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Humor in der Erziehung: «Uns ist es ernst mit dem Lachen!»

Ihr Sohn rennt schon zum dritten Mal mit dreckigen Schuhen über den Teppich und Ihre Tochter macht vor dem Süssigkeitenregal im Supermarkt eine Szene? Erziehung ist nicht immer einfach. Cornelia Schinzilarz, Inhaberin des KICK Institut für Coaching und Kommunikation, und Muriel Kurz, Mutter mit Humorcoach-Ausbildung, verraten im Interview mit familienleben, wie Eltern humorvoll fluchen und herzhaft über sich selbst lachen können.

Humor in der Erziehung braucht Mut!

Was das Lachen angeht, können sich Erwachsene eine Scheibe von ihren Kindern abschneiden. Foto: iStock, Thinkstock

Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gelacht?

Frau Kurz: Vorher im Tram! Meist sind die Durchsagen im ÖV ja nur elektronisch, aber plötzlich meldete sich die Chauffeuse und wünschte den Mitfahrenden einen wunderschönen Tag. Da beklagte sich eine ältere Dame lauthals und grummlig über den «Schnorri».

Frau Schinzilarz: Ich wurde heute Morgen von Stimmungsschwankungen geplagt. Nachdem ich meinen ersten Kaffee getrunken hatte, dachte ich mir dann «Jetzt machst du einfach mal, was du immer allen empfiehlst und lachst!» Das klappt immer!

Kinder lachen bis zu 400 Mal am Tag, Erwachsene hingegen nur noch etwa 15 Mal. Verlernen wir das Lachen mit den Jahren?

Frau Schinzilarz: Ja. Wenn Kinder älter werden, werden kichernde Mädchen und glucksende Jungs zurechtgewiesen. Schliesslich fängt in der Schule und im Berufsleben ja «der Ernst des Lebens» an. In welchem Beruf darf man schon ständig lachen?!

In Ihrem wahrscheinlich?

Frau Schinzilarz: Das stimmt allerdings (lacht).

Frau Kurz: Wir Humorcoachs haben es gut! Ich habe das Lachen über die Jahre hinweg nie verlernt –schliesslich gibt es jeden Tag und zu jeder Zeit genügend Anlässe für ein herzhaftes Losprusten. Da können sich die Erwachsenen eine Scheibe von den Kindern abschneiden.

Was man verlernen kann, kann man ja sicher auch wieder lernen!

Frau Schinzilarz: Genau. Zu unseren Lachabenden und in die Kurse kommen oft Menschen, die, ausgelöst durch ein tragisches Ereignis, lange nicht mehr lachen konnten. Bei uns lernen sie, Humorvolles im Alltag wieder zu erkennen und ein Lachen auch mal zuzulassen.

Frau Kurz: Ich bin auf der Suche nach einer Weiterbildung auf die Ausbildung zum Humorcoach gestossen und war vom ersten Tag an begeistert. Humor kann man in jeder Lebenslage brauchen und an seine Mitmenschen weitergeben.

Wie darf man sich die Ausbildung zum Humorcoach vorstellen?

Frau Schinzilarz: In fünf mehrtägigen Modulen behandeln wir verschiedene Humor-Aspekte, beispielsweise Humor als philosophische Kompetenz oder humorvolle Methoden und Interventionen. Beim Aufstellen eines Programms fragen wir die Teilnehmenden nach ihren Zielen und passen uns individuellen Wünschen an.

Frau Kurz: Ich fühlte mich beim Lachen stets ernst genommen, als ich die Ausbildung bei Frau Schinzilarz gemacht habe.

Können die Teilnehmer auf Kommando lachen?

Frau Schinzilarz: Es ist wichtig, sich schon ein wenig darauf einlassen zu können, aber dazu braucht es nicht viel. Wir haben schon Menschen aus den verschiedensten Berufsfeldern ausgebildet, aber auch Eltern, die ihre Kinder mit einer Prise Humor durch die Pubertät begleiten wollten.

Gerade im Familienalltag ist es aber nicht immer einfach, humorvoll zu bleiben.

Frau Kurz: Das stimmt!

Frau Schinzilarz: Hinter den meisten Kinderstreichen oder Blödeleien steckt kein böser Wille, sondern viel Phantasie und Humor. Kinder auszuschimpfen ist für beide Seiten bloss anstrengend.

Wie bleibt man entspannt, wenn der Sohnemann schon zum dritten Mal mit dreckigen Schuhen über den Teppich läuft?

Frau Schinzilarz: Fragen Sie Ihr Kind doch einfach mal, was es damit erreichen will, denn irgendetwas ist da immer. Vielleicht ist die Zeit knapp und die Freunde warten bereits ungeduldig? Was es auch ist; Sie können Ihrem Kind bestimmt erklären, dass es sein Ziel auch erreicht, wenn die Schuhe draussen bleiben.

Frau Kurz: Es ist ja auch nicht nötig, 24 Stunden am Tag ein Lachen zu erzwingen. Manche Probleme brauchen zuerst ein wenig Distanz oder ein verständnisvolles Ohr einer Freundin, bevor man sie mit Humor angehen kann.

Und wenn man dann doch mal schimpfen muss…

Frau Kurz: ... dann kann man wenigstens lustig schimpfen! «Gopfried Stüdeli, sapperlot!»

Frau Schinzilarz: Oder versuchen Sie mal, mit Kauderwelsch zu reagieren! Damit bringen Sie in ernsten Situationen jeden zum Lachen!

Jafjdsfjaehz ukfjdnajf!

Frau Schinzilarz: Genau! (lacht)

Frau Kurz: Dsnfiua Aufdajke!

Wie reagieren Kinder auf den neugewonnenen Humor?

Frau Kurz: Mein Sohn Tizian findets toll! Kurz nachdem ich meine Ausbildung zum Humorcoach absolviert hatte, kam er mit Strafaufgaben nach Hause und war total frustriert. Auf ein Blatt hatte er zehn Mal «Ich muss meine Hausaufgaben machen» zu schreiben. Ich empfahl ihm, das «muss» durch ein «will» zu ersetzen und so seine Lehrerin zu überraschen. Das fand er so lustig, dass die Strafaufgabe dann ganz schnell erledigt war. Mitten in der Nacht ertappte ich ihn aber dabei, wie er die «will» wieder ausradierte und durch «muss» ersetzte – gewisse Dinge müsse man eben tun.

Frau Schinzilarz: Kinder reagieren oft erstaunlich! Quengeln und schreien Sie doch einmal zurück, wenn Ihr Kind im Supermarkt loslegt – es wird Sie mit grossen Augen anschauen und urplötzlich damit aufhören.

Dafür brauchen Eltern Mut.

Frau Schinzilarz: Mut ist das Einzige, was es braucht, um Humor umsetzen zu können. Eltern dürfen sich weder für ihr Kind, noch für sich selbst schämen. Sie können doch über alles Mögliche lachen– auch über sich selbst.

Gibt es etwas, über das alle Menschen lachen können?

Frau Schinzilarz: Mit anderen Menschen und über andere Menschen. Lachen ist ansteckend, vor allem, wenn kleine Kinder glucksen und prusten!

Wie wärs mit einem Witz zum Schluss?

Frau Kurz: Was ist grün und liegt im Sarg? Ein «Sterbsli».

Buchtipp

«Humor in Coaching, Beratung und Training» von Cornelia Schinzilarz und Charlotte Friedli befasst sich mit dem professionellen Einsatz von Humor und Lachen in der beratenden, lehrenden, begleitenden und trainierenden Arbeit oder in Führungspositionen. Es erheitert seine Leser mit zahlreichen Übungen und Methoden für den Alltagsgebrauch. Mehr Informationen zum Buch unter www.kickshop.ch

Linktipps

www.kick.dich.ch
www.kurz-humor.ch

 

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