Kinderwunsch > UnfruchtbarkeitWie Mönchspfeffer bei Kinderwunsch helfen kann – und wo seine Grenzen liegen Julia Wohlgemuth Früher sollte das Kraut Mönchen beim Keuschbleiben helfen, heute greifen viele Frauen mit Kinderwunsch dazu. In der Schweiz ist Mönchspfeffer allerdings gegen prämenstruelles Syndrom und Zyklusstörungen zugelassen [1] – nicht gegen Unfruchtbarkeit. Was das Kraut kann, was nicht belegt ist und ab wann dein Kinderwunsch in eine Abklärung gehört. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Mönchspfeffer ist in der Schweiz bei Zyklusbeschwerden zugelassen. Foto: iStockphoto, Thinkstock Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) ist ein Strauch, der im Mittelmeerraum, in Zentralasien und in Indien heimisch ist. Als Arzneidroge dienen seine reifen, getrockneten Früchte – Agni casti fructus [2]. Sein lateinischer Name bedeutet «keusches Lamm» und verrät die Verwendung im Mittelalter: Die Früchte sehen Pfefferkörnern ähnlich und schmecken auch so, weshalb Mönche den teuren Pfeffer damit ersetzten. Dem Keuschlamm wurde damals nachgesagt, es dämpfe den Geschlechtstrieb. Was ist Mönchspfeffer? Mit einem Keuschheitsgelübde hat der Einsatz heute nichts mehr zu tun. Verarbeitet werden die Früchte zu einem standardisierten ethanolischen Trockenextrakt; Blätter und andere Pflanzenteile werden kaum eingesetzt [2]. Im Handel sind Filmtabletten und Tropfen. Als Tee gibt es kein zugelassenes Präparat – untersucht und zugelassen sind die standardisierten Extrakte. Ein zugelassenes Schweizer Präparat enthält 20 Milligramm Mönchspfefferfrüchte-Trockenextrakt pro Tablette. Empfohlen ist eine Tablette täglich, unabhängig von den Mahlzeiten, über mindestens drei Monate [1]. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA nennt dieselbe Tagesdosis und dieselbe Mindestdauer. Eingenommen wird durchgehend, auch während der Regelblutung [2]. Mönchspfeffer wirkt also nicht von heute auf morgen. Wofür Mönchspfeffer zugelassen ist – und wofür nicht Hier trennen sich Versprechen und Zulassung. In der Schweiz ist Mönchspfeffer bei prämenstruellem Syndrom und bei menstruellen Zyklusstörungen zugelassen [1]. Kinderwunsch und Unfruchtbarkeit stehen nicht auf dieser Liste. In der Fachliteratur werden zwar weitere Anwendungsgebiete genannt – Gelbkörperschwäche, erhöhtes Prolaktin, ausbleibende Regel, Wechseljahrbeschwerden, Unfruchtbarkeit –, doch dafür ist Mönchspfeffer in der Schweiz behördlich nicht zugelassen [2]. Die EMA ist noch strenger. Ihre Monografie führt für den Trockenextrakt nur eine einzige Anwendung mit belegter Wirksamkeit auf: das prämenstruelle Syndrom [3]. Zur Fruchtbarkeit hält sie in einem Satz fest, dass keine Daten vorliegen [3]. Auch für Brustspannen, Zyklusstörungen und Akne reichten der Behörde die Studien nicht [4] – und die einzige kontrollierte Studie zur Gelbkörperschwäche verwarfen ihre Gutachter, weil das Testverfahren fragwürdig sei. Das heisst nicht, dass Mönchspfeffer nichts kann. Es heisst: Die belegte Wirkung liegt beim Zyklus, nicht bei der Fruchtbarkeit. Wer wegen Zyklusstörungen behandelt wird und sich ein Kind wünscht, bewegt sich im zugelassenen Rahmen. Wer ein Mittel gegen Unfruchtbarkeit sucht, nicht. Wirkung von Mönchspfeffer bei Kinderwunsch Hinter dem Einsatz steht eine nachvollziehbare Überlegung. Mönchspfeffer bindet an Dopamin-D2-Rezeptoren, senkt darüber den Prolaktinspiegel und normalisiert die Ausschüttung der Hormone FSH und LH [2]. Vollständig aufgeklärt ist der Wirkmechanismus nicht; diskutiert werden auch Effekte an Östrogen-, Histamin- und Opioid-Rezeptoren. Prolaktin wird vor allem in der Schwangerschaft und in der Stillzeit gebildet und sorgt für die Milchproduktion. Ein erhöhter Wert kann aber auch ausserhalb dieser Zeit auftreten – etwa bei einer Schilddrüsenfehlfunktion oder bei viel Stress. Zu viel Prolaktin kann bei Frauen dazu führen, dass die Regel ausbleibt, und gilt als möglicher Grund für Unfruchtbarkeit [4]. Der Eisprung ist dann gestört oder bleibt aus, und der Zyklus gerät aus dem Takt. Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann zudem zu einem Mangel an Progesteron führen, dem Gelbkörperhormon. Bei einer solchen Gelbkörperschwäche ist die zweite Zyklushälfte verkürzt und der Progesteronwert im Blut zu tief – eine mögliche Ursache für ungewollte Kinderlosigkeit. Genau hier setzt die Hoffnung an, Mönchspfeffer könne indirekt beim Schwangerwerden helfen. Diese Kette ist plausibel, aber nicht belegt: Die einzige kontrollierte Studie dazu hat die EMA als nicht tragfähig beurteilt [4]. Gut belegt ist dagegen die Anwendung beim prämenstruellen Syndrom (PMS): körperliche und emotionale Beschwerden in den Tagen vor der Regel. Dafür stuft die EMA die Wirksamkeit des Trockenextrakts als wissenschaftlich belegt ein [3], und dafür ist Mönchspfeffer auch in der Schweiz zugelassen. Wann dein Kinderwunsch in eine Abklärung gehört Mönchspfeffer ersetzt keine Abklärung – und Selbstbehandlung kostet Zeit, die bei einem Kinderwunsch knapp sein kann. Das Universitätsspital Zürich empfiehlt, spätestens nach zwölf Monaten ohne Eintritt einer Schwangerschaft eine Kinderwunsch-Sprechstunde aufzusuchen. Paaren über 35 Jahren rät es ausdrücklich früher dazu [5]. Auch hinter Zyklusstörungen kann eine behandlungsbedürftige Ursache stecken. Sprich deshalb mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du zu Mönchspfeffer greifst: Die Praxis kann den Prolaktinwert messen, die Schilddrüse prüfen und ausschliessen, dass etwas anderes dahintersteckt. Warum es manchmal nicht klappt, liest du in unserem Überblick zu unerfülltem Kinderwunsch. Und wenn dich das Warten seelisch belastet, findest du hier Anlaufstellen in der Schweiz. Kraut mit Nebenwirkungen Auch ein pflanzliches Arzneimittel ist ein Arzneimittel. Unerwünschte Wirkungen treten selten auf und vor allem zu Beginn der Behandlung – nicht erst bei zu hoher Dosierung [2]. Beschrieben sind Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Akne, allergische Hautreaktionen wie Ausschlag und Nesselfieber sowie Zyklusstörungen [3]. Selten kommt es zu schweren allergischen Reaktionen mit Schwellungen im Gesicht sowie Atem- und Schluckbeschwerden. Wie häufig das vorkommt, ist nicht bekannt. Bei Hautausschlag und Juckreiz muss die Behandlung abgebrochen werden [2]. Bei Schwellungen im Gesicht, Atemnot oder Schluckbeschwerden brauchst du sofort ärztliche Hilfe. Nicht einnehmen solltest du Mönchspfeffer [2][3]: bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff; in der Schwangerschaft. Wird der Schwangerschaftstest positiv, setz das Präparat ab und besprich das weitere Vorgehen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt; in der Stillzeit – ausser auf ärztlichen Rat –, weil Mönchspfeffer die Milchbildung beeinflussen kann [1]. Vorher ärztlich abklären lassen solltest du die Einnahme [3]: wenn du an einer östrogenempfindlichen Krebserkrankung leidest oder gelitten hast; wenn du Dopamin-Agonisten oder Dopamin-Antagonisten einnimmst – sie können die Wirkung von Mönchspfeffer verstärken oder aufheben [2]; wenn du Östrogene oder Antiöstrogene einnimmst, wozu auch östrogenhaltige Verhütungsmittel zählen; wenn eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse bekannt ist. Bei einem prolaktinbildenden Tumor kann Mönchspfeffer die Symptome verdecken. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die Anwendung mangels Daten nicht untersucht [3]. Und was ist mit der sexuellen Unlust, die schon den Mönchen zugeschrieben wurde? Diese Vorstellung stammt aus der Antike: Den zerstossenen Samen wurde als Trank eine triebdämpfende Wirkung nachgesagt [4]. In den heutigen Aufstellungen der unerwünschten Wirkungen taucht sie nicht auf [2][3]. Mönchspfeffer ist kein Wundermittel. Bei Zyklusbeschwerden ist es eine ernst zu nehmende Option mit Zulassung – als Ersatz für eine Hormontherapie bei Kinderwunsch ist es nicht gedacht. Diesen Kräutern wird ebenfalls eine unterstützende Wirkung bei Kinderwunsch nachgesagt: Himbeerblätter werden in der ersten Zyklushälfte als Tee getrunken und sollen die Östrogenproduktion anregen Frauenmantel soll regulierend auf einen unregelmässigen Zyklus und die Gelbkörperphase wirken Falsches Einkorn soll die Bildung von Follikeln unterstützen «Nachgesagt» ist hier wörtlich zu nehmen: Das ist überliefertes Erfahrungswissen, keine geprüfte Wirkung, und für keines dieser Kräuter gibt es ein bei Kinderwunsch zugelassenes Schweizer Arzneimittel. Sprich auch pflanzliche Mittel in deiner Praxis an – mehr dazu in unserem Beitrag über Hormone aus Pflanzen. Quellen Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Prefemin Filmtabletten (zugelassene Indikation «Prämenstruelles Syndrom, menstruelle Zyklusstörungen», Dosierung 20 mg Trockenextrakt täglich über mindestens drei Monate, Kontraindikation Stillzeit; abgerufen am 11.08.2026) PharmaWiki: Mönchspfeffer (Arzneidroge, Wirkmechanismus, Anwendungsgebiete und fehlende Zulassung bei Unfruchtbarkeit, Kontraindikationen, Interaktionen, unerwünschte Wirkungen; abgerufen am 11.08.2026) European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products: European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus (EU-Monografie, Revision 1; Indikation, Dosierung, Warnhinweise, Schwangerschaft und Stillzeit, unerwünschte Wirkungen; abgerufen am 11.08.2026) European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products: Assessment report on Vitex agnus-castus L., fructus (Bewertung der Studienlage zu Gelbkörperschwäche, Brustspannen, Zyklusstörungen und Akne; abgerufen am 11.08.2026) Universitätsspital Zürich, Universitäres Kinderwunschzentrum: Die häufigsten Fragen rund um die Kinderwunschbehandlung (Empfehlung, spätestens nach zwölf Monaten eine Sprechstunde aufzusuchen, über 35 Jahren früher; abgerufen am 11.08.2026)