videos eines bestimmten YouTubers.

Das Angebot, das Google verwaltet, ist so vielfältig wie das Leben selbst. Die App bietet Filme, Musik-Videos und Life-Hacks für alle Lebenslagen: von der Bedienung von Produkten und Spielen bis zu Anleitungen zum Erlernen von Fertigkeiten aller Art. Das kann zur Unterhaltung und Förderung Ihres Kindes nützlich sein, wenn fundiertes Wissen gut herüber gebracht wird.

Doch genauso, wie sie gute und schlechte Unterhaltung beinhaltet, zeigt die App von Google auch mal halbgares Pseudowissen neben herausragenden Informationssendungen. Denn hier kann jeder Beiträge hochladen.

Althergebrachte Rollenbilder

Was fundiert ist und was nicht, können Kinder und Jugendliche allerdings kaum einschätzen. Wenn Stars wie Bibi von Bibis Beauty Palace, Julien Bam und Gronkh zu Vorbildern Ihres Kindes werden, können sie ihnen vieles verkaufen: politische Überzeugungen, Wertvorstellungen, Schönheitsideale und Produkte.

«Besonders durch das Genre Beauty und Lifestyle werden Rollenvorbilder vorgegeben, die bei vielen Fans ein falsches Bild von dem «Star von nebenan » vermitteln», kritisiert die Initiative Klicksafe.

Die Stars bauen im Film eine gewisse Nähe durch Kommunikation auf. Diese Nähe wird häufig genutzt für Schleichwerbung und Product Placement. «Firmen nutzen erfolgreiche YouTube-Kanäle als Plattform zur Platzierung ihrer Produkte - sei es, indem die YouTuber*innen Kleidungsstücke oder Accessoires von Sponsoren tragen, Produkte ausprobieren und weiterempfehlen oder Video-Spiele kommentieren», erklärt Jugendundmedien.

Gewalt und Pornographie

Aufgrund der gigantischen Fülle der Inhalte in jeder Kategorie können die Betreiber die Beiträge kaum kontrollieren. Zwar haben Nutzer die Möglichkeit, Google fragwürdigen Inhalt zu melden. Doch bis diese entfernt werden, sind sie in der Regel von anderen Nutzern längst kopiert worden.

So können Kinder leider in jeder Kategorie oder Playlist auch mit Gewalt und Pornographie konfrontiert werden, daran lässt sich kaum etwas ändern. Und Achtung: Wenn die jungen Nutzer sich bei der Anmeldung älter machen als sie sind, können sie Filme mit Altersbeschränkung sehen.

Und wie wird das Streaming-Erlebnis sicher?

Mehr Sicherheit? Das verspricht die App YouTube Kids, die sich an Vorschul- und Grundschulkinder richtet. Es gibt keine Weiterleitungen, kein Liken, kein Teilen und auch kein Hochladen eigener Inhalte. Die App verspricht ausschliesslich kindgerechte und unbedenkliche Videos aus dem Gesamtangebot, zum Beispiel Lernvideos, Kinderlieder oder kinderleichte Serien und Filme.

In den Sicherheitseinstellungen lässt sich das Angebot weiter einschränken. So können Eltern zum Beispiel Videos und Kanäle sperren. Sie haben auch die Möglichkeit, Inhalte festzulegen und freizugeben, die das Kind ausschliesslich ansehen darf. Darüber hinaus lässt sich ein Timer einstellen, der bestimmt, wie lange das Kind YouTube Kids ansehen darf.

Weniger Werbung auf YouTube Kids

Und was ist mit Werbung? Die gibt es auch auf YouTube Kids, aber weder für Getränke und Nahrungsmittel, noch für Beauty- und Fitnessprodukte, auch nicht für Inhalte mit Altersbeschränkung, für politische oder religiöse Interessen.

«Allerdings gibt es dann noch die vielen Videos, die private Nutzer auf YouTube als für Kinder geeigneten Content hochgeladen haben. Da kann man durchaus auf einen an sich langweiligen Kurzfilm stossen, in dem Onkel und Neffe um die Wette Süssigkeiten futtern», warnt der Verein Internet ABC.

YouTube Kids minimiert Gefahren. Dennoch, laut Internet ABC sind sie trotz Filtersystemen und einer Redaktion nicht ausgeschlossen. Wichtig bleibt deshalb, Kinder auch beim Ansehen von YouTube Kids nicht allein zu lassen.

YouTube Kids – wie lange?

Viele Medienpädagogen geben als Daumenrichtwert eine Medienzeit (Fernsehen, Internet, Spiele auf Konsolen, Handy) von zehn Minuten pro Lebensjahr an. Nach dieser Leitlinie hätte ein vierjähriges Kind maximal 40 Minuten Bildschirmkonsum pro Tag zur Verfügung.

«40 Minuten klingen vielleicht zunächst viel, aber letztendlich sind sie sehr schnell vorbei. Und selbstverständlich müssen es nicht jeden Tag 40 Minuten sein», sagt Medienpädagogin Dr. Eveline Hipeli im Interview mit Familienleben. 

Neben zeitlichen Regeln fürs Anschauen von Filmen etc. könnten Eltern auch situative Regeln einführen – zum Beispiel «Wenn es regnet, darfst du etwas länger schauen» oder «Auf dem Tablet spielen ist erst dann erlaubt, wenn die Hausaufgaben fertig sind».

Vertrag zwischen Eltern und Kind

Googles YouTube kann ein echter Zeitkiller sein, der die Zeit für andere Aktivitäten stiehlt – Freunde treffen, Sport treiben, basteln, lesen... Man muss zwischen verschieden Aktivitäten wählen, alles geht nicht. Ständig aufs Tablet zu starren, tut auch Psyche und Körper nicht gut.

Regeln für die Internet-Nutzung zu vereinbaren, ist daher wichtig. Das heisst konkret: Wie lange, wann und wo darf das Handy genutzt werden? Wann bleibt das Handy ganz aus? Welche Apps dürfen genutzt werden? Damit die Regeln möglichst auch eingehalten werden, sollten Eltern sie mit dem Kind gemeinsam erarbeiten. Die Ergebnisse lassen sich in einem Vertrag festhalten.