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Co-Sleeping: Was tun, wenn das Kind nachts ans Elternbett kommt?

Welche Eltern kennen das nicht: wenn nachts die Tür aufgeht und das Kind zu ihnen ins Bett möchte. Doch oft wird man verdutzt angeschaut, wenn man erzählt, dass das Kind noch im Elternbett schläft. Einen Richtwert, ab wann die Kleinen zu alt dafür sind, gibt es jedoch nicht. Wir erklären, warum Kinder nachts ins Elternbett kriechen und wie Sie richtig damit umgehen.

Kind schläft im Elternbett

Kinder suchen im Bett der Eltern Geborgenheit und Sicherheit. Bild: PeopleImages, E+

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dass Kinder ins Elternbett wollen, beruht auf einem ganz natürlichen Verlangen nach Geborgenheit. Mehr dazu.
  • Das Kind bei sich schlafen zu lassen, bedeutet nicht, es zu verwöhnen.
  • Dass das Kind im Elternbett schläft, ist so lange tolerierbar, wie es sich für Eltern und Kind gut anfühlt. Mehr dazu.
  • Kinder entwachsen dem Elternbett früher oder später von ganz allein.
  • Eltern können ihrem Nachwuschs dabei helfen, im eigenen Bett besser zu schlafen. Zu den Tipps.

Ihr Kind kommt nachts ins Elternbett gekrochen? Dann gehören Sie vielleicht zu den Eltern, die morgens unausgeschlafen sind, weil sie dadurch immer wieder aufwachen. Doch Eltern sollten nicht vom Kind verlangen, nachts ruhig zu sein und auf Teufel komm raus im eigenen Bett zu bleiben. Denn ein Kind braucht Geborgenheit, um gut schlafen zu können. Ein grosses Bett, in dem auch das Kind Platz findet, kann die Situation entspannen. Doch Eltern können dem Kind auch das Schlafen im eigenen Bett erleichtern.  

Wieso wollen Kinder nachts ins Elternbett?

Durchschlafen bedeutet bei Kindern nicht, eine ganze Nacht an einem Stück zu schlafen. Mehrmals nachts aufzuwachen, ist in den ersten Lebensjahren normal und kein Grund zur Sorge. Kinder rufen und suchen dann die Eltern, weil sie sich geborgen fühlen wollen und sich oft allein fühlen, wenn sie nachts aufwachen. Ganz nah an Papa oder Mama gekuschelt, finden sie diese Geborgenheit am besten. Damit folgen sie einem uralten genetischen Programm, das ihnen Tausende von Jahren Überlebensvorteile geboten hat. Denn alleine einzuschlafen hätte einst den sicheren Tod bedeutet. «Die ungeschützten Winzlinge wären von Hyänen verschleppt, von Bären gefressen oder von Schlangen gebissen worden», so der Kinderarzt Herbert Renz-Polster, Wissenschaftler am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg, in seinem Buch «Kinder verstehen. Born to be wild». Noch heute haben Kinder Angst vor Schatten im Zimmer und Monstern unterm Bett – in der Steinzeit hätten es gefährliche Tiere sein können.

Was können Eltern tun, wenn sich ihr Kind immer wieder ins Elternbett schleicht?

Sie sind im Tiefschlaf – und plötzlich reisst Ihr Kind Sie aus dem Traum, weil es in ihr Bett will? Wer diese Situation nachts immer wieder erlebt, kennt auch das Gefühl, morgens unausgeschlafen zu sein. Anstatt das Kind jedoch Nacht für Nacht zurück ins eigene Bett zu schicken oder selbst aufs Gästebtt auszuweichen, ist es sinnvoll, die Schlafsituation in der Wohnung grundsätzlich neu zu überdenken.

1 Ein grosses Nachtlager für Eltern und Kind einrichten

Wenn das Kind immer wieder ans Elternbett kommt, weil es etwa Albträume hat oder Monster unter dem Bett fürchtet, kann ein grosses, gemeinsames Schlaflager eine gute Lösung sein. Kann das Kind nämlich von vornherein im Elternbett mitschlafen, werden Eltern nicht durch den nächtlichen Besuch aufgeschreckt. «Eltern haben es dann auch leichter, ihr Kind nachts zu beruhigen», sagt die Schweizer Schlafberaterin Sibylle Lüpold in einem Interview zum Thema Durchschlafen. Darüber hinaus fallen auf diese Weise Machtkämpfe, unter denen die Eltern-Kind-Beziehung leidet, weg. Dem Kind im Elternbett gute Nacht zu sagen, führt also zur Entspannung der ansonsten angespannten Nachtsituation.

Wer ein Kind im eigenen Bett schlafen lassen will, braucht ein Bett, das ausreichend Platz bietet, sodass niemand nachts seinen Schlafplatz umsiedeln muss. Wenn das Baby oder Kleinkind noch gestillt wird, kann auf diese Weise auch der Papa besser schlafen und wird nicht geweckt, wenn die Mama nachts zum Babybett geht.

2 Im Kinderzimmer ein Matratzenlager aufbauen

Ein Familienbett ist nur eine gute Lösung, wenn alle sich damit wohlfühlen. Wenn das Kind älter ist und Sie als Eltern das Bett wieder für sich haben möchten, können Sie im Kinderzimmer ein grosses Matratzenlager herrichten oder ein Doppelbett aufstellen. Dort können sich Mama und Papa oder auch die Geschwister beim Gute Nacht-Sagen mit hineinlegen. Und sollte das Kind nachts rufen, kann ein Elternteil kommen und dort weiterschlafen.

3 Dem Kind den Schlaf im eigenen Bett erleichtern

Sie können jedoch auch mit einigen Tipps das Kinderbett so gestalten, dass das Kind dort besser schläft. Wacht es nachts oft auf und hat Angst wegen der Dunkelheit, hilft eine Nachtlampe. Für ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit kann es dem Kind ausserdem helfen, wenn Sie die Zimmertür einen Spalt weit offenlassen und bei Bedarf das Flurlicht nachts einschalten.

Auch Rituale erleichtern das Schlafengehen: Einschlafgeschichten, die Sie dem Kind abends im eigenen Bett vorlesen, haben eine beruhigende Wirkung. Oder Sie singen abends gemeinsam und vertreiben damit böse Geister und Monster unter dem Bett.

Ist es gut, wenn Kinder bei den Eltern schlafen?

«Je näher das Kind ist, umso einfacher ist es für die Mutter, es nachts zu stillen», sagte die Schweizer Schtillberaterin Sibylle Lüpold. Während Sie Ihr Baby also stillen, sollte es am besten im selben Raum schlafen. Im selben Bett muss es jedoch nicht schlafen – auch ein Beistellbettchen ist eine gute Lösung. Denn so haben Eltern und Kind genug Platz und Sie sind dennoch sofort zur Stelle, wenn das Baby schreit oder gestilt werden muss. Schläft der Säuglin im Bett mit Mama und Papa, müssen Eltern darauf achten, das Kind durch Sicherheitsmassnahmen vor dem Plötzlichen Kindstod zu schützen.

Doch Kinder pilgern nachts auch mit zwei, drei oder fünf Jahren noch ans Elternbett. Und das tun sie aus einem natürlichen Bedürfnis heraus. Deshalb kann es nicht als gut oder schlecht bewertet werden, wenn Kinder im Elternbett übernachten. Es ist solange gut, wie sich alle damit wohlfühlen und wird dann problematisch, wenn ein Elternteil oder das Kind selbst durch ein gemeinsames Bett zu wenig Schlaf erhält oder sich unwohl fühlt.

Wann sollten Kinder nicht mehr bei den Eltern schlafen?

Es gibt keinen Zeitpunkt, ab dem Kinder nicht mehr bei den Eltern schlafen sollten. Auch wenn Fachleute oder gar befreundete Eltern eine Antwort zu wissen glauben und bestimmte Normen vertreten – Kinder sind unterschiedlich. Die Angst von Eltern, ihr Kind zu verwöhnen, wenn sie es in ihrem Bett schlafen lassen, ist unbegründet. «Ohne diese unbegründete Angst wären die meisten Familien entspannt und würden viel besser schlafen», so Sibylle Lüpold. Kinder entwachsen dem Elternbett von ganz allein, sobald sie genügend Geborgenheit getankt haben. Dann fühlen sich nach und nach auch im eigenen Bett sicher. Auch Kinderarzt Oliver Zerwetz betont in einem Bericht: «Der Wunsch nach Autonomie kommt von selbst».

Anstatt also Druck von aussen an sich heranzulassen, ist es wichtiger, die Bedürfnisse des eigenen Kindes herauszufinden und auch zu überlegen, was man als Eltern – als Paar – für die richtige Lösung hält.