Blasenentzündung: Mädchen sind besonders betroffen

«Zieh dich wärmer an, du holst dir noch eine Blasenentzündung», warnen Eltern, wenn Jugendliche sich morgens in bitterer Kälte mit dünner kurzer Jacke auf den Weg zur Schule machen. Tatsächlich können Nässe und Kälte eine Blasenentzündung begünstigen.

Mädchen auf der Toilette mit Blasenentzündung

Ständiger Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen sind Anzeichen einer Blasenentzündung. Bild: gpointstudio, iStock, Thinkstock

Jugendliche – so scheint es – ziehen sich nur ungern warm an. Wenn in der eiskalten Luft der eigene Atem als Nebel zu sehen ist, stehen sie in dünnen Jeans, Leinenschuhen und kurzer Jacke wartend an Bushaltestellen oder laufen zur Schule. «Du holst dir noch eine Blasenentzündung», warnen Eltern dann besorgt.

Kälte begünstigt Blasenentzündung

Tatsächlich sind Kälte und Nässe Risikofaktoren für eine Blasenentzündung. Denn Jugendliche, die im eisigen Wind stehen oder auf kalten Steinen sitzen, gehen das Risiko ein, dass ihr Beckenbereich auskühlt. Weil sich die Blutgefässe zusammen ziehen, werden die Schleimhäute schlechter durchblutet und entwickeln weniger Schleim, der als Schutzschild vor Krankheitserregern dient. So können Keime leichter den Weg hoch zur Blase finden.

Fast nur Mädchen von Blasenentzündung betroffen

Eine Blasenentzündung (Zystitis) entsteht, wenn Krankheitskeime durch die Harnröhre in die Blase gelangen. Das geschieht bei Mädchen weitaus öfter als bei Jungen, denn Frauen haben eine kürzere Harnröhre als Männer. «Etwa 50 bis 70 Prozent aller Frauen sind mindestens einmal in ihrem Leben von einer Blasenentzündung betroffen», berichtet Dr. med. Christoph Kraft, Facharzt FMH für Urologie aus Olten auf seiner Internetseite. In der Regel gelangen die Bakterien vom After aus in die Harnröhre, wandern in die Blase, wo sie eine Entzündung der Schleimhäute und der Blasenwand verursachen. Neben Darmkeimen können auch Viren und Würmer eine Blasenentzündung verursachen.

Symptome: Ständiger Harndrang und Brennen

Eine Blasenentzündung ist unangenehm. Ständiger Harndrang, Brennen, oft auch Schmerzen beim Wasserlassen sind die Symptome. «Je nach Art des Erregers kann aber auch übel riechender, eitriger Ausfluss aus der Harnröhre hinweisend sein», erklären die Frauenärzte im Netz. Manchmal entsteht ein Druckschmerz im Unterbauch, wenn sich die Harnblase krampfartig zusammenzieht.

Das hilft bei Blasenentzündungen

Die geschilderten Symptome lassen den Arzt in der Regel bereits auf eine Blasenentzündung schliessen. Um sicher zu gehen, bittet er den Jugendlichen um eine Urinprobe. Die Blasenentzündung wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Doch auch der Jugendliche kann viel dafür tun, dass es ihm bald wieder besser geht, indem er viel trinkt. Auf diese Weise wird die Blase immer wieder durchgespült. Normalerweise klingt die Blasenentzündung bereits nach wenigen Tagen wieder ganz ab.

Komplikationen durch verschleppte Blasenentzündung

Geringe Beschwerden lassen sich oft mit rezeptfreien Mitteln aus der Apotheke in den Griff bekommen. Doch spätestens dann, wenn die Beschwerden stärker werden oder die Symptome nach zwei Tagen nicht verschwunden sind, sollte der Jugendliche zum Arzt gehen. «Wird die Infektion verschleppt oder ist der Krankheitsverlauf schwer, kann es zu Blutungen der Blase mit blutigem Urin, eitrigem Ausfluss und bei kompliziertem, chronischem Verlauf zum Absterben des Blasengewebes mit Blasenschrumpfung kommen», erklären die Frauenärzte im Netz. Die Keime aus der Blase können auch über die Harnleiter aufsteigen und die Nieren befallen. Dort besteht die Gefahr, dass sie eine Nierenbeckenentzündung auslösen. Eine schwere Blasenentzündung kann im Extremfall auch eine Blutvergiftung verursachen.

So beugen Sie am besten vor:

Warm anziehen: Ist es draussen kalt, gilt es, sich warm anzuziehen. Leider hören Jugendliche oft nur ungern auf diesen Ratschlag. Vielleicht lassen sich eine warme Hose und eine dicke Jacke anschaffen, die der Teenager so cool findet, dass er die Sachen wirklich gern trägt?

Ausreichend trinken: Viel zu trinken, ist ein effektiver Weg, eine Blasenentzündung zu vermeiden. Sinnvoll ist, Jugendlichen stets eine grosse Flasche Wasser in die Schule mitzugeben. Zu Hause können eine Kanne Früchtetee auf dem Küchentisch, ein frischer Getreidekaffee oder ein süsser Smoothie den Jugendlichen zusätzlich zum Trinken motivieren.

Preiselbeersaft besorgen: Preiselbeersaft beugt Blasenentzündungen vor. «Denn Preiselbeeeren enthalten Stoffe, die verhindern können, dass sich die Bakterien in den Schleimhäuten einnisten und dort eine Entzündung auslösen», erklärt Dr. med. Christoph Kraft.

Vorsicht mit Seife oder Waschlotion: Seife und Waschlotionen können die Schleimhäute so beschädigen, dass sie anfälliger für Keime sind. In diesen Fällen ist es für die Erreger leichter, sich an den Schleimhäuten festzusetzen», warnen die Frauenärzte im Netz.

Von hinten säubern: Jugendliche sollten wissen, dass es wichtig ist, sich nach dem Stuhlgang den Analbereich immer von hinten abzuputzen. So können keine Bakterien vom After an die Harnleiter gelangen.

«Generell gilt: Wer viel trinkt, regelmässig zur Toilette geht, sich besonders in der kalten Jahreszeit warm anzieht und bestimmte Hygieneregeln beachtet, schützt seine Blase vor Krankheitserregern», fasst Dr. med. Christoph Kraft zusammen.

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