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Depression bei Kindern und Jugendlichen

Nicht nur bei Erwachsenen können Depressionen auftreten, auch Kinder und Jugendliche können darunter leiden. Fachleute gehen davon aus, dass mehr als fünf Prozent aller Kinder von einer schweren Depression betroffen sind und etwa zehn Prozent deutliche depressive Symptome aufweisen.

Auch Jugendliche können an einer Depression leiden

Jugendliche können depressiv werden, wenn sie sich einsam und verlassen fühlen. Foto: KatarzynaBialasiewicz, iStock, Thinkstock

Das Wichtigste in Kürze:

  • Depressive Säuglinge und Kleinkinder wirken häufig traurig und weinen oft. 
  • Vor allem bei Teenagern sind Stimmungsschwankungen und Traurigkeit nicht unbedingt Zeichen für eine depressive Erkrankung. 
  • Ursachen einer Depression können depressive Eltern, Vernachlässigung, Konflikte in der Familie oder ein Mangel an Selbstbewusstsein sein. Direkt zu den Ursachen. 
  • Depressiven Kindern sollte der Spass am Leben wieder gewährleistet werden. Gemeinsame Ausflüge oder die Anschaffung eines Haustieres sind erste Schritte dafür. Weitere Behandlungsmöglichkeiten. 
  • Es gibt mehrere Institutionen und Bücher, welche Eltern mit depressiven Kindern zur Seite stehen. Direkt zu den Links.  

Jeder Mensch hat in seinem Leben schon mal den Satz gehört: «Warum bist du denn heute so depressiv drauf?» Depressionen sind kein momentaner Gemütszustand, sondern eine erstzunehmende Krankheit. Die Symptome werden in psychische Verhaltensmerkmale und körperliche Auffälligkeiten eingeteilt. Diese sind vielfältig und je nach Alter bei jedem Menschen verschieden.

Säuglinge und Kleinkinder wirken traurig, drücken sich durch übermässiges Schreien und Weinen aus und wirken passiv. Diese Merkmale sind oft gepaart mit gestörtem Essverhalten und Schlafproblemen. Depressive Kinder im Kindergartenalter haben manchmal Probleme mit Einnässen und Einkoten, motorischen Entwicklungsrückständen oder Albträumen. Sie wirken traurig, reagieren gereizt oder aggressiv oder ziehen sich allgemein zurück.

Jedes Kind in dieser Altersspanne wird einmal traurig sein, in die Hose machen oder vor Wut ein Buch auf den Boden werfen. Dieses Verhalten ist absolut normal und deutet noch nicht auf eine Erkrankung oder auf eine depressive Verstimmung hin. Bei depressiven Kindern treten typische Symptome besonders oft oder sehr ausgeprägt auf.

Wenn Kinder in die Schule kommen, treten die Anzeichen noch deutlicher hervor als im Kindergartenalter. Zusätzlich zum traurigen, niedergeschlagenen Verhalten kommen weitere Symptome und körperliche Beschwerden dazu: Kopf- und Bauchschmerzen, Einnässen und Einkoten und Schlafprobleme.

Depressionen und Burnout in der Pubertät

Probleme, Liebeskummer, Traurigkeit und Melancholie sind bei Teenagern keine Symptome für eine schwere Depression. Sie gehören in erster Linie zum Teenageralter wie der erste Rausch. Jugendliche verkriechen sich während ihrer Pubertät gerne ins Zimmer, hören schwermütige Musik und reden manchmal tagelang kein Wort mit den nervenden Eltern. Das alles ist im Rahmen.

Eine genaue Erklärung, wann ein Jugendlicher nicht mehr normal «pubertätstraurig» sondern «depressivtraurig» ist, gibt es nicht. Es ist wichtig, dass immer noch eine Kommunikation mit dem eigenen Kind möglich ist.

Auch wenn Eltern fünfmal einen Korb bekommen und die Jugendlichen nicht mit ihnen über ihre Probleme reden wollen, so erfahren sie doch – Mama und Papa sind interessiert an mir, was ein Gefühl von Geborgenheit verspricht. Diese Erkenntnis bestärkt die Heranwachsenden schon ungemein. Viele Kinder und Jugendliche bauen depressives Verhalten auf, weil sie möglicherweise Emotional verwirrt sind, sich verlassen und einsam fühlen und stark darunter leiden.

Auch die Angst, nicht dazuzugehören, kann zu depressiven Episoden führen. Sobald Eltern aber ernsthaft besorgt sind und sich nicht mehr zu helfen wissen, sollten sie sich Rat und notfalls Hilfe holen. Eventuell kann ein Burnout-Syndrom vorliegen, wenn sich die Jugendlichen völlig leer und verausgabt fühlen.

Der Jugend- oder Hausarzt ist in diesen Fällen der richtige erste Ansprechpartner für eine Diagnose und eine mögliche Therapie, welche die psychische Gesundheit des Jugendlichen wieder gewährleistet. 

Ursachen für Depressionen bei Kindern

«Woher kommts?» fragen sich viele Eltern. Ursachen einer Erkrankung können unter anderem Veranlagung, depressive Eltern, Vernachlässigung, Konflikte in der Familie und ein schwaches Selbstbewusstsein sein. Der richtige Umgang innerhalb der Familie spielt eine grosse Rolle. Wenn Eltern den emotionalen Grundbedürfnissen ihrer Kinder wie Liebe, Zuwendung, Fürsorge und Akzeptanz nachkommen, legen sie den Grundstein für eine gesunde Psyche.

Im Fachbuch «Depressionen im Kindes- und Jugendalter» werden mögliche negative Auswirkungen von falschem Umgang aufgeführt: Studien zeigen, dass in Familien mit einem depressiven Kind über ein höheres Ausmass an Konflikten berichtet wird. Zudem zeigt sich, dass diese Familien häufig weniger unterstützend sind und auch in Bezug auf den Kommunikationsstil und die angewendeten Problemlösungsstrategien ungünstiger verfahren als Familien mit gesunden Kindern.

Diagnose einer depressiven Erkrankung

Eltern oder Erzieher tun sich manchmal schwer das veränderte Verhalten einzuordnen. War das Kind schon immer etwas schüchtern, ist das kein Grund sich plötzlich über eine depressive Erkrankung Sorgen zu machen. Bestimmte Umstände, wie ein Umzug oder der Tod eines Haustieres belasten Kinder. Trauriges Verhalten oder Zurückgezogenheit ist jetzt normal. Von diesen Situationen betroffene Kinder und Jugendliche kommen auch ohne Behandlungen oder Therapien häufig wieder darüber hinweg.  

Gibt es allerdings keinen besonderen Grund und das Lieblingsspielzeug bleibt trotzdem in der Ecke liegen, das Kind empfindet keine Freude mehr und lacht sehr selten, sollten sich Mutter und Vater untereinander austauschen:

  • Ist dem Partner dasselbe aufgefallen?
  • Wie empfindet er das Kind, leidet es?
  • Wie sieht es die Erzieherin im Kindergarten?

Eltern sollen auf ihr Gefühl hören, ob es gut oder förderlich ist, den Nachwuchs auf das veränderte Verhalten anzusprechen. Ein Fünfjähriges versteht die Frage seiner Mutter - Ich sehe dich nicht mehr oft lachen, du sitzt oft auf dem Bett und möchtest nichts spielen. Macht dich was traurig? – und kann darauf antworten.

Vielleicht steckt nur eine Kleinigkeit dahinter, wie dass die Lieblingserzieherin den Kindergarten verlässt oder die beste Freundin im Kindergarten lieber mit einem anderen Kind spielt. Diese Gründe sind für rationell denkende, erwachsene Menschen Bagatellen, sie verstehen die Dramatik dahinter nicht.

Jungen und Mädchen in diesem Alter leben in einem kleinen Kosmos: Die Familie und der Kindergarten. Verändert sich dort etwas, sind sie leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, was schnell zu Niedergeschlagenheit führen kann. Dies ist im Leben eines Erwachsenen damit vergleichbar, wenn in der Firma viele Stellen abgebaut werden.

Behandlung von Depressionen bei Kindern

Viele Eltern, deren Kind sich stark verändert hat oder schon immer typische Anzeichen von Depressionen aufweist, werden mit Skepsis vonseiten des Fachpersonals konfrontiert. Manche Erzieher oder Lehrer haben wenig Ahnung von depressiven Jugendlichen und Kindern, manche Hausärzte sind bei solchen Patienten der Meinung «aus dem Verhalten wächst das Kind raus».

Eltern sollten auch hier auf ihre Intuition hören. Sie kennen das Kind am besten, sehen und erleben täglich die körperliche und psychische Verfassung des jungen Menschen. Deshalb haben sie eine wichtige Rolle in Sachen Diagnose und Genesung. Beratungsstellen und Kinder- und Jugendtherapeuten sind gute und kompetente Anlaufstellen bei möglichen psychischen Erkrankungen.

Steht die Diagnose der Erkrankung erst mal fest, haben betroffene Eltern einen Anhaltspunkt, sie wissen nun, was mit ihrem Kind los ist. Nun können sie sich mit der Heilung und Unterstützung des Patienten beschäftigen. Es ist sehr wichtig, dass Eltern über genügend Kenntnisse bezüglich der Erkrankung verfügen, nur so können sie angemessen reagieren. Fachbücher über psychische Erkrankungen, Gespräche mit dem Facharzt oder anderen Betroffenen sind eine gute Hilfe.

Ein förderliches Verhalten von Eltern ist freilich nur ein Baustein von vielen. Der Arzt legt die richtige Behandlung oder Therapie fest, die Möglichkeiten sind vielfältig: Gespräche beim Kinder- und Jugendtherapeut, Klinikaufenthalt oder medikamentöse Behandlung. Eine professionelle Behandlung der Krankheit ist sehr wichtig, dennoch sollte die Krankheit nicht zum vorherrschenden Thema werden.

Mit Spass und Freunde am Leben kann das Kind zusätzlich während der depressiven Episode unterstützt werden. Möglichkeiten dazu sind: Gemeinsame Besuche im Schwimmbad, die Anschaffung eines Haustiers, eine neue Sportart, lernen eines Instruments oder lustige Spieleabende.

Weitere Tipps zum Thema depressive Kinder und Jugendliche

  • Als erste Anlaufstellen eignet sich der Kinder- oder Hausarzt. Er hat Adressen und Ansprechpartner aus Ihrer umliegenden Gegend.
  • Beim Elternotruf gibt es Hilfestellung bei Ängsten und Sorgen der Eltern, sowie bei konkreten Problemen mit den Kindern.