Zum Inhalt
Kinderwunsch > Unfruchtbarkeit

Ein Spermiogramm gibt Aufschluss über die Samenqualität – so wird die Probe aussagekräftig

Beim Mann steht am Anfang der Kinderwunsch-Abklärung fast immer dieselbe Untersuchung: das Spermiogramm. Wie viel es aussagt, entscheidet sich aber schon vorher. Karenzzeit, Probengewinnung und der Weg ins Labor bestimmen mit, ob das Ergebnis brauchbar ist. Hier liest du, worauf es dabei ankommt und warum ein Schnelltest für zu Hause das nicht leistet.

Ein Spermiogramm kann helfen, Gründe für eventuelle Unfruchtbarkeit zu finden.
Ein Spermiogramm kann helfen, die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch zu finden. Foto: shironosov, iStock, Thinkstock

Ab wann ein Spermiogramm fällig ist

Von Unfruchtbarkeit spricht die Weltgesundheitsorganisation, wenn eine Schwangerschaft nach zwölf Monaten regelmässigem Geschlechtsverkehr ohne Verhütung ausbleibt.[1] Das ist der übliche Zeitpunkt, um mit der Abklärung zu beginnen. Und zwar bei beiden: Bei rund der Hälfte der betroffenen Paare lässt sich ein männlicher Faktor nachweisen, bei etwa jedem fünften ist er die alleinige Ursache.[2] Das Spermiogramm ist dabei die erste und einfachste Untersuchung.

Wie die vollständige Abklärung beim Mann abläuft und wie du deinen Befund liest, steht in einem eigenen Beitrag: Spermiogramm und Abklärung beim Mann. Hier geht es um den Schritt davor, um die Probe selbst.

Karenzzeit: zwei bis sieben Tage

Vor der Untersuchung sollst du eine Weile nicht ejakulieren. Aber eben nur eine Weile. Das WHO-Laborhandbuch nennt mindestens zwei und höchstens sieben Tage.[3] Schweizer Kliniken setzen den Rahmen enger: Am Universitätsspital Zürich gelten zwei bis fünf Tage als ideal.[4]

Länger ist also nicht besser. Wer wochenlang wartet, liefert zwar mehr Spermien ab, dafür sind mehr davon alt und unbeweglich. Halte dich deshalb an die Vorgabe deines Labors und merke dir, wie viele Tage es tatsächlich waren: Diese Angabe gehört in den Befund und wird bei der Beurteilung mitgelesen.

Die Probe abgeben: was das Ergebnis verfälscht

Gewonnen wird die Probe durch Masturbation, das ist die Standardempfehlung der WHO. Unterbrochener Geschlechtsverkehr eignet sich nicht, weil dabei leicht ein Teil verloren geht und Scheidenflüssigkeit hineingelangt. Spezielle Kondome für Fruchtbarkeitsuntersuchungen sind ein Notbehelf für Ausnahmefälle. Gewöhnliche Verhütungskondome kommen nicht in Frage: Sie enthalten Stoffe, die Spermien schädigen.[3]

An diesen fünf Punkten scheitert eine Probe besonders oft:

  • Unvollständige Probe: Der erste Teil des Ergusses enthält die meisten Spermien. Geht ausgerechnet er daneben, verfälscht das jeden Wert. Sag dem Labor, wenn etwas verloren gegangen ist.
  • Falsches Gefäss: Nimm den Becher, den dir das Labor gibt. Er stammt aus einer Charge, die auf Verträglichkeit geprüft wurde. Ein beliebiges Glas aus der Küche ist das nicht.
  • Gleitmittel: weglassen. Es verändert die Eigenschaften der Probe.[3]
  • Fieber und Infekte: Eine Erkrankung in den letzten drei Monaten drückt die Werte, vor allem mit Fieber. Melde sie, sonst wird ein vorübergehender Einbruch als Befund gelesen.
  • Medikamente: Antibiotika und Schmerzmittel wirken sich aus. Nimm eine Liste dessen mit, was du einnimmst.[4]

Der Transport: höchstens eine Stunde, zwischen 20 und 37 Grad

Am einfachsten ist die Abgabe in einem Raum direkt beim Labor. Dann beginnt die Untersuchung im Idealfall innerhalb von 30 Minuten, spätestens nach einer Stunde.[3] Genau darum bieten Kliniken diese Räume an, auch wenn die Vorstellung erst einmal unangenehm ist.

Zu Hause geht es ebenfalls, aber dann zählt jede Minute. Die Probe soll das Labor möglichst innerhalb einer halben Stunde erreichen und keinesfalls später als 50 Minuten nach der Abgabe. Die Temperatur darf dabei nicht unter 20 und nicht über 37 Grad liegen. Die WHO empfiehlt, das Gefäss unter der Kleidung am Körper zu tragen, etwa in der Achselhöhle.[3] Im Winter ist das kein Detail: In der Manteltasche kühlt eine Probe rasch unter die Grenze aus.

Dass das Ejakulat zuerst geleeartig ist, ist übrigens normal. Bei Raumtemperatur verflüssigt es sich meist innerhalb von 15 bis 30 Minuten.[3] Erst danach kann das Labor überhaupt messen.

Warum ein Selbsttest für zu Hause kein Spermiogramm ist

In Apotheken und im Onlinehandel gibt es Schnelltests, die die Zeugungsfähigkeit in wenigen Minuten klären sollen. Das können sie nicht. Ein Spermiogramm beurteilt Volumen, Spermienkonzentration, Gesamtzahl im Ejakulat, Beweglichkeit, Vitalität, Form der Spermien und den Nachweis von Entzündungszellen.[4] Ein Heimtest beantwortet davon in aller Regel eine einzige Frage: ob die Spermienkonzentration über einem Schwellenwert liegt. Was er genau misst, steht auf der Packung. Lies es nach, bevor du ein Ergebnis deutest.

Beide Ausgänge führen in die Irre. Ein guter Wert sagt nichts über Beweglichkeit und Form aus, und beides entscheidet mit darüber, ob eine Samenzelle die Eizelle erreicht. Ein schlechter Wert erschreckt, ohne etwas zu erklären. In beiden Fällen brauchst du danach trotzdem eine richtige Ejakulatanalyse.

Was die Zahlen im Befund bedeuten und was nicht

Massgeblich ist heute die sechste Auflage des WHO-Laborhandbuchs zur Untersuchung des Ejakulats, erschienen im Juli 2021.[2] Sie löst die fünfte Auflage von 2010 ab. Ältere Ratgeber, Foreneinträge und auch Testverpackungen nennen bis heute die Werte der Vorgängerauflagen, was die Verwirrung erklärt.

Die sechste Auflage führt als fünfte Perzentile unter anderem auf: 1,4 Milliliter Volumen, 16 Millionen Spermien pro Milliliter, 39 Millionen im gesamten Erguss, 42 Prozent bewegliche und 4 Prozent normal geformte Spermien.[3]

Diese Zahlen sind keine Grenze zwischen fruchtbar und unfruchtbar. Die WHO hält das ausdrücklich fest, und die Europäische Gesellschaft für Urologie wiederholt es in ihrer Leitlinie.[2][3] Die Werte stammen von Männern, deren Partnerin innerhalb eines Jahres auf natürlichem Weg schwanger wurde. Fünf Prozent dieser Männer lagen darunter. Es kommt also zu Schwangerschaften, obwohl die Werte nicht stimmen, und sie bleiben aus, obwohl sie stimmen. Wie sich ein einzelner Befund einordnen lässt, steht ausführlich in unserem Beitrag zur Abklärung beim Mann.

Ein einzelnes Spermiogramm entscheidet nichts

Die Samenqualität schwankt, und zwar auch bei fruchtbaren Männern erheblich. Fällt der erste Befund auffällig aus, empfiehlt das Universitätsspital Zürich deshalb ein zweites Spermiogramm drei Monate später.[4] Der Abstand ist kein Zufall. Etwa so lange dauert es, bis neue Samenzellen fertig gereift sind.

Diese Wartezeit lässt sich nutzen. Rauchstopp, weniger Alkohol, ein normales Körpergewicht und weniger Hitze im Schritt sind die Ansatzpunkte; konkrete Vorschläge findest du im Beitrag Spermienqualität verbessern. Bestätigt sich ein auffälliger Befund, folgen körperliche Untersuchung, Hormonwerte und je nach Lage genetische Abklärungen. Welche Ursachen dahinterstecken können und was sich behandeln lässt, beschreibt der Artikel Wenn die Zeugungsfähigkeit eingeschränkt ist. Über die Verfahren der künstlichen Befruchtung informiert ein weiterer Beitrag.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Infertility. Fact Sheet, 28.11.2025 (abgerufen am 21.08.2026).
  2. European Association of Urology (EAU): EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health – Male Infertility. Europäische Leitlinie (abgerufen am 21.08.2026).
  3. Weltgesundheitsorganisation (WHO): WHO laboratory manual for the examination and processing of human semen. 6. Auflage, Genf 2021 (abgerufen am 21.08.2026).
  4. Universitätsspital Zürich, Klinik für Reproduktions-Endokrinologie: Spermiogramm (abgerufen am 21.08.2026).

0 Kommentare

?

Meistgelesene Artikel

Anmelden oder Registrieren

Melde dich kostenlos an und diskutiere mit anderen Eltern und speichere deine Artikel.
Anmelden Registrieren

Speichere deine Artikel

Logge dich ein oder erstelle einen Account und du kannst deine Artikel für später speichern.
Anmelden Registrieren