Kinderwunsch > Schwanger werdenDu willst die Pille absetzen? Was mit deinem Körper und Zyklus passiert – und worauf du danach achtest Julia Wohlgemuth Die Pille ist eines der meistgenutzten Verhütungsmittel – und immer mehr Frauen setzen sie ab. Der Zyklus braucht danach oft ein paar Monate, bis er sich einpendelt. Auf die Fruchtbarkeit wirkt die Pille nach dem Absetzen dagegen nicht mehr: Mit dem Absetzen ist sie nicht mehr wirksam, die volle Fruchtbarkeit ist wieder gegeben [2]. Ein Wartezyklus ist fachlich nicht nötig. Hier liest du, was in deinem Körper passiert, welche Nebenwirkungen wirklich belegt sind, worauf du bei Kinderwunsch achtest – und wie du weiterverhütest, wenn du gerade nicht schwanger werden willst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Wenn du die Pille absetzt, stellt sich dein Zyklus um. Bild: Toeps/iStock Pille absetzen: Das Wichtigste in Kürze Besprich das Absetzen am besten schon vorher in der Praxis: Eine Beratung wirkt am meisten, wenn sie stattfindet, bevor du die Verhütung absetzt. Mehr dazu. Pille absetzen bei Kinderwunsch? Schwanger werden kannst du sofort. Eine Regenerationszeit einzulegen, ist nicht nötig. Lies mehr. Ein gesunder Lebensstil hilft in der Umstellungsphase. Folsäure gehört schon vor die Schwangerschaft. Hier findest du mehr. Typische Beschwerden nach dem Absetzen sind Hautunreinheiten, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Haarausfall. Mehr dazu. Die Pille greift in den weiblichen Hormonhaushalt ein. Kombinationspräparate enthalten ein künstliches Östrogen und ein Gestagen und hemmen damit zuverlässig den Eisprung [2]. Ohne Eisprung ist eine Schwangerschaft nicht möglich. Wer die Pille nimmt, hat deshalb auch keinen eigenen Zyklus mehr: Statt einer Periode kommt es in der Pause zu einer Abbruchblutung. Wie ein Zyklus ohne Hormone abläuft, liest du im Beitrag Zyklus der Frau erklärt. Die Pille wirkt auf den ganzen Körper. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Stimmungsschwankungen, Brustspannen, Libidoverlust und Zwischenblutungen; selten kommt es zu Thrombosen und sehr selten zu schweren Komplikationen wie einer Lungenembolie [2]. Jede Frau erlebt das anders. Aufgrund eines Kinderwunsches oder wegen der Nebenwirkungen setzen immer mehr Frauen die Pille ab. Das solltest du darüber wissen. Pille absetzen: So gehst du vor Sprich vorher mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Die Praxis kennt deine Vorgeschichte und kann dich entsprechend beraten. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt eine solche Beratung ausdrücklich schon für den Zeitpunkt, bevor die Verhütung abgesetzt wird – denn manche Massnahmen brauchen Wochen bis Monate, bis sie wirken [1]. Die angebrochene Packung darfst du zu Ende nehmen, musst du aber nicht. Wichtiger ist die Frage danach: Willst du schwanger werden – oder brauchst du ab sofort eine andere Verhütung? Denn ohne Pille bist du ab dem Absetzen wieder fruchtbar [2]. Wenn kein Kinderwunsch besteht, entscheide dich also vor dem Absetzen für eine neue Methode. Einen Überblick gibt der Beitrag Hormonfreie Verhütung: Die 5 wichtigsten Methoden. Das passiert mit deinem Körper, wenn du die Pille absetzt Nach dem Weglassen der künstlich zugeführten Hormone muss sich der eigene Hormonhaushalt erst wieder einspielen. Der Körper nähert sich seinem natürlichen Zyklus an. Der sieht bei jeder Frau etwas anders aus und ist oft unregelmässiger als der von der Pille getaktete. Wer vor der Pille starke Menstruationsbeschwerden hatte, wird diese nach dem Absetzen wieder erleben. Gleiches gilt für zyklusbedingte Stimmungsschwankungen oder Hautprobleme. Es geschieht aber auch Positives: Viele Frauen berichten von einer gesteigerten Libido und einem besseren Körpergefühl, sobald der eigene Zyklus wieder läuft. So lange braucht der Körper für die Umstellung Bei den meisten Frauen pendelt sich der Zyklus innerhalb der ersten Monate ein. Diese Umstellung ist aber nicht dasselbe wie die Fruchtbarkeit: Die ist mit dem Absetzen sofort wieder da. Eine Ausnahme unter den hormonellen Methoden ist die Dreimonatsspritze – sie wirkt als Depotpräparat teils länger nach, und es kann 6 bis 12 Monate dauern, bis die Periode wieder regelmässig kommt [2]. Pille absetzen bei Kinderwunsch Du möchtest eine Familie gründen und darum die Pille absetzen? Dann gibt es keinen fachlichen Grund, erst einige Zyklen verstreichen zu lassen. Eine grosse prospektive Kohortenstudie mit 13'460 Teilnehmerinnen fand für Kombinationspillen, Gestagenpräparate, Hormon- und Kupferspiralen, Ringe und Implantate keinen Zusammenhang zwischen der zuletzt genutzten Verhütung und dem Risiko einer Fehlgeburt [5]. Der oft gehörte Rat, nach dem Absetzen noch ein paar Monate mit Kondom zu verhüten, damit sich die Gebärmutterschleimhaut «erholt», ist damit überholt. Sinnvoll ist die Vorbereitungszeit trotzdem – nur aus anderen Gründen. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt vor einer geplanten Schwangerschaft [1]: Folsäure: mindestens 400 Mikrogramm pro Tag, beginnend mindestens einen Monat vor der Empfängnis. Fang damit an, sobald du schwanger werden möchtest oder könntest – das Neuralrohr des Kindes schliesst sich in den ersten Wochen. Mehr dazu im Beitrag Folsäure in der Schwangerschaft. Impfstatus prüfen lassen, etwa für Masern-Mumps-Röteln, Varizellen und Hepatitis B. Zahngesundheit prüfen lassen: Eine unbehandelte Parodontitis ist mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburt und Wachstumsverzögerung des Kindes verbunden. Eisen abklären lassen, wenn Anzeichen für einen Mangel bestehen – etwa sehr starke Blutungen. Eine Eisensubstitution für alle Frauen wird ausdrücklich nicht empfohlen. Pille abgesetzt: Wann kann ich schwanger werden? Grundsätzlich ab dem ersten Zyklus nach dem Absetzen [2]. In der Praxis dauert es oft ein paar Wochen, bis sich ein Zyklus mit Eisprung und Blutung eingestellt hat, und der Eisprung kann sich anfangs verspäten. Zur Einordnung: Ist die Frau unter 40 und hat das Paar regelmässig ungeschützten Geschlechtsverkehr, werden 80 Prozent aller Paare innerhalb eines Jahres schwanger [1]. So wirst du schneller schwanger nach dem Absetzen Behalte deinen Zyklus im Auge. Das geht zum Beispiel mit natürlicher Familienplanung: Anhand von Temperaturmessungen und Beobachtungen des Zervixschleims findest du heraus, wann deine fruchtbaren Tage sind. Und wann gehört es abgeklärt? Bei unerfülltem Kinderwunsch empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eine Abklärung nach 12 Monaten; ab 35 Jahren je nachdem bereits nach 6 Monaten [1]. Was dann untersucht wird, liest du im Beitrag Unerfüllter Kinderwunsch: Warum werde ich einfach nicht schwanger?. Pille abgesetzt, aber keine Periode Bleibt die Blutung nach dem Absetzen länger aus, wird das oft «Post-Pill-Amenorrhö» genannt. Der Name legt nahe, die Pille sei die Ursache – fachlich gedeckt ist das nicht: Mit dem Absetzen ist die Pille nicht mehr wirksam [2]. Warte deshalb nicht ab, sondern lass es abklären. Hinter einer ausbleibenden Periode stecken häufig andere Gründe: an erster Stelle eine Schwangerschaft, daneben Hormonstörungen, starkes Unter- oder Übergewicht, Stress oder Erkrankungen der Geschlechtsorgane. Bei Kinderwunsch ist die Abklärung besonders wichtig, damit keine Zeit verloren geht. Pille absetzen: Tipps und Erfahrungen Die Umstellung kann anstrengend sein: Der Körper muss ohne zugeführte Hormone wieder selbst takten. Auf einen besonders gesunden Lebensstil zu achten, ist in dieser Zeit sinnvoll – genug Schlaf, regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung. Ein verbreiteter Ratschlag gehört allerdings eingeordnet: Dass nach dem Absetzen der Pille «sehr wahrscheinlich» ein Vitaminmangel vorliegt und ein Blutbild das klärt, ist so nicht richtig. Ein Blutbild misst Blutzellen, keine Vitamine. Statt pauschal Werte bestimmen zu lassen, gilt bei Kinderwunsch die gezielte Empfehlung: Folsäure einnehmen [1] und Eisen nur dann abklären lassen, wenn es Anhaltspunkte für einen Mangel gibt. Achtsamkeit dem eigenen Körper gegenüber hilft: Die Beschwerden nach dem Absetzen sind vielfältig und sehen bei jeder Frau anders aus. Beobachte dich gut, führe bei Bedarf ein Zyklustagebuch – und such bei Unsicherheiten oder länger andauernden Beschwerden eine Fachperson auf. Hormonfrei verhüten: Das spricht dafür – und das musst du mitbedenken Wer die Pille absetzt und nicht schwanger werden will, braucht ab sofort eine Alternative. Hormonfreie Methoden haben klare Vorzüge, aber auch Grenzen – beides gehört in die Entscheidung. Dafür spricht: Kein Eingriff in den Hormonhaushalt, der eigene Zyklus läuft weiter. Bei der Kupferspirale kein Einfluss auf Herz-Kreislauf-System, Stimmung und Körpergewicht, und kein erhöhtes Thromboserisiko [2]. Wer mit der symptothermalen Methode verhütet, lernt durch die Selbstbeobachtung den eigenen Zyklus gut kennen. Das musst du mitbedenken: «Hormonfrei» heisst nicht «nebenwirkungsfrei»: Unter der Kupferspirale kann die Periode stärker und länger werden, und die Regelschmerzen können zunehmen [2]. Die Sicherheit unterscheidet sich deutlich. Gemessen am Pearl-Index liegen Kupferspiralen bei 0,2 bis 1,0 – ähnlich sicher wie die Pille mit 0,5 bis 0,9. Kondom und Diaphragma liegen dagegen bei 3 bis 15, das Spermizid allein bei 29 [2]. Vor sexuell übertragbaren Infektionen schützt nur das Kondom – keine andere Methode, hormonell oder nicht [2]. Pille absetzen: Das sind die Nebenwirkungen Nach dem Absetzen berichten viele Frauen von Hautunreinheiten, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden. Auch Stimmungsschwankungen kommen vor: Reizbarkeit, Aggressivität oder grosse Rührseligkeit. Auslöser sind die natürlichen Schwankungen des Hormonspiegels im eigenen Zyklus. In aller Regel sind diese Beschwerden vorübergehend und pendeln sich nach einigen Monaten ein. Haarausfall nach Absetzen der Pille? Nach dem Absetzen kann es zu Haarausfall kommen. Der Körper muss sich wieder daran gewöhnen, bestimmte Hormone selbst zu bilden. Meist reguliert sich das innerhalb einiger Monate. Bleibt der Haarausfall bestehen oder wird er stärker, gehört er ärztlich abgeklärt – dahinter kann auch ein Eisen- oder Schilddrüsenproblem stecken. Pille absetzen, um abzunehmen? Als Abnehmstrategie taugt das Absetzen nicht. Ein Cochrane-Review von 2014 wertete Studien zu 52 verschiedenen Präparatepaaren aus und fand keinen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Kombinationspräparaten und Gewichtsveränderung; die Datenlage reichte nicht für ein abschliessendes Urteil, ein grosser Effekt war aber nicht erkennbar [4]. Auch die Broschüre der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie am Universitätsspital Zürich führt eine Gewichtszunahme bei Kombinationspräparaten nicht unter den möglichen Nachteilen auf [2]. Wenn nach dem Absetzen die Waage weniger anzeigt, kann das an vielem liegen – ein verlässlicher Effekt der Pille ist es nicht. Der Einfluss der Pille auf die Psyche Dass die Pille auf die Stimmung wirken kann, ist unbestritten – Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen gehören zu den bekannten Nebenwirkungen [2]. Häufig zitiert wird dazu eine dänische Registerstudie mit über einer Million Frauen. Ihre Zahlen werden allerdings oft übertrieben wiedergegeben: Für Anwenderinnen von Kombinationspillen lag das relative Risiko, erstmals ein Antidepressivum verschrieben zu bekommen, bei 1,23 – also rund 23 Prozent höher als bei Nichtanwenderinnen, nicht doppelt so hoch. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren fiel der Wert mit 1,8 deutlich höher aus, und mit steigendem Alter nahm er ab [3]. Wichtig zur Einordnung: Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang, keinen bewiesenen Ursache-Wirkung-Zusammenhang. Wenn du unter der Pille eine Stimmungsveränderung bemerkst, ist das trotzdem ein guter Grund, das in der Praxis anzusprechen. Quellen gynécologie suisse / SGGG, Kommission Qualitätssicherung: Expertenbrief Nr. 92: Präkonzeptionsberatung – «Preconception Care» (ersetzt Nr. 33), Stand 2025. Abgerufen am 10.08.2026. UniversitätsSpital Zürich, Klinik für Reproduktions-Endokrinologie: Verhütung? Aber sicher! Broschüre, Ausgabe 04/2025. Abgerufen am 10.08.2026. Skovlund CW et al.: Association of Hormonal Contraception With Depression. JAMA Psychiatry, 2016 (dänische Registerstudie, internationale Quelle). Abgerufen am 10.08.2026. Gallo MF et al.: Combination contraceptives: effects on weight. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014 (internationale Quelle). Abgerufen am 10.08.2026. Wesselink AK et al.: Preconception contraceptive use and miscarriage: prospective cohort study. BMJ Medicine, 2023 (internationale Quelle). Abgerufen am 10.08.2026.