Wenn Liebeskummer dem Kind den Boden unter den Füssen wegzieht

Verweint liegt der Teenager auf dem Bett und starrt stundenlang vergeblich auf das Display des Handys. Kein Anruf, keine SMS, stattdessen Funkstille – und Liebeskummer! Klar, dass Eltern so gut wie möglich ihrem Kind helfen wollen. Doch oft lindern gut gemeinte Worte den Schmerz nicht; Zuhören hilft mehr!

Wenn Liebeskummer dem Kind den Boden unter den Füssen wegzieht

Wenn Liebeskummer dem Kind den Boden unter den Füssen wegzieht, kann ein einfühlsames Gespräch helfen. Foto: Photodisc, Ryan McVay, Thinkstock

Herrje, das eigene Kind, jahrelang gehegt und gepflegt, ist zu einem Häufchen Elend zusammengebröselt. Traurig starrt es auf die Wand – oder sein Handy, das Funkstille mit dem Liebsten oder der Angebeteten signalisiert. Da werden schmerzhafte Erinnerungen an den eigenen Liebeskummer wach, der einem einst selbst den Boden unter den Füssen wegzog.

Liebeskummer: Lebensweisheiten für sich behalten

Wer je betroffen war, weiss, dass selbst der schlimmste Liebeskummer vergeht. Dass sich die Erde danach weiter dreht – vielleicht sogar schneller und bunter. Und dass es viele andere schöne Jungs und kluge Mädchen auf der Welt gibt. Kein Wunder, dass Sprüche wie «Morgen sieht die Welt schon anders aus!», «Ach, so schlimm ist das doch gar nicht!» «Mit der Zeit kommt schon noch der Richtige!» schnell über die Lippen rutschen. Eltern mögen damit Recht haben. Doch ist es besser, solche Weisheiten für sich zu behalten, denn dem Teenager helfen sie wenig. Nur allzuschnell gewinnt er das Gefühl, die Eltern versuchten, seinen Schmerz klein zu reden. Kurzum: Er fühlt sich nicht ernst genommen. So wird das ohnehin verletzte Selbstwertgefühl weiter angekratzt.

Darüber hinaus wehren sich Kinder in der Pubertät ohnehin gegen Lebensweisheiten ihrer Eltern, die allzu leicht überheblich wirken. Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge: «Überheblichkeit ist der sicherste Weg, Kinder verstummen zu lassen.» Kinder wollen ihre eigenen Erfahrungen machen und müssen das auch.

Liebeskummer: Zuhören hilft am besten

Ach, wie leicht war es doch früher, das Kind zu trösten! Auf Mamas oder Papas Schoss war die Welt in Ordnung, dort war jeder Kummer schnell wie weggepustet. Doch auch jetzt gibt es einen Weg, dem Kind zu helfen, mit dem Liebeskummer besser zurecht zu kommen. «Das Wichtigste ist, für sein Kind da zu sein und seine Gefühle ernst zu nehmen», darauf weist auch Elisabeth Raffauf, Autorin des Ratgebers «Pubertät heute» (Beltz Verlag) hin.

Zuhören kann Wunder wirken! Wer zuhört statt zu reden, unterstützt sein Kind, einen eigenen Weg aus der Krise zu finden. Gut zuzuhören bedeutet, sich mit Kommentaren über den Liebeskummer zurückzuhalten, stattdessen hin und wieder zusammenzufassen, was man selbst verstanden hat. So erfährt das Kind, dass sich die Eltern ernsthaft Mühe geben zu verstehen, was es sagen will.
Mehr zur Kunst des aktiven Zuhörens finden Sie hier.

Auch Kinder dürfen schweigen

Gutes Zuhören ist oft der Schlüssel zum verschlossenen Kind. Will es trotzdem nicht über seinen Liebeskummer reden, sollten Eltern nicht beleidigt reagieren. Es ist sein Recht zu schweigen. Wer ihm deshalb Schuldgefühle vermittelt, bereitet ihm zu seinem Liebeskummer ein weiteres Problem.

«Manchmal müssen die Eltern auch einen Schritt zurücktreten - und zwar ohne gekränkt zu sein», so Elisabeth Raffauf. In vielen Fällen seien sie gerade bei diesem Thema nicht die richtigen Ansprechpartner. Vielleicht mag das Kind lieber mit der Tante oder dem Onkel reden?

Liebeskummer: So helfen Sie Ihrem Kind

Neben Zuhören gibt es noch weitere Möglichkeiten, dem Kind zu helfen:

Von eigenen Erfahrungen erzählen

Erzählen Sie Ihrem Kind ganz ehrlich und ohne erhobenen Zeigefinger auf Augenhöhe von Ihrem eigenen Liebeskummer, den sie erlebt haben, wodurch er ausgelöst wurde, wie lange er gedauert hat, wie Sie sich gefühlt haben und wie Sie ihn schliesslich überwunden haben. Lassen Sie Ihr Kind eigene Schlussfolgerungen ziehen. Ihm wird auf diese Weise bewusst, dass Liebeskummer ein durchaus verbreitetes Phänomen ist, das sich meistern lässt.

Eigene Lösungen respektieren

Ihre Tochter telefoniert stundenlang mit der besten Freundin? Ihr Sohn hört laut Musik? Lassen Sie Ihr Kind einfach tun, was ihm am besten über Liebeskummer hinweg hilft.

Ablenkungsversuche

Was unternimmt Ihr Kind wirklich gern? Begleiten Sie es ins Kino. Nehmen Sie es mit zu einem Konzert. Gehen Sie zusammen shoppen. So kommt Ihr Teenager vorübergehend auf ein paar andere Gedanken.

Hilfreiche Geschenke

Ein Geschenk sagt oft mehr als Worte. Wer seinem Kind einen neuen Band seines Lieblingsbuches, eine coole CD oder ein Tagebuch schenkt, in dem es seine Gedanken über seinen Liebeskummer ordnen kann, zeigt ihm: «Ich hab dich lieb!»

 

«Ich bin da für Dich!»

Das Kind mit seinem Liebeskummer ernst zu nehmen, bedeutet nicht, mit ihm in eine Krise zu schlittern. Eltern dürfen selbst ihrer Lebenserfahrung trauen. Liebeskummer erwischt jeden mindestens ein Mal im Leben. Und wer ihn überstanden hat, ist ein Stück stärker und weiser geworden. Eltern dürfen in der Regel ihrem Kind ruhig zutrauen, mit der Krise fertig zu werden, auch wenn es Zeit braucht. Bis dahin hilft das Signal: «Wenn du mich brauchst, ich bin da für dich!»

 

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