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Wie Sie mit Alkohol und Drogen bei Jugendlichen umgehen

Plötzlich experimentiert der eigene Nachwuchs mit Rauchen, Alkohol oder Kiffen – ein Grund für Panik? Was tun beim ersten Joint oder wenn gar harte Drogen konsumiert werden? Wie Eltern am besten darauf reagieren und ab wann die Drogen zur Sucht werden, erfahren Sie hier.

Eltern haben oft Angst um ihr Kind, wenn es um Drogen und Alkohol geht.

Wenn Ihr Kind jeden Tag Alkohol trinkt oder einen Joint raucht, sollten Sie sich einen Rat holen. Foto: PIKSEL, iStock, Thinkstock

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Drogen als Wirkstoff, der in der Lage ist in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern. Im Allgemeinen versteht man unter Drogen sämtliche Rauschmittel. Legal wie illegal. Viele Rauschmittel sind gesellschaftlich akzeptiert: Die Tasse Kaffee am Morgen macht munter und stimuliert auf angenehme Art und Weise. Das Glas Sekt im Kollegenkreis, wenn der Chef zum ersten Mal Papa wird.

Aber nicht nur der Genuss von ein oder zwei Gläsern Sekt ist gesellschaftlich akzeptiert. Feierlichkeiten, bei denen es, alkoholtechnisch, ganz schön zur Sache geht, sind normal. Am Oktoberfest stemmt jeder seine Mass, vom Schüler bis zum Greis, die Putzfrau wie der Manager. Alkohol verbindet eben. Und macht Feste lustiger: Wäre eine Weltmeisterschaft oder Hochzeit ohne Promillehaltiges überhaupt denkbar?

Keine Verbote

Mit beginnender Pubertät wächst das Interesse der Heranwachsenden an den Ihnen bis dato komischen, unbekannten Stoffen. Warum steht Papa auch bei klirrender Kälte auf dem Balkon, nur um am Glimmstängel zu ziehen? Warum geht die Stimmung bei Familienfesten jedes Mal steil nach oben, sobald die Flaschen aus der Hausbar gezückt werden?

Jugendliche sind neugierig auf Alkohol und Nikotin, dies wurde ihnen jahrelang, zu Recht, verwehrt. Jetzt möchten sie selbst aktiv werden und testen. Dieses Interesse ist ganz normal. Die heimliche Zigarette in den Büschen vom Schulhof keine Tragödie. Der betrunkene Sohn, der einmal mitten in der Nacht schwankend ins elterliche Haus heimkehrt, ebenso. Jugendliche müssen lernen mit diesen «Alltagsdrogen» umzugehen. Sie müssen ihren eigenen Weg finden:

  • Schmeckt die Zigarette?
  • Will ich das noch öfter machen oder hat mir der erste Zug gereicht?
  • Wie viel Bier will und kann ich trinken?
  • Vertrage ich Wodka, Whisky und Co? Oder liege ich dann sonntags flach und kann deshalb auch nicht am Fussballturnier teilnehmen?

Elterliche Verbote bringen absolut nichts. Umso wichtiger ist es, Alkohol und Nikotin zu thematisieren. Den katergeplagten Sohn nicht niederbrüllen, sondern wertungsfrei nachfragen: Wo warst du überhaupt? Was hast du getrunken? Hat es geschmeckt? Hattest du Spass?

Und dann geschickt ins Heute überleiten: Wie geht es dir jetzt? Ist es der gestrige Abend wert gewesen, dass du heute den ganzen Tag flach liegst? Wie möchtest du das in Zukunft handhaben?

Der Sohn spürt eine Wertschätzung ausgehend von seinen Eltern. Sie verurteilen ihn nicht, sondern sind interessiert. Eine denkbar gute Basis für ein Gespräch. Denn jetzt sind Sie an der Reihe. Sie können Ihrem Nachwuchs Ihre Bedenken, Ängste, Sorgen und natürlich auch Erfahrungen erzählen. Sie sollten auch einen klaren Standpunkt beziehen: «Alkohol gehört zum Leben und zum Erwachsen werden dazu. Ein Rausch kommt immer mal wieder vor. Aber ich möchte nicht, dass du so jedes Wochenende heimkommst.»

Zu den illegalen Drogen gehören unter anderem Haschisch, LSD, Kokain und Heroin. Für manche Eltern ein Potpourri der Gefährlichkeit. Haschisch wie Heroin - alles das Gleiche. Schon beim ersten Joint des 17-jährigen Nachwuchses sehen sie ihn bereits als Schwerstabhängigen. Anders wird dies vielleicht die Generation Techno sehen, welche in ihrer eigenen Jugend Anfang der 90er Jahre selbst manchmal konsumiert hat. Manche Jugendlichen werden gross ohne jemals einen Joint gedreht zu haben, für andere wird er jahrelang zu einem gelungenen Partywochenende dazugehören. Für einige ist der Joint die Einstiegsdroge.

Grundsätzlich gilt: Je schneller die Wirkung nach der Einnahme eintritt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit eine Sucht zu entwickeln. Ein weiterer Faktor ist die Intensität, mit welcher die Droge ihre Wirkung entfaltet. Eine beginnende Abhängigkeit zeigt sich darin, dass sich der Körper auf den regelmässigen «Genuss» der Droge einstellt. Bleibt dieser aus, reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen wie Nervosität, Unruhe oder Schwitzen.

Aber nicht nur der Körper gewöhnt sich an die Rauschmittel. Natürlich auch die Psyche. Diese verlangt mit einer immensen und unkontrollierbaren Kraft nach dem jeweiligen Stoff. Der Lebensmittelpunkt ist die Droge. Sie beeinflusst die Stimmung und den Lebensalltag. Alles andere wird nebensächlich. Das persönliche Leben kreist um die Droge. Auch wenn die süchtige Person sich selbst im Klaren ist, dass die Droge sehr schädlich ist und bereits Folgeerscheinungen aufgrund des Konsums eintreten, kann der Suchtmittelkonsum nicht mehr eigenständig kontrolliert werden. Deshalb wird eine Sucht auch offiziell als Krankheit anerkannt.

Was also tun?

Wie schon erwähnt, ist Konsum nicht Konsum. Fährt die 18-jährige Tochter mit Freunden nach Amsterdam, um sich von Coffee-Shop zu Coffee-Shop zu rauchen, finden Eltern das nicht gut. Wenn das junge Mädchen im Alltag bravourös seine Ausbildung meistert, im Kanuverein aktiv ist und sonntags die Clique zum Grillen einlädt, ist alles in bester Ordnung. Sie hat ihr Leben im Griff und setzt die Prioritäten richtig.

Wenn aber jeden Abend komisch riechende Nebelschwaden aus dem Jugendzimmer strömen, die schulischen Leistungen schlimmer werden und alle Hobbys plötzlich out sind, sollten Eltern aufmerksam werden. Der beste Ansprechpartner ist der Hausarzt, er kann die Situation objektiv beurteilen und einen Rat geben. Kompetenten Rat geben ausserdem Suchtberatungsstellen. Diese haben mehrere Ansätze: Sie stehen besorgten Eltern sowie dem Süchtigen selbst mit Rat und Tat zur Seite und haben konkrete Lösungsvorschläge wie das Suchtproblem angegangen werden kann.