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Alkoholsucht bei Eltern: Was Sie für die Kinder tun können

Wenn die Gedanken der Eltern immer mehr um den Alkohol kreisen, sind Kinder gefährdet. Sie sorgen sich um Vater oder Mutter, fürchten den Rausch und leiden unter Stimmungsschwankungen, manchmal auch unter Gewalt. Doch Eltern und andere Erwachsene können wirksam helfen.

Alkoholsucht bei Eltern: Wie sich Kindern helfen lässt

Eltern mit Alkoholsucht wissen, dass ihre Kinder unter der Sucht leiden. Foto: KatarzynaBialasiewicz, iStock, Thinkstock

Wenn sich die Festtage ballen, gilt Alkohol auf dem Tisch als normal. Wein, Cognac oder andere alkoholische Getränke zu trinken, kann ein besonderer Genuss sein. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange sich auch ohne Alkohol entspannte Tage und Abende verbringen lassen. Doch rund 100’000 Kinder in der Schweiz haben einen Elternteil mit Alkoholsucht, informiert die Stiftung Sucht Schweiz.

Alkoholsucht der Eltern: Kinder leiden massiv

Je mehr der Alkohol das Leben der Mutter oder des Vaters beherrscht, umso stärker prägt er auch das Leben der Kinder. Sie sorgen sich um den betroffenen Elternteil, um seine Gesundheit, seine Freundschaften oder seinen Arbeitsplatz. Sie fürchten den Rausch, der den geliebten Vater oder die Mutter verändert. Sie leiden unter den Stimmungsschwankungen, der unberechenbaren Atmosphäre, die Alkohol und Kater mit sich bringen. Und oft leiden sie auch unter körperlicher oder seelischer Gewalt. «Jedes Mal, wenn ich betrunken nach Hause kam, setzte ich meine Sonnenbrille auf, um meinen Rausch zu verstecken. Mein Dreijähriger Sohn kam immer, um sie mir auszuziehen. Ich konnte das Leid in seinem Blick sehen, wenn er sah, dass ich schon wieder getrunken hatte», berichtet ein Elternteil auf den Internetseiten von Sucht Schweiz.

Wie sich alkoholkranke Eltern fühlen

Eltern mit Alkoholsucht lieben ihre Kinder genauso wie andere Eltern. Doch sie wissen, dass sie unter ihrer Alkoholsucht leiden. «Sich überfordert zu fühlen und mit einer Erziehungssituation nicht mehr zurecht zu kommen, passiert allen Eltern», versucht die Stiftung Sucht Schweiz, Schuldgefühle zu nehmen. Dann sollten sich Eltern Unterstützung holen, Alkoholsüchtige zum Beispiel beim Arzt, einer Alkohol- und Suchtberatungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe. Sich Hilfe zu holen, wird zu einem Muss, wenn das Kind körperliche oder seelische Gewalt erlebt. «Das Wichtigste ist, dass Sie Ihre Kinder schützen», so Sucht Schweiz.

Was alkoholkranke Eltern tun können

  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es nicht sein Fehler ist, dass Sie ein Problem mit Alkohol oder anderen Drogen haben. Sie haben eine Krankheit.
  • Organisieren Sie den Alltag so vorhersehbar wie möglich: Kinder brauchen Strukturen und einen Rahmen, um sich sicher zu fühlen.
  • Wenn es in der Familie zu Gewalt oder starkem Konsum kommt, sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind in Sicherheit ist und dass es weiss, wo es Hilfe holen kann. Ab vier oder fünf Jahren können Sie ihm eine Liste mit Telefonnummern geben, die es anrufen kann.
  • Organisieren Sie sich eine erwachsene Vertrauensperson, die über die Situation Bescheid weiss, und die das Kind abholen kann, wenn eine gefährdende Situation besteht.
  • Vermeiden Sie es möglichst, dass Ihr Kind Sie berauscht erlebt.

(Quelle: Sucht Schweiz)

Alkoholsucht ist eine Krankheit, die schambesetzt ist. Zwar lässt sich die Krankheit behandeln und auch überwinden, doch Betroffene wollen sich oft nicht eingestehen, dass sie süchtig sind. «Die Person ist nicht schuld an ihrer Krankheit, aber sie ist es, die bereit sein muss, Hilfe anzunehmen», so die Stiftung Sucht Schweiz. Die Krankheit nicht mehr zu verleugnen, ist ein erster Schritt, gegen sie anzugehen. Dann lässt sich über die Alkoholsucht sprechen wie über jede andere Krankheit, die den Alltag einschränkt.

Alkoholsucht: Mit Kindern reden

Betroffene versuchen sich oft einzureden, ihr Kind sei zu klein, um mit ihm über Alkoholsucht zu reden. Oder sie meinen, ihr Kind bemerke die Alkoholsucht nicht. Doch schon Kleinkinder spüren genau, wenn in der Familie etwas nicht stimmt. Möglicherweise erkennen sie aber die Zusammenhänge nicht und können deshalb Stimmungen nicht einordnen. Wenn niemand Kindern erklärt, was vor sich geht, stellen sie sich alles Mögliche vor, oft Schlimmeres als das, was tatsächlich passiert. Die Stiftung Sucht Schweiz macht Mut: «Es tut Ihrem Kind gut, wenn Sie mit ihm darüber sprechen, was mit Ihnen los ist. Wenn ihr Kind weiss, was los ist, hilft ihm das, Ihnen und sich selbst zu vertrauen.».

Wer das Thema Alkoholsucht ansprechen will, dem fehlen oft die Worte. Doch es muss nicht gleich beim ersten Gespräch alles gesagt werden, was auf dem Herzen liegt. Wichtig ist zunächst, überhaupt ins Gespräch zu kommen. «Vielleicht können Sie damit beginnen, dass Sie über Ihre Gefühle wie Traurigkeit oder Bedauern sprechen und Ihr Kind dann fragen, wie es die Situation wahrnimmt und was es darüber weiss», so Sucht Schweiz. Wer sich nicht dazu imstande fühlt, kann eine Person seines Vertrauens darum bitten. Es wird das Kind erleichtern zu erfahren, dass es nicht an der Alkoholsucht schuld und nicht für seine Eltern verantwortlich ist.

Vertrauenspersonen für das Kind

Viele Betroffene haben Angst davor, dass ihr Kind anderen Menschen von ihrer Alkoholsucht erzählen. Doch Geheimnisse belasten. «Reden Sie mit Ihrem Kind über Ihre Angst und wählen Sie mit ihm gemeinsam eine oder zwei Vertrauenspersonen aus, mit denen es sprechen könnte», rät Sucht Schweiz. «Es ist für Ihr Kind sehr wichtig, dass es sich nicht isoliert fühlt.» Darüber hinaus braucht es Hilfe, genauso, als wenn Vater oder Mutter eine andere gravierende Krankheit hätte. Es benötigt Menschen, die es auffangen, wenn der Vater oder die Mutter getrunken hat oder verkatert ist. Es ist nicht seine Aufgabe, den Haushalt zu übernehmen oder die Geschwister zu erziehen. Das Kind hat ein Recht auf Menschen, die sich um es kümmern. Es darf Spass haben und Freunde besuchen.

Wenn der (Ex-) Partner alkoholkrank ist

Wenn ein Elternteil ausfällt, ist für das Kind eine stabile Beziehung zu dem anderen Elternteil umso wichtiger. Die grosse Verantwortung kann eine Mutter oder einen Vater schnell überfordern. Allein die Frage, ob das Kind bei dem alkoholsüchtigen Elternteil gefährdet ist, ist oft nicht leicht zu entscheiden. Deshalb brauchen auch die (Ex-)-Partner von Alkoholkranken Hilfe. Beratungsstellen sind nicht nur für die direkt Betroffenen, sondern auch für Nahestehende da. Darüber hinaus gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige. «Das heisst: Auch wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin nicht zu einer Veränderung bereit ist, können Sie etwas für sich tun und so verhindern, dass Sie in eine Erschöpfung geraten», darauf weist Sucht Schweiz hin. «Wenn jemand etwas ändert, ist es oft so, dass das die ganze Familie in Bewegung bringt.»

Weitere nützliche Informationen erhalten Sie hier:

  • Die Stiftung Sucht Schweiz erklärt Elternteilen und Bezugspersonen betroffener Kinder wie Grosseltern oder Paten, was sie für das Kind tun können
  • Mit Kindern über Alkoholsucht ins Gespräch kommen

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