Leben > Arbeit & FamilieClaudia Lässer: Wie die Moderatorin Familie und Karriere vereinbartWie soll man Familie und Karriere unter einen Hut bringen? Moderatorin Claudia Lässer scheint beides souverän zu meistern. Sie hat eine kleine Tochter und arbeitet 80 Prozent als Programmchefin bei Teleclub. Doch ist es wirklich so einfach? Wir wollten es genau wissen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Claudia Lässer managt Familie und Karriere. Claudia Lässer, das Wort Langeweile kennen Sie nicht: Teleclub, FacesStudio, Move2Fit. Wie viele Jobs haben Sie? Claudia Lässer: Privat bin ich Mami und Partnerin. Meine berufliche Hauptbeschäftigung ist Programmchefin bei Teleclub. FacesStudio drehen wir zwei Mal pro Jahr, das kann man nicht unbedingt als Job sehen. Es ist einfach eine grosse Herzensangelegenheit. Die Sendung ist auch ein bisschen mein Baby, eine zweite grosse Liebe neben dem Sport bei Teleclub. Sie haben eine Tochter. Wie bringen Sie Familie und Karriere unter einen Hut? Da wäre sicher mal eine gute Planung. Und dann ist es so, dass ich beides klar voneinander trenne: entweder arbeite ich oder ich bin Mami. Das ist eines meiner wichtigsten Rezepte, damit ich keinen Stress habe. Wenn ich arbeite, ist Linn bei meiner Mutter, in der Kita oder bei meinem Partner, der ebenfalls 80% arbeitet. Hatten Sie nie Angst Karriere und Familie gleichzeitig zu managen? Es ist sicher immer eine Herausforderung. Es ist ein stetiger Prozess und wir müssen immer wieder schauen, wie es für alle stimmt. Ich sage nicht, dass es in der Schweiz einfach ist, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Man muss eine Familie haben, die mitmacht. Ich habe das grosse Glück, dass ich einen Partner habe, der ebenfalls bereit ist, einen aktiven Teil in der Erziehung zu übernehmen und das ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Meine Eltern haben immer gesagt, sie unterstützen mich und meine Familie. Dann geht das, sonst ist es ganz schwer. In einem Interview haben Sie gesagt, mit ihrer Tochter Linn kommen Sie zur Ruhe. Was verstehen Sie unter Ruhe? Mit einem Kind gibt es die ja nicht wirklich. (lacht). Das Schönste mit Linn ist, dass ich achtsam bin. Sie schafft es, dass ich mich nur auf sie konzentriere. Ich komme mit ihr zur Ruhe, weil sie sich mit sehr viel Leidenschaft Dingen widmen kann. Egal ob es Steine stapeln ist oder das Malen von «Sünnelis», alles andere spielt dann in diesem Moment keine Rolle mehr. Auch sind wir viel in der Natur unterwegs, das gibt mir ebenfalls einen Ausgleich. Linn hat Ihr Leben positiv verändert? Total. Sie ist für mich ein riesen Gewinn auf allen Ebenen. Ich erlebe die Liebe in einer ganz neuen Form, das ist nochmals eine neue und andere Dimension zur partnerschaftlichen Liebe. Gleichzeitig hat sie auch mir viel geschenkt. Ich würde sonst kaum um 17 Uhr Feierabend machen und mit ihr in den Park gehen, um Enten zu füttern. Das hat eine spezielle Qualität und das Leben fühlt sich voller an. Tochter Linn bringt Claudia Lässer zur Ruhe. Foto: Claudia Lässer Neben Kind und Karriere kommt bei Ihnen auch die Fitness nicht zu kurz. Mit Move2Fit möchten Sie auch andere dazu motivieren. Was raten Sie Mamis, die keine Zeit fürs Fitnessstudio haben? Es ist entscheidend, dass man es in seinen Alltag einbaut. Ich trainiere häufig zuhause mit einem 15-minütigen Move2Fit Workout Programm. Das ist kurz, dafür aber effizient. Oft kann ich meine Tochter in die Übungen integrieren, zum Beispiel wenn ich Quads mache, dann hebe ich sie als Gewicht. Oder sie kann daneben spielen. So muss ich sie nicht abgeben, sondern kann gemeinsam mit ihr etwas machen. Also ist ihre Tochter auch schon recht aktiv? Mein Papi hat erst gestern Abend gesagt, dass sie schon einige «Müskelis» hat. Seit sie laufen kann tanzt sie, weil sie mich häufig tanzen sieht und versucht bereits eine kleine Form von Liegestützen. Sie kann nur schwer still sitzen und hat einfach Spass an der Bewegung. Bei ihr sehe ich: Wenn sich die Eltern gerne und lustvoll bewegen, dann übernimmt das auch das Kind. Mal ehrlich: Sehen Sie privat auch immer elegant aus? Nein gar nicht. Ich erlebe es das Leute sagen: Im Fernsehen siehst du aber anders aus. Privat laufe ich gerne mit Jeans und Hoody oder Shirt herum. Ich brauche keine Schminke und trage die Haare gerne zusammengebunden. Häufig darf ich in der Maske sitzen, bin aber froh, dass ich es zuhause nicht so machen muss. Mein Partner erwartet mich auch nicht top gestylt und in Highheels. Privat und mit Kind muss es bequem sein. Ich muss mich in meinen Kleidern bewegen können. Sie scheinen in Ihrem Leben angekommen zu sein, haben Sie noch Wünsche für die Zukunft? Ich wünsche mir das höchste Gut im Leben, dass man glücklich ist, mit dem was man macht. Ich möchte im Beruf meine Leidenschaft ausleben können, es soll kein müssen sein. Ich hatte immer das Glück, das es so ist. Für die Zukunft wünsche ich mir: eine harmonische Familie, wo man einander gerne hat und wertschätzt und dass alle gesund sind. Das andere ergibt sich dann. Zur Person Claudia Lässer Ihre Laufbahn startet sie 2000 bei StarTV, wo sie das Kinder- und Jugendprogramm aufbaute. 2007 gründete sie das Unternehmen Claudia Lässer Productions und Trendscout GmbH. In diesem Rahmen produziert sie diverse TV-Formate unter anderem FacesStudio in ProSieben Schweiz. FacesStudio ist das Schweizer Stylingformat für die junge Modegeneration und geht in diesem Jahr bereits in die siebte Staffel. Bei Teleclub ist Claudia Lässer seit 2012 Programmchefin. Nebenbei hat sie auch das interaktive Fitness-Projekt «move2fit» entwickelt. Interview: Evelyn Leemann im April 2016 5 Learnings aus ihrem Alltag – übertragbar auf dich 1) Trennen, was du trennen kannst: Fokus statt Dauerstress Die Idee «entweder arbeite ich oder ich bin Mami» ist im Kern ein Fokus-Prinzip. Viele Eltern erleben Stress, wenn sie gleichzeitig mental in zwei Welten sind (E-Mails im Spielplatz, To-do-Listen beim Znacht). Du kannst dir kleine, realistische Grenzen setzen: zum Beispiel fixe Check-in-Zeiten für Arbeit und bewusste Offline-Zeiten mit deinem Kind. Das ist keine Garantie für Ruhe, aber es reduziert das Gefühl, dauernd «hinten nach» zu sein. 2) Planung, die wirklich entlastet: ein Familienkalender für alle Ein gemeinsamer Kalender (digital oder analog) ist kein Büro-Tool, sondern ein Familien-Entlastungsinstrument. Hilfreich ist, wenn nicht nur Termine drinstehen, sondern auch Verantwortungen: Wer bringt? Wer holt? Wer kocht? Wer hat Kinderarzt? So wird Unsichtbares sichtbar – und damit fairer verteilbar. 3) Delegieren ohne schlechtes Gewissen: Betreuung ist Beziehung, nicht «Abgeben» Im Interview ist Betreuung ein Netzwerk (Familie, Kita, Partner). Viele Eltern ringen innerlich damit, ob Fremdbetreuung «schadet». Die Forschungslage im deutschsprachigen Raum betont vor allem: Entscheidend ist die Qualität der Betreuung und die sichere Bindung zuhause. Laut Deutscher Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), 2023, ist eine verlässliche, feinfühlige Bezugsperson zentral – und Kinder können mehrere stabile Bindungen aufbauen. 4) Selbstfürsorge als Minimum: Bewegung in machbaren Portionen Kurze Workouts sind nicht «zu wenig» – sie sind oft das, was im Elternalltag überhaupt gelingt. Für Erwachsene empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2020, pro Woche mindestens 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität (oder 75 Minuten intensiv) plus Muskelstärkung an mindestens zwei Tagen. Wenn du das nicht am Stück schaffst: Auch mehrere kurze Einheiten zählen. Wichtig ist, dass du etwas findest, das zu deinem Alltag passt (Treppen, zügiger Spaziergang, 10–15 Minuten Krafttraining zuhause). 5) Rituale statt Perfektion: kleine Anker machen den Unterschied Das Bild vom Feierabend im Park zeigt etwas, das Eltern oft unterschätzen: Kinder erinnern sich selten an das perfekte Programm, aber sehr an Wiederholungen, die Sicherheit geben. Das kann ein Mini-Ritual sein (z.B. jeden Abend 10 Minuten Vorlesen oder ein kurzer Spaziergang). Rituale reduzieren Diskussionen, weil der Ablauf klar ist – und sie stärken die Beziehung auch dann, wenn der Tag sonst anstrengend war. Mental Load & Rollenklärung in der Partnerschaft Im Interview wird deutlich: Es funktioniert besser, wenn beide einen aktiven Teil übernehmen. Viele Paare erleben jedoch, dass nicht nur die Aufgaben ungleich verteilt sind, sondern auch das Planen, Erinnern und Organisieren – also Mental Load. Das Thema ist wissenschaftlich gut beschrieben: Wenn eine Person dauerhaft die «Projektleitung Familie» übernimmt, steigt das Risiko für Erschöpfung, Gereiztheit und Konflikte. Eine «Wochensitzung» (15 Minuten), die wirklich praktikabel ist Was steht an? Termine, Schule/Kita, Arzt, Geburtstage, Deadlines. Was braucht Vorbereitung? Znüni, Sportzeug, Geschenke, Fahrdienste. Wer ist verantwortlich (nicht nur «hilft»)? Eine Person hat Ownership je Bereich. Wo ist die Belastungsgrenze? Jede Person nennt 1–2 Dinge, die diese Woche zu viel sind. Dann wird gestrichen oder vereinfacht. Aufgabeninventar: Sichtbar machen, was sonst unsichtbar bleibt Schreib gemeinsam alle wiederkehrenden Familienaufgaben auf (Haushalt, Kinderkleider, Kinderarzt, Kita-Kommunikation, Geschenke, Ferienplanung). Dann teilt ihr nicht nur «die Ausführung», sondern auch die Verantwortung für Planung und Kontrolle. Das ist oft der Schritt, der sich für viele Eltern am fairsten anfühlt.