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Claudia Lässer über Familie und Karriere: «Man muss eine Familie haben, die mitmacht»

Wie bringst du Familie und Karriere unter einen Hut? Moderatorin Claudia Lässer schien beides souverän zu meistern: eine kleine Tochter, dazu ein 80-Prozent-Pensum als Programmchefin bei Teleclub. Doch ist es wirklich so einfach? Wir haben im April 2016 nachgefragt.

Zum Zeitbezug: Dieses Gespräch führten wir im April 2016. Alle Angaben zu Claudia Lässers Arbeitssituation, ihrer Tochter und ihren Projekten geben den damaligen Stand wieder – wir haben sie bewusst nicht aktualisiert. Die Abschnitte im zweiten Teil sind neuer und als redaktionelle Einordnung gekennzeichnet.

Claudia Lässer spricht über Familie und Karriere
Claudia Lässer managt Familie und Karriere.

Claudia Lässer, das Wort Langeweile kennen Sie nicht: Teleclub, FacesStudio, Move2Fit. Wie viele Jobs haben Sie?

Claudia Lässer: Privat bin ich Mami und Partnerin. Meine berufliche Hauptbeschäftigung ist  Programmchefin bei Teleclub. FacesStudio drehen wir zwei Mal pro Jahr, das kann man nicht unbedingt als Job sehen. Es ist einfach eine grosse Herzensangelegenheit. Die Sendung ist auch ein bisschen mein Baby, eine zweite grosse Liebe neben dem Sport bei Teleclub.

Sie haben eine Tochter. Wie bringen Sie Familie und Karriere unter einen Hut?

Da wäre sicher mal eine gute Planung. Und dann ist es so, dass ich beides klar voneinander trenne: entweder arbeite ich oder ich bin Mami. Das ist eines meiner wichtigsten Rezepte, damit ich keinen Stress habe. Wenn ich arbeite, ist Linn bei meiner Mutter, in der Kita oder bei meinem Partner, der ebenfalls 80% arbeitet.

Hatten Sie nie Angst Karriere und Familie gleichzeitig zu managen?

Es ist sicher immer eine Herausforderung. Es ist ein stetiger Prozess und wir müssen immer wieder schauen, wie es für alle stimmt. Ich sage nicht, dass es in der Schweiz einfach ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Man muss eine Familie haben, die mitmacht. Ich habe das grosse Glück, dass ich einen Partner habe, der ebenfalls bereit ist, einen aktiven Teil in der Erziehung zu übernehmen und das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Meine Eltern haben immer gesagt, sie unterstützen mich und meine Familie. Dann geht das, sonst ist es ganz schwer.

In einem Interview haben Sie gesagt, mit ihrer Tochter Linn kommen Sie zur Ruhe. Was verstehen Sie unter Ruhe? Mit einem Kind gibt es die ja nicht wirklich.

(lacht). Das Schönste mit Linn ist, dass ich achtsam bin. Sie schafft es, dass ich mich nur auf sie konzentriere. Ich komme mit ihr zur Ruhe, weil sie sich mit sehr viel Leidenschaft Dingen widmen kann. Egal ob es Steine stapeln ist oder das Malen von «Sünnelis», alles andere spielt dann in diesem Moment keine Rolle mehr. Auch sind wir viel in der Natur unterwegs, das gibt mir ebenfalls einen Ausgleich.

Linn hat Ihr Leben positiv verändert?

Total. Sie ist für mich ein riesen Gewinn auf allen Ebenen. Ich erlebe die Liebe in einer ganz neuen Form, das ist nochmals eine neue und andere Dimension zur partnerschaftlichen Liebe. Gleichzeitig hat sie auch mir viel geschenkt. Ich würde sonst kaum um 17 Uhr Feierabend machen und mit ihr in den Park gehen, um Enten zu füttern. Das hat eine spezielle Qualität und das Leben fühlt sich voller an.

Claudia Lässer und ihre Tochter Linn
Tochter Linn bringt Claudia Lässer zur Ruhe. Foto: Claudia Lässer

Neben Kind und Karriere kommt bei Ihnen auch die Fitness nicht zu kurz. Mit Move2Fit möchten Sie auch andere dazu motivieren. Was raten Sie Mamis, die keine Zeit fürs Fitnessstudio haben?

Es ist entscheidend, dass man es in seinen Alltag einbaut. Ich trainiere häufig zuhause mit einem 15-minütigen Move2Fit Workout Programm. Das ist kurz, dafür aber effizient. Oft kann ich meine Tochter in die Übungen integrieren, zum Beispiel wenn ich Quads mache, dann hebe ich sie als Gewicht. Oder sie kann daneben spielen. So muss ich sie nicht abgeben, sondern kann gemeinsam mit ihr etwas machen.

Also ist ihre Tochter auch schon recht aktiv?

Mein Papi hat erst gestern Abend gesagt, dass sie schon einige «Müskelis» hat. Seit sie laufen kann tanzt sie, weil sie mich häufig tanzen sieht und versucht bereits eine kleine Form von Liegestützen. Sie kann nur schwer still sitzen und hat einfach Spass an der Bewegung. Bei ihr sehe ich: Wenn sich die Eltern gerne und lustvoll bewegen, dann übernimmt das auch das Kind. 

Mal ehrlich: Sehen Sie privat auch immer elegant aus?

Nein gar nicht. Ich erlebe es das Leute sagen: Im Fernsehen siehst du aber anders aus. Privat laufe ich gerne mit Jeans und Hoody oder Shirt herum. Ich brauche keine Schminke und trage die Haare gerne zusammengebunden. Häufig darf ich in der Maske sitzen, bin aber froh, dass ich es zuhause nicht so machen muss. Mein Partner erwartet mich auch nicht top gestylt und in Highheels. Privat und mit Kind muss es bequem sein. Ich muss mich in meinen Kleidern bewegen können. 

Sie scheinen in Ihrem Leben angekommen zu sein, haben Sie noch Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir das höchste Gut im Leben, dass man glücklich ist, mit dem was man macht. Ich möchte im Beruf meine Leidenschaft ausleben können, es soll kein müssen sein. Ich hatte immer das Glück, das es so ist. Für die Zukunft wünsche ich mir: eine harmonische Familie, wo man einander gerne hat und wertschätzt und dass alle gesund sind. Das andere ergibt sich dann.

Zur Person Claudia Lässer

Moderatorin Claudia Lässer

Stand: April 2016. Ihre Laufbahn startete sie 2000 bei StarTV, wo sie das Kinder- und Jugendprogramm aufbaute. 2007 gründete sie das Unternehmen Claudia Lässer Productions und Trendscout GmbH. In diesem Rahmen produzierte sie diverse TV-Formate, unter anderem FacesStudio in ProSieben Schweiz. FacesStudio war das Schweizer Stylingformat für die junge Modegeneration und ging 2016 in die siebte Staffel. Bei Teleclub war Claudia Lässer ab 2012 Programmchefin. Nebenbei hat sie das interaktive Fitness-Projekt «move2fit» entwickelt.

Interview: Evelyn Leemann im April 2016

Einordnung: Was dieses Gespräch zeigt – und was nicht

Claudia Lässer beschreibt einen Alltag, der funktioniert: ein 80-Prozent-Pensum, ein Partner mit ebenfalls 80 Prozent, die eigene Mutter, eine Kita. Das ist eine Ausgangslage mit viel Spielraum – und sie sagt es im Interview selbst: «Ich sage nicht, dass es in der Schweiz einfach ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Man muss eine Familie haben, die mitmacht.»

Genau da liegt die Grenze dieses Textes. Vereinbarkeit ist in der Schweiz nicht in erster Linie eine Frage der richtigen Technik, sondern der Rahmenbedingungen. Das Bundesamt für Statistik hält fest: Mütter sind mehrheitlich Teilzeit erwerbstätig, meist mit einem Pensum zwischen 50 und 89 Prozent, Väter dagegen meist Vollzeit – «somit geht die Organisation der Vereinbarkeit oft zu Lasten der Mütter» [1]. Wenn dir also etwas nicht gelingt, was hier leicht aussieht, liegt das selten an dir. Was sich trotzdem beeinflussen lässt, haben wir im Überblick zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bei den Teilzeitmodellen, die funktionieren, zusammengetragen.

5 Learnings aus dem Gespräch – redaktionell eingeordnet

Die folgenden fünf Punkte sind unsere Lesart, nicht Claudia Lässers Ratschläge. Wo sie im Interview etwas dazu gesagt hat, zitieren wir sie wörtlich. Alles Weitere ist redaktionelle Ergänzung und geht nicht auf sie zurück.

1) Trennen, was du trennen kannst: Fokus statt Dauerstress

Aus dem Interview: «Entweder arbeite ich oder ich bin Mami. Das ist eines meiner wichtigsten Rezepte, damit ich keinen Stress habe.»

Im Kern ist das ein Fokus-Prinzip. Viele Eltern erleben Stress, wenn sie gleichzeitig mental in zwei Welten sind: E-Mails auf dem Spielplatz, To-do-Listen beim Znacht. Du kannst dir kleine, realistische Grenzen setzen – zum Beispiel fixe Check-in-Zeiten für die Arbeit und bewusste Offline-Zeiten mit deinem Kind. Das funktioniert allerdings nur so weit, wie dein Job diese Trennung zulässt. Wo er sie zulässt, nimmt es dem Tag das Gefühl, dauernd «hinten nach» zu sein.

2) Planung, die entlastet: ein Familienkalender für alle

Aus dem Interview: Auf die Frage, wie sie beides unter einen Hut bringe, antwortete sie zuerst: «Da wäre sicher mal eine gute Planung.» Mehr sagte sie dazu nicht – der folgende Vorschlag ist unserer.

Ein gemeinsamer Kalender, digital oder an der Küchenwand, ist kein Büro-Tool, sondern ein Entlastungsinstrument. Hilfreich wird er, wenn nicht nur Termine drinstehen, sondern auch Zuständigkeiten: Wer bringt? Wer holt? Wer kocht? Wer übernimmt den Termin beim Kinderarzt? So wird sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt – und damit überhaupt erst verteilbar.

3) Betreuung ist ein Netz, kein «Abgeben»

Aus dem Interview: «Wenn ich arbeite, ist Linn bei meiner Mutter, in der Kita oder bei meinem Partner, der ebenfalls 80% arbeitet.» Über ein schlechtes Gewissen sprach Claudia Lässer nicht – das Thema bringen wir ein, weil es viele Eltern beschäftigt.

Wer Betreuung organisiert, gibt sein Kind nicht ab, sondern baut ein Netz. Woran sich die Qualität dieses Netzes fachlich messen lässt, beschreibt für die Schweiz der «Orientierungsrahmen für Bildung und Betreuung von Kindern»: Er formuliert fachliche Grundlagen, Leitprinzipien und Impulse für die pädagogische Qualität in Angeboten im Frühbereich und in der schulergänzenden Betreuung [2]. Welche Betreuungsform zu euch passt, ist eine Frage für sich – wir vergleichen sie in der Übersicht zur Kinderbetreuung in der Schweiz.

4) Selbstfürsorge in machbaren Portionen

Aus dem Interview: «Ich trainiere häufig zuhause mit einem 15-minütigen Move2Fit Workout Programm. Das ist kurz, dafür aber effizient.»

Kurze Einheiten sind nicht «zu wenig». Sie sind oft das, was im Elternalltag überhaupt gelingt. Die Schweizer Bewegungsempfehlungen des Netzwerks hepa.ch nennen für Erwachsene mindestens 150 bis 300 Minuten ausdauerorientierte Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität, dazu mindestens zweimal wöchentlich muskelkräftigende Übungen [3]. Ausdrücklich gilt dort: Jede Bewegung zählt [3]. Es muss also nicht das Stück am Abend sein – Treppen statt Lift, ein zügiger Spaziergang, zehn bis fünfzehn Minuten Krafttraining zuhause.

5) Rituale statt Perfektion: kleine Anker machen den Unterschied

Aus dem Interview: «Ich würde sonst kaum um 17 Uhr Feierabend machen und mit ihr in den Park gehen, um Enten zu füttern.» Das Wort «Ritual» benutzt sie nicht – die Deutung ist unsere.

Auffallend an diesem Bild ist, wie klein der Anlass ist. Ein Mini-Ritual reicht oft: jeden Abend zehn Minuten vorlesen, ein kurzer Spaziergang, immer dieselbe Reihenfolge beim Zubettgehen. Wiederholungen machen den Ablauf vorhersehbar, das erspart einen Teil der täglichen Aushandlung. Und sie hängen nicht davon ab, ob der Tag sonst gut gelaufen ist.

Mental Load & Rollenklärung in der Partnerschaft

Ein Satz aus dem Interview trägt weiter als der Rest: «Ich habe das grosse Glück, dass ich einen Partner habe, der ebenfalls bereit ist, einen aktiven Teil in der Erziehung zu übernehmen und das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich.» Dass ein mittragender Partner als Glück beschrieben wird und nicht als Normalfall, sagt einiges über die Ausgangslage vieler Familien.

Die Zahlen dazu sind deutlich: 2024 kamen Frauen zwischen 25 und 64 Jahren in der Schweiz auf eine zeitliche Gesamtbelastung von 61,1 Stunden pro Woche für bezahlte und unbezahlte Arbeit, Männer derselben Altersklasse auf 57,8 Stunden. Frauen wendeten 62 Prozent dieser Zeit für unbezahlte Tätigkeiten auf, Männer 42 Prozent [4]. Was in solchen Statistiken gar nicht auftaucht, ist das Planen, Erinnern und Koordinieren im Hintergrund – dafür hat sich der Begriff Mental Load eingebürgert. Wie ihr diesen Teil konkret sichtbar macht und aufteilt, zeigt unsere Checkliste zum Mental Load.

Eine «Wochensitzung» von 15 Minuten, die praktikabel ist

  • Was steht an? Termine, Schule oder Kita, Arzt, Geburtstage, Deadlines.
  • Was braucht Vorbereitung? Znüni, Sportzeug, Geschenke, Fahrdienste.
  • Wer ist verantwortlich – nicht nur «hilft»? Eine Person übernimmt je Bereich die Zuständigkeit.
  • Wo ist die Belastungsgrenze? Jede Person nennt ein bis zwei Dinge, die diese Woche zu viel sind. Dann wird gestrichen oder vereinfacht.

Aufgabeninventar: sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleibt

Schreibt gemeinsam alle wiederkehrenden Familienaufgaben auf: Haushalt, Kinderkleider, Kinderarzt, Kita-Kommunikation, Geschenke, Ferienplanung. Danach teilt ihr nicht nur die Ausführung, sondern auch die Verantwortung für Planung und Kontrolle. Das ist meist der Schritt, der am meisten verändert – und der, an dem es am ehesten hakt.

Quellen

  1. Bundesamt für Statistik (BFS): Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Abgerufen am 7. August 2026.
  2. Alliance Enfance: Orientierungsrahmen für Bildung und Betreuung von Kindern. Abgerufen am 7. August 2026.
  3. Bundesamt für Sport BASPO / Netzwerk hepa.ch: Bewegungsempfehlungen – Booklet Erwachsene (PDF, 2023). Abgerufen am 7. August 2026.
  4. Bundesamt für Statistik (BFS): Unbezahlte Arbeit 2024, Medienmitteilung vom 4. Juni 2025. Abgerufen am 7. August 2026.

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